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Full text of "Schumann Gesammelte Schriften 1854 B4"

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©efammelte Triften 

über 

ittufth «ni> üttttfiker 



Werter ©anb. 



® eorg 



1854. 



98 erlag. 



18 4 1. 

Dtatorienmuftf : 1) „$ie 3erftötunfl 3etufateml" ton $. Rittet. 2) „$et 
Ötlcfa" ton 3* 9- 6. Soboletolfy. — «Reue Sonaten füt «JManoforte. — 
Ofotai fut <ßianoforte. — 6. £$a(oerg. — Äürjere Stücfe für ^iano» 
forte. — Ue&et einige corrumpitte Steden in ctafßföen ©etten. — Die 
ttoonnementconcerte in fieipjig 1840—41. 



IV. 1 



31 e u c flratonen. 



i. 

f ertinanft filier, 
*te Bccflarung JtntfaUm*. ©ratorium nad) der 
^eiligen 6d)rift tum Dr. 6tetnf)eim. 

©et! 24. 

93on ber 2lufful)rung biefeä SBerfeS in Setyjig , fcon 
bem günfHgen Srfotge, ben fte gehabt, berichtete bie 
3eitfätift fdjon unb fyrad) ben SBunfd) nad) balbiger 
93eröffentlid)ung au$ , ber balb barauf in (Erfüllung ge* 
gangen* Sinnen «Jturjem foH aud) nod) bie Partitur 
folgen* 

2)ie ouffoöenbe @rfd)einung, baj* jtd) in neuerer 
3eit &iefe jüngere (Somponifien ber Äirdjenmujif mit 
SSorliebe jmoenben, iji fd)on &on Slnberen bemerft toox* 
ben* 2)er ©rfolg, ben SDienbetöfo^n'^ *ßaulu$ gehabt, 
fdjeint große Urfad)e baran ju fyaben* Siele/ ja bie 
SWeijien werben fid) freiließ tdufäen in Ujren £offmm* 
gen auf gleite ober nur Ä^nlfc^e ©iege* SBoljl nidjt 
bießirdje, nicfyt bie Slrt ber ba^ingel)origen Jhmfigat* 

r 



4 



hing t)at it)n errungen/ eine ©attung, beten $lüt$e 
fd)on Wngji vorüber, fonbern bie bofye Jtunfl bed ein* 
jelnen ÄunßlerS, beut im SßauluS ein SDtetjieroerf ge* 
lungern SBiel tiefer tourjelt j. 95* ba$ SSebürfnif nadj 
einerneuen beutfdjen Dper; trielleid)t, baf audj balb 
hierin ein ftarfer Äunfiler fcorangefyt unb 9tad)eiferung 
unb 3Wuty ertoedt, tt>ie e* 9Äenbel$fo!)n'$ *ßaulu$ für 
bie Äirdjenmujtf gettyam SBie beut fei, toir müffen jebem 
Streben nad) fo ernflem %itl unfere innigfie 9lufmerf* 
fatttfeit jutoenben* 2Ba$ bem Äfinfiler, ber für bie Äirdje 
arbeitet unb ftd) in ben ftrengen formen, bie ifyreSWuftt 
erfyeif d)t, b wegen mufj , aud) *>om Seifalle beä großen 
£aufen$ abgeben mdge, e$ fommt ifym auf anbere 
SQSeife für feine Äunji unb fyunbertfältfg ju gute. 908er 
Äirdjen bauen famt, beut ftnb bann bie Raufet ein 
Seilte*; wer ein Oratorium ju ©taube gebraut, bem 
tt>irb e* in anbeten gönnen bann fptelenb gelingen. 

<S* gibt SSaumeifier, bie tviffen , »a$ fte bauen; 
gef$üfte praftifäje UJWnner, bie ftd) fireng nacfe bem 
9ttf galten, ber fid) itynen fdjon oft jtoedbienlid) eroie* 
fen; nidjt* ift ba »ergeffen, bie Ätrdjent^ur an guter 
©teile, ber ©lodenttyurm an feiner» ©in foldpr tft ber 
alte ©ejfauer SWeifler. <$* gibt anbere, bie ttiffen e* 
aud)* $lber efye fie beginnen, beten fte einen frommen 
©prud), tyr ©eföäft gilt tynen ein ^eilige*, SSon ber 
getotynlidjen 33auatt t>ietleid)t abtoeidjenb, fmnen fte 
toofy aud) auf 9teue£; f leine Spellen entfielen an ben 
Seiten, 3Jtuttergotte*bilber toetben angebracht unb fcer* 



5 



fletfte tteffrmige 3to*at$; rf« folget tfi ber SRetfier 
beS SßautoS* »ad) foldjer 3Reifierfd)aft ringt aud) fein 
greunb gerbinanb filier. 9Rit greube muf man ed be- 
werfen: e* (d)etnt unter einer Stejafyl jüngerer Jtfinfiler 
wie eine fHUfd&weigenbe Uebereinfunft ju beftefyen, bem 
alten <5d)lenbrian mit grünblid)en Saaten entgegen^* 
treten, ein 33üubnif gegen eine gewiffe Klaffe &on 
£anbwerf$muitfera, bic nad) ber <$He contyoniren, 
tyeute eine Äirdjenmujtf, unb morgen für ben SanjfaaL 
©erabe unter ben Ätrdjencomponifien fmb einige $s 
Stuf unb tarnen gefommen, wa$ ber Sladjwelt, wenn 
fie &ergletd)t, baf jur felben 3eit )» 33* nod) SSeetijoben 
lebte unb für bie Äirdje fdjuf , unbegreiflich erfdjeinen 
muf* ; gerabe in ber Äirdjenmujtf $atte jtd) ein füf lid) 
fentimentaler 9lu$bru<f eingefunden, ber etyer jum 
Tempel hinauftrieb, als jur 9lnbad)t erwedte. Sfabere, 
immerhin aber beffere, wie 33* Älein, toerfufyren wieber 
ju trawiftifd), als baf fte Sinflu£ gewinnen fonnten* 
SÄenbelSfofyn aber fyat unter ben Slorbbeutfcfyen jueefi 
wteber auf bie watyre ©pur fytngelenft, auf #änbel unb 
93ad), bie über bie weisen ®übbeutfd)en -JKojatt unb 
#atybn etwas in SSergeffen^eit geraden waren, auf bie 
wahren ©laubenSfyelben unferer Äunfh 3lud} «jptHer'n 
jhtb biefe SJorbilber wofyl befannt, unb Ifift fid) bie« 
ntd)t im (Sinjelnen nacfyweifen, fo bod) an ber ganzen 
würbigen Haltung feines SBerfeS; fein Streben nad> 
fräftigfiem SluSbrud , nad) UebereinfHmmung iwifd)en 
SBort unb Zon, mit einem SBorte nad) Sßafyrtyeit feiner 



SRuftf foridjt baffir* — ®&e toix ju einer furjen Snafyfe 
be$ muftfalifd)en $l)eil$ be$ SBerfe* übergeben, fei nodj 
erfl mit einigen Sotten be$ ZcxM gebaut. 

<g* ifl befannt, baf audj Sötte ein Dratorium glei* 
djen Ramend componirte ; erinnere id) mid) aber re$t, 
fo fdjilbert bie$ bie fyätete 3erfiirung 3erufalem$ burd) 
bie Storner* £iller'$ ifl bie altteftomentlidje burd) 33a* 
b^lon. 3)er 2)id)ter t)at ben Stoff äufjerfi einfad) an* 
gelegt unb gehalten* 211$ ^auptyerfon l)ebt fid) 3ere* 
mta$, ber $ßropl)et, l)ert>or, ber bemÄönig *>on3uba, 
3 ebef ia, ben gaK feine* Steide* pro^egeit 3eremia$ 
wirb be$l)alb in ba$ ©efängnif gebraut, 3uba aber 
f^Ater erobert» 3eremia$ fommt tofeber gum SSorf^ein: 
„bod) uwerloren bleibt 3e^ot>a^ö 93olf ber <5d)lufc 1 
d)or ifl eine Stnrufung be$ #errn aller SSölfer* 2)ie$ ifl 
im Äurjen ber ©ang ber @efd)id)te* 3eremia$ gegen* 
über, ate frteoleS Sßrincty, fietjt (Styamital, bie 
SKutter be$ £6nig$* Der Äönig felbfi ifi eine fd)tt>ad>e 
gigur, bie fid) furd)tfam jn>ifd)en ber -Kutter unb bem 
$ßropl)eten aufjammert 3eremia$ gur Seite fielen nod) 
jroei garte Siebenftguren, 3ld)icam unb £anna* 2)iefe 
fünf ftnb bie einjelnen Sßerfonen be$ Oratorium*» 

2)er (Sfyor gerfätlt in brei t>erfd)febene, in ben ber 
3$raeltten, ber 3)iener ßtWUate unb ber 33abtylomer* 
2)er erße repräfenttrt ba$ i$raelitifd)e SBoff im 2ttlgemei* 
nen unb geigt ftd), burd) 3eremta$' Sßropijejeiung geäng* 
fügt, eben fo fromm, toie fdjtoad) unb leibenb* liefern 
gegenüber fie^t fmgenb unb jubelnb ber ber 2)iener 3*be* 



\ 



7 



fia'*, bie trofc 3eremi«$ in intern SBanbel beharren* 2)er 
dritte enblidj ifl ber fetnblidje ber (gröberer* 

2)te$ wenige genüge, t>om ©anjen, feinen Steilen, 
feinen ©egenfdfcen jt$ ein SJilb ju madjen. S)er $ert 
felbft tft meißen* na$ Korten ber Ijeiligen ©$rift $n< 
fammengefefct* 

golgen wir nnn bem Sontyonifien in fein SBerf* 
SBir wiffen, er tyatte ein 3afyr *>or SSoflenbung biefer 
Arbeit eine Dper auf ber SDtailänber ©cala aufführen 
(äffen. 2)er Sprung vom Sweater in ba$ alte Sefiament 
fd)ten gewagt genug. SBie er ifym geglfidt, jrfgt jidjer 
von grofer ©ewanbtljeit unb ®eijie$frifcl)e* SWan würbe 
fid) »ergebend mütyen, im Dratortum etwa* ju finben, 
toa$ nur entfernt wie italiänifttye «Wufif ausfälle- @* iß 
*in burd)au$ beutfd)e$ SBSerf , »errätty uberall bie guten 
SRußer, bie bem Sompomfien geläufig, überall SJflbung, 
§letf unb ©ewiffenfyaftfgfeit* ©ewäfyrt fdjon ber (Sla* 
*ierau$jug grof e$ 3nteref[e, fo nod) mefyr bie Partitur, 
in ber jtd) ber Scmpomfi aud) al$ gewanbter, geifb 
reifer 3nffrumentator gezeigt <5o begrüßen wir tyn 
benn vorweg al$ einen feiner Aufgabe gewadjfenen, 
tüchtigen unb ad)tung$wertfyen «Rünfiler. 

3n feinen einjelnen Steilen befielt ba$ Oratorium 
au$ (Spören, Duetten unb Urien, bie burd) bie tyerWmm* 
ticken recitattoifdjen ©tye »erbunben finb; jufdmmen 
au$ 47 Stummem* 2)er ©1) oral, als eine 3bee be« 
<5ljrtjientf)um$, ift mit 9ted)t nidjt angewanbt Sine 
JDu&erture fetylt, wogegen nid)t$ emauwenben; bie erfie 



$ 



Stammet beginnt glety mit einem ötyer; unter Y>ieC 
fronet SWujtf gelangen i«ir balb in bie Witte ber »e* 
gefcen^Ae** 9ta$ 3etemiai' er jtan auftreten fefeit und 
fnr) btrauf ber fdtfne Hagenbe (S&ot : „eine ©eete tief 
gezeugt/ bem mit lebhafte äBirfung gleich ber ran« 
fctyenbe ber S)ienet 3ebetta'i folgt 9lud> ber geftotatfö 
toetWent wegen feine« eigenen <&>lott*i tyemrgefyoben 
J« »erben. Der Aönig etfäeint, fd)tt>ermut$t>ofi, bie 
mAi^fie dnfunft für^tenb. 2>aju fiberall treff enbe 2RuftL 
Seremit^ SSarnungen ma$eu nur auf ben &)öt 2Bü* 
tung ^wrtr gittern ob bei ©etyeti JDräuen;" eine Slrie ber 
$anna fotW)t ttJjtenb 3>er folgenbe ©&or „3irael 
bleibt feinem ©otte angetraut" fü^rt biefe €ttsmmtng 
in ber 9Jtajif weiter aui; fo föäfcbar er ali Sßufiff»*, 
f# fy&ttt er jur rafdjeren Sfafeinanbetfolge »trffamer 
wegfallen finnen- 3efrt wirb ber gieinb angefnubigt, 
Sfebnfabnejar, bet immer nif)er fommt. #iet greift )um 
erfknmal S^amital ein, »om <£onqM>mften mit befonbe* 
m Siebe gejettfaet, unb refjt »um SBibetjianb* 6in 
»Ober €$or bringt tnf 3eremiai ein unb broljt tym mit 
bem 2obe. ©eine greunbe fingen in einem weisen 
S)uett nad) bem ©ibelterte: JD n>ar mein $au)>t eine 
^tdnenquelle/ Sine Sforufuug bei #od#en in einem 
feierttyen 6§or befd)He£t ben etften fytil 

2)ie lftc Stammet bei 2ten S^eilei f^ilbert bie 
Sit aettten fur^tfam genug »or bem Staden bei fteinbei* 
«fyamittl Idfi jid) bei^alb nidj* abgalten, bem Saal 
bie «bitten Dtfer ju bringen ; ei tfi biefe «rie QRt. 20) 



9 

mit bem foÄter bajutretenben (Styor eine ber friföejien 
9tummenu 3eremia$, iefct im ©efängnif , flagt über 
fein unb feinet ftmbe* ©djtäfat, in etwa* moberner 
SBSeife, bie im ©feinen an ein befanitte* ÜKotto oon 
9»arfd>ner erinnert. 2)er folgenbe ®&or (9lr* 35) mit 
fe$r glänjenber Drd^efierbegfeitung, tyofft nod) auf 
Rettung. 3*befia will 3*remta$ in bie Strato wer* 
fen ; bod) ju fpAt» gefyet über 3fon fyin ber $flug" 
antwortet 3eremia6. „SJttt feinem Raupte bfif e er fei* 
nen SBafynwifc" foridjt Gtyamttal, worauf 3eremia$ „nun 
bin iü) gar ba$in/ SSon ben lefcten SEBorten erwartete 
i($ mefyr in ber SRuftf , wie benn überhaupt gegen ba£ 
<£nbe ber Arbeit ljin eine gewiffe @ile jtd) bemerfbar 
tna<fyt, al$ furzte ber (Sompomfi, ju (ang ju werben» 
«fad) in ben fräteren ftecitatfoen jeigt ftrf) bie*. 6d)6n 
iji ber €tyor ,o ®ott ber 8angmutl)/ erinnert aber fefyr 
an einen im $au(n* (in (SSbur)* 2)te ©efa$r wirb 
immer brofyenber ; bie 3$raeltten ftnb gefdjlagen* SlHge* 
meine glud)t im wilben Gfyor* 2)ie Sabtylonier treten 
auf; ber (Somponifi f>at fte jiemlid) unltebenSwfirbig 
gemalt; ber SDtarfd) erinnert etwa* an ben wfijlen ber 
Äattyolifen in ben Hugenotten/' äfed) 3eremia$' Äfage* 
lieb fagt mir nid)t ju nnb erwerft wenig S^eilna^me» 
Slufregenb, frifd) ifi wieber ber ßfyor ber Sab^Ionier 
„tyl), wir tyaben fte oertügt;" nnr ba$ unangenehme 
j)tty wünfd)te id) in einen anberen ©pottlaut fcerwan* 
belt Sin au*gejeid)nete$ 3Wufifftucf bringt und bann 
Wieber ber dfyor ber fortjiefyenben 3*raelitem @$ folgen 



10 



bie trießeid)t bebeutenbflen SBorte be$ ©anjen auö 3ere* 
mia*' SRunbe: 
#3w fefctai 3*i* wirb ©otte$ #au$ fyifyer fielen benn 
alle Serge unb ergaben über alle #üflel!* — 
bod) f)at fie ber Gontyoniji ju letd)t befymbelt, bie er 
ftdj gerabe für feine gtö<flid>fte fräftigjie ©tunbe $itte 
aufbewahren muffen* dagegen fd)lieft ein 6l)or in 
nmrbtgfier SBeife ba$ ©anje ab* 

Siel, ja fhmbenlang ließe jid> über ein fo umfang* 
reicfye*, mufiffcfywereä SBerf — fprecfyen* äßa$ aber 
bem SÖluftfer am meifien gefdUt, il)m aud) am meifien 
nufct, Seforedjung be$ Stemmuftfaltfdjen bi$ ttf « detail j 
ber formen, nimmt ftd) fo tt>enig gut auf bem Rapier 
aud unb interejfirt nur bie, bie ba$ SBerf fd)on genauer 
fennen* @o mögen benn biefe 3*ilen, bie nicfyt erfd)öpfen 
wollen, jum wenigflenSlnbere jur 3)urd)jtdjt be$ SBerfe* 
retjen, ba$, bis jefct bie größte Arbeit be$ jungen (Som* 
ponifien, neben allen äfynlid)en in neuerer 3*it entfian* 
benen feinen felbfififinbigen 5)3lafc behauptet* 



11 



II. 

Clmaift Sobolettsshj) : SDcr Crlöfer. ©ratorium nad) 
totorten Der IjciUgeit 8d>nft 

2Ber bie grojü c Slnjafyl geijilicfyer ßompojttionen, bie 
*or und Regt, aufäße unb nod) jtoeifeln tt>oIIte / ob jtd) 
nidjt aud) auf bem ©ebtete ber $ird)enmuftf ein erfreu* 
Ud)e$ Streben ber ©egemoart jeigte, müjfte blinb ober 
wtgered)t genannt »erben. 9Ran möd)te efyer fragen, 
wo bie$ alle* im Meinen beutfdjen SBaterlanb tyinfoll, 
«nb toie e$ »erarbeitet »erben fann. (Srfreulid) unb be* 
beutfam bleibt aber biefe »ieber ertoadjenbe Sßorliebe für 
bie Äird)enmuftf immer. 2Bir fyradjen jmfere ©ebanfen 
barüber ftfyon bei Slnjeige be$ #iller'fcfyen Oratoriums 
„bie ßtt^imn^ SerufalemS" ju Anfang biefeS Sanbeä 
au$. ©ne »urbige 9üd)tung jeigt jtd) aud) in obenge* 
nanntem, ba$ ben tarnen eine* bisher mefyr als muftfa* 
ltfd)er ©djriftfteller, benn als Somponiji brannten 
SJtanneS auf bem Üitel nennt* @S fömrat aus ÄonigS* 
berg, einer in religiöfer SBejie^ung neuerbtngS oft 
genannten ©tabt* 2)er Umjianb fd)eint nid)t ganj ju 
überfein ju fein. 3)ie 8uft, in ber ttrir atfymen, burd)* 
bringt nun einmal aud) ben ganjen innern ÜJienfdjen, 
unb »ollen »tr bem Oratorium audj nidjt einen burd)* 
aus mtyjiifdjen ßtyarafter beilegen, fo neigt e$ ftdj bod) 
auffallenb in'S @rublerifd)e unb 2)üftre* Stellest, 



12 

ba<5 SKandje* burd) ben Steij einet fronen 3nfhrumen* 
tation, bie ju beurteilen un$ t>erfagt iß, gemildert 
erfdjeint, aber ber Slat>ierau$3ug gibt jundd)fi Jenen 
®*bni<f, woju tnelleity aud) ba* ginjfcrt ber SbtSßat* 
tung etwa* beitragen mag. Der £ert jum Oratorium iß 
jiemlid) lofe aneinanber gereift, unb fdjeint flüdwetfe in 
aerfdjiebenen ^dttn entjianben* 98ier »btljethtiigen: 
bie äJerfunbigung, bie ^eilige 9fad)t, 3otyanne$ ber 
Säufer unb 3ofyanni$ Enthauptung bitben ba$ ®anje* 
ß$ fefylt ihm jebod) ein äRtttelpunct, eine $aitytßgur, 
bie 3ntereffe erwedte, um bie jtd) bie^anblung bewegte* 
Jturj ba$ 33udj leibet an (Sonfufion* 2He$ foraite bem 
gomponiften freiließ nur fdjäblidj »erben; ba bie£anb* 
lung nid)t fortreift, t>ermod)te ber (Sompontji ftd) aud) 
nid)t ju fteigern, unb biefer 3Eanget ber Steigerung, 
innerer wie äußerer, wirb bem ©efallen unb ber SBir* 
hing be$ 2Berfe$ am meiftat ©ntrag tfyun* Sollten 
wir überhaupt irren, wenn wir bie beiben erften abtuet* 
lungen be$ DratoriumS für fpfiter getrieben glauben, 
al$ bie jwei (enteren? 2lud) bie 2)ebtcation bringt auf 
biefen ©ebanfen: bie beiben erftat Steile ftnb nämltd) 
bem iefct regierenben Äönig t>on $ßreuj*en, bie fpäteren 
ebenbemfelben, aber aW Äronprinj, angeeignet, wa$ 
benn leidet unfere 9iad)fommen irre madjen fömtte» SBte 
bem fein mag, ber erfie $ljetl be$ 2Berfe$, wie e$ und 
jkfct vorliegt, fd)eint ben anbern an ©e^alt unb Sbmp 
wertfy ju übertreffen, unb t>or allem an Rarerer Stunbung 
unb ©n^eit ber einjelnen 9Ruftfftö<fe* äkrmag nun bad 



13 



©anje nfdjt tinfer 3ntereffe bi* jum Schaffe feftjuhalten 
wnb ju nlfSffn, fo fbib bfc meinen ber einzelnen 6tücfe, 
für ftd) betrachtet, mit SC»« jeichnung nennen» (ginea, 
um e$ gleich t>orau$jufchicfett, aermiffen n>tr aber in 
allen: recht natWichen ®efang» SBie flimmert bod) 
felbfi in ben funftoolf fi fcerfchfangenen ©ebilben <3eb» 
33ad)'a eine gemeinte SRelobie f)ivlt>uxä), »ie in allen 
93eeti)oben'$ ! 2)ie$ weif ber geijfreidje (Somponifi auch 
felbfi, aber freilich gwifc^en SBiffen nnb ©Raffen liegt 
noc^ eine ungeheuere Äluft, jtmfchen benen #d} oft erft 
nach garten Ädntyfen eine fcermittelnbe Srücfe aufbaut» 
2)arauf fcheint mir benn ber (Somponift vorjfiglich achten 
gu muffen: auf befttmmtere unb natürlichere 8lu$fpra<he 
ber 9»elobie, bie auch in ber Äirche if)t Stecht xoiU, eben 
fo n>ic bie Stnmuth bet ©efialt in ber fachlichen 2JiaJe* 
tei» 3n harmontfcher £tnficht gibt er un$ bagegen viel 
3ntereffante$, *oemt audj manche* ©efünjielte» 2)af 
aber funjtooKere gönnen überhaupt im fachlichen Styl 
angettanbt werben, fann nur 3ufttmmung erhalten» 
SBir finben boaon eine SÄenge» SßoWelfanon'a, SDop« 
beifügen u» f» w. geben t>om gleif unb ber Silbung be$ 
(Sontyonijien an bieten ©teilen ein rühmliche^ 3*ugnij$ ; 
auch jeichnen {ich ^ e fernen oft burch Eigentümlich' 
feit unb »efonberheit au«» 9fca<h Stohren be* Sßerfe 
in feiner urfpränglichen ©ejialtung, b» !)♦ mit Drdjefier* 
begleituug, treten feine SBorjüge vielleicht noch entfd)ie* 
bener h«bor» ©n (£la*>ierau$jug, fo forgfdttig auch ber 
vorliegende auagearbeitet ifi, bleibt immer ein bürftiger 



14 



3?otfybef>elf, ber bem §onq>oniften fein *oUfidnbtge$ 
Stecht bei ber Ärttif nie gibt unb geben famu ©o gut 
e$ unter biefen UmftÄnben m 6g lief), verfugen mir no$ 
t>on einjetnen Sümmern ber erfiten unb/ tote txnr glau* 
ben, bebeutenbem £4lfte be$ Oratorium* eine 9fnftd>t 
ju geben. 

Die Ouvertüre f>at ben (Styarafter ber ©nleitung 
unb ifi fein abgerunbete* ÜRujifftöcf* Da$ fugenartige 
SlHegro erinnert an^änbeffdje SQBcffe; fd)on tyier fängt 
ber (Sontyonift an, Seifpiele t>on fünfilerifcfyer Arbeit, 
wie Umfef>rung ber fernen u* f* to. au geben* Die 
erfte ©efangnummer enthält eine Segrüfung an bie 
3ungfrau 9Äaria; biegortn ifi bie be$ DoppelfanonS 
im (Styor, bie Haltung toürbig unb angemeffen. 
9ir- 3 bietet nichts £ett>orfted)enbe$* Dagegen fagt 
un$ 9lx. k, eine 9lrie für Sopran, burd) größere 
3nnigfeit be$ ®efange$ befonberä ju* 3ft 9ir- 5 
fallt (Seite 8, lefcte* ©tyjiem, £act 3 bie ftd> plöfclid> 
»erÄnbernbe 93etoegung auf, über bie fid) Dtrector 
unb Sfyor nur mit -äJtütye fcerftönbigen mähten* Die 
folgenbe guge gehört toieber ju einer feltenern@attung: 
jie ift per motu contrario , ba$ Steina Übrigend ein 
glficfli^e*- 

Die jtt>eite8lbri)eilung be$ erften 3^eile$ beginnt mit 
einem Doppelter ber Birten unb «^irtenfnaben, bef- 
fen erfiere #älfte namentlich t>on fd)öner SQBirfung fein i 
muj** Die SBorte: £) fetyt, £err tröfle und* unb ben I 
ft<fy auf einmal t>eränbernbenßl)arafter be$ Gtyore* »er- 



15 



fielen mir md)t ju faffen. Die folgenbe Slltarte fldrt 
nur l)alb auf, bie un$ aucty als SBiuftfftöcf ju furj gera* 
tt)en fdjeint» 93ortreffttc^c Söirfung mag aber in ber 
Ätrdje ber folgenbe Sl)or ber (Sngel unb #irten IjerDor* 
bringen» 2)er ber lederen nimmt ben anbern immer im 
pp, n>ie im @<tyo auf» Die 3Mobie be$ SfjoraW ift 
fd)ön» @$ folgt ein furjer ftugenfafr mit einem ettoaS 
fbnberbaren $l)ema» 9lad) ifim tritt jum erfien SWale 
ein Slecitatfofafc auf» Simon ftugt in einer furjenSlrie: 
,£err, meine Singen l)aben ben #etlanb gefefjen/ bie 
un$ im (Sl)arafter fel)r »ol)l gefällt, aber als 3Äuftfjiucf 
ebenfalls ber frönen gorm unb Siunbung entbehrt» 
2(6 er mala folgt ein Doppelfanon unb biefem ber Sdjlufh 
rt)ox mit Doppelfuge; aud) biefe ©äfce ftnben wir ju 
furg; ber (Sl)or fann nid)t red)t in'S geuer fontmen, 
unb namentlid) ftrömt ber ®d)luf ntdjt frdftig genug 
aud, als ©d>lu0 eines ganjen £l)eilS» 

9lad) biefen furjen Slnbeutungen mag man etwa auf 
bie anbere £älfte beS DratoriumS fdjliejjen» Ueberau 
tritt un$ ber ßomponift als ein ©tarhoollenber ent* 
gegen, ber immer toal)rf)afi SBürbigeS unb babei (Sige* 
neS geben mödjte» Dft »erläpt il)n bie Äraft beS 9Kei* 
fterS; aber fcfyeint er bann felbft f (einmütiger/ fo finft 
er bod) nirgenbS jum letdjtjtnttigen #anbtt>erfer l)erab» 
SBiel l)at Ü)m ber £ert gefdjabet, beffen panlojtgfeit 
totr föon rügten» ©ettnj* aber bejetdjnet baS Dratorium 
im 93ilbungSgange beS Sompbnifieu einen bebeutenben 
Stritt t>ortt>drtS, unb er ftdrfe fid> in biefem 93en>ujte 



II 

fein &atb ju neuen gtoftaen «tbeiten, »ie wir beim 
feinen »amen fd>on jefct benen bet ebler ©tte&enbe* 
unter ben gegenwärtigen tebenben^aterttnbif^enÄunf^ 
lern anreihen müffen. — 



3teue Sonaten für bas ^ianoforte. 



Unfere Icftte ©owitenfdjau f^Jof imütoeirtber 1839. 
9twc mmo>e$ in tiefe eble ©athmg einfdjlagenbe* iji 
feitbem erfdjienen, unb freilidj , föetnteS, ^ttjiemtt 
totei Warfen geinben $t ffirapfen, — bem publicum, 
ben SSetlegern nnb ben ßemponiflen felbft. 3>a$ ^uWi* 
cum tauft fdjw>er, ber S&rfeger brueft fdjtoer unb bfc 
Swnjwnijiett galten aßerfyanb, steifest audj innere 
®rünbe ab, bergfeidjen ^(traobif^ ju f$rei6en* 2)ie 
e$ fcofcbem ttytm, follen un$ bop^elt n*rtf) fein. <$* 
folgen fjier bie SRamen ber ©omponifan, bie nn* netter« 
btngä ©onaten gege&en: SB* Älingenberg, %. 
Secerf, 3. ©enif^ta, 9ß- Zaubert unb g. 
6 in; fie fielen nad) ber Steide be* 3ntereffe, bat 
fie und ju fyaben fdjeinen* 

3)ie er genannte son Ättngenberg fyeifi $ßfy<m< 
taftefowite* SBfae ber SBiBe bie tyat, man ntüjfte #e 
gut Reifen; ein fingen, jty t>om alten ©djlcnbrian 
jttniadjen, tft barin un&erfennbar, überhaupt ein ©tte* 
ben, feibjtfWnbige* ju feijtau »ber bie Äräfte regelt 
iv. 2 



18 



nid)t au«$ e« fehlt fogar an »oller 9fo«bUbuttg ber un* 
teren, wohin wir j. ©♦ Safcreinheit u* f* w* redeten. 
60 ifi beim au« biefem SDWjwerhÄltnif ber Äraft jua 
Streben ein fonberbare«, »erfdjrobene«, gefd)macAofe6 
Stücf geworben, ba* fogar ^ier unb ba aierlidj unb 
galant fein möd)te. Unb ba« ift ba« Unglütf , menn 
mujtfaltfdje Äleinjiabtbewohner ftd) auf einmal mobtfd) 
SPariferifd) bewegen wollen, ein Unglücf , ba« fetber bei 
un* in 2)eutfdjlattb mehr al« irgenbwo ju £aufe tfh 
QptcitU ju belegen, wa« wir fnet angeführt, würbe 
Sogen füllen Wnuen* (Sin ©utnmjtfalifcher muß na$ 
ben erften Seiten fdjon äber bie 6ümpofttton im klaren 
fein, 9ieHet<ht ber Somponifi jefrt felbft, angenommen, 
baf er jefct fein SBerf um einige 3>ahre überwarfen» 
SBer ilj>n übrigen* tum 3faru«ffog »erleitet, fc^eint Har; 
e« ift SBeetyotten mit feiner Sonata quasi fantasia. 2Ber 
liebte.bennbiefentdjt? 9lber freiließ audj ba« (Sohren 
»erlangt Uebung unb gertigfett 83tellei(ht gibt und ber 
(Soutyonift balb eine neue $robe feiner Jtunfl, bie iti$t 
ju fdjwad) gegen ba« Original abfttcht* — 

(g« gibt eine (Slaffe fcon Sonaten, über bie fidj am 
föwierigjien reben Idft; e« finb jene ri<htfggefej>ten, 
etlichen, wohlgemeinten, wie jte bie STOojart^a^bn'f^e 
Schule ju ^unberten hervorrief, t>on benen nodj jefct 
hier unb ba (Sremplare jum 88orf<hein fommen. Säbelte 
man fie, man müfste ben gefunben Stenfchenmftanb 
tabeln, ber fie gemalt; fte ^^en natürlichen 3u\am* I 
menhang, wohlanfWnbige Haltung» Mt biefe Sugen* 



19 



ben jeid&nen aud) bic ©onate be$ sogenannten Sßer- 
faffätf au&. Slber freiließ , gütigen Sage* aufzufallen, 
ja mir ju gefallen, baju geirrt mel)r al$ blo$ el)rlid) 
fein* Unb hätte beim 35eetf>ot>en foumfonft gelebt? 3Ber 
lefen fann, ber hält fid) nidjt mehr bei bem 8ud)fiabiren 
auf; toer ©hafeäpeare »erjieht, iji über ben Siobinfon 
hinüber; hirj ber ©onatenftyt *on 1790 iji ntd)t ber 
»on 1840: bie Slitforücfye an gorm unb 3n^alt finb 
überaß gelegen* Da* 8obbe$ gteife*, be$ ©treben* 
nad) ©utetn bleibt aber bem (Sontyonifien auch biefer 
©onate trofcbem um>erfüramert, unb fo erfülle jie ifjre 
aBefiimmung, im.grofen 3^^nfirome eine SKinute lang 
aufgetaucht ju fein unb aud) wieber ju fcerfchrofabem 
Sind) bie folgenbe ©onate |Don ®enifd)ta erinnert im 
2Befentlid)en an eine »ergangene $eriobe; bodj tritt un$ 
in ihr eine eigentfyümlW)e 5Perfonlid}Wt entgegen* SBir 
berichteten mit Vergnügen fdjon t)or einigen Sauren *>on 
einer ©onate für (Slatner unb 93ioloncello beffelben 
(Somponifien* Die 93orjüge, bie tmr bort auszeichneten, 
techmfd)e gertigfeit, Klarheit, Slnfimidjlopgfeit be* 
QfyaxattttQ, finben tt>ir aud) l)ier: bieö namentlich in 
ben fel)r gut gerunbeten beiben erfien ©5fcen. #öher 
aber fleht noch ber lefcte, ber fich mehr 93eethoben'fcher 
Strt nafjcrt, obgleich burd) bie äußere Aufregung überall 
ein freunblid) ruhige* ©efic^t burdjblicft* ©anj aufflärt 
e$ ftd) »oHenb* im SWittelfafc im Dur mit feinem eigen« 
tl>ümlichen Drgetyunct im ©opran; e$ iji bie$ bie 
$auptßelle ber ganjen ©onate unb feierlich au über« 

2* 



n 

fefyen* Der ©d)lnfj bringt ni$t* Sinket orbentlidK* 5 | 
aber wir fdjetben befricbigt, erweitert, mit aöet Bettung, 
bie wir einem gtbilbeten ÄinfHtr fdptlbtg. 2>et 6*m* 
pontfi fofl ein $ole fein* — 

SBonber ©onate *on 93. Saubert, feiner fä*f< 
ten, ben Sefern einen begriff ju geben, mJd)te fdfrwic 
fein; jte if} abfonberlidjer 3rt, man mnf* fte fl$ feftjl 
anfeljen, unb jwar öfter» 3d) mifyt fie tywodjontarift 
nennen; ber (Sontyonifi tydngt fid) eigenftontg an ei« 
paar ©ebanfen, bie er jergliebert, wieber jufaimiiettfefct, 
wteber wegwirft, bis er fldj bann burd) eine Softem* 
lobte and ber wenig erqulcflidjen ©tinrarong tyeran** 
reifen mSdjte, nnb julefct, ba tym bie$ nid>t glütft, ft$ 
gar anf ba$ ©ebiet ber guge flüd)tet, wo er erfi redjt 
orbentHd) ju grübeln anfängt. ©id) ein ^Publicum ju 
gewinnen, baranf getyt fte gewif nicfyt au6; e* if* eine 
Sonate, t>om (Sompomffen gletdjfam mir fftr fid) ge* 
fdjrfeben, t>iefleid)t in befonberen Sebentoer^ltniffeit 
entßanben* WHt letzter 2Rütye ^&tte er audj ein Ouar* 
tett barauä madjen fönnen, aber nein — ber Sontyonift 
wollte eben nur feine trier SBänbe ju 3«^6rern ; tt fieA 
etwa« t>on 5Wenf^en*, ja t>iellei$t *on SHuftföberbntf 
in biefer 3J?ufit ©o whfte bie ©onate ba« erftemaf, 
al$ id) fie fyielte, auf utidj, fo fyäter, aW td) fte wieber* 
Ijott la$* (£♦ t>on SBeber fyat eine aud) in ber $on* 
art (SmoK) Ätyntidje, fetyr eigentümliche gefdfriebe«, i 
an bie id) burd) bie t>on Saubert wieber erinnert würbe, I 
nur baf, wie gefagt, bie 3Retand)olte ber erftaren in ba 



•1 



anbeten in <£>ifl>od)ottbrie mtilkt erfdjeint Dennod} 
übt bi« SRitfK att$ tyte ty** ei 9^ n < fcetföönenbe @en>alt 
au6, unb fo feffelt und in betÄunft, «>te fo oft, toa* und 
im 8eben abfü^t. 3)oc^ genug bet gtübelnben SBotte, 
Me felbfl nur ein SBibet^aH jener 2Rujtf fein fäei* 
ncn; mJdjten fte manche jut 2)urd)ft<^ teilen; benn 
ai£ SOhiftfer jeigt fid) bet Sontyontfi toofyt immer al* 
ein ad)tung*tt>ettl)et. — 

— S)ie etften $acte bet julefct genannten Sonate 
ftdj anfetye« unb no$ jtoeifeln jufönnett, *on ttem üe 
fei/ toite eine* guten Äennetauge* wenig toutbig. So 
fingt nut (Sljo*>in an unb fo jdflkft nut et: »it!Diffo* 
naiven butcfy SDiffonanjen in $iff onanjen. Unb bod), 
ttfcfciel S^öne* bitgt au$ biefir* Stüd! S)af*et e* 
„Sonate" nannte, möchte man efyet eine (k^rtee Reißen, 
wenn nidjt einen Uebetntutf) , baf et getabe fciet feinet 
tollten Äinbet jufammeftfotyelte, #e untet biefem 9ta* 
inen melleid)t an Dtte einjufd)tt>dtaen, »o^in fte fonfi 
nUfyt gebtungen wären. 2Ran neunte j. 99* an, itgenb 
ein (Santot fcont Sanbe fommt in eine 9Jtujtffiabt, ba 
Ärotfleütfdufe ju machen — man legt tf)m SJteuefie* oot 
— »Ott ntd>t* »iß et nnffen — enblid) tyält tym ein 
Sd)laufo)>f eine „Sonate* entgegen — ja, fi>tid)t et ent* 
jfitft, ba* if} für mid) unb nod) ein Stücf au* bet alten 
guten 3*** — unb fauft unb !)at fte. £aufe ange« 
fommen, fällt et tyet übet ba* Stütf — abet fefyt itten 
utftf f td) mid), wenn et nid)t, nod) etye et bie etfie Seite 
mfifyfam abgelja^lt, bei ollen ^eiligen SRufifgeifüetn 



22 



barauf fdjwäre, ob ba$ orbentlidjer Sonatenftyl inft 
ni^t »ielmetyr watyrtyaft gottlofer. Slber Chopin $at 
bod) emf(^t wa$ er wollte : er befinbet ft<§ im (Santo* 
rat, unb wer fann benn tt>iffen, ob nid)t in berfelbeitSSe- 
Häufung, fcfelleidjt nad) 3al)ren erji, einmal ein romait* 
ttfdjerer @nfel geboren wirb unb aufwädjjl, bie (Sonate 
abfWubt, unb foielt unb für ftd) benft: „ber 2Wann f)attt 
bodj fo Unredjt nidjt." 

SRit alle biefem ift fd)on twrweg ein tyalbeS Urteil 
abgegeben. Styopin fdjretbt fd)on gar nid)W meljr, wa$ 
man bei Sfaberen eben fo gut ^aben fönnte; er bleibt 
fid) treu unb fyat ©runb baju. 

ö$ ifi ju bedauern, baf} bie meinen ßla&terfinelen* 
ben, felbft ©ebilbete barunter, ntd)tüber ba$ fyinauS* 
feljen unb urteilen fönnen, wa$ fte nid)t mit tfyren 
eigenen Ringern bewältigen fönnen. Sfnfiatt fo fdjwie* 
rige Stüde erfi ju öberblitfen, frummen unb bohren fte 
fid) tactweife fort; unb ftnb fte bann faum über bie 
gröbften förmlidjen SBedjÄltniffe imÄlaren, legen fte'* 
weg unb bann Ijeift e$ „bijarr, verworren" k. ©erabe 
(Sfyopin fyat (wie etwa 3ean *ßaul) feine #äfetyerioben 
unb Sßarentljefen, bei benen man ftd) beim erften 3)urd)* 
lefen eben nid)t lange aufhalten barf, um nicfyt bie ©pur 
ju verlieren. Sluf foldje Stellen fiößt man benn aud) 
in ber Sonate fafi auf jeber Seite, unb (S^opm'* oft 
willfufyrlidje unb wilbe 9lccorbfd)reibung mad)t ba$ 
a*rau$ftnben nod) fd^wieriger. @r liebt ndmltd) nidjt 
nurnfyarmonijiren, wenn id) midj fo auäbrüden barf, 



28 



unb fo credit man oft jetyn* unb metyrfad) befreujte 
5£acte unb Tonarten, bie totr alle nur in widjtigfien 
fallen lieben, £)ft fyat er barin 9te#t, oft aber Benotet 
et audj otyne Orunb, unb / n>ie gefagt, entfernt ftö) ba* 
fctird} einen guten £f)eü be$ publicum*, ba$ (meint e$) 
nid)t unmtftJrlid) gefoppt unb in bie @nge getrieben 
fein will* @o fyat benn aud) bie Sonate fünf See ober 
33motI jur aSorjeidjnung, eine Sonart, bie jtd) geurff 
feiner befonberen $ßopularitdt rühmen famu 3>er Anfang 
IjeifM; ndmlidj: 




3?ad) biefem tymldnglidj (Sfjopin'fdjen Anfange folgt 
einer Jener fturmifd)en leibenfdjaftlidjen ©dfce, wie wir 
beren t>on Styopin fdjon mefyre fennem Söian muß We6 
öfter, unb gut gefpielt työren. 816er aud) frönen ®e« 
fang bringt biefer erfic Sfyeil be$ 2Berfe$; ja e$ fdjefnt, 
als t>erfd)tt>dnbe bcr nationelle polnifdje 8eigefd)macf, 
ber ben meinen ber früheren ßtyopin'fdjen SMobieen 
anfing/ mit ber Seit immer mefyr, als neige er fld) 
(ikx $)eutfd)lanb hinüber) gar mand)mal 3talien 



M 

Statt weif, baf» Sefltni unb (Sfytyin bcfreunbet waren, 
bo£ jb, bie jty oft tyre SompojtttüiUÄ mittytüttn, 
mofyl and) nWjt of)*c fünfilcrff^iit (Sinffef? anf eitumbct 
geMteben, Iber, wie gefagt, nur ein (eife* ^inneigm 
«t$ ffiMM)er Seife ift rt; fobalb bet ©efang grenbet, 
bttftt wieber bet ganje ©armak in feinet trogen Ott* 
gfaalilAt au6 ben Äldngen $eran6. Sine Stccorbenttct* 
ffegtnng wetcigjtena, wie wit fte na$ Slbfölujj be* 
offen ©a$e$ fcom jwetten Styett antreffen/ fyat Settrat 
nie gewagt^ unb fonnte fte nie wagen, ©o tnbigt aud) 
ber ganje Saft wenig italiänifd) — wobei mir gtfjt'S 
treffenbe* SBort einfällt, ber einmal fagte: 9tofftniunb 
donf* ftfylöffen immer mit einem „vötre trös humble 
serviteur;" — anberä aber ©Oopin, bejfen ©cfylüffe 
eljer ba$ Oegentfyeit auöbruden* — 2>er jweite ©a$ 
ijlmtr bie gortfefcung biefer ©timmung/ Klüt/ geifc 
reid), b&antafttf^/ ba$ $rio jart, trdumerifd}, ganj in 
©Oopin'S SBeife: ©djerjo nnr bem SRamen nad), wie 
fciele Seettyo&en'S* (£$ folgt, nodj büfierer, ein Marcia 
funebre, ber fogar manche« Slbfiofenbe fyat; an feine 
©teile ein Sfbfcgio, etwa in De$, würbe unglety 
föJnet gewirft fyaben* Senn wa£ wir im ©djluffafce 
nnter bet Sfaffdjrift finale" erhalten, gleicht e§er einem 
©*<**, aß irgenb SÄuftf. Unb bod) gefiele man e* fty, 
a«fy au* biefem melobie* «nb freubelofen ©afce wetyt 
utt6 ein eigener grauftger ®eiß an, ber , wa$ jtdj gegen 
tyn auflehnen mädjte, mit überlegener gauft niebertydlt, 
b«ß wir wie gebannt unb ofyne au murren bis jum 



25 



(S^foffe jutyotdjen — abtx aud) ofyne gu loben : beim 
SWiifif if* ba* ni<$t So fcfylief t bie Sonate, wie jie an* 
gefangen/ tätyfefyaft, einer <&p\)\nx gleich mit fpöttifdjem 
gabeln* — 



Ctuöen für Öas Jfamoforte. 



£l)coiror ftullah, 2 Concertetu&m. 

2M ©et!. 

2)er ßomponijl, ein junger {ebenfalls, fünbtgt jid) 
mit ben erftat Sacten al$ ein mit beut neuflen (Sla&ier* 
fpiel vertrauter an* Die (Stuben finb ferner unb w 
ratzen überaß namentlich SSefanntfcfyaft mit $enfefft 
unb Balberg'* Arbeiten* 5)em SBirtuofen gegenüber 
Ijaben wir nid)t$ gegen biefe Stiftung unb SBorliebe. 
2>em Somponiften aber, wenn er ein tüchtiger »erben 
»Hl, motten »ir bctoon abraten* 3m ©ebiete fer 
medjanifd)en Kombinationen ifi |e|jt faum mefyr ju er* 
reiben, als bie SJirtuofen ber neueren &it wtrHic^ 
erreicht tyaben* Stuf ba$ 93erfd)rfinfen ber #4nbe, ob e$ 
fo ober fo, auf bie Slccorbenmaffe, ob fte et»a$ metyt 
ober weniger voll, barauf fommt jefct ntdjtS metyr an; 
»ir ^aben barin in ^enfelt'S, 8iftt'$, Sfjatberg'* 
betten vollauf genug» 2)ie Sßadjfölgenben müjfen, »etut 
jie Sebeutung gewinnen »ollen, ben umgefeljrten ffleg 
einklagen, ben sur @infad$eit, jur fdjitaen orbnung* 



87 

sollen %om, unb barauS eutwidele fld) bann aud) ba$ 
ßomplidrtere» 2)er 2Beg liegt Mar fcorgejeidjuet. SBer 
ffyn nid)t fte^t , wirb umfonfl arbeiten* 



3. Hoftnljain^ 24 Ctnlren (Etudes melodiques). 

ffierf 20. 

„Invita Minerva" fyätte ber (Somponifi barauf 
fd)retben f ollen» 5)ie Stuben fd)einen mit großer Unlufi 
gefcfyrieben ju fein , friellefdjt auf Slrtrat^en beS — ur* 
fiminglid) franjöfifd>cn — Verleger*» S)aß für fd)wä« 
c^ere, fleinere Spieler burd) Stuben geforgt wirb, ifi 
gewiß gut» S)od) trägt, als Gomponifi wenigen*, 
#r» Stofentyain, wie un$ fcfyeint, nur wenig S5eruf baju 
in fufy» 3$ wußte feit lange fein SBerf, wa* mir in 
jebem SBejug fo entfdjieben mißfallen fyätte» 9Wd)t$ wirf« 
lief) SlnmutfyigeS im ganzen SBerf e, &on 3Relobie faum 
eine ©pur ; einjelne Stuben gfinjHd) mißraten in ber 
$orm; 3$iele$ uncorrect unij ungefällig in ber $armo< 
nie» Unb baju nun nodj bie SJemerfungen über jeber 
einjelnen -Kummer, wie biefe wertblofen Stüde am 35e* 
fien sorjutragen feien» SBafyrfyaftig, ba fd)retbt Sertinf 
wie ein Sngel bagegen» SMeibe man alfo, biänidjt 
etwa* SeffereS f ommt, jungen ©emüttyem burd) Uebun* 
gen Suft jur SJtuftf ju machen, bei Sertini» #r. SRofen* 



S8 

Ijofat iji bitfmal ba« Sibetftiei feine« »amen* ttttb bw 
garten ftiuger würben fU^ wiatb greifen an feinen 
Stuben« 



Cimarir tttolff , 24 Ctuften. 

®«rf20. 

2)er (Somponiß tfi ein junger, jefct in 5ßarW leben« 
ber $ßole, wnb feine 8lnl}finglid)fett an Chopin um fo 
(eistet ju erfWretu 35ot 503afyiett würbe man (Stuben, 
tt>ie bie aßoIfTf^en, gerabeju für »errücft erführt $aben, 
tyeute gelten fte nur tu>d) af* »föwer** 8etber aber ift 
©«^wierigfeit ityr eigentümliche* Werfmal, unb e* 
fledt in mancher (Stytyin'fcfyen 2Rafurfa meljr SRuftf, als 
in aßen biefen 24 (Stuben, Segriffen e6 b<fcfy bie jungen 
ftomponiftcn immer geittg genüge bof bie SRuftf nic^t 
ber Ringer wegen ba ift, fonbem umgefeljrt, unb baf 
man, um ein guter SHrtuoä ju werben, nie ein f$(ed}* 
te« Stujtfer fein bürfe, $tn» SBolff gerabegu ju ben 
teueren gu gälten, wäre inbef ungerecht. @$ fefyft tym 
nid>t an ^ßfyantafte unb er tt>ei# eine Stimmung/ aud> 
anberä aW burd) bto#e ginger effecte, ^erborgurufm unb 
feffyu&alten; baju übt ieber melan<fy&lifd)e ®|arafter, 
wie au$ ber feinige ift, 3nterefe auf und, namentlich 
auf 3ffingere* Seiber aber treffen wir in biefer ©üben* 
fammümg aud) auf gar ju $ribtale$, gerabegu SBerwerf* 
li$e$, wie e$ üi 2)eutf$lanb fein 8e§rer feinen Sanier 



auftreiben, gefcfcweige bruden tiefe / unb, bem dorn* 
ponißen gum Stoweffdjaben, gerabe auf ben erfien Sei* 
ten feine* SBerteS; benn Standet wirb ft<fy baburd} 
abgaltet (offen, im 2)i<fid>t weiterDorjubringen* @rfi 
auf ber 14ien Seite , ber 6ten (Stube in $moO, ß*fen 
wir auf ctne anjiefyenbere ; tyier erteilt ber Hoafyontft 
mit wenigen Äitteüt msfyx, aU tt*t$er mit fo Bielen, 
unb man ftef)t, er lann wo$ au$ dnfadjer feit, wenn 
er will* 9ud) bie jwet barauf folgerten 9tattmern ge* 
I)ören ju ben gelungeneren, unb ua$ biefen bie ltte 
<©*mo8), bie 18te (©moll) unb bie 2t£e (gmoü), 
3)ie ubrigbleibenben tyafcen mdfl nur al* medjamfdfe 
(Sombinationen für Uebenbe 3*J*reffe; mamfye ber 3** 
fammenfieUuagen ftnb barin neu, — fc^on fetten. 3>a* 
«tyromatifdje Sluf* unb SWeberjieljjen bucdf ioerminberte 
©eptimenoHorbe in ben »erjwidteßen Sagen unb 3>o£» 
}*tgrtffen gehört wie ju ben 8iefcling$jügett aller iün* 
geren SJirtuofen, fo aud) au ben (einigen. SRan finbet 
einen folgen ®ang fa£ in jeber ber (Stuben« Ob ba* 
©er! bereit in SeutfäUmb gebrutft, wiffen mir nity; 
wir Würben bann für eine 8to$wal>l flimmen, bie bem 
Gostyoniftot utefyr jur (8jre gereiften würbe, all t>oH* 
fttnbiger Äbbnicf. 



Carl fltager, 6 Ctutren. 

ffictf 55. 



Spielt man biefe Stuben nad) ben vorigen, fo 
glaubt man ftd) wie au£ finfierem jftupptcfytem 9Balbe6* 
bt<ftd)t auf eine grüne glatte JRafenffödje aerfefct* greunb* 
lid> finb biefe (Stuben genug/ wie faß aUeßonq>ofttionen 
biefe* ©ontyontfien; aber man fyätte nad) mannen fei* 
ner früheren entartet, er würbe ftd) ju einer eigentfyüm* 
ltd)en Autorität Ijeraufbilben; eine Srwartung, in ber 
wir getäufdjt ftnb* Seine ^tytyftognomie fyat an ©djirfe 
unb äfoflbtutf tnel verloren ; man möd)te tfyn ie$t oft 
für einen jungen ©alonfyieler galten, ber mit Balberg 
unb #enfelt rtoaltfiren wollte, unb bieä an einem dlte* 
ren Äünfiler ju benterten, fönnte beinahe traurig fiira* 
men, wenn anbererfeitä ba$ fcorliegenbe SBerf ntd)t fo 
mand)e$ einneljmenbe an ftd) ptte, fo baß man baruber 
vergißt/ wa$ ber (Somponift unter anbern SBerljÄltniffen 
tyätte leiten muffen. 2)ie Befürchtung aber, baf er ftd) 
im @anjen *>erflad)t, ftüfet ftd) gunddjfi auf obige (Stu* 
ben ; wer aber weif , wa$ er *nelleid)t nod) im Sorratty 
fyat? Unb geljen grofe ©enien wo$t einmal einige 
Knuten riufwfirtS, um wie efjer fann e$ Stnberen 
gefdjefyen. S)ie Stuben werben, wie gefagt, gern gezielt 
unb gehört werben; ba$ erflere namentlid), weil fte fo 
fefyr leid)t in bie ginger fallen, baj* mittlere ©pieler fafi 
nirgenb fehlzugreifen ju fürchten brausen , bis in ber leg- 
ten, einer Stube in Sprüngen, „Souvenir ä Thalberg' 4 



genannt/ bie wir tf)m gern erlaffen Ijätten : benn e$ ift 
nidj» leidster, al$ betgleidjen juütofcenben jn fdpeibem 
©efonber* anmutig ifi fobann bie 2te in SWbur* 2)ie 
3te in $i*moll wänfdjten wir bagegen g&njlid) unge* 
btutft, ba fid> gegen ^enfeft'd „Poäme d' amour" 
«Die ein fcfyoad}et Schattenriß aufnimmt- (Somponiffcn 
fefren folgen Sowfafen oft ben ©moanb entgegen : 
„fie hätten ben fo genannten ©ctyattenrif efyer componirt, 
al$ baä &ermetntltd}e Original fein @tüd" u\ ; aber 
aud) bann bfirfen fte'$ ni$t bruden (äffen; bie (Stube 
iß an ftdj ju wenig bebeutenb* 2)ie anbern mögen fid) 
atte, bie ben (Somponiften &on früher liebgewonnen, 
felbji anfeljen unb felbfi urteilen, too er fid) tren geblie* 
ben, »o nidjt, — 



Stephan geller, 24 Ctulren. 

SDBerf 16. 2 8ief«ungfn. 

Die 3*ttförift W fd)° n *fta* ÖU f M e f* n fangen 
geifi* nnb pfyantafie&ollett Äünfifcr anfmerffam gemalt» 
6r lebt feit etwa 2 3abren in *ßari$, wo fein Talent 
al$ (Somponiß unb 9Sirtuo$ gleichfalls fcfyon rul>mlid)e 
Sfnerfemmng gefunben. Die Stuben ftnb fein gröjjteS 
WS ieftt erföienene* SBert. Drbentlidje (Stobenfoieler 
irren aber, wenn fie barin auf rechte gingerarbeit ju 
treffen hoffen; fie finben metyr, (Styarafterftöde nimlid} 



in tarntet $ei$e, btruntet einige tum aufftegefafpctau 
SBettye, f&msoH^ ober eiste» wtftfaiifd^tege» €*$ 
tterratyenb, an bem nur ju bebauet*, feaf et frinen 
Steinum itt fo (leiten gomen actfrltttrrt Snbot 
$oit*$&(tetif$ere &om}o*i$eu törboR ort mannen 
fitambgebraf en bet iStuben g«tte Äoncerte «ab 
tat aufgebaut $aben; unftr Gonqwmift jto^t eS im, 
nur anjubeuten mtb flitd>tig anjÄrcgen; fdn ibtxxm* 
genbet £umor »itt rf fo, unb flud) her ©tyrttc*d|j iß 
ttriUfomntetu (I* Ueß ftd) bk (Stube^ananbiitg etoa 
ttrie eht $agebu$» 3RannuJtfaItige S&etamgra fmb ^iet 
neben einanbet a*t*gefi>tod)ett, bittere Stanerfuuge* 
fehlen nidjt, au$ nic^t Hebe Erinnerungen, 2>er«fiujfc 
ler, ber $(tyilofoj>fy, ber greunb töfrt fcfy barin ge$en, 
als fd^e tf)m fein ÜRenfdjenauge ju, al$ gäbe e£ feine 
Slecenfenten, SBielen wirb bfe* offne tyingebenbe SBefen 
gefallen, Slnbern Stoff jur Befürchtung geben, ob biefe 
lettre greigebtgfeit fic^ ntcfyt etwa in ber ßufmtft rädje, 
im 9llter, too man oft mit SBeutgem auäfommen muß, 
unb oft gegen feinen SBilfou 2Bte ber Somponifi nur 
anbeutete, fo beutet aud) ber baruber fttyreibi nur an, 
unb meint, ber junge Äünfiler »erföftenfee ntc^t |u fciel 
im Äktnen. Stete, bie gerabe batton nufcm, feerben 
it>m banfbar fein« 3m 9tagejtd)te ber Sunft aber gtft e* 
(Sonfequenj, Energie, Äraftau$forud) burdj große ftrbet* 
ten, unau*gefe$te$ Streben na$ SJerebebwg, Sidge 
bie 3«* ni$t fommen, *»o ber, ber biefe feilen &en>or* 
gerufen, fte nur ungern toieber in bie <£>anb ndljme* 



2>te fronen Äeime, bfe aud) biefe* fein tefrte* äBerf in 
grof er 3^1 entölt, geben tnbef auf feinere £offnun* 
gen Sfofpruä} , unb bie$ tji fcfyon einer fdjärferen Sind* 
jeidjnung wettfy, ber er benn aud) im fyofyen ©rabe 
n>Arbig. 2)te$ wirb tymreicfyen auf bie ©üben aW auf 
etoaö nid>t ©ettfltynlidje* aufmerffam $u machen unb 
baä Stnbenfen an ben ßomponifien bei feinen £anb£(eu* 
ten wieber aufaufrifcfyen. ©ein intereffantefie* unb Ue* 
benSfcürbigjie* ©tubenfifid fiefyt übrigen* in biefer 
(Sammlung nicfyt, fonbem in ber -äRofctyele^Sätte'fd^en 
<S<fyule, auf bie tt>ir balb ju fyred)en fommen »erben* — 



IV. 



3 



S. £()ötöerg. 

(©»cot fix ben $enfloitefenb« bet Stofife* am Sie« gffrruar.) 



9luf feinem IDurdjfluge fyat ber Stetfier aud> tyier 
feine Schwingen gerührt, unb e* ftnb, wie &on ben 
Mügeln jene« (gngel* in einem Stfiderf fcfyen ©ebi<$te, 
Ütubine unb anbre* (Sbetgefletn herabgefallen — unb 
baju nod) in bebürftige #änbe, tt>te e* ber 3Jieifter be- 
nimmt tyatte. ©nem tt>te ttym, ber fcfyon fo mit 8ob \ 
überfcfyuttet toorben, neue* fagen ju »ollen, tfi fdpwr* 
©ne* fyört aber Jeber fhebenbe SJirtuo* nod) immer 
gern: ba* nämlid), baf er fortgefd)ritten ifi, feitbem er 
und jutn lefrtenmal mit feiner Äunfi erfreut, unb biefe* 
fc^önfie bürfen wir aud) Balberg foenben, ber feit ben 
legten jtoei 3afyren, ba toir tfyn nidjt gehört, nod) ©* 
ftounltd)e* jugelernt, fid) toomöglidj nod) freier, am 
mutiger, füljner betoegt ©o festen fein ©piel aud) 
auf alle in gleichem SWafe ju liefen, ba* gIürfH(^e 93e= 
tyagen, ba* er *>telletd)t felbfi babet empfmben mag, ftd> 
aßen mitjutyeilem @ett>if, n>a^re aSirtuofUät gibt 
mefjt at* btof e gertfgfeit unb fünfte ; au$ fte vermag 
e* ben 3Dtenfd)en abjufytegeln, fo baj? e* un* bei 3$a(* 
berg'* ©piel redjt flar wirb, er gehört ju ben »om 



j 



SS 

©cfyicffal SJorgejogenen, Segünjligten : er fletyt in 
Steinum unb ®lanj* @o begann er feine Satyn, fo 
l>at er fte bt$ jefrt jurütfgelegt, fo wirb er fte befd)liejfcn, 
überall *>om ©lud begleitet unb ®tü(f fcerbrettenb* 3)er 
ganje gejlrtge «benb, jebe Plummer, bie er freite, gab 
ben 93ewei$ baju* 2)a$ publicum fdjien gar ntttyt ba ju 
fein, um ju urteilen, nur um ju genießen; man war 
feiner @ad)e fo ftd)er, wie ber SWeifier feiner Äunjh 
SHeßompojttionen waren ffimmtltd) neue, eine ©erenabe 
unb 9Renuet au$ 3)on 3uan, eine JJtyantajte über 
Üalifinifdje S^ma'S, eine große (Stube, unb ein 
(Sapricao über Steina'* au6 ber ©omnambula: f&mmt* 
lid) I)öd)ft wirfungtoolle Umfdjreibnngen ber Original* 
melobieen, bie, wie fte aud) »on Tonleitern unb #ar* 
J>eggien umfaonnen waren, fiberall freunblid) $ert>or* 
fallen* £öd$ funfHtd) war namentlich bie Erarbeitung 
ber £>on 3ttan*3tyemen unb ifyr Vortrag uberrafötnb 
fcfyfru 916 (Sompofition bie wertfyaolljle festen und bie 
(Stube, ber ein retjenbe*, wie im italtönifdjen SBolftton 
gehaltene* Styema jum ©runbe lag; bie lefcte Variation 
mit ben bebenben SWoten wirb tvofyl allen unvergeßlich 
fein, ifym&on SWemanb in foldjfer jauberif^en SSoBen* 
bung nadjgefoielt werben. ßljre i$m benn nodpnalö ffir 
ben Slbenb, an bem er fid) al* SRenfd) wie als Mufiler 
ein innige* Slnbenfen gefiebert, nnb fefyre er feinen Ste- 
enern balb wieber einmal gurutf. — 



3* 



Kürzere Stftcfte für yianoforte. 



3t. öpant)0l^ ftyantafiebUier.i 

ffietf 10. 

<gd ifi nur billig r jungen ungefannten (Somponifien 
mit 9lad)ftd)t entgegenkommen. Der obengenannte/ 
beffen tarnen wir jum erftetmal begegnen, tritt tnbef 
anft>rud)$&oHer auf. 6r l)at feine ßompojition Statt) 
SffSt augeeignet, unb fte auf bem £itel mit beut 8lu$* 
brutfe ^antafiebilber^ belegt, wa$ 35eibe$ (Srwartun* 
gen erregt* 3m 3nnern ftnbet man bie jwei ©tude 
nod) genauer burd) „SRafllofe* Streben* unb burd) 
„©eelenfrieben" bejeidjnet. 2)a$ erjiere fönnen wir an 
einem jungen Äunfiier nur löblid) finben; nur Der* 
wedjfefe e$ fid) nidjt mit einem „jieilofen ,* wie wir ba$ 
©tfid treffenber nennen motten* 2)er ©ontyonifi fdjeint 
nod) nid)t einig mit ftd) gu fein, ju weiter ftatyne er 
frören fott; bei bem beften SBillen, gut ©efialteteä ju 
liefern, möchte er aud) genial ungebunben erfreuten, 
unb er wäre ja aud) Wirfltd) ein SWeifier, wenn iljm 
bie« gelungen* 2)od) ifl fein ©tud nid)t einmal ted)nifd) 



87 



fettig/ unb fo jförjt wie au6 einem mangelhaften @e* 
fäß ber 3ntyatt, ber etwa ba ifi, au$ aflen Seiten f)tt* 
au$, 3Rit bem „Seelenfrieben" fönnen wir un* aber 
nod) weniger befreunben; bie tyiefe beffer etwa fitude ä 
\a Thalberg; onf biefem SSBege glaube ber junge ©om* 
ponifi nic^t^ ju erretten; an* folgern ©eelenfrieben 
muß ityn bie Äritif ernftyaft $erau$jubrmgen fud)em 
Zxoi} ber mannen 8tu$jiellungen, bie wir an bem SBerfe 
biefeä Äo»i§en ju machen tyäben, woßen wir i§m aber 
feine$weg$ mujtfaltföeä Zaknt abftred^en, eine Sfaer* 
fennung, bie einem jungen ÄünfHer ja immer bie erfreu* 
ltdjfte fein muß , bereu er fiel) jebod) erfi bann waljrfyaft 
erfreuen fann, wenn er fid) aud) be$ fefien Strebend 
e$ fleißig auSjubtlben, bewußt ifh — 



3. t. *ittl, 3 Äd)erji. 

ffierf 6. 

2)er (Sontyomfi ber fröljlidjen ^agbfw^onie* jeigt 
fid) aud) in biefen @d)erji'$ Don ber fröf>Kd)en Seite» 
2Ba$ wir fd)on an früheren Sompoftttonen eben beffelben 
tyer&orfyoben, müjfen wir aud) an ben @<fyerjt'$ wieber: 
einmal bie große Sinfad^eit, unb bann eine öftere Un* 
flar^eit be$ SR^t^muö ber gerieben, ber 8trt, baß und 
namentlich an bm©d)föffenmand)er Steile etwa* ju&iel 
ober ju wenig ju fein bunf t Sorrtgtren unb dnbern läßt fid) 
in fofdjengäUen Don Ruberen nur feiten, eben fo wenig, 



88 



wie wir ben unregelmäßigen $ut6f<tylag eine* Slnberen 
ju regußren berm&hten* 3)<wh ifi e* immer gulafftg, ben 
(Eomponiftai wenigen* auf foldje Stregularttäten auf* 
inctffam $u machen, bamtt er fid) ffinftig^ht nid)t ju fe$r 
flehen (äffe. SBa* aber an ben ©ti^etji'd unbedingt er« 
freut, iß ber ^eitere, natoe <5inn, ber au6 iebem ber 
Stüde h«borbltcft, fo bafl wir bermuthen, ber (Sontpo* 
nifl hege eine befonbere Sorliebe für £a$bn* 9?ur im 
2ten ©cherjo berfu<ht er fidj einer leibenfdfaftfidjeren 
Stimmung ju entiebtgen; boch fällt er im £rio baft 
wieber in ben behaglichen (fyaxattex gurüd, ber i^m 
natürlich fdjeint. 3n jenem leibenfchaftltcher bewegten 
Stüde ifi ihm auch ©♦ 6 / ©Vf** 4 / $ art 5 J u 6 <™ e 
Guinte entfchtityft, M* wir ihm jur Sünbe aufrechnen 
weit entfernt ftnb* 3m Uebrigen ifi bie Schreibart, wenn 
nicht metflerljaft, boch burchgängig reinlich unb correct. 
Solcher angeborenen wie erlangten SJorjüge bereit* 
theilhaftig, wirb ber junge (Sompontfl, wie wir fyoffm, 
immer Süchtigere* ju Sage förbern, unb in ber 9teihe 
ber Sonfefcer be* muftfalifchen Sohmenlanbe* ehrenvoll 
mittlen» — 



£. €. ttttlfhtg, Capuce. 

©et! 6. 

©in fchäfren*werthe* Stüd, etwa« faft unb fteif, 
boch überall eine tüd)tige ©eftnnung, ein bereit* fru$t* 
bare* Streben »errathenb* @* will un* föefaten, ber 



9$ 

(Sontyonifi l)abe ftct) fd)on frfil)}eitig aor ber lärmenben 
©egemoart abgefdjlojfen, fei übet il)re »erberblidjen 
(Smflüjfe tyinauS, unb gel)e min, unbefümmert, ob feine 
SBerfe in ber SKajfe anflingen, feinen eigenen 2Beg. 
©olcfye Qfyaxatttu fmb immer eljrenttertl), unb »irfen 
fte mdjt ai$ <£p*d}enm&nner, fo nüfren fte in Heineren 
Äretfen |um SBejien ber ßunft* Sßtr mißten an ber 
(Saprice faum ettoaä ju tabeln; in ber gönn iß fte au*« 
gejeidjnet, baß ftd) fanm ettoaS tytnjutljun ober toegnefy* 
men läßt; bie (Schreibart ift gefunb, gebrungen, burdjf* 
aus Mar* 9Iuf eine befonbere 3uneigung be$ (Sontyo* 
nijlen jn irgenb einem SXeifier läßt ft$ uad) feinem 
©tütfenicfyt fdjlteßen, e$ mußte benn 35* Älein fein» 
SBenigjlenS trifft, tt>ie bie ßoutyofttionen be$ teuren, 
fo bie üorttegenbe ber SJowurf , baß ein fyöfyerer 3(uf« 
fcfywung bar in nodj vermißt, baß er burtt) bie Ueffeln 
einer eti»a$ engen Styeorie l)ier unb ba gehemmt wirb» 
2(16 SWeifier I)at aber nod) niemanb angefangen, nnb 
ba$ tiefere ©etyeimniß unferer Äunfi, baß fte attmädjtig 
bie £erjen bel)errfd)e, gef)t aud) ben gäljigjien oft erfi 
im festeren Sllter auf* 2)urd) red)t freubige* Singen 
lömmt man tfym noch am balbejien auf bie ©pur. 3)er 
(Somponifi möge un$ t>crfie^en, bie wir im iooljßoottenb* 
jleu ©inne ju ii)m gefprod)en» — 



4» 

3t. f e*ca, 

Sceoe de Bai. lloroetu de Salon. Oe. 14. — La Mlkncholie. Piece 
earaetemtiqtie. Oe. 15. 

93on btefem (Sompomftat Regten wir bi^er gute 
Hoffnungen, bie aber ntc^t in Stfüllung ju gefeit fdjri* 
nen: er fd)reibt rtet unb leicht, felbft anmutig; metyt 
aber tarnt man an feinem Streben mcfyt (oben. 2)a$ 
Weifte fann man in «^enfelt'ä ©ontyofitionen jetyn* 
mal beffer fyaben* Sei feinem latente tonnte er aber 
nngleid) mefyr letften. @$ fd>ein* jebodj, ba$ ?ob, ba$ 
man ü)tn an fielen Drten gefpenbet, madje tf)n als 
(Somponijien immer flattere unb fhtfcer^after* £&lt er 
un$ t>telleid)t entgegen, man fette ifyn boeb nidjt nad) 
fo Meinen ©tfltfen beurteilen, fo muffen wir iljm ent* 
gegnen, ber Äünjiler foH ftd) nie etwa* »ergeben, fobalb 
er e$ mit ber Deffentli<fyfett ju tfyun !)at 3n unfern rter 
SBänben einmal trteial fein, mag fyingefyen; »or ber 
ffielt aber bringt'S ©cfyaben- 3Ba$ glaubt £r* gefta 
ju erreichen, wenn er fb forttreibt? Sßtr wollen e$ 
ttym fagen: man wirb ityn am (Snbe feiner Saufba^n 
t>ielleid>t einen Äaffbrenner ben ^mikn nennen* 8Bir 
tyaben ntdjtS gegen biefen 9tutym , aber ber l> Jd$e fft er 
fetne$weg$. Senfe er affo nodj ein, wo e$ nod) iß; 
nefyme er e$ ernfH)after mit jid) unb mit ber ÄunfL S3i$ 
jefct f)at er nur um ben Seifall be$ ^publicum* gebuhlt; 
will er aber ju einem Urteil über fid) felbfi fommen, 
fo »ertiefe er jtd) bod) ju 3^^en in bie SBerfe eine* 



41 



UÄeifkrS, etwa Seettyiwen'*, unb gefällt er fid) äud> 
bann in feinem Streben nod), fo muffen wir tfyn freiließ 
al* verloren geben. 9Ra$e er unfere 33efurd)tungen ju 
nidjte; feinem Satente ftnb wir greunbe, feinem Streben 
nid)t @$ liegt an tftm, unfere ©ejtnnung über ifyn ju 
intern» — 



C. ^. Sttube, Ctelrer oljne Motte. 

ffietf 16, 

Dffen gefagt, bie^enbel$fofyn*f<f)en ftnb un6 lieber, 
wie wir benn 9?iemanben um ben ©nfatt beneiben, nad) 
ifym »el^e ju ebtrem 2)od) fyaben bie be$ #nu Strube 
etwas 9lbroeid)enbe$, Ueberf^riften nämlid): Älage 
einer ftalianifdjen gifd)erin (nad) ZI). SRoore), Sd)lum* 
merlieb, Sefynfudjt, ©ottoertrauen. 2)a$ 2te unb 4te 
Sieb fagen und am meifien ju, ba$ 3te weniger; gegen 
bie „Äfage" aber mfiffen wir energifdj ^roteftiren ; fo 
flagt fdne beutfdje, gefcfyweige eine ficilianifdje gif^erin, 
unb gäbe e$ unter unferen Seferinnen wefdje, jte feilten 
e$ und bejeugem iDod) Ueberfcfyriften ftnb nur 9teben* 
fad)e* galten wir un$ an ben rein mufifalifdjen ©efyalt; 
ber ift nid)t fd)led)t- 9ti$tigfeit be$ Safte« wirb bei ber 
Stellung, bie ber Somponifi tyat (er ifi Drganifi) t>or* 
auflgefefct, aud) runben fid) bie Stüde jiemlid) leid)t ab, 
bie wir ifyrem (Styarafter nad) fdjlidjt unb gutmütig 
bejeidjnen motten. 98iel metyr läf t ftd) über ba6 Dpu& 



42 



culum nid>t fagen* (Sin gewo$nlt<$e* $ilb ju gebrauten 
— e* tyit einer jener Heineren ©anzöget ber 9ta$ttga8 
nad»ttfhtgen fcerfud>t, unb au$ 3*uufömge muß e* 
geben ! — 



3ultu* Ädjaeffet, 3 fiefeer aljne tttorte» 

©et! 4. 

„Unb and) 3<TOnfönige muß e$ geben \" mit biefen 
SBorten fdjloß unfre lefcte Slnjeige über ein äfynüd) ge* 
nanntet £eft eine* anbren Somponißen» Sind) auf baö 
»orliegenbe liegen ftd) jene anwenben; bod) fitib e$ 
wertvollere SRacfybilbungen, als wir meiste unter 
jenem allgemein geworbenen $itet erhalten» 3)er (Som* 
ponift fcfyeint jung unb noct) im erften 93rutfcieb ju 
fdjaffen ; wer wirb ba gletd) nad) bem ÜÄaflftabe nteffen 
wollen, nad) bem man -äWeifter beurteilt gafyrt er aber 
fort, wie er angefangen, arbeitet er fut> nad) unb nadj 
aud) jur ©elbftfiänbtgfeit hinauf, fo burfen wir nod} 
(SrfreulidjeS »on il)m erwarten* 3Ba$ un$ ju biefer 
Hoffnung ttorjügltdj berechtigt, ift ber feetawollere 3ug, 
ber biefe Sieber ttor anbern il)re$ gleiten auSjeidjnet, 
unb erfdjeinen fte aud) in ber Sfaäfüljrung nod) nify 
überaß fertig, fo wirb bem ber Steif nad^elfen unb 
ein fortgefe$te6 rege* ©Raffen ber £anb eine grofere 
8eid)tigfeit unb gepigfeit geben* 9lud) biefe lieber oljne 
2Borte" l)aben Ueberfcfyriften; fte wären unfrer Meinung 



43 



ttati} beffer weggebliebem (5ö gibt geheime Seelenju* 
flänbc, wo eine Sfnbeutung be$ Gomponifien burd) 
SBorte ju fdpieflerem SSerjlättbmß führen fann unb 
fcanfbar angenommen werben muß ; unfet (Somponiji 
ßibt aber befannte, für welche SBejridjramgen, wie: 
SReeredfHtte — 3*4um' idj? nein, id> wadje — ©djwer* 
mutl), jn predJö erfdjetnen, bie gtoeite finben wir fogar 
ßefd)ma<flo6* 3)ie ©tfitfe einjefa betrautet, fo fagt un6 
ba6 britte am metften ju, obwohl fidj gerabe in iftm ba$ 
93orbi(b be$ ßomfconifien am beutltcfyfien t>errätf). — 



3. C. ÄefJUr, 7 tttoljec für JKanofotte. 

SRad) einer SReifye tton 3al>ren erwähnen wir biefen 
(gontyonifien, auf ben wir früher Hoffnungen gefefct, 
tyeute jum erfienmat wieber. 2Btr glaubten, er würbe 
fein fangeä ©Zweigen burd) ein größere* Sßerf unter« 
brechen; bod) fcfyeint e$, fyabe er feinem Talente ba$, 
tt>a$ man feinen Anfängen nad) bason erwartete, nidjt 
abgewinnen f (tonen, al$ fyabe er e$ oon felbft aufge* 
geben, ifym Eingang unb ©eltung ju tterfcfyaffem gelber ! 
fefcen wir fyinju; benn er fyatte ba$ 3m$, etwa* ju wer« 
ben. Slud) biefe SBafjer betätigen bted wieberum; fo 
flftcfytig fte aud) Eingeworfen ftnb, fo attymen fle bod> 
überall geben unb «nmut^ @n leifer »nflug »on 
©cfywermutl} mad)t fte nur anjiefyenber* SRödjte ber begabte 
(Somponift ftd) balb ju größern Arbeiten ermannen» — 



44 



2Ut*anfeer ÄtegfdjoA, gtofc gtyantaftt» 

Set! 12. 

5>a6 erfie größere ©er! be* jungen (Slaatertyelben, 
ber Me 3ritungen fo »iel t>on jtdj frredjen ma<§t* ®e* 
fielen toxi e* (eiber/ eS tfi im* feit lange fo eta>a6 Hb* 
gefifymadte* nid)t mgtfommen* SBetdje Xrtnuty an 
$^antafie unb Wetobie, welker 9fafwanb, mit beut un6 
tyfer bie Jatentlojigteit imponfren mädjte, wet$e* 
©djöntfyun auf ben tribialjlen ©emeütyläfcen! £at ber 
junge ffiirtuo* gar feinen ftreunb um ft<^ ; ber ü)m bie 
SBafyrtyeit fagte, SWemanben, ber feine gfoigerfünfieleien 
überfefyenb tfyn auf ba$ Seelenlofe, 9lidjtige foldjer 
SRuftf aufmerffam madjte? @$ gefyt privatim ba* ®e* 
rfid)t, ber 93irtuo$ fei ein abgefagter getnb SSeettyo&en'* 
unb er ^alte gar nid)t$ *on ifym ; wir »iffen'S nid>t, 
aber feine ©ompofttionen mad>en fo eine Stypreljenfton 
mefyr al* tDafyrföeinlul). ©tubiere er nur immerhin 
93eetf)otxm, ja nid)t einmal ba$ brauet'*, er fann bon 
SReiftern britten unb vierten Stange* lernen/ bon Strauß 
unb Sanner. ?eiber färbten mir mit unferm guten Statte 
nid)t einmal tterfianben ju »erben ; benn bie „5tyan* 
tafte" berrity nid)t fotpotyl ein fdjülettyafte* Salent, aW 
ttrfrflidjeS angeborneä Unvermögen jum ©Raffen. 2)ie$ 
fönnte beinahe milber fttmnten; aber tt>o bie Sntyotenj 
fo gar pretentito auftritt, fann man unmögtid) rutyig 
jufetyem 3Ba* £r. Sretyföocf atö Sfrtuo* triftet, ift 
eine ©acfye für ftd); feine Sprünge, feine tfraftgriffe, 



4» 



toic 8rot>our, mit ber er alle* anafüfyrt, fönnen tvoty 
eine ©eile ergoßen. Stber e* fömmt bte 3*i*/ wo audj 
btefe Äünfte im greife jtnfen werten, nnb wa* bleibt 
batm biefer »rt SBirtuofen nodj übrig? — 



Clmatfi tttolff, 4 »IjapfaWeen. 

fflerf 29. 2 $efte. 

9ln einer größeren (Stnbenfammlung beflelben ßom* 
•poniflen, bie bie 3tftffyiß einiger falt beforad), 
fonnte ber Sericfyterjlatter leiber nicfyt mefyr loben, al£ 
ba$ l)crt>orjled)enbere Talent, ba$ jtd) im Allgemeinen, 
barin jeigte* 9Rit Vergnügen mad)en wir bafyer auf 
biefe fötyapfobieen- aufmerffam, bie überaß einen gort* 
fdjtitt be$ ßompontjien benrfunben; ftefinb leichter, fa£ 
waljerartiger SRatnr, aber bei weitem fanberer in (Srfin* 
bung nnb Ausführung, alö bie (Stuben, babei viquant, 
felbfi geijireid^ Sin ßfyopin wirb man oft erinnert, bodj 
mefyr an ben ßla&ierfoieler, an beffen 3i^tfgÄnge, im 
Stnjelnen wofyl auefy an einige £armonieWenbungen ; im 
Uebrigenaberblitft ein lebenäfofligeS, jinnlidje* Clement 
and ben ©tüden, fo baß fte jtdj leidjt Eingang aud) auf 
beutfd)en (Klarieren »erraffen bürftau SBÄr' e$ ba$ 
wilbe *ßari$ ntdjt, wo ber Somponifi lebte, wir würben 
feiner 3ufunft als Äünpler ein gute* Sßrognoftifon fiel* 
len, fo aber müffen wir abwarten, ob er and) jtraft 
fyaben wirb, ben SBerfüljrungen ju wiberfiefyen, beren 



4» 



Opfer bort föon fo manche gtönjenbe Talente geworben, 
«nbererfeit* bietet e* wteber wafc, ba6 ©efdfl^ßon 
wrfationeBe, ba* att$ biefe 8t$a>fobieett au£$eidptet, 
vermag nur eine ©tabt wie *Pari* ju geben; «ttb 
2)eutfd)e, bie dfynlidje* wollen, nehmen ftd) meffi unge* 
fd>Wt unb lebern au$; ti>ir wußten (Balberg au*ge- 
nommen) faum einen beutfdjen Soutyontjien, ber fo 
brillante SalonjWde ju ©tanbe bringen fonnte, aber 
freiließ aud) Diele, bie SeffereS fönnen* SBte gefagt, wir 
Ritten nid>W bagegen, wenn wir au$ bie beffernSRobe* 
fa^en nidjt au$ $ßari$ ju bejieljen brausten; aber ber 
Deutle ift nun einmal überall meljr SWobe, als ja 
£aufe* Stocfy etvt>a^ ©peciedereö über bie Stüde p 
fagen, bie biefe 3*Ucft berantaflt, fo ftnb e$ naraent(id) 
bie 3te unb 4te Stljapfobie, bie un$ »orjugdwetfe im 
6inne geiftreidjer Unterhaltung augefagt* 3um Segriff 
^St^apfobte" fe^lt ifynen eigentlich ba$ »^apfobif^e, beut 
wir felbfi uod) tnefyr gret^ett al$bent@$ers0 3ugefte$en; 
bod> ifl'S eben ein äBort, für bie ©ad)e Ratten wir felbfi 
fein paffenbere* ju wählen berjtanben. 

Ob bie leiste $anb übrigen*, bie fte gefd)affen, ftd) 
att$ beim Sfofdffen fdjwererer gönnen ate eine triftige 
ftewityrt, wirb bie golge jeigen* ^ebenfalls Derbient ber 
fcomponifl für bie freurtblid&e ®abe freunbli^en Smh — 



47 



4§erm*mt v. Comenfhiottr , 4 Jntptomtu'* ?u 
4 $mt*en* 

©et! 11. 

©ei bem großen SRangel an trierfyänbigen Stütfen 
fann bie 3bee, für totefe fd^ötie ©attung berStaoiercom* 
pofftton ju arbeiten/ nur glütftirf) genannt merben. @6 
ifl audj nify ba$ erflemal, baf ß$ ber genannte (Som* 
ponifi barin tterfucfyt; wir erinnern un$ mitgreube einer 
Ä$ntid)*n Sammlung <5d)erjo'$, bie bteßettförift f<$on 
&or jmei Sohren beftro^en unb mit mdrmfiem 8obe 
begrüßt «ieltei^t, baf ber »eifati, ben mir baraal* 
gesollt, ben jungen, talentvollen 50fxiftfcr anreijte, nocfy 
mel)r berartige* ju fd)affen; mir t>ermutl)en cd, bienenen 
Stüde fdjeinen un6 abfW)t&>oller, gefugter, al$ motte 
ber (Soniponift bie früheren überbieten» SHe* Streben 
müßte an ji$ nur töblt<fy genannt merberi; aber We 
Slbfufyt bittftburd), unb fle allein ftdjert, miebefaunt, 
nidjt immer ba$ (gelingen* SBie bem fei, aW ein tatent* 
votier Äünfiter betätigt ftdj £r* x>. Bmenffiolb audj 
in biefem neuefien SBerfe, unb oft bauert e* und nur, 
baf er jttfy für feine ©ebanten feine* größeren Stammend, 
gerabeju be* DrdjefterS bebient, mo fie ftdj oft fäfirfer 
unb efetfroSer I)erau$#elten mürben» SRit SSorliebe 
fäetnt er nod) an einem Gompontfien ju Rängen, ber, 
fo mürtög unb eigeuttyfimlidj er bafteljt, nur feljr menig 
nadjgealmtt motben ifl; anDnSlom ndmltd). $Mrl)aben 



48 



tiid}t* dagegen; e* ifi ein Seitenweg $wn fyöljeren 3H 
aber fein falfdjct; mit ben wedjfelnben 3a$?eu Oer 
ßomponifi jA^lt faum 25) werben au$ Me SorbUbet 
Weddeln; wir muffen e* wünfdjen, beim ein junger 
Äunfiler, ber feine ©Übung allein au* Dn$lott> fjolen 
wollte, würbe e$ nidjt ljo<fy bringen unb plefct ganj 
jururfbleibem ?lber aud^ljoffen bürfen wir'*; ein jun* 
ger, aufgewedter SWuftttopf, wie ber unfere (Somborn* 
fien, fatm unmögltd) lange in biefer Stiftung beharren. 
" Dann aber, bilbet unb übt er jtd) »ielfeitiger, tioirb er 
gewtfl in feinen SBerfen man<fye$ tilgen, ober au4) gar 
niü)t fd)reiben, wa$ wofyl Hingt unb richtig, aber ntuji* 
faltfd) bodj and) ju geringfügig ifi, um e$ einen ©eban* 
fen nennen jü fönnem <So gleict) ber Slnfang be$ erfien 
3uH)romtu ; ber ßomponift mad)t im Verfolg barauä, 
wa$ ju machen, unb ein SKeifler fönnte nicfytä ©effere* 
herausbringen; im ©runb bleibt jebod) ber ©ewtmt 
nur immer gering : e$ liegt eben in ber urfprungti^en 
geringen (Srfinbung, bie feine jlunjl ju abeln fcennag* 
SBir nahmen bie$ Meine Seifpiel; e$ finbet ft$ nod> 
d^nlid)eö in ben ©tüden, baneben aber au<fy fo t>iel 
wtrfltd) gut (SrfunbeneS unb in ber 8fo$fulj>rung @elun« 
gcne$, baf wir aud) tiefe ßompofttionen ber 33ea$tung 
aller folibeit ©vieler empfehlen muffen* Seim erfien 
Durchfielen wirb ber ©enup freilid) noc$ farg, unb #e 
wollen auf ba$ ©enauefte unb 33eße jufammenfhibirt 
fein. @f)er aber foll man überhaupt nid)t urteilen, e^e 
man nic^t ?in <5tüd in feiner &oUfomrne;#en $fu$ffi^* 



40 



tung ftdj benfen fantt ober e$ fo gehört f)at Sßtr 
freuen und/ balb aud> t>on anbern (Sompofttionen be$ 
interejfanten jungen 2>inen berieten ju fönnen. — 



6. Balberg, 

Scherzo. Oe. 31. — Grand Nocturne. Oe. 35. — La Cadeuce. Impromta 
ea forme d'Etude. Oe. 36. — Souvenir de Beethoven. Fantainie pour ie 
Pianoforle. Oe. 59. 

Ueber Mefen, »ie über bie ßomponiften ber folgen* 

t>en Stüde $at bie 3eitfd)rift fd)on fo oft geforoeben, 

t>ie öffentliche SKeinung lote bie ber Äritif ftfy über fle 

fo fcfi bereite, baf ft<ty nur toenigeS fyinjufugen l&$t, e$ 

tt>äre benn, baf* fte felbfi anbere JRitytungen einfcfylügem 

S^alberg jum wenigften mcf^t; er bleibt jtd) audj in 

ben ertoäljnten ©ompofttionen treu. 3unäd$, toie man 

weif, fcfcreibt er für ftd) unb feine ßoncerte; er will 

jnä# gefallen, glänjen, bie ßompofttion ifi Siebenfache* 

33li$te nid)t hier unb ba jmoetlen ein eblerer Strahl 

tyerüor, unb fatye man in einjelnen *ßartieen nid)t einen 

fotglicfyeren gleiß in ber Ausarbeitung, feine (£ompofl* 

tionen wären ofyne weiterem ben taufenb anbern SSirtuo* 

fenräadjwerfen beijujd^len, toie fie jahraus jahrein jmn 

SSorfc^ein fommen, um batb lieber ju oerfdfloinbem 

3ene$ eblere Streben jeigt ft<h namentlich in bem erji* 

genannten Scberao, unb eö bauert un£ ber mannen 

guten ©ebanfen toegen, bie e$ mtfyxlt, bo^>elt, baß 

fein oollfommen abgerunbeteä 9£ujtfftücf barauä getoor* 
iv. 4 



W 

ben» Die SJMngel liegen in ben SRittefyortieen, feie, 
aucf) in ber grftnbung fdjtt)Äd>er, ftd) nW)t gefötrft ge* 
nug in ba$ ®onje einfügen» Stetten wie auf ©ette 4, 
©tyji» 3, »om legten £act an, fann Sief» toenigftend 
nid)t anberä als mit „mufifloS 4 ' bejeidjnen ; fte finb mit 
Sflli^e bem 3nffrument abgerungen, bie Seele l)at feine« 
8lntl)eil bar an. 9iad) Anlage unb ßljarafter be$ ©tücfe* 
gehört e$ aber, tt>ie gefagt, juSfyalberg'ebefiettSadjett» 
Da* Äotturno weicht in Zon unb Haltung Don ber 
befannten, burd> Sfjoptn ettoaä mobiftrtrten SBetfe, nur 
toenig ab» Äamentlid) bicfe* Notturno wirb jtd) greunbe 
emerben, unb nod) mel)r $reunbinnen» Sd)t Sljal* 
• bergifd) tft ba$ mit la Cadence aufgeführte ©tM , ein 
^übfc^eö Steina, bei ber SBieberljolung capricciomafig 
»ariirt, brillant unb fel)r effectbotl» SBiel ©pred)en i)at 
ba$ Souvenir ä Beethoven fcon ff<fy gemalt ; Hrir 
muffen e$ inbef als einen großen 9Äif griff bejeidpien 
unb gefielen unfere ^ebanterie in biefem *ßunct» SJeet* 
Ijo&en verträgt einmal feine trirtuojtfdje Setyanblung; 
tt)ir bürfen uidjt bulben, baf finbifcfye #dnbe an tl)rc 
jenen unb rütteln» 3& wir möchten e$ gerabeju als eine 
Sldjtunglojtgfeit Balberg'*, ein @ar*ni<tyt*fennett t>on 
Seetfyotten'S ®röfe anfefyen, wenn e$ nicfyt eben anber* 
wäre» SßariS l)at bie ©d)ulb an ber ungl&flid^en 3bee; 
33eeil)o»en iff bort 3Robe: föon Seriot lief ftd> ba* 
nidjt entgegen, Balberg folgte, unb — fei er aud) ber 
le&te; e$ if* nidjt gut, mit 8ötoen fraßen »ollen» — 



51 



i. ^iUtt, 

Impromtu pour le Pianoforte. — 3 Gaprices. Oe. 20. — 4 Reveries. Oe. 21. 

Seit ber lefcten 33efpred>ung «gtfller'fdjer ©Uwier* 
compojttionen finb wir aßefammt beinahe um 7 3afyre 
älter geworben. 83ielleid)t erinnert fidj no<fy mancher 
unferer 8efer einiger größerer, im 3* 1835 getriebener 
SCuffafte, unb wcldjeä $orof!op wir bamalS bem jungen 
Äunjiter faßten* dx f)at feitbem als ßta&iercontyoniji 
nur wenig geliefert, unb fid) in größeren (Sattungen, in 
ber Dper unb bem Oratorium, t>erfud)t. ©ein Dxato* 
rium namentltd) begrüßten wir al6 einen gortfdjritt jur 
3Jieifierfd)aft, unb gefyt il)m aud) jene jtegenbe ®ewalt 
ab , ber wir wie in anbern SWeifterwerfen ntd)t wiber* 
fielen fönnen, fo offenbart e$ bod) ein fo entfdjieben 
flareä SBoßen bei fo Dielen anbern mufifalifcfyen 93or* 
jugen, baß wir ü)m freubig juriefen, auf folgern SBege 
fort ju beharren, ©eine neuefien (Sla&ierftutfe fyabeu 
un$ wieber über ba$ 3**1 bc*. Somponijlen etwas irre 
gemadjt SSielleidjt finb fie au$ früherer &it, fctelleidjt 
in itidjt gunftiger ©tunbe getrieben; fie mißfallen un* 
fafl ganj unb gar. @$ ift bamit als wenn man in einen 
jtorb reifer unb unreifer burd)einanber geworfener 
grüdjte griffe ; man fann ju feinem regten ®enuß f om* 
men* 3lm wenigfien liefe ftd) ba$ tton bem erwdfynten 
3mpromtu fagen, ba$ burd) frönen Vortrag fogar eine 
anmutige SBirfung hervorbringen unb burd) ein befon* 
bereä bi$ jum ©d)luß fe#gel)altene« Solottt )u feffeln 

4* 



5t 



vermag; e* gefällt un$, fo Hein e$ ifi, fcon allen oben 
genannten Sontpofttionen am beftau 2»it ben Ste&erieen 
unb nod) weniger ben (Sapricen vermögen wir im$ aber 
nid)t ju befreunden* (5* flel)t fjter fo fciel Srfoiale* unb 
gorctrte* neben einzelnem ©eiftreidKn unb auty wirflid) 
6l)arafterifWfd)*n, baf* wir fie in einer früheren *ßeriobc 
bea (£ottq>onifien entfianben glauben; ja ©ngelnee fin* 
ben wir fo ^^^We^erbeerifö unb abfdjeulidj , bafj 
un* wunbert, wie er e$ nur brutfen (äffen fonnte : fo in 
ben 9tet>erieen, 5 ber Uebergang &on SmoO nadj 
9lmott, ©♦ 6 bie Harmonie t>on S)e$bur nad) bem ' 
©ertaccorb auf 6. ii t>on (SiS obergbur gleidj 
nacfy £bur k. k. SBir wiffen gar wofyl, e$ flnb bie« 
gerabe Jene Stellen, bie 93* in Sßarifer ©alond ba$ 
©lud eines ganjen Stüde* machen, wie fte namentlid} 
SRetyerbeer liebt unb in ©djwung gebraut; auf gute 
beutfdje SÄuftfer iß inbef bamit fein Sinbrutf l)ert>orju* 
bringen, unb wir wünfdjten fie, wo fie fytngefyoren, in'« 
$fef erlaub. tteberljaupt ringt, na* btefen Stütfen ju | 
urtfyeiten, in filier nod) immer ber Gla&ierfirieler mit i 
bem ßomponifien ; e$ l)ängt ffym wofyl &on früher an, | 
wo er fid) ber Bewegung ber neueflen (Slattiermuftfer* 
epod)e mit Sntereffe anfdjloj* ; gebe er inbef eines ober 
ba$ anbere auf, fcfyreibe er ganj als SBirtuoä für 93ir* 
tuofen, ober ganj al$ Äunfiler. ©eratfyen ifi bie$ frei* 
litfy leidjter att gett)an; e$ fdjeint und aber als wäre 
bie* bie Ältype, wogegen er ju warnen : er wolle weniger 
Effect machen, bann wirb er'S, auf bie Äflnfifer wenig* 



ßen£< $ielfeid)t nehmen wir e$ ou$ 311 fireng, »ieUei$t 
legt ber Somvonift, ber in größten gönnen ftd) fäon 
tyerttorgetfyan, felbß fein ®ewid)t auf feine Heineren @r* 
jeugmjfe; aber bte 3«t ifi foftbar, ein ernfter SBinf fyätte 
fcfyon mand) verlorne erfparen f innen / unb e$ bleibt 
immer beffer, bie Äranftyeit beim tarnen ju nennen/ aW 
fronen ju »ollen. 9iur eine stummer enthalten bie 
9iä>erieen, wo ber (Somponifi ber Sinmifd)ung fcon 
93irtuofenbetwerf faft gfinalid) entölt, bie jweite, ein 
feine* ©enrebüb unb un$ bie liebfie im #efte* $lm 
ipenigften aber fönnen wir un$, wie gefagt, mit ben 
ßapricen befreunben; man finbet siele* barin, S&afceur* 
partieen, einzelne* fleißig (gearbeitete, letc&t fangbare 
(Santilene, oft intereffante tyarmonifdje ©äuge, von 
allem etwa*/ at* wolle e* ber (Somponift SlUen redbt 
machen, unb borf) ober eben beSljafo fein förnftganje*, 
feinen ©tyL SWag au<$ bie »eaeMjnung „ßa^riccio" 
23iele* in ©$ufc nehmen, e* ftef)t fyier ju »iel Sd)te* 
unb Unechte*/ Signet unb (Sntleljnte* nebeneinanber, 
al£ baf e* gefallen fonnte* @ine ßttflKeberung würbe 
)u weit fuhren; mödjten fte anbere t>orne|men, unb bann 
unfer Urteil betätigen* 2)ie* alle* fagen wir aber nur 
im ©ewuftfeiu be* bebeutenberen Saleute*, ba* un* 
tyter gegenüber fie^t; einem geringeren, ungebildeteren 
muffen wir manche* jum Bobe anrennen, wa* wir bei 
einem aorgeförititnen nur naturlW) ftnben* 3n ben ge* 
Weigerten 8(nft>rud)0n an bie Ufytexm aber liegt fdjon 
eine «nerfennung, bie bem regten Awnftler metyr gilt 



»4 

att »otytwottenbe 9?ad$(f)t, bie ber, von toefdjem roh 
fj>re<$en, auf feine SBeife t>erbient. — 



fcj. Zaubttt , 

lt Ntytdc: pieoe coocertaote pour le Pitooforle. Oe. 49. — Saite: 
Prelade , Btllata , Gigue , ToccuU. Oe. SO. 

3»ef fe^r »erfc^iebene (Sompofitionen, bte gu man* 
nidtfadjen Setradjtungen Slnlajj geben fönnem Sludj 
Hubert ifi von ben ©npffen ber mobernen 93 tt tu oft tat 
nid)t unberührt geblieben/ unb blitft aud) immer feine 
grfinblid>e ©Übung butd) feine berartigen für ben <5on* | 
certfaol beregneten (Sontyojitionen fyinburd), fo festen 
e$ bod), als fyabe er ftd) mandje* angeeignet, toa& ntdjt 
ganj feiner Statur gemdf* tt>ar* (Sr ftonb ju manchen 
äftrtuofen, bie gern ®rfinbli<fye$ geben mödjten, gewfffer* 
mafen in einem umgelegten SBerfyältniffe; er befifct, tt>a$ 
jene nic^t fyaben, unb wollte bo<fy aud) nUtyt }urü<ftlri* 
ben hinter ber allgemeinen Sewegung, ttrie fte burd) bie 
Erfolge ber neueren (Slavierfyieter hervorgerufen tt>ar. 
Styeiltoeife gefyärt auefy bie „SRajabe" biefer mobernen 
Stiftung an* 2)a wirb plöfcltd) in iljm eine anbere 
©aite wad); er gibt un$ ein «£>eft, auf bem bie alten 
luftigen Äamen ©uite, Sßrelube, ®igue ic. prangen, 
unb barin föfllidjen 3nfyalt ©eflefyen wir, toh jie^en 
fte feinen 93ra*>ourjföden bei weitem vor, aud) bet 
„Wajabe/ bie un* für eine foldje bod> nic^t leidjt, nid)t 
natürlich genug borfommt, — nidjt an ©ennetf* (£om* 



59 



^ofition gletcfcn 9tamen6 ju gebeutet, ber freilieft audj 
glöten unb £oboen, furj ein gonje* Drdjefier ju feinem 
©emälbe natym. Slber bie ©uite muffen wir auf ba* 
SBÄrmffc Ijerfcorfyebem 3Ran furzte ftcfy tti^t t>or bem 
tarnen; unter bem fünjilidjen Siococo fdjlägt ein frifd)e$ 
watmeä *g>er^, ba$ ftcfy mit Siebe einmal in bie SSergan* 
genljeit gefenft unb wie e$ um fein eignet jiefyt, babei 
bod) aud) nic^t serläugnen fattiu 2Ba$ jtdj ber (Som^* 
ntft bei feinen altertümlichen ©ebtlben gebaut, sollen 
wir nid)t einjeln ju erfldren *>erfud)ent 6$ ftecft aber fo 
t>iel 3ronie unb SBefymutfy in feiner 3Rufif , bafl wir jie 
^erftanben gu fyaben glauben. 2Bir fmb einig mit ifym. 
<Strebet twrwärW, wollte er fagen, aber gebeult ber 
Süten juweilen* ©enuge bie$ SBenige, baß jtd) tedjt 
SSiele baö interefiante £eft anfefyen* — 



f. Chopin, 

3»« Wotturno'ö. ©et! 37. — »aflafce. ffier! 38. — ffiatjet fut $ia« 
noforte. ©et! 42. 

6f)o£in fonnte jefct alle* ofyne feinen tarnen Ijerau** 
geben, man würbe tf)n bod) gleid) erfennen. Statin liegt 
Sob unb Säbel jugtetd), — Jene* für fein Talent, biefer 
für fein Streben» Denn jtdjetltd) wofynt tym jene beben* 
tenbe ßttginalftaft inne, bie, fobalb fie ftd) jeigt, feinen 
3 weifet über ben 9tamen bed 9Jteijier$ juläflt; babei 
bringt er aud) eine Süße neuer formen, bie in tfyret 
3artbdt unb Äüfynfyeit jugleid)33ewunbetung ttetbienen* 



5« 



9teu unb erfmberifd) immer im fkufteUdjen, in ber 
®e#a(tung feiner $onftö<fe, in befonbereu 3nftrument= 
effecten, bleibt er ft<ty aber im 3nnerlid>en glrid), baf* 
wir furchten, er bringe e$ nid)t fytytx, aW er e3 bis jefct 
gebraut Unb ifi bie* f)oä) genug, feinen tarnen ben 
uffl>ergÄngß<§en in ber neueren £unftgefd)id)te anjurei* 
tyen, fo beförÄnft fid) feine SBirffamfett bod> nur\raf 
ben fleinern föeiö ber <Sta&iermuftf , unb er tydtte mit 
feinen Äräften bod) nod) fciel #6l)ere$ erreid)en unb 
(Stnfluf auf bie gortbilbung unferer Äunfi im Sttgemei; 
nen gewinnen muffen* begnügen wir un$ inbef . (Sr 
$at fo ttiel £errlid)e* gefdjaffen, gibt uu3 nod> jefct fo 
t>iel / bajj mir jufrieben fein bfirfen unb jeben AünfHer, 
ber nur bie £älfte geleitet, wie er, beglütfwünfdjen 
müßten. (Sin S)id)ter }n Reifen, braudjt'S ja audj nid)t 
bidleibiger 93&nbe; burd) ein, jwei ©ebidjte fannßbu 
bir ben 9?amen fcerbienen, unb Gtyopin fyat folc^e ge* 
fdjrieben* Sfud) bie 9totturno'$, bie oben erwähnt ftnb, 
getreu l)ierl)er; fte unterfdjeiben ftd) t>on feinen frütye* i 
ren wefentlid) burd) einfacheren ©cfymud, burd) füttere I 
©rajie* SBtan weif wie S^optn fonfü ftd) trug, ganj I 
wie mit glitter, ©olbtanb unb perlen uberflet (St ifl 
fd)on anbert unb Alter geworben; nod) liebt er ben 
©djmutf, aber e$ ifi ber finnigere, hinter bem ber Slbel 
ber $)i<$tung um fo liebenSwftrbiger burd}fd}immert; 
ja ©efdjmad, feinften, muß man ityra laffen, — f4r 
®eneralbafftf)en ifl ba$ freilid) nid)t, bie fudjen nur 
na<fy Duinten, unb jebe feljleube fann fte erbof em 9töer 



57 



ttod) mand)e6 Kirnten fte »on Sfjepüt lernen, unb ba$ 
£üttntemnad)en t>or Mm. SBir ^abcn nod) ber $ a 1 1 a b e 
al$ eine$ merfwürbigen ©tthfeS ju erwähnen» (Stjopm 
fyat unter bemfetben Warnen fdjon eine gefdjueben, eine 
feiner wilbefien etgentl)ümlid)ffen Sempefttionen ; bte 
neue ifi anberS, als Äunjiwerf unter jener erften fietjenb, 
bod) md>t weniger pl)antafiifd) unb geifireicfy. Die tei- 
benfdjaftltdjen 3*t>ifd)enf5&e fd)efaen erfl fpäter fytnjuge* 
fommen ju fein; id) erinnere midj feljr gut, at$ ßljopm 
bie Sallabe ^ter finelte unb in gbur fcfytof* ; Jefct fd)lie§t 
#e in SlmotL ßr ftrad) bamatS aud) ba&on, baß er ju 
feinen Sattaben burd) einige ©ebtd)te &on SDWrfiewifc 
angeregt worben fei* Umgefetjrt würbe ein Didier ju 
feiner Söluftf wieber fel)r leidet SBorte finben fönnen; 
fte rittjrt ba$3nnerfie auf* Der SBaljer enblid) ifi, wie 
feine früheren, ein ©alonflürf ber nebeljien Slrt; foDte 
er tl)n junv&mj »orfytelen, meinte glorefian, fo müßten 
unter ben £finjerinnen bie gute ^älfte wenfgfienaGom* 
teffen fein. (Sr I)at 9ied)t, ber SBaljer ifi arifiofrattfd) 
burd) unb burd). — 



t. Ä*n&eUf0l)ttH6artl>öl*s, fecfr* Sutott oljne tttortc. 

4M $efi. ©erf 53. , 

@nblid> ein £eft e^ter lieber ol)ne Sorten Sie 
unterfdjeiben ftdj &on 9f enbelSfotyn'S früheren nur wenig, 
wenn nid)t burd) grJf ere (Sfnfadjtyeit unb in melobifdjem 
33etrad)t burd) iljre leichteren oft &etWtl)ümKd)en ®e* 



58 

fangwetfen* S)ie* gilt namentUd} bon beut Siebe/ ba$ 
bet (Sontyonijl felbfl al« „ffiolfolieb" bcjeifyiet; e* tfi 
bied aud bemfelben Stonnen gefommen, au£ bem etwa 
föttyenbotff einige fdnet wunbett>ollfien©ebi<$te, Seffutg 
feine ,©fellanbfd)afr getopft. 3Ran fann jid> ni$t 
fatt batan ^orett» S)et. wltetfyümiidje 3«g/ bei ftd> 
überhaupt in Dielen (Sontyofttionen bet jüngeren £ünft* 
(et ju jeigen anfängt, fttmmt ju erfrenlid)en 9etta$tun* 
gen für bie nddjfte 3nfunft; et lag einem offenen Singe I 
übrigen^ in 33eetye*>en'd legten Arbeiten fttyon ange* 
beutet, wad SWantfyen freitid) wunbetbat genug Hingen 
mag. ©inen fcolfötfyümlicfyen 2on, obwohl nid)t ben bei 
S^ot'*, tyat and) ba* btitteSieb in ®moU; e* Hingt 
mef)r wie&ietfHmmiget©efang* 3San bewerfe übrigen*/ 
wie Sfenbefefotyn in feinen Siebetn ofyne SBotte »om 
einfachen Sieb butdj ba$ Duett bis jum aRetytfHramtgen 
nnb Gutartigen &otgefd)titten* @o i^'d mit bem wafc 
ren, erfinbenben Äünftter; wo man oft glauben mö$te, 
et fönne nidjt weitet/ f)at et utwetmutljet fcfyon einen > 
@d>titt *otw5tt$ gertjan, neuen 33oben gewonnen. ' 
Stnbete* in biefem 4ten £efte etinnett fteilid) wiebet an 
filtere aus ben anbetn £eften ; gewijfe SBenbungen, 
SBiebetfyolungen fdjeinen fogatSWaniet ju wetben. 2>od> 
ifi baS ein SSotwutf / ben fyunbett anbete mit Däfern 
erlaufen würben, bet n&mttd) an gewiffen ©dngen etfannt 
}u werben, bap man batauf fdjwotenmödjte* ©efyen wir 
benn mit greuben nodj liefen Sammlungen entgegen ! — 



»eöer einige mutijmaßfid) corrumpirte Steffen 
in 3$arijTci)ni, Mo^atVfd^m unö Meet= 
f)ooenTcf)cn Werften. 



Sßfifte man alle, fo Hefen jtcfy fcielleidjt golianten 
barfiber fdjreiben; Ja id) glaube, bie SWeifier muffen 
jenfeÜS manchmal lädjeln, wenn fcon ityren SBerfen 
einige mit allen ben geljlern fyinäberflingen, n>ie fie 3eit 
unb ©erootynljeit, woljl aud) ängfilid)e $teWt Ijat flehen 
taffem @d mar längjl mein SSorfafc, einige in befamtte* 
ren SÖerfen ber obengenannten SÄeijler jur ©praetye ju 
bringen , mit ber Sitte an alle Äünftler unb jhmfi* 
freunbe, fie ju prüfen, toomdglid) bnrd) SJergleidjung 
mit ben £)riginall)anbfd)rtften fejijufteHen. Oft irren 
freiließ audj biefe, fein ßomponiji fann barauf frören, 
bafl fein SDlanufertyt ganj fehlerfrei tt>fire* SBie natfirlid} 
aud), baß ftd) unter ben tyunberttaufenb fyüpfenben 
Runden, toie er fie oft in unglaublid} furjer 3*it fd)reibt, 
ein 2)ufcenb ju fyod) ober ju tief gefommener einfd)leid)en 
müjfen: ja bie tollfien ^armonieen fetyreibt ein (Som* 

poniji jmwilem 

3mmer^in bleibt bie Drigmatyanbfd)rift bie Stotori* 

*4t, bie am erfien gefragt »erben muf* SRöcfyten bafyer 



60 



alle, bie bte ju before^enben verbdfyigen Stellen in 
ben £anbfdjriften ber (Sontyonifien beftfcen, ba$ @e* 
brudte mit bem ©efdjriebenen vergleichen unb baä 9ie- 
fultat mitjuttyeilen fv freunblid) fein. 3«t Seftftellung 
einiger bavon bebarf e* ttotyl ni^t einmal ber gerbet* 
fc^affuiig be$ DriginaW, fo beuttidj ftmngt ber Streunt 
in bie Slugen. 

Die nteiflen geiler finben fiel) tvofyl in ben 8lu$gaben 
$ad)'fd)rt SBerfe, namentlich in ben älteren. (£6 wäre 
eine verbienfHid>e, aber freilich fetyr jeitraubenbe 8fcbeit, 
Übernahme e$ ein mit 33ad) völlig vertrauter SRuftf- 
lenner, alte* bifltyer irrig ©ebrutfte ju berichtigen* (Sutei 
fronen Anfang t)at bie $eter£'fd}e 3Äuftfhanbfong in 
geizig gemalt; er befcfytänft fid) aber jundchfi auf bte 
Slaviercentyefttionem <£ine Ärittf allein be$ tvohltem* 
perirten ©lavier« mit Ängabe ber vergebenen Sedarten 
(©ad) foü felbfi viel geänbert haben) würbe ein ganjrt 
©uch füllen fonnem Seien iwerft fytx einige anbere 
$Ätte ewfi^nt. 

3n ber gwjfcn tynlityn Zo ccata mit gnge für 
Orgel 1 bewegen fid) bie beiben Stimmen im SRamtal 

1) Toccate et Fugue p. l'Orgue (Leipzig, Peters) mit b<m 
Anfange : 



» 



61 

fiber ben Drgetpunct In ffteng canonifdjer $olge* ©otlte 
man für möglid) galten, baf bieS vom (Sorrector über* 
fefyen werben fonnte? er fyat eine -Stenge Stoten fielen 
laffen, bie fW) au$ bem <£anon als falfd) erftären. 3m 
©erlaufe be$ ©tödeä bei ber $araHelfielle auf ©♦ 4 
unb 5 fommen fifynltdje Serben vor* SBenn fid) bte* 
mit ldd)ter 9Rut)e corrigtren lief, fo mödjte bie Slwf« 
flfirung einer anbern ©teile in bemfelben Stüde bon 
größerer ©djwierigfeit fehu SBtan erinnert fid) wofyl be* 
granbiofen $ebalfolo'$ ; bei einer 93ergleid)un<j mit ber 
*ßaralletfielle in ber Unterquart ergibt jtd) inbef , baf 
jtd) fyier eine Stenge geiler eingefd)lid)em ©♦ 4 jwtfdjen 
Zact 3 unb 4 fehlen jwei Sacte gänjlidj, bie bei ber 
SranSpofitton ©. 5 ©1$. 6 im 2ten unb 3te^ Sacte 
ftefyen u\ $kx fönnte nur bie Driginallianbfdjrift ben 
8lu$fd)lag geben» SBefi^t fie vielleicht £r. #aufer in 
2Bien, fo fei er um eine äkrgleidjung gebeten. 2)af 
man aber ein fo auf erorbentlid)e$ ©tüd, wie biefe ßom* 
pofition, in feiner M)teften ©eftalt ju beftfcen wünfd)t, 
möge bod) Stiemanb al$ gering ad)ten. (£$ wäre wie 
ein 9lif in einem Silbe, wie ein fefylenbeS Statt in 
einem 8tebling$bud)e, wenn wir'S ^inge^en liefen* 

(Sin anberer fonberbarer %aü, über ben ebenfalls 
nur 83ad>'$ #anbfd)rift Sluffcfyluf geben fönnte, finbet 
fiefy in ber Äunfl ber $uge. 2>ie ganje XIVte vier 
©eiten lange guge fommt nämlid) fd^on in ber Xten ein* 
mal bor; bergl- bie $etert'fdS>e*it«flabe ©♦ 30 @9fi. 5, 
vom 2ten Zart am SBie ging bie* nun ju? ©ad) wirb 



«I 



bod) ofynmogW) in einem unb bemfelben SBetfe *>ier 
Seiten lang »ote für »ote abgefd>rteben fyaben ! 3n ber 
$äge(i'f<$en Partitur fielen bie briben gugen übrigens 
ebenfalls fo abgebrudt, unb e$ iß nur aud ber ©leid)* 
tyett ber Xonart unb be$ S^eraa'S, bie burd) ba$ ganje 
8B*rf geljt, ju erfldren, bafj bie SBieberljolung fo lange 
unbemerft bleiben tonnte* 

SBer aber, wenn er in ©adj'fdjen £armonieen 
fdjtoelgt, benft aud) immer an aUe$ unb an gelter? ©o 
tyabe id) einen 3afyrelang nid)t gemerft in einer mir fetyr 
befannten 33ad)'fd)en guge, bt$ mid) ein SSÄetfier, ber 
fretltd) aud) ein Slblerauge fyat, barauf aufmerffam 
mad)te* Die guge ifi in Smotl über ein tt>unbert>otle$ 
$fyema unb ftefyt in ber £a$ttnger'fdjen SluSgabe al$ 
fecfyfle. 9Ran fdjalte bort jwtfdjen bem 3ten unb 4ten 
Zact bie einjige 9lote 



ein, aWbann toirb'S rid)tig* #ier ifi wofyl fein 3weife(* 
2Bir fommen jefct auf einige ben Sefern triefleidjt 
nod> intereffantere gdlle in SBerfen, bie fie tooljl unjd^ 
ligemal gehört unb gefirielt, otyne SSerratf) ju merfen. 
3d) bitte fie aber, bie Partituren in bie #anb ju ne^ 
men, ba bie ©teilen ganj abbruden ju laffen, ju *>iel 
9$la$ wegnehmen, ein Urteil aber ofyne bie genauefie 
©nftdjt in bie ©teilen felbft nid)t jnöglidj fein toürbe. 

«Die erße berbdtyige ifi in SKojait** ®moll* 
©tympfyonte, einem SBerf , in bem jebe -Rote f lare* 




@olb, jeber ©afc ein ©cha& ifi, unD boch/ fotlte man 
e$ glauben, haben fich im Slnbante x>tcr gange Sacte ein* 
gefdjlid)en, bie nach metner feflen Ueberjeugung nicht 
Rittet* gdjöretu «out 29ften Sacte an (ba$ »chkl Stuf* 
tact ungerechnet) fommt nämlich eine biertactige bon 
2)edbur nad) 93moll htaleitenbe $ßeriobe, bie in ben 
folgenben »ier $acten nur mit vereinfachter 3toftaumen* 
tation tt>ieberl)olt wirb ; e$ fann nicht fe^n, baß SWojart 
bie$ gewollt hat Stm erjien erhellt bie$ au$ ber gängltch 
un*9Rbjart'fchen, ja unmeifier^aften SSerbinbung be$ 
32ften mit bem 33fien £act, bie gewiß auch jeben 3Äu* 
ftfer nur bei oberflächlichem Stallten fra^rrt f)at (S$ 
fragt ftd) nun, welche ber biertactigen Sßerioben wäre 
auSjufchetben — bie erße ober bie jtoeite? — Sei flüch- 
tigem Stnblitfe möchte man ftd) vielleicht für 33etbehal* 
tung ber erfien erflären: ba$ aKmd^Hge £tnjutreten >er 
SBlaätnfhumente, bie fleh bis jum gorte fteigern, fft 
nicht ohne fünftlerifdjen Sinn* SSiel naturlicher aber in 
ber ©timmenfuhrung , flarer, einfacher, unb boch auch 
nid)t ohne Steigerung, fcheint mir bie anbere 8e$art, 
nach ber ber 29jie bis mit bem 32ßen auffielen, tt>o 
bann alle 3nffrumente in flarer ©Weigerung ftd) im 
gorte bereinigen* Diefelben 4 £acte gubiel finben fich 
nun auch ^ 2Bteberl)olung im 2ten %tyite, wo 
bann ber 48fte bi$ mit bem 51ften £acte biefe* %f)t\U& 
auffallen müßten* 2Bie fleh nun biefer gehler etnge* 
fdjwärgt, müßte auch bie Driginalpartitur nachreifen, 
bie ftch toohl in ben £änben be$ £rm #ofratl) 8fobr6 



bejinbet. S)a* ©ahrfäeinlM^e ifi, ba$ SRogart We 
©teile erfi gehabt, wie wir glauben baf fle fein muffe, 
— bap et fle bann »oller inftaimentirt in bie Partitur 
eingetragen — baf er aber faäter, wieber ju feinem 
erften ©ebanfen jurfidgehenb , ttergeffen hat bie jtt>ette 
8e$art ju ffreidjen. 2Jlod)ten fid> boeb au$ anbere 2Btu* 
ftfer über biefe widrige ©teile audffcredjen unb nad) 
allgemeiner Uebereinfunft baju beitragen, ba£ ba* 8n* 
bante bann immer in ber angebenteten SBeife überall 
aufgeführt »erbe* Die SBerteger aber würben wir bitten, 
bie fcter Sacte in ber $artttur einjuflammern unb ben 
©runb, warum, in einer fuqen Semerfuug betjuffigen* 
3Ran hat mir übrigens gefagt, baf ba$ Slnbante im 
*ßarifer Sonferoatoir mit betbeämaltger Sfaätaffung ber 
wer Zarte gefpielt wirb, »uch 9Reiibei$fel>n ^at f«h 
längfi bafür ausgeflogen* 

(Snblich erwähne ich nod) einige ©teilen in S3eet* 
^»en'f^en ©^m^onieen, bie fid) fafi auf ben erflen 
Slnblitf als geiler beS (Stiften ergeben* Sie eine er* 
wdfjnteid) fd)on früher einmal; fle fte^t jum ©<hluß 
beS erfien ©afceS ber 33bur*©9mph onie i t>on ben 
brei Sacten ff (8 £acte »or bem @nbe) ifi offenbar einer 
juttiel. 2)aS SJerfe^en war wegen ber fcoCfommenen 
Slehnltdjfeit ber SHoten in allen ©timmen leicht ju be* 
gehen* 83eethot>en fonnte eS fogar felbji begangen 
^aben. 

3>af wir aber in ber a fi o r a l f 9 m)> h 0 n i e ia^r- 
and jahrein folgenbe ©teile, wie fle auch in ber Sßär* 



tttttr fietyt, mit angc$fat <$ne ntyt I>ell auf jtt fahren, 
to&u faum ju erfldren, wenn nic^t batomfy, feaf un* 
ja »er 3au6er ©eei^^en^t SKirfH fo umftti«, ba£ 
»fr Dorfen nnb #$rot baftei »crgeffen Bhutan 

3m erfie* <Safc (Partitur ©♦ 35 von £act 3 an) 



Viol. I. 






Viol. II. dim. 

SU - 






Viola, dim. 






p±^_ f 

Vclli. dim. 








M 

SBie nun, tt>enn »it flott bei pltylidjen Raufen in 
ben erfien Colinen Simili-3ei<l)en ) matten ? Äldnge 
bie* tti$t beffer unb anbei«? ergibt ft$ bie* nid)t 
fdjon an* bet Umfe^rung *on $ad 5 an, tt>o bie SJtat* 
fc^en tyaben, wa* erfi in ben lßeu Biotinen lag? ® e* 
wtjj , e* ijl fo* 3)er »oienföreiber tyat bie Simili- 
3ei$en für Raufen genommen ober irgenb ein necfifcfyer 
Äobolb n>ar im Spiel. 9tie* erjagt, tote SSeetfyo&en 
einmal toütljjenb geworben über eine Stelle in ber l)erot* 
fd>en Stympfyonie, bie 9tie* in bejier SWeimmg ge4nbert 
$atte» 3d) glaube, fyfitte 33eetf)ot>en jene Stelle in ber 
^afbralfym^onie einmal witflid) gebort, es würbe 
bem Ordner ober bem Dirigenten nid)t beffer ald 
9tte*'n ergangen fein* 

$ür biedmal genng; motten obige Salle t>on red)t 
aSielen in Setradjt genommen werben! SBie fönnten wir 
unfre 93erel)rong für nnfre großen 3Äeijier beffer betljätt* 
gen/ al6 bajü wir and tljren SBerfen in entfernen trau- 
ten, wa* Srrtfynm ober 3ufaU befd)fibigt? 3hir 
in biefem Sinne würben biefe 3eilen getrieben* — 



Die dfonnementconcerte in Eeipjtg oon 
1840—1841. 



Crftes abonnementamort Äeu 6. ©ctober. 

Ouwrtute jum Sonipwr »on 3Rarf<$jwt. — 9Uic fcon$tlUni. — 
fconcfrtino für Sioliiu »on $a»ifc. — Slric »on fBellini. — 
fccroiföe «S^mp^onte »on 99 1 e t § o » t n. 

SMeSBafyl gerabe ber furiöfen SBamptyr*Dut>erture ^ 
Anfang be$ ganjen StyfluS fonnte befremben; eine etwa 
t>on ©lud ^Atte auefy un$ beffec gefallen. 3nbe£ jd^lt 
jene txm 2Korfd)iier nod) immer if^re greunbe, felbft 
greunbinnen im publicum, unb Bleibt trofc ber heftigen 
«itftönge an SBeber ein frifdje* effeefoofle* 3Rnftfftö<f* 
Ueberbieä war bie 9fo6fityrung eine fo auägejetcfynete, 
wie fie je gehört »orben. Die beiben Slrien t>on SeUtm 
au$ ben Puritanern unb au$9torma fang %tU ©opf)te 
@€^Io# / bie nn« biefen SBinter ba* 2te SRal befugt; 
üjre Stimme ifi frifd) unb ftorf tt>ie früher unb madyte 
fid> namentlid) in ber erften Strie geltenb. Ueber bie 
ffiafjl gerabe jener 93eUini'fd)er Strien ju Anfang eine« 
lfien (SoncerW ließe ftd) ebenfalls regten, £aben wir 

5* 



Digiti; 



68 



leiber feinen Ueberfluf an beutfd>en (SoncertfKxden für 
ben ®efang, fo bod) nod) genug, um jener ganj entbefc 
ren ju mfiffen, jumal in einem lfien (Soncert. Uni 
fd>fi&t man aor, SWojart, SBeber unb Spoljr feien fd>on 
fo oft gehört worben, nun fo getye man weiter jurü<t 
3n $4nber6 Oratorien, in ©lucf 6 Dpctn liegen nod) 
genug Sd>4fce, ju beten Hebung e* gerabe einer fo fiat* 
feti, gefunben Stimme bebarf, tüte jte bie genannte 
Sängerin befifct — Gfoen Ijören wir, baf fie elften* 
au* ber 3^^igenie fingen toitb, tt>a$ ityr nur jur (Styre, 
wie un* jur greube gereichen fanm — 3n bem SSioIin- 
concertino jeigte ftd> $x. Utylricfy toieber äffen £obe$ 
toürbig; fein Spiel l)at *>on 3atyr ju 3afyr an ©idjer* 
tyeit, Steinzeit unb (Sefcfymatf jugenommen, unb wirft 
burtfyau* tootyltfyuenK 9Son ber ßompojtrton fagte un$ 
namentlid) ber lefrte Safc ju; im Streben, au$ bie 
Or^efterpart^ie intereffant ju ma$en, tyut aber ber 
Sompouifi tooljl fyfer unb ba ju »iet, tt>a* inbefj ni$t 
abgalten fann, bem Streben an fty gegenüber ber faben 
SegleitungSweifc anberer JBiolincomponiften t>oHen$ei« 
(all }u f^enfen. 3n ber Styutytyonfe t>on ©eet^ofcen 
enblid) füllten toir un$ nneber im alten Seliger (Ion* 
cettfaale, ber f$on fo oft &on if)t erjitteft ü)a* JDrd>e* 
fter *ar trefft $x.QSSk. 2>a*tb f*aub an ber Spifte, 
ba $r» 9RenbeWfol)tt »on feiner Steife nad) <Sng* 
tanb nod) nidjt jurutf toar* — 



3weüe* abonncmentconccrt licti Ii* €)c\obtv. 

Cuatxtutt §u Qatyantfc »on ffie&et. — «iie too» $»ii}ttti. — 
<5<mcerti«o für 93afy*faune »ou <£. <B. SRuHet, — «Hrie bau 
93 et Uni. — Stym^onie (93bur) »on $eet$ot>en. 

Der Dirigent würbe bei feinem JBortretc« mit$eiftt 
begrujjt, worin wir bon #erjen einfümmten* 8luf SBe* 
fcr'S Sombofitionen iß feit ^♦2RenbeWfo$n'*$ir*c* 
iion in Setyjig befonberer gteif »erwenbet Worten, unb 
bem Orc^eftcr gefeilt bamad) immer bie <S$ce, bie 
SBirtuofen wie größere auäfütyrenbe Staffen immer am 
liebten wfinfdjen unb am ungernften gewähren, bie be* 
$>acapo*9tufe$* Sbtcfy tyeute fehlte wenig/ unb ^ieft 
baoon melfeify nur bie Spannung auf bie folgend 
Stummer ab. (Sine junge Sängerin war angefunbigt, 
ber ber 9iuf grofer 6d)öntyeit unb fdjon bebentenber 
Jhinfibilbttng borangegangen war: gri, <8Ufe 8ifL 
9to$ einer fyödjft achtbaren gamilie abftammenb/ fyat fte 
fd)on aW Äinb ben anbeut SBelttfyeil gefe^eu, braute 
barauf einige Satyre in Seidig ju, wo ü)x SSoter, norb* 
amertfanifdjer Sonful tyierfelbft, fid) namentlich um bie 
(Errichtung ber ©fenbatyn ba* $öd#e SBerbienji erworben, 
unb fam und julefrt bon Sßari* jurfid , wo üe bie legten 
3atyre »erlebt Ijatte* mußte bie* alle* ba* 3ntereffe 
an ber anmutigen grf^einung ertyö&en* 3$re öefan* 
genfyeit war groj* } bie 3«itfc^rift erwityute bereit* früher, 
e£ war i|r erfleh , auftreten* Un ber 6d)6n$eit ber 
©timme, wie fte aud) burd) bie 8engfili$feit umflort 



7» 



fd)ten, tonnte SWemonb jweifeln, ber nur einige Zactt 
gehört, eben fo wenig über bie gute ©djute, in ber fte 
gebtlbet iji, fo baf man beutlid) fafy, bie (Sängerin 
Wollte nidjW, al$ wa$ jte ftc^er fonnte. 96er frrilid), 
»ad man unter t>ier Singen auf bad trefflic^fie famt, 
fann man unter taufenben no$ md)t jur £älfte fo gut, 
unb getyt bie* bebeutenben Äünfilern unb SKännetn fo, 
um wie fciel meljjr einer SRosijin, einem ad)t$elmja!)rignt 
Stöbd^n- Sftir Soweit fann bie* überfein. Stdjtung 
*or unfenn publicum, ba$ bie fdjone fd)üd)terne 3ung; 
frau auf ba* wol)ttyuenbf*e aufnahm, unb fanben |M> 
bie geWuföt, benen leere* Sßajfagen* unb Sritterwerf 
über bie 9u6fprad)e eine* t)6d^fl ebein Organ* gef>t, fo 
gibt e* bod) in nnferer gebilbeten (Stabt nod> genug, 
bie S)u$enbtalente *on originalen (Srftyinungen ju 
unterfdjeiben wijfenj unb ben (enteren bürfen n>ir bie 
junge ©angerin mit Ueberjeugung bellen. SBa* fic 
nod> nid)t l)at, töft ftd) erwerben, wa* fte aber $at, 
erwirbt ftd) nid>t Daran l)atte fte fefl unb ge$e bie be* 
gonnene 33atyn mit 9Rut$ weiter. 9?ad) tyr fjörten wir 
einen SReifta, ber freilid) fd>on fyunbertmal unb öfter 
imgeuer gejtanben: £rn. Dueijjer, ben$Pofaunifiett, 
ber ebenfalls gleid) bei feinem Auftreten mit Seifall 
empfangen würbe, ©eine 3Weifierfd>aft fd^eint fld> jatyr* 
auS jahrein gleid) )u bleiben unb ma^t in tyrer Un* 
fefylbarfeit oft einen granbio* luftigen (Sinbrud* 3um 
aHerfd>5njten fd)tof bie 33bur*@9mj>$onfe mit ber ffiir* 
hing, bie ade $eetyo»en'f$e machen : ob benn nAmlty 



71 



*ie ebengeljorte nify and) feine fd^nfle fei* SSon Beuern 
ttmrben toir nadj ber ©tyntyljonie »on einem SReißer ber 
Jtunfi auf ben @$luj? be$ erflen ©afced aufmerffam 
gemalt; e$ ff* Ijjier offenbar ein £act ju t>iel* SRan 
*erglefd>e bie Partitur 6. 64, £act 2, 3, 4. »ei ber 
fcoWommnen 9le$nlid}feit in allen Stimmen fft ein 3rr* 
ttyum »Ott Seiten bed Soppen, felbfi be$ (Sontyontfiett, 
fetyr leidjt mögtid}* 33eettyot>en mochte ftcfy aud), nad)bem 
er ein SBerf »oUenbet, nm ba$ ftolgenbe nid)t weiter 
fummenu SBer bie Driginatyartttur bejtyt, fef)c ber 
<5ad)e )ur Siebe nadj ; an fte muffen n>ir nn$ natörltdj 
juerfi galten. 1 



Dritte* ^Ibanntmentconctct Hen 22. ©rtober* 

<Stymj>$onie (CNbut) fconStöcjatt. — Stric bon £) onijetti. — Hon* 
ceti fut Violine t>on $at>ib. — Outoertute $um JBetggeij* toon 
2. ®p0f)x. — Sitte toon Salfe. — Jtlange au* Dfleu" Duttt* 
tute, Siebet unb <£$ote »im 9Ratf$net. 

3)ie Styntytyonie iji befannt, namentlich ba$ 2fo* 
bante, ba$, einmal gehört, jidj nid)t leicfyt lieber »er* 
flift; audj erhielt biefer Sa$ ben meifien SJetfaH ; bie 
anberen gingen fliHer vorüber* 3)ie Slrie »on Ütonijetti, 
ein brillante* ©tütf, braute ber Sängerin grl* Sd)lof 



1) £B$L ben Sluffafc : „übet einige mutljmaf lfdj cottumlrirte 
Stetten* ©♦ 59* 



Wii rauf^enbfien «äfftO; fie fm% fertig fe$r fortfam, 
nnb mit etner Stimmenhaft, »ie fie priest feine anbete 
6fctgeri* $ter befaeu mag» 2>er Spieler be* <£o»ceitt 
twirbe mit lautem @ni£ empfangen; er *ar }ug(ti$ ber 
<fomp*nijt, bie <£*mpofition übrigen* eine neue, 
amn erfbumoi btwt i^m 6#tnÄi# gefrktt unb gehört 
$e*if i£ e* einet freunMidjen Äiterfewumg n>ertf>, wie 
£err €3»* S>at>ib bt* ©e*anb$au*pttWicum leben 
Steter mit etoa* Steuern erfreut; e* jeugt bk$ immer 
von einer Stafmerffamfett, wie fie/ bie einmal in t$re* 
«mte feffiW&en, nM&t iberatt beftften» «n JEeubenj nid 
©efyalt reü)t fid) bie Som^ofttion übrigen* a^itOdpa 
früheren genau an/ b» t)- ber Sitrtuo* toitt geigen, baf 
er aud) ju componiren weif?/ unb umgefeljrt ber <£om* 
ponift aud) ben Siirtuofen gWnjen laffem 3ene* 3ut>W 
in ber ©egleitung, ba* tt>ir f$on neulid) bemerfteu, fiel 
aud) in biefer (Sontyojttion toieber auf/ toie and) bie*« 
mal ber lefrte Safr ber gelungenfie unb tt>irfung*&oU#e 
erfdjien* 2)a* publicum rief ben Äünftler nad) bem 
©^luffe nod) einmal tyerbor, t*a* fyier immer al* eine 
Seltenheit aujufetyem Die Ouvertüre fconSpotyr ma$te 
toenig (Sinbrucf; bie ju 3ejfonba tyat ungleich me$r 
fpteunbe; aud) bie ju gaufi wünfdjten mit too^l einmal 
lieber im ©ettanb^au* ju tyären* — 2)ie 5trie nennt 
und einen fyier nod) md)t vergefommenen tarnen, ber 
in ©otted tarnen aud) fernerhin ausbleiben mag; e* 
ift genrtfferier 9to[ftni, ber <£onq>onifl übrigen* ein 
(Sngtöuber, beffen Dpern in (Snglanb ®lütf gemalt 



TS 

i ljobem !&m Sf^il an ber mittelmäf» igen «om^füion, 
, gum SMl an ber tt*$ immer großen »efangenljeit 
, ber Sängerin lag e*, baj? bie 9iummer bin ©lief ma$te» 
, <S6 t^ut un* (eib um ba* junge au*gegei$nete Talent, 
h*$ be«$alb bie fc^ieffkn Urteile erfahren mufte- Die 
Ängfi, wie man weifi, iß namentlW) ben leeren Sotten 
gefi^rii^ nnb e* mtf lang ber Sängerin einigemal ein 
(Sinfaft/ wie e* fd)*n taufenb anbeten Anfängerinnen 
t>cr U)r gefäeljen« Deshalb motten wir aber bod> uid}t 
bie wuuberreine Intonation im ®anjen vergeben/ bie 
bie Sängerin gerabe auäjei^net, audj md)t ben 
©(tymelj ber Stimme/ ber no$ burdj alle AengfUi^feit 
tt>of)ltf)uenb Ijittbttrdjbringt, ein Sdpnelj, ber an ba* 
Drgan ber ^online ©arcia erinnert* dagegen motten 
mir um etwas anberen willen in bie Sängerin bringen: 
fte nimmt burd)gel)enb$ )u (angfame Setttyi'S; fie w* 
fudje fid} fdjneUer, eS wirb i^r gelingen« Selbftoertraueu 
nnb SRutl) ftnb befonbere fünfte in ber Äunfl, fie übe 
fW) aud) barin« 3n feinen sier Sßdnben fotl ber Aünß« 
(er bef^eiben gegen ftd) fein, fleißig auf ba* Oewijfen* 
$afte£e; bem *ßubttcum gegenüber jeige er aber Wtuti), 
frlbji ein wenig fröl)li^e Äerf^eit, nnb ber Liebling ift 
fertig« 

3um Sd)luj? be$ Bbenb* Nörten wir nod) eine 
Sompofition (uod) SRanufcrtyt) t>on SWar f^ner; 
fte t>erl)ief etwa« ganj Steuer nnb gab e* aud) in ber 
$orm» klänge au6 JDfieu" war fie genannt unb braute 
eine ©wertere, Sieber unb ßl)Jre, bie ft$ of)jte Unter« 



74 



bredpmg an etnanber teilten. Serlioj in <ßari$ fc^eint 
in feiner legten @^mpf)onte etwa* £^nli(^e6 gewollt ja 
haben, nur bajj er fic auf ein wettbefannte* 3)rama 
(»omeo unb 3u(ie) ftöfcte* £a* ©ebicht jur 3»arf<h' 
ner'fchen Sompofttion beruht auf einem Orientalen 
JHebetoerhältntffe, ba$ inbef fcom Dieter itemltdj pro- 
faifd) unb allgemein gehalten» Sfofer bem Sitbetyaar 
tritt noch ein SBahrfager auf/ beffen anfängliche* ©> 
f^einen man ftd) fpäter fctelleicht mottotrt tüänf^te , ein 
$o(f** unb ein SMuberchor, Sie gefagt, hätte atelleity 
ein Stüdert bem Som^onifien bie #anb jum 993erfe ge* 
liehen, e$ w&re eitoa* tiefer ttirfenbe« ju Sage getont* 
men* 3mmer^in muffen »ir ben Anfang loben , gu bem 
fid) ber ßom^onifi ermutigt füllte, ben anbete nur 
toeiterjufuhren brausen , um ben (Soncertfaal mit einer 
neuen Oattuug SWuftf ju bereitem. Die (SompofUion 
hat t>iel reijenbe ^ßartieen; bie« gilt im einzelnen *>on 
ber Ouvertüre/ bie im Oanjen burd) Äärjung getofn* 
nen würbe» S)er ^auptr^tfymuS tft ein namentlich für 
Orientale 3»fWnbe fdjon öfter gebrauster; bod> 
erf^eint er einmal t>on einem SBiolingange burchnnm* 
ben, tt>a$ fleh auf ba« fchJnfie ausnahm* 5lm @d>luffe 
ifi ju t>iel 8ärnu 2)er 3iflfl*nergefang gefiel mit ber 
htnaufjiehenben großen $erj am ©chlujj, mehr noch 
<5t&nbd)en, ba$ t>on aOen Stummern bie meifle orienta* 
ltfd)e flflrbung f)atte, auch SDtaifune'* Sieb forach an, 
ber unbeholfenen *ßoejie jum Srofc* 2>er 9t&uber$or, 
fchien e$, würbe nicht gleich *on aOen tterftonben; et 



75 



war eigentümlich 3n ber ©d)lujmummer jeid)neten 
fid) befonber* bie SBorte: „Slffat, m iift W burd) 
frönen ©efang au$* 2)a$ ©anje, ba$ wir f^Ätcr ein* 
mal wieberfyolt toünfdjten, erhielt lebhaften SeifatL 



Öttrtes abonncmtntcottccrt) Iren 29. ©ctober- 

Sntrobuctton unb lfh 6cene au* 3p$igcnia in Don © l u ff. — (Jon* 
. certoufcerture toon 3 u Ii u £ SRi e $. — %xu mit <£$ot *on 9t o f f i ni. 
— $foettiffemeiit für glote *>on Ä a Iii to o b a. — Siebet *on 5 1 § 
Säubert unb SWenbeUfü^n. — 6w$onie t>on fttanj 
S^ubett. 

„(Sin fdjoneä 6oncert" ^tef e$ allgemein uad) bem 
©bluffe» 9ln mannen SÖiujtftagen gibt e$ gar fein 
publicum mefyr unb*e$ fcfyeint nur bie raufdfyenbe 
©d)lew>e, bie jeber Sewegung ber soranfdjreiienben 
Jtfinfiler Körper unb *@eijier gefd^meibig nadjfolgt, 
wäfyrenb an anberen e$ fidj ifynen förmlid) wie be^etgt 
unb bepanjert gegenüberfieHt unb nid)t6 einigt* 2)er 
29fie n>a* einer »on jenen 9Jiufiftagen* ©etoijj trug bie 
SDlujif einige* baju bei* gur ©lud fcfylfigt nod> manche* 
$erj, wenn er aud) im ßoncertfaal verliert 2)ie @dn* 
gerin tfyat ii)t SJejieS jum ©elingen: %xU @d)lof$, bie 
n>ir immer »omdrts breiten fefyem 3)ie £>u*erture *on 
8tiefc trat bieSmal in if>ren feinen 3)effetn$ nod) beut« 
lieber fyert>or, al$ bei einer früheren Sfaffüfyrung, SBurbe 
it>r fdfyou bamalä in biefen ©lättern ein bebeutenber 



7f 

(tyrenplafc eingeräumt, fo fdjeütt biet Urteil je^t <utd> 
»on Seiten be* ^Publicum* öefütttgttug ju ftnbett; fk 
würbe mit einer Styeilnafyme aufgenommen/ t>ic be» 
Sompontfien, w4r' er anwefenb gewefen, ju neue« 
ffierfen anfeuern nriijjte» So wfrfe ber Seifall aud) auf 
ben Entfernten« £ebl)aften Beifall gewann ftdj ait$ bie 
fo(genbe Stummer burd) ben anmutigen Sottrag be* 
%tU 8tfi; if)te «u6fi>rad)e be6 3talidm(^en ifi fe$r ju 
rühmen« 3n ben 8iebern begleitete jie fidj felbfi am 
(Slafcter; e$ Ijat bie* befamttlid) einen eigent^äm(i(^en 
3*uber, ber atod) l)ier gewann. Die Sieber ttarenber 
,3Banberer/ unb ,?fuf gfögeln be* ©efange*** 3)a$ 
erfie fang fte »orjüglid) fd)ön; ba$ anbere na^m fte ein 
wenig ju langfam, bod) f)örte e$ ftd) nod) immer lieblid) 
genug an» 2)a$ ftlötenjföd war ein alte$, ba* to>ir un$ 
fd)on &or 10 Sagten gehört ju f)aben erinnern; ber 
Spieler ein al$ ttefflid) befannter, £r» ©renfet, Ifta 
glöttfi im Drdjefter* So waren wir beim unter ergeben* 
bemunb fiterem ©enuffe bis jur Sijmpljonie ge- 
langt, ber Äroue bed Slbenb*. Saufenb £dnbe $oben 
baram £ätte e$ Säubert mit feinen eigenen Singen 
fe$en Wunen, er müfte ftd) ein reifer «König gebünft 
tyabem 60 Rieben wir trunfen son all ben frönen 
©ebilben, bie in mannen Seelen fti) nod) lange naty 
gesiegelt Ijabcn mögen» — 



77 



£ünfte* abontumcntconccrt^ itn 5. Itoutmher. 

6 W^otiie (®bur) wn fatybn. — Brie mm 3Ro$att. — fcajmccio 
für $iaitofottcmttOt$ejto fron fterbinanb Äufferat$. — ttrie 
to*n 2>onijetti. — 3»et Dutoerftifra (92t. 1. unb 2.) ju ßtonow 
toon 9eet$e»en. — 2)rct (Stuben für $tanoforte bon $. Äuff e« 
rai$. — S)uett fcon Hoffini. 

2>ie @9nq>tyouie fyat mefyr, al* anbete ^aybn'f^e, 
etwas 3opf*fl**/ We 3anitfd)aremnufif barin fogar 
etwa* Jtinbtfd)e6 unb @ef<fyma<flofe$, n>a6 wir un6 bei 
aller Siebe für ben SXeifier, ber er überall bleibt, bod) 
nimmermehr aerldugnen follten. 2)a$ ®d)erjo, unferer 
SWeinung nad) ber @afr, ber unferer ßtit am nÄdjftat 
liegt, würbe fonberbarer SBeife gerabe nidjt applaubirt, 
übrigen* alle. 2)ie Brie war bie ber ©rdftn au6 gigaro, 
We SÄngerin, $rl. 8 if», bie ba* 9lecitath> fo nobel nnb 
fein gefangen, (eiber nur am 6d)tuffe nid)t glüdlid) ba* 
mit. 2)a$ ^Publicum tyält fict> aber immer an ba$ 9Md#e, 
olfo an ben @d)lufj ; gelingt ber, fo fyat ba$ (Banse ge* 
fiegt. 8eiber mufte bie« fyeute bie Sängerin füllen , nnb 
Aber bem einzigen nidjt gelungenen ©djlujj bie fdjitage* 
hmgene erfle £älfte ifyrer 8eifhing »ergeffen fefyen. 3n 
ber folgenben 9himmer trat ein iunger, fefct fyier leben* 
ber <£onq>onifl nnb (Slattierfoieler, £r* %. Äufferat^ 
maStbln, )um erfienmale nnb auf ba$ a$tnngdwer» 
tiefte auf. Sehte ßompofttionen jeugten &on entfd)iebe* 
nein Talente nnb fcon einer ebeln Stiftung, auf bie be> 
wnfit ober unbewufj t ein un$ natye lebenber SÖfcifier ein* 



78 



gewirft ju fyaben fdjeint. ©n förmlidjer Stüter SRen- 
bel$fohn'$ tfl et aber nicht, wie man j)ier unb ba hörte. 
3m ßapricao gefiel un$ namentlich bie Einleitung; ba* 
9Wegro hatte feine ganj glücf liehe gorm: e$ fehlte ihm 
eine 9Wtttelpart^ie ; wie benn auch bie ^ranöpofttion 
bei erfi brillanten $ßaffagen nach ber 2RoUtonart am 
Schluffe nicht unb überhaupt feiten wirfen fanm 3)o6 
Or^efier war gefehlt, oft fein, oft auch ju »fei unb 
jtorf bebaut» Der fehr auägejeidjnete Spielet hatte na4 
bem Capriccio einen succ&s Gestirne, ber fidj inbc^ 
nach bcn Stuben ju einem herjlicheren mit #ert>orwf 
erhob, obwohl und felbfi bie (Stuben in ber Sompofttion 
weniger eigentümlich fchienen, namentlich w>a$ We 
eigentliche ©runbfraft ber SKelobie anlangt» 3n jebrn 
galle war e$ ein fo ehrcnooHeä Debüt, baß ttrit bem 
jungen fefjr fleißigen Äünftler eine glütflid) ftc^ernbe 
3ufunft beinahe »erfprechen bürfen. — %tU ©chloü 
war bei präd)tiger ©timme, unb fang mit einer Srafcow, 
baß fte ba$ publicum in SlHarm »erfefcte unb da Capo 
fingen mußte* — 2>ie aufgeführten beiben Seoitorem 
Duocrturen waren beibe in C, bie eine, wahrfchetnlid) 
bie erfie überhaupt, bie SB* gu geonore getrieben, bei 
Haslinger in Partitur erf Lienen, — bie anbere, jkben* 
fall* bie Sorgdngerin ber großen gebrucften in C , nod} 
SWanufccipt im SBeftfce ber »reitfopf unb £4rtel. 
3>ie 3eitfd)rift berichtete fd)on früher über btefe* SBier* 
ou»erturen*5Ph*«omen(»gK 93b* III. ©♦ 212 f. u*28l f.). 
Slud) heute fd)lug sumalbiejweitemdchtiglichinbieSKaife 



79 



ehu SBie fommt e$, baf bic SJejifcer ber *ßartitur fo 
lange mit ber Verausgabe jurutf galten? Sßir n>ünfd)ten 
gern alle Sßelt biefec grcube tf>etlf>afttg* 



Sctfjste* ^bonnemetttcottccrt Iren 12. Itootmbtt. 

Dufcerture (bie ffialbn^m^e) fcon ffi. ©ternbale 33 en nett. — Strie 
toon <£. ÜK. 20 e b e r. — 60I0 für SBiotoncell »011 8. 91 0 m b er g. 

— Sabatine fcon 2Ro§ art. — $f>antajte für JBioloncett »on St um _* 
m er. — (Recitatiö unb Styufäot au$ ber S^tyfung *on $ atybn. 

— S^m^ome (21 bur) bon $ e e t $ 0 » e n . 

33 e n n e 1 t'$ reijenbe £toerture eröffnete bcn Slbenb ; 
wer fie nod) nicfyt gehört, mag fie ftd) einteilen als 
einen SSlumenfiraufi benfen : (Spofyr gab 33lumen baju, 
emd) SBeber unb SÖtenbelSfotyn, bie meiften aberSJennett 
fetfcfi, unb tt)ie er fie nun mit jarter £anb georbnet unb 
gefieMt jum ©anjen, gehört ifym »ottenbS eigen* 3)a$ 
Drd)efier trug mit Siebe bei, baf nickte baran fcerlefct 
würbe. — 3n ber $retfd)üfc*2lrie (SBie nafyte mir ber 
©Plummer) btitlirte %tU ©cfylofi unb gefiel fefyr, 
ebenfo in ber 2Rojart'fd)en au$ gigaro* 3Wan fiefyt, bie 
Sängerin ftrebt immer &orti>4rt$ unb aud) nad) SSiel* 
feitigfeit- — Sie SSioloncetlflüde friette ein ©ajl, £err 
ÄammermuftfuS ©riebet ,au6 SJerlim Da$ erfle warf 
einen 3<Htfapf*I to'* publicum» 9iad) bem @d)Iuffe lief* 
ftd) nämltd) burd) bad Jilatfdjen fyinburd) aud) 
fyören, wa$ ttwfyl jumeift ber 3Bal)t ber Sompofition 



9% 

galt, einer über au* langweiligen in ber 3$at* So eitt* 
ftarni m benn ein jtemlid} fyartnitfiget Äampf jttffdpa 
£4nben unb Sippen, in bem ittbep feie erfleren beit Sieg 
ba*on trugen* Offenbar animirte bie* ben Spieler, ber 
bann au$ fein 2te6 ©tücf unangefochten, fogar mit 
raufcfyenbem ©eifall ju @nbe braute. 2>ie äunfHeifhrag 
an ffdj war feine aufiergewtynlf<$e, imtner aber fötyen* 
unb gewiß feint* 3if$at6 wertfy* 2>ie Hummern au* 
ber ®d}(pfung, ber alten fyerrlfoben, »erben immer mit 
greube gehört ; ber £enor war ein neuer, £r* $P ie If e, 
ber Hoffnungen gibt; bie anbern ©olofHmmen grl. 
6d)loj? unb £r* 3Bei*fe* 3um @d)hi£ bie ©^m- 
Päonie in 8, über bie wir nidjt wieber^olen wollen, 
wa* 88e wiffem — 



Siebente* abonnemtuteoneert Iren 26. Ilooember, 

Symmetrie ($moU) *. JtaUt&tba. — 9rie b. $>o*ijettü — 
qtyraiaßc für fclatimtte b. teigig et. — Dubnture |u Um 
ftteiföüfr b. ffl e b et. — (Joncettinc fut SHoline to.SWavfebet.— 
Scene mit tyot to. 9t o f f t n t. 

Conrert für Hen Jußüutfonfc* für alte und kranke 
ühifiker den 3. fteeembrr. 

3uM9ttbettute *. ffiebet. — Brie b. »ojatt. — $^anttt$e fit 
Vianofotte, (tyot unb Dt$e|kt b. 9eet$oteit. — gobgeftng; 

cm« Sijra^omecantatt b. $. ORenbellf o^nsJB att^ot bt?. 

3m 7ten »bonnementconcert tyirten mir wieber 
Äalliwoba'* neuße ©tympfyouie , bie ber (Somponiß 



81 



im nötigen 3a$t* Ijter $um erfienmal fe(&fi auff&^rte. 
©d)on bamaW berichtete We 3eitfd)uft t>om befonbem 
Son, ber in tyt; we^t, wie *>on ber jarten 3tofttumen* 
tiamg , t>ie ben immer aorförettenben ÜJhiftfer befunbe* 
8hi(fy tyeute wirfte t>ie ©tym$>onie auf ba$ anmutfyigfie, 
wenn audj ntd)t fo feurig/ woju bamaW fieser feie per« 
fdulidje Leitung be* (gomponißen deitrug ; getieft unb 
geleitet wutfbe jie übrigen* auf ba$ borjüglidtfie. Da* 
2Berf ifl &or föttgem int Drutf erfreuen unb liegt un$ 
jur genauem Sefpre^ung t>ot» Die übrigen Hummern 
be6 (SoncertS boten weniger neue* 3ntereffe, Die 
Donijettffd)e Slrfe war gfinilid) mujifloS, würbe fron 
ber (Sängerin audj nid)t mit beut ®lü<f unb beut %yplavi& 
gefungen, wie anbetet ttalWntfd^ (Setyr gut blies £r* 
£ ein je- fein 6(artnettfiäcf ; er wie auefy ber SÜottn* 
frieler ©a4fe mit feinem Debüt würben freunb* 
Kd) aufgenommen. Die ftteifcfyufcouberture fdjlug wie 
gewöfjnUd) butd) ; ebenfo ba$ ginale au* ©emiramiS 
bei bem ttaliAnifdjen $fyeit be$ publicum«» — 

- 8(u$gejeid)Tiete$ &#n fd^önficr (Sompofttiottunb Sht$* 
föfytung braute ba$ geffrige Goncert für ben 3nfiitut* 
fortto* Da$ Directionapult war mit SBIumenfränjen ge* 
fd)mMt; eine #ulbigung jur bejien ©tunbe für ben 
!Weif*er , ber fo oft Don biefer ©teile gewirft juut greife 
wahrer Äunji, ber aud) fyeute jur 93erfyerrlid)ung be$ 
SoncettS mit einem eigenen SBerte beigetragen* SBie er 
bann m\to*t, ertyob ft<f> ba§ ganje publicum unb 
Dröper in ©egdfierung, baj* e$ eine greube war ju 

iv. 6 



8* 

fetyen unb )u tyfren. 2)ie 3ufreloiti>ettare a>ar nur bie 
Ueberfefrung biefet Stimmung in SWuftf; ber 3ubel 
wollte m$t euben* ©old) freubige* nutjifaltfdjeS Seben 
auf ber £<ty c ju erhalten, wäre melleidjt nur einer 
ÜRalibran, einer 2)mietttmfyli<tygeto>efetu grL <S 
fang gut, bod) eitoa* nudjtem; man füllte e$ n>o^l 
allgemein. 8lud) £r, Äufferatl) finelte ntdjt energifö 
genug/ ofooofyl immer muftfalifd) unb al$ gute ÄünjHer. 
Oerabe biefe aujjerotbentlidje (Sompofttion 93eet$ot>ea'*, 
in ber ber Spieler faum mel)r atö ein jtuiftyen grofe 
SJolWmaffen geseilter Stebuet iji, verlangt — im Sitte 
)u bleiben — gute Sungen, um aud) im einzelnen ivxä) 
ba$ ®anje fyinburd) »erlauben ju »erben* 2)ie Sotal* 
toirfung mx erfyebenb* S$ folgte ba$ $auptftätf b<$ 
Slbenbä, 3ÄenbeJ$fot)n'$ Sobgefang, ber, fdjottjiit 
©utenbergfeier fyier aufgeführt, für ba$ heutige (Soncert 
&om (Sompouifien mit erster SBirfung an einigen 
©teilen, toie wir glauben, fcerfinbett toar. £He$ 8ob 
über bie fyerrlicfye Sompofttion, toie fie tt>ar unb toie fic 
nun ift ! 6<fyon früher ft>rad)en tt>ir e$ au$* 2Ba6 *en 
SReufcfyen beglüdt unb abelt, ftnben wir fytet beifammen, 
fromme ©efinnung, S3en>uftfein ber Äraft, tyre fretjfe, 
natürlic^fte Sleufemng; bie mnfifalifdje Äunji be$ 
SWeifierä, bie SBegeijierung, mit ber er gerabe an biefem 
Sßerfe arbeitete , nameutlfd) ba, wo ber SBtenfd^ndjor 
bie Hauptrolle befömmt, nid)t weiter in Slnfdjlag ju 
bringen. 2Bir bürfen bie* 8ob nid>t o$ne eine* für 
f&mmtlidje aWitwurfenbe bef^liefen, namentlich aud> 



88 



für bie ©oloftimmen, grau Dr. grege> $rl* ©cfylof* 
unb «£>nu ©djmtbt 9hir ein ©ebaufe, bem «ßünfiler 
für feine Slrbeit ju banfcu unb vergelten burd) forglidjfie 
Siebe in ber SDarfleHung, festen' alle ju befeelem 35a£ 
(gnbe be$ (£oncert$ n>ar nur ber Einfang ; e$ fehlte nur, 
bajj man bie SJlnmenfrÄnje abgerijfen unb bem SWetfier 
um bie Scfyldfe gefd)lungen fyitte. — 



äd)tc* abomtetnentroncert Iren 10. Jleecmber. 

(Spm^ome (in %) oon Sectio» en. — %ta%io unb Ötonbo für $tano* 
forte bon 5£ ^ a I b erg. — finale au$ 2B . Seil öon o f f i n i. — 
Ouberturc »on (Xljerubini. — 3tt>ei Gruben für $ianof orte bon 
£enfelt unb Chopin. — (SnfemMe au£ <£orte$ toon 6&ontini. 

43on ben 33eetl)o&en'fd)en ©tympfyonieen wirb bie in 
§ wotyl am wentgflen gefpielt unb gehört; felbft in 
SeiWifl/ wo fte fdmmtlid) fo fyeimifd), faft populär ftnb, 
fyegt man ein Sorurtfjeil gerabe gegen biefe, ber bodj an 
fyumorifltffdjerSiefe faum eine anbere 3Jeetf)ot>en'$ gleich* 
f #mmt* Steigerungen, wie gegen ben ©d)luf be$ lefrten 
©afced tyin, ftnb aud) im Seemöven feiten, unb jum ' 
9lllegretto in 33 fann man awfy nidi)t$ al$ — #tll fein 
unb glütflify 2)a$ Dr^efier gab einSKeifterfturf ; felbfi 
ba$ oerfdngltdje Zxio mit ber fonberbar tröftenben trau« 
rigen ^ornmelobie ging gut »on Statten. — 3)a$ 
ßla»ierjiü<f frielte, unb jtoar jum erftenmal an biefer 

6* 



81 



©teile, grt. «malie »ieffel au$ glenStoitg, ein 
junge«, faum 18{fü)t{ge$ Stäbchen. Stach intern erftei 
ffoftteteit fl$ einen ©chlufj auf %e ganjetfunflfetttgfeft 
ju bilben, toütbe ber jungen Jtünfilerin tooljrf fel&fi am 
unliebfien fein, fo aufmunternd aud) ber grof e SJrffaB 
für fle gewefen fein mufi , ben fte namentlich nach bem 
Stücf t>on S^alberg erhielt ©ie letfiet aber bei n>eitem 
me^r, ttrie ber Söerichierfiatter prfoattm erfahren ^at; 
ihre gertigfeit ifi fehr gro^, ihr SSortrag eigentümlich 
oft poetifd), toie fte benn ihre Äunfi überhaupt nrit gan- 
jer Eingebung »erfolgt unb mit einem eifernen SBiflen, 
ber ifyr trofc eines beinahe ungeftumen Äunfilertempera* 
ment$ eigen geblieben* 9Son festerem jeigte ttohl am 
meinen ihr ©ptel ber (Stuben > bie fte in unerhörter 
©djneUtgfett nahm, wobei benn freilich manche« »erlo* 
ren ging. 2)er Seifall blieb jroar auch nad) ben (Stuben 
nicht au6; bod) war er nad) bem (SoncertfHuf jebenfaH* 
allgemeiner unb fyeQlidjer* 2)a$ 8efctemal ifi e$ gewrffi 
nid}t, baf* ihr Starne in biefenölättern aotfornmenttirb; 
fie l^at nod) eine reiche 3ufunft t?or ftch* — Uefrer bie 
größeren (Snfembleftücfe *on Stoffini unb ©ponttni 
haben wir, ali übtx belannte ßompofitiorien, nt<$t$ 
ertt>dh nelu 9tur bei ber £>ut>erture t>on (Styerubtni fiel 
und toieber ein, ob benn biefer grofe3Rannunb 9Retjier 
nicht noch J u we ™3 gefannt unb gefd^fct ifi, unb ob e$ 
nicht gerabe jefct, voo ba$ SSerfWinbirif* feiner (Sompofr 
tionenburd) ben SBeg, ben bie neue beffere SÄufif ge* 
nommen, un$ um Hefe* naher gebraut ifi, an ber 3ett 



85 

tt>4te, ityn Mneber ntefyr fyer&örjufudjen, ber ju Seetyo* 
*>en'$ 8efyeiten ge»i£ ber j»ette SRrifiet bei neueren 
^Eonfunfi, nad) beffen $obe tt>of)l al$ ber erfte ber leben* 
t>en ju betrauten ifh — 



Iteuntes abonnementronrert Iren 16. IJecetnber. 

Oubettute §11 Oberen tnm ©eber. — Brie «u« fttgato öon Wo jati. — 
©onaie für ^ianof orte unb ©iolint toon 33 e e t $ o e n. — Äubgefaitfl 
»on 2Renbcl$fo$n'93<ttt$olbr). 

2)er Setk^tetftatter tteiji über ba*(£oncert nur toeaig 
mUpdjetfen; fdjon lange »or beut Anfange mar feto, 
$ta$ ju befonunen* Um für} ju [ein, ©♦ SR* ber Äitoig 
»Ott ©adjfen fyatte flefy als SBefudjer be$ (SoneertS «i<je* 
weitet, ©ntnb genug/ baä ©efie »orjufü$*em 6$ *t>ar 
ein watyre* ftnigHdje$ ßoncett- 2)ie 9bie (an$ grt. 
<Sd)lojH bie ©onate, bie grofe in hielten #n 
»KD-SKenbelSfo^n unb £r- (SSW. $>a\ttb- SBie 
im* berietet tourbe, fpra<fy ©«SXaiejiÄt ber Mbxo% gegen 
bie Äünftler perfönlid) feinen $Xmt au«/ ben er ptn 
©d)lu0 b*$ 8*bgefauge*, an ba$ ©rieftet toetenfe* bem 
ftompontflen a*f ba# t)ulb&ött|ie n>teber^o(te. . 9& n>ar 
ein Sorbeer anberer ttrt, ber ben $o§en ®eber, wie ben 
emtfangenben Äratfiler gtei^et fcWörft» $a* $uWt* 
cum Behielt firf) m&^renb betga»jaifftenb*itt ad^ttmg^ 
»oller ©tille, bie nur beim (Sintrttte be*9tege«tut bitr# 



8* 



einen jubelnden 3wflf / wie nad) bem Sobgefang burdj 
eine freubig banfenbe Segrüjmng be$ SBerfeS unter* 
brodfen würbe* — 



Büntes ^bonncmcntconcftt Iren 1. Januar 1841. 

$gmne t>on $ anbei. — Oufcetture toon ÜRo jart. — Variationen für 
öioline »on 2Heuyiemj>«. — „9Reere$j*itte unb glücfli^e ^afaf 
toon (B e e t $ o v e n. — 6oto fut 93ioltne toon SB et i o t. — Batiatio« 
nenfürfttotetoon SBotym. — 6$nq>$onie (Gmoll) »on © eet^ooen. 

SRit #Anbef$ froren, feierlichen Älängen fet atten 
benn ein „gtü<flid)e$ neue* 3afyr* jugerufen; bie ©tfitte, 
wo fie erflangen, bleibe aud) fernerhin ber wa$ren£itt# 
ein treuer £eerb, unb bie ityr fcorfiefyen nodj länge tyre 
samten 33efd)ü(jer* £af? fie mit £änbel eingeweiht 
würbe, fei un$ ein guteSDmen; unb aud) ber «nwudj* 
längerer AünfMer fei fcon H)i nid)t au$gefd)loffen, im 
Sinne be$ 9llttneifier$, ber, wie jeber wafyre, feinen 
»out Slltare jurüdweifen würbe, ber ein reinem Streben 
mitbringt 9tur bei« #if* licfye fei wie ber ewige 3ube, 
bem jid) nirgend ein gaftlid)e$ Xfyx erfdjfieft* — 

2)em £9mnu$ folgte bieDu&erture jur ßauberftöte, 
bie wol)l aud) nad) 3afyrtyunberten nodj erflingen unb 
entjütfen, jene* fytelenbe feiige SBunbetfinb, ba$, Sid>t 
unb greube fpenbenb, immer wo wieber auftaudjenwfeb 
trofc »ebel unb fttnflemif ♦ *ud) tyeute wirfte fie fo. 3)ec 
Seifall fam wie au* einem £erjen. 



87 



Ueber ben SJiolinfoieler £Uf, ber bie folgenben 
SSariationen fotelte, feinen merfwürbigen SebenSlauf, 
benotete bie* 2Matt fd)on früher; 1 er tyat ftdj *>om 
,$anbwerfer jum itünjller emporgearbeitet, wäfyrenb e$ 
6ei anbern umgelefyrt ifi unb leiber im meta^orifcfyen 
©imu ©d)on im vorigen Satyre mit großer SJjeilnafyme 
aufgenommen, betätigt er tmmerme^r bte Erwartungen, 
bie man ft$ t>on ifym gemad)t, nähert er ftdjimmermetyt 
berJBleifierfcfyaft* ©ein (Spiel, nod) fo frifd) wie früher, 
fyat aucfy an Saxttyit gewonnen* 3m übrigen war bie 
SBa^t ber Stüde, bie un$ nod) t>om ©piel ber (Som* 
poniften fyer in Erinnerung, aflerbingS eine gewagte« 
2)a$ *ßublicum foenbete inbejj reid)ften SSeifatt nnb mit 
geregtem Sinne; benn aud) ber SMIbungSgang be* 
ÄünjilerS muß fyier in 33etrad)t fommen. Statt ber erft 
angefünbigten Slrie and gibelio war ber 33eetfy<wen'fdje 
Qfyox untergefaßt — tnelleicfyt ofyne*Probe, benn er ging 
nid)t.ganj gut Sin jweiteS 3uq>romlu erfcfyien, ein 
artiger Änabe mit ber gWte in ber ^anb, 9tamen$ 
£einbl; laum über 12 3a!)r alt, fpielt er fein Snjlnu 
ment mit einer SWeifierfcfyaft, bie auf biefem3nfimmente 
aud) nid)t ba$ Unnatürliche f)at, wie j. 33. bie 9ltd)arb 
8eWty'S auf bem £orne- 3Ran gebe itym fpdter aucfc 
anbere 3nfirumente in bie £anb; fein ©jnel »errätlj 
mef)r als gute Sungen unb blofe* SBirtuofentafent @$ 
wäre Schabe um ben muftfalifd)en Knaben, ©eine 



l) $st» in. ©♦ 286. 



m 



gamifie flammt übrigen* au* SBitgbutg unb fdS nodf 
eine ÜRenge muftfaltf^er junget Talente in t^rer SRttte 
befifren. — 

I)te ®moU*6i?m£l>*nte *on deet^o&ett be* 
föfof. ©dpöeigentrit baribet! So oft gt^Stt htt öffatf* 
liefen ©aal wie im Stttwen, ftbt mwer&ibert t§te 
9WǤt auf alle febenSaltet au$, gteid) wie mottle grojfc 
(grfffyettmngen in bet Statur, bie, fo oft fie and; ȟber- 
feieren, un$ mitgutdjt unbSewrobetung erfüllen* 
biefe ©tympljonie toitb nad) 3totytl)unbetteu nod) triebet« 
Hingen, ja getrif* (o lange e$ eine 2Belt nnb 9Äuftf 
gibt.- 



Clftes abonnementeaneert Iren 7. Januar 1841. 

Ciwertut« *on IBeettyo&en. — 9lrit &on 9Jlo$att. — Gonctrtin» fut 
öiotenceff fcon Ätnbner. — €crae unb Sftic wm 2ft ererbtet 
— (Japrictto für SHolenafl bon Homberg. — §i(lOTtf$e S$m» 
Päonie toon 6p of)t. 

2)ie interefiantefie Stummer be$ ßoncette* tt>at o$n* 
fhretttg bie lefcte nnb ba$ ganje publicum batauf ge* 
fpannt 3)er 3ebbel nannte fte: ^tfiorifäe ©jra^onie 
im Styl nnb ©efömacf riet »ergebener 3rito&fö*tt^ 
®rfier ©a&; »ac^Änbefsföe ^etiobe, 1720. »ba* 
gio: ^a9bm9»ojatff^e, 1780. ©d)er§o: 8e*$o*>cn'* 
fd)e, 1810. ginale: allerneuefie «ßeriobe, 1840.* 2)iefe 
neue ©tympfyome ©poi)r'$ ifi, irren tt>ir nfafyt, ffir ba* 



8» 



8w*boner ^tt$armotttfd)e ©oncert getrieben, bort amfy 
§wm erjtenmal &or etwa 3fol)re$frift gelben, unb, muffen 
wir tyingttfefcen, aud) in (Snglanb fd)on ftatf angegriffen 
werben, 3Bit fßt^ten, aud) in 5>eutfd)lanb werben 
tyaite Urteile barübet fallen* ®bu metfwürbtge Sr= 
fdjeinuug Meibt e* gewtf , baj* in neuerer 3ett fd^n 
mefyre 93erfud)e gemalt worben, un$ bic alte serju* 
füfyrem ©o gab »or 3 Sauren £>♦ Nicolai in ®ien ein 
®<mcert, in bem er gleidjfaßfc eine Steide „im ©fyl unk 
©efdpnatfe anbetet 3atyrl)uttberte" getriebener (Sontyt^ 
flttonen aufführte* Sioföele* förieb ein @tü<f ju #än* 
bef$ (Sften nnb in feiner SBeffe* Säubert gab neuer* 
Wng$ eine „Suite* ljerau$, ebenfalls auf alte gormen 
tyinjuweifen unb bgL metyr* Selbfi ©poijr tyatte feiner 
©tym^onie f$ou etn SSioliueoncert „©onfl unfc 3efrt* 
t>orau$geljen lajfm, in bem er etwa& äl)n!Wje$ beabffd}* 
tigt/ wie in Jener* 9Jtan fann nid)t$ bagegen ^aben; 
bie SBerfndje mögen als ©tobten gelten, wie ja bie 3ett 
neuetbingS ein SBofylgefaÖen am 9tococ0*®efä)ma# 
gejeigt SCber ba£ gerabe ©pofyr auf bie 3bee fÄßt, 
®^t, ber fertige abgefdjloffene SJfeifier, ©poljr, ber 
nie etwa* 4bet bie Stypen gebraut, wa$ ni^t feinem 
eigenfien £etje* entftnrungen, unb ber immer beim erflen 
£tan$e fd^n ju erlernten — bie$ rauf mfy flllen inter* 
effont erfd)einem ©e fyat er benn aud) feine 8tef* 
gafce gelöft, wie wir e$ beinahe erwarteten; er $at ftdj 
in b«S duftete, bie formen verriebener ©tyte ju fftgen 
mtgefäjUfi; im ttebtigen Weibt er ber «Refftet, wie wir 



tyn lange f ernten unb lieben; ja e* fybt gerabe bie un* 
genante gontt feine (Stgentyumlicfyfeit uo$ fdpeienber 
I|en>or, n)ie benn etwa ein irgenb *on ber Äatur au«« 
gejeidfneter jtd> nirgend letzter berräfy, aW mennec 
ftd> ma«Krt* ©o ging Wapoleon einßmal« auf einen 
9Ra«fenbaO, unb faum n>ar er einige Stugenblüfe ba, 
al$ er föon — bie Sinne inemanberfdjlug* SEBie ein 
Sauffeuer ging e« burd) ben ©aal: „ber Aaifer!" 9M>n* 
Hd> f onnte man bei ber ©tyntyljome «* Kbem SBinfel be« 
©aale« ben Saut „©potyr" unb tt>ieber „©potyr* $oren. 
9lm bejlen, fc^ien e« mir, berfiellte er jtd> nod) in ber 
2Woaart*£a9btt'f<l>en 9»a«fe; ber 93ad)*£4nberfd)en 
fehlte bagegen biel bon ber nerbigen ©ebrungen^eü ber 
Driginalgejtcfyter; ber SSeet&oben'fdjen aber wotyl alle«» 
911« balligen 3Rif griff möchte id) aber gar ben legten 
©afr bejeicfynen* Die« mag 8ärm fein, wie tt>it tyn 
toofy oft bon Sluber, -äÄetyerbeer unb ätynlidjen ljören; 
aber e« gibt aud) Seffere«, SBürbigere«, jene (Sinfluffe 
*ßaratyftrenbe« genug, baj? tt>ir bie bittere äbjtdjt jene« 
legten ©afce« nicfyt einjufefyen vermögen. 3a ©ppljr 
felbfi barf fid) nid)t über 9tid)t*8lnerfennuttg beflagem 
3Bo gute tarnen Hingen, Hingt aud) feiner mit unb 
bie« gefcfyietyt nod) an taufenb ©teilen t&glid}» 3m 
Uebrigen, berfie&t ftd), ifi ber Sau ber einzelnen ©dfre, 
ben legten etwa aufgenommen, au«gejeid>net, unb 
namentlich bie Snjfcumentation, beren Äunfi $u eilt* 
witfeln bie 3bee be« ©anjen gemij* au$ fe$r günfHg, 
be« 9Reif)er« aärbig. Stuf ba« ©anje be« publicum« 



»1 



madjte, wie eä festen , bie Stym^onie feinen, wenn 
nidjt einen ungefälligen dinbruef ♦ 2>a fte übrigen« etye* 
fienS im Drude erftyeint, wirb balb jeber fein Urteil 
über ba$ (Suriofum, ba$ e$ ifi unb bleibt, feftfieBeii 
förtnem — Denfelben Slbenb fam aud) eine feljr feiten 
gehörte unb nod) weniger verftonbene JDuverture 2$K 115 
»on 99eetfyoven jur äfaffüljrung, für bie wir befonber* 
banfbar fein mfiffen. Da$ war vom ed)te#en 33eettyoven, 
wie er freflid) nie in eine fyif*orifd)e ©tynfyljonie ju ban* 
tien fein wirb. — 3*>ei SSittuofengfi^e von auswärt* 
gaben auferbem nod) ©olo* Hummern: %tU SDiorr, 
^offdngerin au$ ©reiben, unb #r* JHnbner, Jiam* 
ntennufifer au$ Hannover: beibe neu für un$* Die 
erflere jeigte jid) als entfd)teben talentvolle Sängerin, 
fcfyon aud) mit fd)öner Äunfi* unb ©tfmmbilbung, unb 
erwarb fid) grof en Skifall, baf fte über baS 93erfpro(feene 
unb da Capo ftngen muffte* Unter weniger gutem Stent 
fpielte ber BiolonceUifi; er fydtte beffere Sompofttionen 
wfiljlen fotfen; im Uekigen jeigte er ftd) als ein ganj 
tüchtiger ättrtuoS* 



3mölftc$ äbannementammt den 14. Januar. 

Outoetturc *. ffiefcer. — 9We ». SR eu ab ante. — $>toefHffcmeiit fftr 
$o$oe 2>ietty«. — Brie *. 93eet$oto«n. — (Soncert für 
(Pianoforte to.Seei^o&en. — @tymj>tyome (2) mofl) * . fi a $ n c r. 

Die Du&eriure war bie reijeabe ju ^ßreciofa* (Sin 
für allemal wirb vom 3*ef. bemerft, bafl, wo ni<$t be* 



92 

fonbere ©enwrhmgen gemußt ftnb, e$ fi<±> *on fetbft 
mfie^t, t)a£bie«affüf)nmgcn *on Setonbc* Ordpffer* 
üwwr treffttd) *en Stetten gefyeir, ja muffen* We @lan§* 
imnete be* «benb* biltoen. S>a$ tttif? b«S JDrd^effer 
and} fdjrni unb fydlt banad;» Sebauem muffen mir 
nur ben 93cttufl be$ frfi^eteu ^tarier* , eineä ttx^rtn 
gelben auf feinem Snftannente, ber fid>. jum iefctgea 
unb jn anbeten , n>te ba$ ©enie )u bleuen Talenten 
»et^Alt »trilei^t »feto er bem Soncertfaale triebet 
gntitferjiattek ©ein SQBttbct in ber ©bur*@9m^ome, 
einige Stellen in SRenbetöfD^n'föe* ©werteten u. f. »♦ 
ffab bi* je** perltet) nbettreffene 3ÄcifiterfKkf^, wie 
man fte fanm in $artö unb 9tattyorf boren famu SRan 
(äffe tyn nicfyt -auf er Äunft — Die $erte be* gütigen 
«oncerte« »ar ba$ SBeetyo&en'föe Soncert $r« 
SJlenbeUfoI)n = ®oit^olb^ fpieltc e$* SBie benn 
bnrä) ityn aide toon ber Söornirt^eit überfeine SBerfe tfyr 
3htfcrfiteljiung$fefi feiern, fo f)at er jefc* ttrieber biefe 
«mn^ofittcu an'* 8idjt gebracht, $eet^rt>ett'$ t>ielletö>t 
grijjteS (Slaöierconcert, ba$ in feinem ber brei ©ifce 
bem befannten in (S$bur na^fle^t 3)iet>on3Renbel6* 
f o f) n in beiben @ifcen etngeftodfytenen (Sabenjen waren, I 
tt>ie immer, befonbere SReiftcrfläde im SRetfierfHhfe, bie ! 
$ä<£g&nge jum Dw$efter bdbemal überraföenb jart unb 
neu* 2)a$ publicum formte fe^r nad) bem Soncert — 
%tU ©d)loj* erfreute un$ namentfid) in ber gar $err* 
ft^en 8rie an* ^Mfr* mit ber «ftöttterbegJetomg, — 
Diethe fofcfte ein eigene« me$t (SotttyofltfottfiUebe 



83 

oW ©ir ttiDf enciteß ctt toertatfyenbeS 3>foertfffement, roa« 
tt>ir gar nidjt tabeln wofleiu — 2)ie @9wß$onie twu 

Sahnet, fetite britte, wirb tom ^«Minim bei 
loeitem güfl#i$er aufgenommen, als frühere ßmityo* 
fitionen beffefben, wie fie beim aud) un$ fein befte* 
fyntyfyonifiiftfyeS SQBerf fdjeint ; fte ifi fcfyon lange gebtwft 
unb bereite au$füfyrlid)er befanden* 1 — 

2)ie nädjften (Soncerte »erben fogenannte fyißorifäje 
fein unb beginnen mf i 3 o © e b» 93* dj unb # ätt bei; 
wir »erben bariiber in einem befonbeten Shrtifel be* 
rieten* — 



13te* bis 16tc* 3b0tutem*tt*föneett 

2)a$ 13te unb bie brei fotgenben (Soncerte brauten 
nur SBerfe betftfdjer (Sontyoniften, unb jttar unferer 
gröften: 33ad), £finbel, ^at;bn, SJlojart unb 
Seerosen* Sact) unb £finbel füllten einen Slbenb, 
t)ie anberen jeber einen. Dafl bie 9lu$tt>afyl finnig , baf 
jeber ber -Bieifter burd) bejeidjnenbe (Sompofttionen tter* 
treten war, fann man glauben, roo ein SReifier gewählt 
fyatte, ber, tt>ie SOlenbelSfofyn, ifjre SBerfe fo burd) unb 
burdj fennt, ttrie *>ielleid)t 3?iemanb ber 3^9^off^n 
weiter, ber tt>ofyl im ©tanbe wäre, atleS an jenen frönen 
Slbenben SSorgefü^tte aus bem ®ebäd)tniffe in Partitur 
ju fcfyreiben* 



i) 33gL S3b. Ii. ©.121 ff. 



M 

Statt einet Ärftif , t>on tob unb Säbel ber Som^o^ 
jttionen fann im Uebtigen »o^l feine Siebe fein; bed> 
mag/ wie bie 8u6wa$t getroffen war, mandjem ait& 
Artigen Äunftfreunbe t>en Sntereffe fein, unb wm 
®ef<fyma<fe, mit bem jene ßoncerte geotbnet waren, ein 
3eugnif geben» 

3)a$ 33ad)*«g)änberfd)e Soneert braute im *r#en 
Steile : 

3Me cfyromatiftye $$atttaffe, »ob 8* 3Rtnbe(6fol)n 
geftielt, 

bie bojtyelcfyörige ÜRotette: „tdj lajfe btd) nityt," 
G^aconne für Violine allein, g. SSattibgeftnett, unb 
1 ba$ Cruci6xus, Resurf exit unb Sanctus au$ ber 

großen SDteffe in ^moll, 
alles t>on Sad), unb faft ju t>iel be$ $ertlid)eiu 2)en 
tiefften Sinbrurf mad)te t>ielleid)t ba$ (SrucifuruS, ober 
aud) ein ©tucf , ba$ nur mit anbern 33ad)'fd)en ju &et* 
gleiten ift, eine$, !>or bem jtd) alle ÜJfeijkr aßet 3titen 
in @l)rfurd)t verneigen muffen* 2)ic SKotette „idj laffe 
bid) ntd)t" ifi mefyr befannt ; in fo fcotlenbeter Stuffufyrung 
war fte inbep Ijier nod) nid)t gehört roorben, baß jte in 
biefer griffe unb Ätarfyett eine ganj onbere fcfyien» 2)ie 
©oloftücfe brauten ben Spielern feurigen SSetfalt, n>a$ 
wir jura SSetoeife anfuhren, baß man mit 33adj'fdjen 
ßompojttionen aud) imSoncertfaale nod) entfyujtaämiren 
fönne. SBie freiließ SJlenbelSfotyn 33ad>'fd)e (Sompofitie* 
neu frielt, muß man työren. 2>at>ib fyielte bie (Styaconne 
nidjt minber meißerßd) unb mit ber feinen Begleitung 



»5 



SSenbelSfofyn'S, »on ber wir fdjon früher einmal betify 
teten* Den awetten Sljeil be$ (SoncerW föHte £ finbel* 
2Bär' e$ fein SSerfiof gewefen, fo fyfitten wir xf)n t>or 
93ad) ju fyören gewünfdjt* 9iad) i^m wirft er minber 
tief* 2)ie gewÄtylten (Stüde waren : 
, Dwerture jum STOefftaä, 

9tei\ unb ^Irie mit SJjor ebenbaljer, »on $rl. © l o f 
gefungen, 

Steina mit 93ariationen für Glasier, t>on 3Jienbel$* 
fofyn gefirielt, unb 

SJier 2)oweld)ore aus 3$rael in (Sg^pien» 
9teu batwn war bie 3te Kummer, unter -äRenbelSfofyn'S 
^dnben *>on reijenb natoer SBirfung* 3n tiefen wie in 
ben 33ad)'fd)en Spören, fo wie in ben fyäteren brei 
(Soncerten, wirf te übrigens einebebeutenbe8lnja^l!DUet' 
tanten mit, was einer banfbaren (Srwfiljttung bebarf* 

DaS Soncert beS 28ften 3anuar war «£>atybn ge* 
nribmet (So SSKannicfyfaltigeS baS Programm enthielt, 
fo mag bod) SJiancfyen ber Slbenb ermübet fyaben, unb 
natürlich : benn «^atybn'fdje 5Äujif ift I)ier immer triel 
gezielt worben ; man fann nicfyts 9ieueS meljr t>on ifyut 
erfahren; er ifi wie ein gewohnter £au$freunb, ber 
immer gern unb achtungsvoll empfangen wirb : tieferes 
3nterejfe aber Ijat.er für bie 3>efctjeit nid)t mefyr. 2)ie 
aufgeführten Stüde waren: 

©nleitung, 3*eeitath>, 8trie unb Sfyor aus ber 
©cfytyfung, bie Solopartie »on grl. ©d)lo£ 
gefungen, 



n 



Ctaattett (®ott erhalte granj best Jtaifer) fftt ettekfc 
tnffrumente, *<m ben ^g>* S)at>ib, Ätetgef, 
©djulj unb SBittmann vorgetragen, 

Stilette „bn bffr*, bem 9totym w* ©&re geltet/ 

1 ©tym^onie in 33 tat?, tmb We 

3agb unb SBeinlefe au$ ben 3#fe*J«*tai* 
93k norf) 98er t^etjen an 8Jfo ja** Ijditgen, babon 
gab ba* folgenbe Homert einen Setoeift* Ordner unb 
©ofofpieter jeigten ji<$ aber a*dj im fyü^ffen ®{anje; 
e$ mar etnßoncert, in bem mir^an^aitf^kmb gegen- 
toartig geteünfctyt tyätten, in ben Subel fhtjitfiHnmett, 
ben fein großer «funftter an jenem 9töe*be erregte* 3ft 
e$ ni$t, als würben SRojarf* SBerfe immer frif^cr, 
je metyr man fte fyörte! 3tud) einige feiner Sieber Ijatte 
man fyett>orgefu$t ; wie junge ©eilten bnfteten fte nodj. 
golge fyter anflatt aller Seftyribung nodj ba$ auägeftidjt 
f$öhe Sßrogramm : 

Dttberture ju 3atu$, 

JRedtatfo unb Slrie mit obU SSiolme, vorgetragen öon 

%xU ©d)lofj unb £au 3)a»ib, 
ßoncert in 2)mott ffir $ianoforte, gefpielt fron 

SÄenbefcfotyn, 
3tt>ei Sieber gefungen von grl* ©$(of , 
©tym^ome in <£bw (3ttyiter). 
6iner ber reichen üJiufftabenbe aber, tok er »tel* 
Ieic^tfeltenittberäSeltiu^ören, nwrberbeä Ilten gebr., 
bernurSJeetljo&e n'fcfyeä braute, tfndj fehlen nn$ ber 
©aal glänjenber als je gefüllt; ba$D$$eßer, gebrdngt 



»7 



x>oU aon @ütg* unb ©piellufHgen, fjewätyrte einen 
fronen Stnblitf; Unter btn ©fijien warb balb au$ tie 
geniale Äünjtterin entbetft, bie öeettyo&en felbp ju einer 
feiner ^röften ©cfy&pfttttflen, jutn gibelio gefeffen ju 
^aften fdjeint: SHab* ©(fyräbe^Se&rient, bie ber 3ufaU 
ju günfiiger ©tnnbe gerabe nad) Setyjig geführt fyatte. 
©o waren benn eble Äuufhtaturen genug bei einanber, 
um 33eetyc*>en in wütbigfier SBeife ju vertreten* 9lud) 
ber junge Stufe ®u{omty barf niefyt unerwähnt bleikn, 
ber, jtod) wenig gelaunt, burd) ba$ @£iel be$ SSiottu* 
concerteS in 2>bur ftcty^tottig erwarb unb fte »erbtente* 
5Da6 Soncert braute benn 

bie £)ut>erture ju ßeenore in Gbur, 

Ä^rie unb ©loria au$ ber SReffe in 6 2Berf 86, 

baS erwähnte äStolmamcert, 

Sfoelaibe, unb juto ©(fyluf 

bie 9te ©tympfyonie* 

2)ie JDwerture würbe ba (Sapo verlangt unb auet) 
gefyielt. 3)a$ lefcte wuuberte und beinahe, ba nod> fo 
meled Dom Ordner ju leiten war* 2)a$ Ä^rie unb 
©laria nad) biefem jwehnat geborten 9&efen#ude wirfte 
fd>wäd)er, 3>en tarnen be$ Spielers be$ SBiolinfafceä 
nannten wir eben* 3)ie ßom^tion gehört ju Söeetfyo* 
tten'S fdjonjien unb t#, wa$ (Srftnbung anlangt woljl 
in gleichem SRangc mit feinen früheren ©tympfyonieen ju 
ftelfou 3lm ©ptele be$ SMrtuofen Ratten wir 9Kand)e$ 
jarter, fingenber, beutfdjer gewfinfd)t ; in ben feurigen 
©teilen lief e$ nid)t$ ju wünfd)en übrig, 2>ie eingeflod)* 
iv. 7 



»8 



tenen (Sabenjen waren nid)t Don SJeetfyo&en, roie fernen 
genug ju bemerfem Vortrag ber Sfoelaibe — wen 
l)Ätte man ftd) lieber fyerbei wünfdjen mögen , als bie e6 
fang: SRab, 6<fyröber*!l>äment, bie jtdj auf SRenbete 
fotyn'd ©itte fd)neH bereit jeigte* 5>ad publicum geriet 
in eine 8trt @d)Wärmerei, als fie fyertwrtrat, unb Ware 
eineÄünfilerin burd) nod) fo große $riuntyl)e fcetwöfjnt, 
ein foldjer SJeifatt müßte fte immer erfreuen unb f)at e$ 
gewiß audj. 9tod) ftanb und bie 9te ©tympfyome be*or. 
Steint e$ bod), al$ finge man an enbltd) emjufel>eti, 
baß in tyr ber große SWann fein ©roßte* ntebergelegt 
$at ©o feurig erinnere id) mid) nie, baß fte fräßet 
aufgenommen Horben wäre* SRit biefem 9lu$fptud)e 
wollen wir fciet weniger bem SBerfe, als bem publicum 
ein 8ob fagen, benn jene* flefyt über SlKeö; fo oft ifl 
bieS fd^ou in unfern SMÄttem ausgebrochen werben, 
baß wir nid)t$ weiter baruber ju fagen fyibem $>ie Sfa& 
fütyrung war ganj ttorjüglid) lebenbig* 3m ©djerjo 
Nörten wir einen Jon, beffen 33ebeutung9RenbetefoI>n'$ 
33lid auf baS fd)Ärf jie gefaßt, ben wir früher nie fo be* 
beutenb hervortreten gebort; baS einjige d einer 39aß* 
pofaune mad)t bort eine erßaunlid)e SBirfung unb gibt 
ber ©teile ein ganj neues Seben; man Dergletdje bie 
Partitur ©♦ 66, Z. 3, ©♦ 74, Z. 8. — 



»9 

17tes un* 18tcs Zbonntintniconctti. 

2)a$ 17te 2tbonnementconcert würbe mit einer neuen 
(beröten) ©tyntyljonie t>on Äalliwoba eröffnet, bic 
er, burd) bie 2lufnafyme, bie feine 5te gefunben, Diel* 
leid)t ermuntert, in fel)r furjer 3^t gearbeitet fyaben 
mag» 3>a$ SQBerf fefteint eben metyr burd) äußere $lnre* 
gung entftanben ju fein, al$ au$ innerem fcfyöpferifcfyem 
2)range, fr^eint gefugter, müljfamer, unb ber SSeifaK, 
ben bie ©pntyfyonfe im SSerljältnif jur 5ten fanb, fianb 
aud) im richtigen a3erfjättnifff ju beut 2Bertfye ber beibau 
3um 9?adjtl)eile be$ 2Berfe$ traf e$ ftdE> aud), was frei« 
lid) nid)t immer ju änbern ift, baß e$ ben Anfang be$ 
(Soncerte* machte. 3)ie 3nftrumente, bie SDtujtfer felbji 
finb ba oft nod) nid)t »arm, ba$ publicum fyat jtd) 
«od) nid)t jurecfyte gefeffen k* 9Rag ber ©runb ber wem* 
ger mannen 2lufhal)me nun in äußeren Umftänben ober 
im SBerfe felbft liegen, e$ möge bieS ben fyod)gefd)äfcten 
ßontyonifien nid)t abgalten, auf feiner rufymlid)en SSa^n 
fortjufafyren* 2Bo wäre ber ÜÄeijier, ber ftd) immer fteU 
gemftnnte! SRurwenn er fid) bewürfe, feinen beut* 
fcfyen Urforung ganj unb gar verleugnete, fofl bie Äritif 
eingreifen* SSleibt er jtd) aber treu in gleiß unb ©eftn- 
nung, fo bürfen wir tfym wegen eine* weniger glüdlid^en 
2Burfe$ nid)t gleich ba$ Spiel wrberben wollen. 3)er 
7ten ©tymptyonie be$ lieben$würbigen ( 9Reijler$ fei benn 
im SBorauö ein SÖillfommen jugerufem 

7* 



1*0 

Statt %tU ©cfylof , bie Reifer geworben, fang eine 
fräßet imtyt genannte ©fingerin, grl*8ouife ©rün* 
berg, eine ©d)ülerin be$ al$ ©efangleljrer unb <5om* 
poniffot, namentlich für 3R&miergefang, wo^lbefannten 
3dllner, unb überrafd)te ba$ publicum burdj tyr Hang* 
t>oOe$, fd>miegfame$ Organ/ wie burd) bie nafoe ©idjer* 
Ijett, mit ber fte t>on Slnfang bi6 (Snbe tyte 8frte (eine 
aRojarfföe) au*fütyrte* 5>er (grfolg iljreS erften *uf* 
tretend nm$ un6, ba fte ein einfyetmtfcfyeS Satent, tt>oI>f 
bo^elt erfreuen. 9Bir müßten lügen, wenn mir un$ 
unfern fielen fronen (Stimmen unb ©efangtalente 
räumen wollten; e« ifi barin bei und nicfyt befitt, afe 
überall. 

#r. ©ulomty fpielte in bemfelben ßoncerte ein 
<£oncert fcon 8tyinöfi unb Variationen iwn 5Mique, 
unb namentlich ba$ eefte lebenbig nnb mit ©eifi, baf | 
jt<fy ber (Sontyoniß, t>on bem wir eS früher gebärt, bar* 
über gefreut tyaben müfite, wär' er anwefenb gewefen. 

2) er 3te an bemfelben «benbe auftretenbe ©oftfi war 
£r* £aale, neben #rm ©renfer ber au3ge$et$netfle 
ftlfitip unferer ©tabt- 

9tod) fang ein jaljlreictyer SJWnnetdjor (£• SR. t>. 
SBeber'S ©ebet fror ber ©(tylacfyt »on Äomer, 
unb SRenbeUfofyn'S wunberl)etrlid)e$ Ouattett 
mit £5rnerbegleitung : ber 34gerabfd)ieb fron <Si$en? 
borff. — 

3) ie 2Ruftff*ücfe be* löten (Soncerte* waren aiemlid) 
gemixter Sltt* ®ne neue ©tympfyonie fron 8. SR au* 



101 



rtr, nod) SRanufcrtyt, begann* £at ftd) [eine erfie »iele 
greunbe erworben, fo tt>irb eä aud) biefe jweite, tote 
jener an 2eid)tigfeit unb Sebcnbtgfett ntd)t$ nad)gibt* 
Sin ber 3nfinimentatton erfennt man ben im Ordjefier 
groß geworbenen SÖtufifer ; er ftielt mit ben SnfJrumen* 
ten, wie ein ©aufler mit feinen 93dUen* 3>a$ 2lbagio, 
fei)r jart erfunben, besagte un$ neben bem lfien Safce 
am mefffcen; SfabereS, franjöjtfd) unb lärmenb, weniger* 

m$ ©aflt trat ein £r- <£♦ ©etti au$ Neapel auf, 
ein fräftiger woijlflmgenber Sariton, ber jid) balb al6 
ed)ter italfönifdjer Sänger bocumentirte, 3m herein mit 
£nu Rogner fang er aud) jum großen ©efalfen um 
ferer SSettinianer ein 2)uett au« ben Puritanern. <5d)id* 
ten uni aud) bie 3taliÄner einen £enorf#en wiebcr! an 
93äjfen feljlt e$ un$ weniger* 

3Kit großem SSeifaU fang $tl ©rünbetg bie 
ÜReijerbeer'fdje Slrie Robert mein ©eliebter/ bie nie 
einen gewtjfen (Sffect fcerfefylt, bie ber ßomponifi gewiß 
fetbft für eine feiner fdjönften SRummern fy4It Sin ber 
Sängerin wollten @efangiel)rer bie SBhmböffnung tabeln ; 
e$ ift nur ein SBinf , audj barauf Sldjt ju fyaben* 3m 
Uebrigen jeigte fte aud) in biefem Vortrage 33eruf unb 
$a(ent* 

Sine wenig gelaunte Ouvertüre fron DnS low jur 
£>l>er: ber älfalbe,, gefiel; eben fo £r* SBittmann in 
93ioloncellt)artationen t>on 3Rerf/ unb #r* SBeiffen* 
b o rn tu folgen für gagott *>on 3& £aale, S3*ibe an$* 
gejeid)nete SWitglieber unfere* Drd)efiera, t>on benen 



10S 



ber elftere aud) ein fdjöne$ (Sompofhionätatent befreit 
fott; er ift ein SBiener unb Spulet von Werf. 



19tes abannemetttconcert. 1 

<Joncett*Ou*eriute fconffi. ©eit (SWaiiufcrtyt). — ttrie »on 9Rei?er* 
beer (5rl. 6$to§). — 3a$et* Dual, Sieb toon <B. SeiM, für 
SinflfKmme mit Segleitung toott ^tanofotte , CHarinette, $otn, $etto 
unb <Jontraba§ »on d. töeid&atb ($r. 6<$mtbt). — SBariat. für 
Violine übet ein S^ema *on 9t. Säubert (Sob bet Sutanen) comp, 
unb gefielt *om (Soncertmjh. $a*ib (9Wanufm>t). — „9n bie 
ferne beliebte," ßieberfeeif fron 9 eet Soften ($t. ©<$mibt). — 
<3$mp$ome bon 35 e e t $ o * e n 2. 

3)ie Dwerture bot wenig 9teue$ unb ©d)lagenbe$; 
fie mochte ben 2Jtuftfjiü<fen beijujäljlen fein, bie ben 
SJtangel an Energie ber ©ebanfen burd) üppige* Äewßere 
weniger fühlbar ju madjen wiffen* — §rl. ©djlof wie 
immer: rufyig unb otyne^erjf topfen laffen wir bteäBelle 
ifyreä ©efangeä über un$ weggleiten* 3Me Slrie fcon 
Stetyerbeer, obgleidj bereits ein tobmübeä 9lof , will 
nodj immer nidjt bom fßarabeplafte tterfcfywinben* — 
2)a$ Sieb bon 9teid)arb ifi nic^t otyne Sfamufy; aber 
au$ feiner regten Siefe quellenb, entbehrt e$ sor Ottern 
ber (ebentooflen SBärme* Sei fo t>erfd>wenberifd) auf* 
gewenbeten 2Jtttte(n ifl e$ ju wenig, wa$ tyier erreidjt 



1) $>em 19ten (Soncett ttoljnte 9tef. m#t bei. $et $m$t ifl 
ton anfemr fanb« x 



103 

ttwrben* 9(m ©djlujfe ttermifjten ttrir bie Steigerung, 
fo fe^r fte audj burd) ba$ ©ebid)t geboten erfd^mt; 
triefe Sabung fyfitte ber ßontyoniji bem müben #örer 
nidjt fcorenttyatten foKen* 35ie 9tu$fityrung war fcorjüg* 
lid)* — Sin bie ©djubert'fdje SKelobie mit ityrer jiiöen 
,g>efm(id)feft fo siel #erau$forbernbe$ anjufnityfen, wie 
in ben SSariationen t>on 35a&tb gefd)el)en, motten wir 
ate einen wenig glücf(id)en®ebattfen bejeid)nen* 3eben* 
faBS ift bie Stimmung, in bie ber finnige #ötet baburd) 
fcerfefct wirb, feine wofyltfyuenbe. — 5)er ©(fymucf unb 
biederte be$ 2lbenb$ war ber 8ieberfrei$ wmSeetyo* 
&en$, SiebeSlieber, wie fte in fold)' reinen 9laturtönen, 
fold)er fyerjinnigen £iefe nie wieber (aut geworben* ©te 
ju fingen, bebarf e$ weniger be$ ©fingert, al$ be* 
*|3oeten* #r. ©dpntbt trug fte mit grofer ©orgfatt, 
aber mit faft ju *riel äußerlichem 3tufwanb fcor. 9Äen* 
beläfofyn'S SSortrag be$ SlccoutpagnementS buftete bie 
griffe be$ Originals* — 3n ber ©tyutpfyonie madjte 
fidj bieSraal ein un$ frember «£>ornbläfer bemerfbar; 
feine Unftdjerfyeit warf einige bunfle ©treifen auf ba$ 
leudjtenbe ©anje* 



IM 

20fU* Äbo »nementtoiiatt , ben 18. Ätäcj. 

^a^oratf^mp^onic uon 8 e e t $ o * c n. — 9Me Don 8R o g a r t. — <J*n» 
cfTf fätQklbie **ii6>*$r. — $iw«U au4 Situi »im Wojart. — 
Ouvertnce »o* 3ÄeiibiWf o$i. — $»ett vnh Xerjett auf be* Cya 
„$«b«u& mvh %UmäU" *o» 6 <$mt bt. — La Mllancolie bcn 
*Prümc. — fiicbct *on 6$ufcert, ö. SR. Don SBe&er un& 
OTenbeUfofttt* 

3RÜ befonberem Sfatfyeit gebenfen totr btefe* (So* 
certe*, ba* un$ be$ Srefflidjen fo t>iel bot, inglef$ aU 
be* legten be$ feurigen mit tym tt>Srbig befötoffeiten 
gtyffaS* 2)ie $afioral(^m^f)onie brang tief ttneber eis« 
mal in aller $eqen; bie 8ta$fufyrung toat ganj $err(ty, 
noie fte ftd> ber «Weifter in berSSeiljejhittbe gebaut $aben 
modjte. Daffetbe gilt *>on 3» e n b e I $ f o l) n'$ ptyantafie* 
reibet frönet Duwture „SWeereSfHBe unb glätflidfe 
%df)Tt," bie man tt>o^I ntrgenb* in ber SBett in folget 
Soflfommetttyett fyoren fann* (Sine 9?euigfeit toax ba6 
3)uett tmb Serjett au$ ber föon »oBenbeten grifereii 
£tyer unfere* 64nger* 6d»mibt, eine* Singer*, 
ber an muftfatifdjer Silbung unb , <&fd}ma<terfd>timg 
tt>ol>l SSielen mit berühmten Manien jum SSorbUbe bie* 
nen fönnte* 9(3 ßoutponifi f)at er nur erft wenig Der* 
dffentlid)t SBa* xoix an biefem Sföenbe ju fyoren befa* 
men, jeugte aber burdjtoeg tum einem Streben na$ 
bem Sefferen, t>om SSerftönbnijj ber Stufgabe, bie er jtd> 
gefegt. 2>er ©efang war mit Sorgfalt gefdjrieben; bie 
3nfhumentation gefdjicft unb flangt>oB. 2)ie »reite 



m 

mancher 9Bteberf)olungen ntadjt ftd) tnelleidjt im 23>ea* 
tet weniger fühlbar, tüie e* benn meiften^ unbanfbar 
ffcr ben (Somponiften ifi, einzelne Städe au6 einem 
SBerfe t>or ber Kitffü^rung be$ ©anjen in bte Deffeitt* 
ttd^eit ju bringen, unb immer }u falfityen Urteilen 8tn* 
laß gibt. 2)od) wirb gefagt, baf bie ganje £fyt? t>id^ 
leicht ba(b bei un* in Scene gef)t / wo bann me$r be* 
richtet »erben fo0. 2>fe anbern in ben jwei Summern 
SWitwirfenben waren $rl. Scblojj nnb $r, Äinber* 
mann, erfiere wie immer gewanbt unb fertig, legerer 
mit einer fefyt fronen Stimme begabt, bie, wie fte nur 
et Hingt, für ben Singer einnimmt ♦ 35er Spieler ber 
gSiDlinfiude war £r. <S. £Uf, *>on bem wir fd)on öfter 
fpradjen. 9lud) fyeute geigte er fidj ber grofen XtyiU 
nannte würbig, bie man ftd), Don feinem erjien Sin* 
treten in bie ÄünfHerbafyn an, t>on ifym gemalt, unb 
würbe wie immer mit raufdjenbfiem Seifall entfaffen. 
SBenn wir t>on ber $Perle be$ Stbenbä julefct fpredjen, fo 
gefdjtefyt e$ nic^t ol)ne ©rnnb* 2Jtit wenigen SBorten: 
SRab. Sd)rober*S)et>rtettt fang* 3Ba$ menfdjlidj 
am SRenfdjen unb Jtünftter, unterliegt aud) ber 3^t 
unb i^ren ©nflüffen, fo bie Stimme, bie Sctyöntyeit 
be$ Äeußeren* 3Ba$ aber barüber ifi, bie Seele, bie 
$oefte erhält ftd) in ben Wieblingen be$ #immeW gleich 
frifc^ alle Lebensalter fyhtburt&, unb fo wirb un$ biefe 
Äünfllerin unb S)id)terin immer entwürfen , fo lange fte 
nod) einen Jon in £erj unb Äefyle fyat 2>a$ publicum 
f)6rte wie gebannt, unb a(* fte jum Sd)luf 9Renbel$* 



IM 

fotytt'« mit ben 8Borten „auf SBieberfetyn" enbtgeube* 
Solfalieb fang/ fHnratten alle in freubiget 3ufUmmung 
ein. 8tod> bem teonq>onijlen, bet begleitete/ galt fte 
»ofyl; benn e* »at ba$ Internal an biefet Stelle, baf 
feine nmnberbefdjwingten ginget bie Saften meifierten* 
Sollen wir benn aud) nidjt unterfu^en, mm bec Lor- 
beer galt/ ier unserfefyen* fid) im JDn^eftet feljen lief, 
ob bem SfÄeifier ober ber t>crc^rten gremben, unb nur 
noct) allen, bie in unfern ÜRuftfabenben gegeben unt> 
genoffen, ein fyoffenbed „auf SBtebetfetyen" jutufen ! — 



1842. 



£. SBeraer* gefammelte ffletfc. — Gruben füt panoforte. — <Prei*quartett 
Don 3* <S$<M>ler. — 6tret<$quartette. — SDie •8eonoren«Cubertureit bon 
SBectyofceit. — 2)rei $rei«fonaten. — fiieberföau. — Srio'i für pano« 
forte. — 2>eutf<$e Opern: 1. „Abele be ^oti" fcon (J. ©. 9tetfjta.er, 
2. „2^oma$ töiqutqui" doii <5([er. — Oratorium *on (5. 2o»e. — 
*Pianofortemuftf. 



£. Keroer's gesammelte Werfte. 



2Btr n>ünf<fyten wraitSfeften ju fonneu, ber Staute 
be$ obengenannten Afinfttert märe ben Reiften ein nicfyt 
nur beut -Warnen nad), fonbern and) bur<fy feine ÜBerfe 
befannter. Dem ift aber nify fo* Srofc allen, faß 
tttfdjjentlid) wiederholten 8obe$erfyefomgen, bie ba$ 9Jtu* 
frfblatt 3ri* enthielt, trofr ber SBartrefflic^feit ber «out* 
pofitionen felbfi, iji 8. Serger'S (Somponiftenruf nnr 
wenig in 5)eutfd)lanb verbreitet. (g$ läpt fut) bie$ nur 
tmrdj bie eigene (Styarafterorgantfation be$ Äunjiler$, 
unb burd) bie dufern SBerpltniffe, in benen er lebte, 
erflären* Srwar, wie man fagt, ein M$ juw «fr^o* 
efeonber ängjilictyer ßunßler, ber 3afyrelang an einzelnen 
SBerfen feilte, otyne ft$ jur Verausgabe entfäliefen ju 
fimten» Äein 3ureben ber grfunbe fyalf ; je metyr man 
in ityn brang, je tiefer zergrübelte er ftd>* @o erfdjienen 
benu wfityrenb feine* SebenS nur wenige (Sompojttionen* 
Diefe wenigen reiften aUerbing* f)tn, eine bebeutenbe 
*>oettf<$e -Katar, mit einem SBort einen ÄünfMer in itym 
erfennen ju laffeu* Slber jum 9lufym gehört mefyr, Serger 



110 



fpielte nur in feinen 3ungling$iahren öffentUd) ; fyater 
hielt tyn vom öffentlichen Auftreten Mefelbe «engfilid!' 
feit ab, bie tyn an ber «Verausgabe feiner (Soinpofitiown 
hinberte. (Sin ÄuttjÄer aber, ber feine (Sompofttionen 
ni^t felbji bem publicum vorführen fann, brauet Me 
£älfte 3eit mehr, umSRuf ju erlangen. Der 8[uSna^ 
men gibt e$ nur fefyr wenige. @o fatn e$, bafj ftd) 
Serger immer mehr von ber SBelt abfetyieb, nur im 
Stillen ate Sehrer fortwtrfenb , babei aber aud) fleifig 
fdjaffenb unb feilenb. (Sr fiarb, vom ©daläge getroffen, 
als er gerabe eine Spulerin unterrichtete, in jtemfid) 
hohem alter am 16. Februar 1839. 3n feinem Sefte 
mente fanb man verorbnet, baf* eine 3tu$wal)E feiner 
nadjgelaffenen (Sompoftttonert burdj bie $mtn 8ub»ig 
8teHfiab unb SBityelm Zaubert veranftaltet werben 
möge, bie, ©d)üler unb greunbe be$ SSerewigten, ftA 
be$ ehrenvollen Auftrages mit (Sifer entlebtgten. Jqx. 
%x. ^ofmeifier übernahm ben SBerlag, unb bie (Sanum 
lüng ift, bie Sieber nidjt mitgerechnet, fdjon ju fünf 
Warfen <£ahter'$ angewadjfen. (Sin folcfyeS Unternehmen, 
ben ÜJtanen eineä wenig gefannten ÄünfilerS ju (gieren 
aufgeführt, verbtent fd)on art jidj eine auSjeidjnenh 
(Srwdhnung, boppelt, wo e$ aud) ber Äunfi jur (gfyxt 
gereift. 93erger'$ ftörffte Seite war freilid) ba$ 2ieb; 
an mehren Drten in ber 3^itf^rift würbe fd>on baraw 
hingewtefen. 2)odj aud) unter feinen (Slaviercompofttie: 
nen befinbet ftd) be$ $refflid)en viel; ba$ ©emeine Cag 
feiner 9Jatur überhaupt fem. 9Rit einigen ©orten ben 



111 



3nfyalt *> e * fünf anjubeuten: ftc geben auf er 
einigen fdjon filteren SBerfen, wie bte Sonate, bie 12 
(Stuben, bie SSariationen über „fcfyöne SWtnfa/ aud) 
Ariele ju&or nocfy nidjt gebrutfte, ttrie 18 SBariationen 
über „ah, vous dirai-je, Maman," ba$ auf bem Sütel 
ber Somponifi fetbft al* fein „befte$ SBer!* bejeidjnete, 
unb ein ganje* Slat>ier*(Soncert* SJlit biefen 5 £eften 
ifi aber bie Sammlung tootyl nod) feine$n>eg$ abge* 
fdjtoffen; fit genügen inbejj ttottfommen jur 9led)tfer* 
tigung be$ $lu$ft>rud)$ ber Herausgeber, ttrie burdj fte 
8. 39erger'$ ÄünfHername nur gehoben »erben fönne, 
wie itym fraft iljrer eine (Styrenjielte neben ben clafjtfdjen 
SRetjiera ber legten (Spodje gebühre* 8* 39erger'$ erfieS 
SSorbilb war offenbar SJtojart felbfi, ba$ nur erfi fpfiter 
burdj Seetfyotten'S @rfd)ehten ettt>a$ in ben £intergrnnb 
getreten fein modjte. 9luf feinen ©fottierjtyl indbefonbere 
fyatte auferbem ßlementi, 8. Serger'S erfier 8el)rer, 
bann aud) $ielb, fein 9Ritfd)üler, (Sinflujj gehabt, 
(grinnerungen an biefe feine SJteifter unb greunbe finben 
ftd) uberall* Damit foll aber feine$tt>eg$ gefagt werben, 
aW ob 8. Serger ein 9?a*a^mer biefer getoefen* 3m 
©egentfyeil, n>a$ geniale ©d)öj>ferfraft anfangt, jlefyt er 
fowofyl über (Slementi al$ über gielb, unb bewies e$ 
namentlich im Siebe, in bem er ganj ofyne SSorbilb 
arbeitete , beffen ©renjen er weit über bie bamalä con* 
sentioneUen tytaau$rü<fte* #ätte er jid) metyr &om Kla- 
riere ab*, mit feiner ganjen Äraft mefyr nod) bem ®e* 
fange, bem Drcfyejier ober ber Dper jugetoenbet, tyätte 



11t 



et jtdj audj gan; fcötn anfreibenben ©tnnbetmebe» lo& 
matten formen, wer weif, wa$ un$ Serger fy&ttt rrxi 
ben fönnen* £0$ galten wir uns an ba$, n>a$ et 
gegeben. UM fein bebetttenbjie* glü<Hw$ffe$ <£(a*ie* 
werf gilt un£ aud) jefct, wo wir 9taiere3 *>on t$m 
fennen gelernt, nod) immer feine erjie @tubenfamralung. 
UeberJjwtyt, fd)emt un$, mar er in f leinen formen 
gtötflidjer, ald in grbferen, wie bie* oft bei ercentrtf^en 
Staturen ber gali, bie fietS tyr 33efie$, SieffieS, Smog* 
ftea geben motten» ©cfyiage man folcfye Heine ©träfe 
nidjt ju gering an* (Sine gewiffe breite Unterlage, ein 
bequemes Aufbauen nnb SCbfdjliefen mag tnandpr 
geijhmg jum gobe gereichen. @$ gibt aber Sottbidjter, 
bie, woju Slnbere ©tunben gebrauchen, in Sfttnutai 
auSjufrredjen wiffen; jur £>ar#ellung wie jnm ©eniefen 
fetter geifNg concentrirter ßontybfitionen gebort aber 
fcetlid) audj eine gefteigerte Äraft be$ Storjleßenben, wie 
ber Slufneljmenben , nnb bann aud) bie rechte (Stunbe 
nnb 3cit; ^ cm föörte, bequeme gform Idfjt ftdj immer 
genießen unb auslegen; tiefer ©efyalt wirb aber ntdjt 
ju jleber &it »erlauben. 5)af 8* 33erger and) größerer 
görmen SWeifter war, !jat er in feinen Sonaten, feinen 
ßoncerten bewiefen; feineSwegS aber geben wir für biefe 
eben jene Heineren genialeren Arbeiten fytn, wie jene 
(Stuben, einige feiner Sariationen, unb &or aUem feine 
Sieber. 9ttd)t ganj einfümmen motten wir iubef in ba$ 
©elbfhirtfyetl beS MnjilerS über jene 18 «ariattonen, 
bie er felbfi als fein be0 2Berf bejeidjnet, bie uns im 



frühem Sartatfenen fibtt »fööne »htfa* itic$t anfjn* 
wiegen fdjetafli* Äfinfttcr, wie mane|e SKütkt , liefen 
oft tote tyter Äiriber am itmfktt, We tytten bte meinen 
©djmeraen gemotzt äBir glaube*, fette« SBaftiattttten* 
werf »ergert war ein foWjeä ©$metjenöfl*fc; et fott 
3a$re lang an itym ge&Hbet uiti) geglättet $*b* a« 3fge«* 
ein fein fünjWerifdjer 3«8 / *ft fa ber Heine« Spanne 
einiger Sacte, ftnbet jid) aber fonji anf jeber ©eite einer 
33erger'fd)en (Sompofttion* Oft aud) fefyen wir tyn in 
glütflidjer Stimmung plöftlidj wie unterbrochen, nnb 
, baran mag wofyl fein Sefyreramt Sdjulb fyabem SBie 
, mandjer fdjöne ©ebanfe mag un* fd)on geraubt worben 
fein burdj ba$ unjeitige (Eintreten eine* fleinen Scalen* 
I ritterä, wie manche* fc^dne fdjaffenbe Talent ifi burd) Un* 
, terrid)tgeben ju ©mnbe gegangen! 5)en ßfyarafter einer 
, müfyfamen Arbeit, fo fünfilerifefy föön fte fid> and} ju »er* 
füllen »erfte^t , fyat im ©anjen aud) Serger'S (Soncert 
3war, wir^abene^ni^tmitDr(^ejierge^6rt;bie€lat)ier* 
fWmmeaber^atnn^nurwenig3ntereffegew4^rt Offenbar 
wollte Serger auefy banfbar für ben Spieler fdpeiben, bte* 
tyat tyn in (Sonflict mit feinem poetifdjen SMenf^en ge* 
bracht, ber bod) überaß feine glügelfpifcen tymxfttdt. 

3ht£ge)ei$nete$ enthält bie ©ammlnng nod) in 
einigen grajtö* einfachen 9tonbo'$, fcon benen wir na* 
mentlicfy ba$ in 2) bnr im 2ten (Sanier anführen* 

5)ie jwette große ©ammlnng (Stuben ifi in ben bi* 
jefct trfcfytenenen £eften nod) nid)t wieber abgebrudt; 
wir befpradjen fie fdjon bei ityrem <8rf$einem 
iv. 8 



tu 



5>ie «eber erfdpinen getrennt t>on bicfet ftauptauö 
gäbe feinet SBetfe, in einjetnen £eftem 9feratentit4l 
biefe »erben feinen »amen ber fernen 3i*mft ermatten» 

Sei benn ba$ einem edjt beutffyn äwiftter in 
feinen SBerfen gefegte Denfmal ber liebevollen SSeacfyrong 
ber ßdtgenoffen normal* empfohlen. — 



Ctuöen für Das JKanoforte. 



Z. ^. Spanljolj, ^ataktttxftxfdft Ctn&en. 

ffletf 9. 

Der aSerfaffer ifiDrganiji, man muß ba* nrijfen, 
um fein ©treten meljr fcfyifren ju lernen* (S$ bringt 
unb treibt ifyn in bie er mod)te bie ganje äBelt 
mit feiner Äunft beglütfen* Slber bie Ärfifte jinb nod) 
unenittritfelt; e$ feljlt fogar bie ©tdjerfyeit im ZtfynU 
fcfyen, ttrtfyeil unb ©efdjraatf* 3n ieber ber (Stuben wirb 
ein guter SRuftfer etn>a$ ober t>tel au$jufefren tyaben, 
namentlich in ber mobulatorifd)en gönn» SBer n>irb 
33. in einem Keinen 2 Seiten langen ©tutf au$ ® moS 
ftd) gteicfy au$ bem Sattel unb nad) (Sbnr werfen laffen, 
tote in ber lflen (Stube? @o »ermag ber SSerfajfer fafi 
in feiner bie $onart fefljufyalten, n>a$ an einem £>rga* 
ntfien, ber bod) feinen 3* @eb* 8ad) fennen muf , bop* 
t>eU wmnbert (S$ enthalten bie@tude aber aud) mantyS 
(Smtfunbene; fo tyebt ftd) plöfclid) auf ©. 13 ein föo* 
ner träumeriftyer ©efang tytoot. äBte er aber bortyin 

8* 



Mi 

gefommen, begreift man aud> nidjt redjt; et pa$t tt>ebct 
juin Anfang, nodj jum SSerlauf be* Stüde*, fletyt übet* 
$aupt ifolirt in ber ganjen Sammlung. 9tä$fi btefem 
gragment fdjeint und bie lefcte Stube, *>ielleid# bie 
fdjeibenfle, bod) autf> bie fertigte* Stuben jhib e$ übri* 
gen« nidjt, fonbem SB^en* SQBir galten aber baffe, 
ber teontyontft mäffe, um weiter ju tottraten, biefe 
rtyapfobtfdje gorm aufgeben, unb e$ ttürbe und ein 
£eft tootylgefefcter gugen bei ber nädjjien Segegtrang 
metyr erfreuen, aW ein jttieite* &oÖ @%eu. Sltv feinem 
fönigli^en Snftrumente muß er ja ben SBertlj au$ge* 
^rägter Jtunfiform, wie fle ©ad) im ©töf ten unb Älein- 
fteii gibt, ju »ftrbigen gelernt tyabem — 



C. Ütantag, jroet Ctufcen. 

ffietf 3. 

«in eWe* Streben fprtö&t auc$ au* biefem SBetf ty« 
be# (Samponijien, auf ben mir nod) »or Äußern auf» 
*erffant gemalt; 3>o<fy, fc^eint und, grübe» er ju *itl 
unb tiewüfeit oft. dagegen fc^üfet am etjta 
Arbeiten für ©efangfKmmen. 2)a& Snfirument fcetfityt 
nur ju oft jum grpenmentiren, bie Stimme leitet nnebet 
jur Äatur jurüit 

3»ar er wollte Stuben fetytetbc», aber gettrtfj au$ 
mfjft al* ba$, unb t>or allem SBufif* Sinjelne* etfdj*W 
gefangen^ eine Sotatotefung fcermiffen wir abet no<$, 



IM 

wtb bfe$ tewmti n>of>l ginn SÜjeil tton ber fdjtofefigen 
Sfofgote, für «Übung ber $aub ftfrgen unb <w<fy rauft* 
faftfd) jcdcmoU erfcfyeitmt ju wallen, Shir mtti^n 
mtSgejeidjnelen Talenten i ji bie* p aerehtigen gehutgett. 
3m (Styarofter treffen bie beibentötuben im fd)tte«**tfyi* 
ige* Softe jufomnten, bodj ijt Wc jmeite lebete,, We 
t rfie frnnenbet* 5)et canonifdje Sd)In£faft ber jt&eität 
fybt bteSBttfung be$ »ortyetgefyenbm betaue gang auf; 
t&ir fy&tten i$n liebet grntj tmterbriuft» — 



£t. C. €torrotttt, 6 Stuften. 

2>er Sktfaffer tfi ei* ®*$n be* aBdmar'föen Sht* 
ftfbtrectot** <Sr tyat, irten wir tthfyt, auper im »&erli* 
<$en £aufe aucf) bei Rummel UnferrWji %tf)abt twb $*g 
fixier na4> s 4>arW / wo er fiel) namenttt^ ott fefyrer 
einen 3Btrfuug$freid gebilbet* 

3)ie t>erfül)rertf$en ©inenettjUmmen jener Stobt 
ty&tn feinen Df)ren übrigeng »ergeben* gejäjmett&elt 
Äein SWSenfd) »firbe bie (Stuben einemtftanjofen jateauen ; 
uberall ftefyt ber fd)lid)te efyrlid)e3)eutfd)e $ewuiS, Äu£er 
burd) Sorrect^eit be$ 6afce$ unb gute gorm jeidjnen 
fid) bie Stuben aud) burd) ifyre 2eid)tigfeit au$ ; jie »er* 
ben ben metften Spielern mittlerer Ätaft gar feine mel)r 
fein* 2)ie$ ift ein 93orjug fcor fielen, bie al$ (Sompo* 
#ti<men nid^t grjfern SBertij laben* SBrmt bei ben 
SBtKjftgen, bie mithin bie (Stuben befi^en, ^orauöjitfe^ti 



118 



ift, bo£ fle in ber unmittelbaren Umgebung be$ Gcnty* 
niftat, ber gugleid> 8e$rer €fl, stuften giften wetben, fo 
glauben wir bod) nidjt, baf ftt barftber tyinau* bringen. 
S)aju fetylt e* iljnen an DrigraatitÄt, ©cfjwnng ber 
Sßljantafie, Jtraft,unbaud) an Jener ©rajie, bie oft nodj 
größere Siege erringt, al* bie Äraft Slud) bie (Stube 
fott leeren 3we<fenbienen aM bto$ medjanifdjen» 3)ie$ 
wujjte fdjon ©ramer, unb wie tyaben ftd) bie Seiten unb 
SRenfdjen feitbem nod> gednbert! (Stuben ©♦ wie bie 
erjle, mußten gar nicfyt metyr gebrutft werben; berglei* 
d)en fyaben wir fd)onht J)unbertleiigormen gehabt 2)a* 
iftaber eben ityrcfd)WÄd)fte Seite, baf {ie nichts Steue*, 
Sefonbered geben* Soben aber, wie gefagt, muß man 
überall Jenen einfachen un^ctfiettten Shtfbtud , wie er 
ber #ummef fä)en Schule überbauet eigen. SBielfeidjt, 
bafj in ben fiteren #eften, bie ber ßomponifi auf bem 
Sitelfcerffcridlt, er aud) einen leeren Shfffd)wung nimmt 
2>ie3eitfd)rift wirb fiber Meftortfefcung berieten* (ginf** 
weilen wollen wir nod) auf bie Stuben 5 unb 6, al$ bie 
muflfalifd) am intreffantefiett, aufmerffam gemad)t$aben; 
namentttö} fd)Wgt 3Kr* 6 einen uns *on Stodj tyer lieb* 
geworbenen £on an. — 



fy. £. ftufferat^ 6 Cauatt-Ctulitu* 

ffierf 2. 

(8* finb biefe Stuben o^tteßweifel bie auegejeidptet* 
#en, bie in legtet 3eit erföienen, fo föfote (Sigenfd>aftett 



119 

ftnben jid} in ifynen bereinigt gtetlid) bis jur Drigina* 
lität tfi ber junge ÄftnfMerau(^no(^nf(^tbur%cbro(^ett; 
er befunbet aber eine fo folibe 33ilbung, fo gefunben na« 
tftrlidjen ©efdjmatf, ber ft$ audj ba$ 33ejie ttom 9teue* 
fien mit ©efd)i<f angeeignet, baß wir auf Ujn als auf 
einen tud)tigen ßUwiercontyonijien ber Sw^nft rennen 
fdnnem Um fo freubiger fpredjen wir bieS aus, ba tt)ir 
im 2lugenblide eben nid^t reic^ an guter ßlafciermujif 
ftnb* 9Jad) ber ftürmifd)en Gfyopin'fcfyen (Sipoc^e, bie in 
<£>enfelt, 8ißt unb Balberg ifyre brei Snbpuncte erreicht, 
fcfyeint jefct ein ©tiöfianb eintreten ju wollen. 3)ie 9Re* 
djanff war bis jur fiuferjien #öl)e getrieben; e$ mußte 
eine (Srfd)öpfung eintreten* Odjon aber regt ftdj neue* 
Seben* 2)er tyolbe ©efang, &on fcfyönen formen getra* 
gen, will feine 9ted)te wieber; mit (Sfyrfurcfyt erinnert 
man fid) wieber filterer SRamen. 2)ie folgen wirb bie 
näd$e 3^funft geigen* 2)iefe33etrad)tungen fnityfen wir 
gerabe an ben tarnen beS jungen ÄünftlerS, ben wir 
eben nannten, weil aud) iljn bie lefcte 6pod)e nic^t unbe* 
xvfyxt gelaffen* Slber bieglutf)jett l)at il)n an ein jictyere* 
Ufer geworfen; bie Erfahrungen, bie er gemacht, werben 
ttym nur fyeilfam fein, unb mit ben 3afyren ßraft unb 
©elbfififinbigfeit wacfyfjm 3n feinen Stuben fietytman 
Jene Erregung nod) beutlid) nadjwogen; fie 

gleiten etwa Jenen ruhigeren ffiajferrmgen, wie fte nad) 
heftigem ©türme bem Ufer sueilen. ©efyen wir fie etwa« 
genauer an! ©leid) bie erfte Stube nimmt für ben (Som* 
ponijien ein, weniger burd) ©gentfyümlicfyfeit, als burdj f 



ist 

«3of)l(aaL 6te erf$cfatt wie ein 3miegefang, betjty 
gilefet ju einer SRelobie »erfömeljt, «tyt tnrityftlty 
jenem Siebrtbtiett »enbeldfo$n'$ in feinen Sebent 
©orte* 2)er (giubrurf be* ©anjen ifl wo$tö&uenb, t»m 
aud), wie gefagt, nidjt neu wirfenb. ©efjr fagt tra^ bie 
2te <5tube ju, bie in tyrer Slegani, t^rer feinen £at 
tung an 3Rof$e(e* erinnern modjte; fie beijagt 
buedjau*; tt)ic wünfd)ten ni$tö jugefefct no<$ tt>egg^ 
Hammen. 3)ie 3te («mofl) fünbigt fid) im gfyitata 
aW f)nntoriftt((^er an; bei Söttttetjafc, namentlty fr 
©efange in 8(6 bur, bleibt aber hinter ben<grwartu* 
geujnrütf, man erwartete eineßeifirei^ereSJerÄrbdöißfr 
Tic legten Sacte wünfdjten mir ganj geßrUfyen* 
grajiofeßeStüd ber Sammlung ifl o^ne Zweifel batf fW* 
genbe, ein recfyt jarteä 8tebe*gebtd)t, in gönn unb 
tung ttorgäglid) gelungen» 2)a# ber (Sotn^onifl 
(Hjopin {ennt unb Hebt, jeigt bie 5te (Stube; fte fN* 
f$r wilb an, lenft aber balb in einen ruhigen ÄW* 
f«$, ber inbej* wenig $tojtefyenbe$ $at. 2>a* 
f^eint un* mifwadtfem (£« ifl ein ©tüd , an bem W 
<Somponifi »iel gefinbert tyaben mag* Die ©nteitwgj» 1 
6teuftommer erinnert offenbar an33eetlj(Wen'$ Stow* 11 ' 
€>on*te, wirft aber awty im Stbgianj; bie eigetttli^ 
Stube folgt erfi; fr gehört ju ben briHanlen giflttte»' 
etuben, wie wir bereu me$ret>on£enfelt$abem -Ra**^ 
Udj biefe fdjeint ben Sitel ju rechtfertigen, würbe au*/ 
wenn wir nid)t irren, in einem tyiefigen ßoncerte 
bem Sontyoniffcn gezielt. 



121 

Ifa« bem Dbigen ftefyt man, baji fid) bec SBerty ber 
SKtfdtfebenen (Stäben nity ganjgkWj tfi, unb baj* gerabe 
jene We fdjw&fcron, wo ein äSorbilb be* ßompwiijien 
erföäkty war» 2>te« gibt aber umforaefyt bet Öffnung 
»autn, bec Somponijt befi^e ein eigentyümKcfye« »oU* 
ftfittige* Talent, ba« fid) mit bet 3eit nocty aoHfrÄftiger 
$e*fttt«bilben werbe* ©o fe^en wir benn mit greuben 
fditpr fernem (Sntwltfelung entgegen» 



Sj. ftfjt, toanmtrftnbien nad) $)aganitri'* Capricen 
fär Ira* fttanojforte bearbeitet. (2 9fö%flungen.) 

2)a« Ociginalwerf tyeift: 24 Capricci per Violino 
solo coraposti e dedicati agli artisti da N. Paganini. 
Oe. 40. (Sine ©earbeitung &on jwilf t>wi itynen burd) 
Sfcobert ©djumann erföien in 2 £eften bereit« in ben 
Sauren 1833 unb 35. «u$ in %^x\f> erföien'ein «tran* 
gemetit einjefner, be« Kamen« be« SJearbeiterfr tritutert 
ft$ Sief, ni^t me$r* 3)ie 8if t'fcfye ©amtülung enty&lt 
5 Stummem au« ben Saprkci«, bte 6te ifi; tme ©eatbei* 
tung be« befannten ©ioddjenroitbo«* 6« fann l>ier *>ou 
feiner pebantif$en 9lad)bflbung, einer bfo« fyatnwnu 
fd)e* «*£fülhmg ber SStolinjttmme bie Siebe fein; ba« 
«tarier wteft burd} anbere 3Rittel, al6 bie »Mine* 

<SHei^e Effecte, buwty welche SStttel au<$, $tt»tt}U* 
bringen/ war tyiet bie wWjtigfie Stafigafre für ben 8ear* 
bdtec* 2>a$ fiifc 8if t aber auf bie «tütet unb «fferte 



ist 

feine« 3nfhuntenW »erfleht, weif 3eber, ber ihn gebort. 
<5« muß a(fo gen>i# &om h&hftat 3ntereffe fetn, bie 
Sompofittonen be«, wa« füf)ne Sra&our anbetrifft, 
größten aSioIitt*ajirtuofcti be« 3ahrhunbert« , Sßaga* 
nini, burch ben fü^nfien (£la»ier*S3irtuofen ber 3# 
jeit, «if t, au«gelegi ju erhalten. Ein SKrf üi Me 
Sammlung, auf ba« wunberltche wie wngefifitjte 
Sfotengeb&Ife barin, genügt bem Singe, jtd) ju übergen* 
gen, bafl e« ftd) ^ier nm nid)t« Setzte« ^anbelt» © ifi 
al« ob 8ißt in bem SBerfe äße feine Erfahrungen nieber- 
legen, bie ©e^eimniffe feine« Spiele« ber 9iad)Weft 
uberliefern wollte; er fonnte feine aSerefyrung für ben 
grofen tterftorbenen Äfinftler nid)t fdjöner betätigen, 
als burd) biefe bi« in'« Äfeinfte forgffiltig gearbeitete, 
wie ben Oeiji be« Original« auf ba« Sreuefie wieber* 
ftnegelnbe Uebertragung* SBenn bie Schumann'fdje Be- 
arbeitung mehr bie poetifdje Seite ber Eontyofttion jur 
SJnf^auung bringen wollte, fo ^ebt Siflt, aber ohne 
jene tterfannt jn haben, mehr bie »irtuoftfd)e tyer∨ er 
bejeidjnet bie Stüde ganj richtig mit „99ra»oursSttt* 
bien/ wie man fte wohl auch öffentlich bamit ju glfin* 
jenfyiett freilich werben'« ihrer SBenige fein, bie jte 
ju bewältigen serfWnben, »iellefcht nidjt93ier bi« gunf 
auf ber ganjen weiten SBelt 5)ie« fann aber nidjt ab- 
galten, \>teSad)e ju betyanbeln, al« erifHre fie nidjt. 
2>en ^d^ften Stiften ber SBiriuofität freut man fid) wo$l 
auch ^ einiger Entfernung nahe ju fein« Setratyen wir 
manche« in biefer Sammlung Enthaltene freiließ ge* 



123 



nauer, fo iji fein ä\oc^tl, baf ber mujtfalifdje ©runb; 
geholt mit ben med)anifd)en Scfywierigfetten oft in fet* 
nein 93erl)äftnijfe ftetyt* #ier aber nimmt ba$ Sott 
„©tobte" siele* in ©djufc* 3fyr foKt eud) eben üben, 
gleidjfciel um welken *ßrei$* 

Sprechen wir e$ alfo au$, baf biefe ©ammlung 
»ielleidjt ba$ ®d)Wterigjie iji, wa$ für (Sßwfer je ge* 
fdjrieben, eben fo wie ba$ Original ba$ ©d)Wiertgfte, 
tt>a$ für 93ioline* *ßaganini wollte bieä wofyl aud) mit 
feiner fdjon furjen 3)ebication „agli artisti" auSbrüden, 

!>♦ nur für Äünftter bin id) jugänglid^ Unb fo iji e$ 
aud) mit ber Gla&ierfHmme Sift'S; SSirtuofen *>on §ad) 
nnb Slang allem wirb jte einleud)tem 2>ie$ ber ©tanb* 
punft, i>on bem biefe ©ammlung ju beurteilen iji* 
(Sine jergliebernbe Unterfudjung übrigens be$ Originals 
mit ber Bearbeitung muffen wir und tterfagen, jte würbe 
ju tfiel 9?aum fojiem Seibe in ben #finben gel)t e$ am 
befien* Snterejfant iji bie SSergleicfyung ber erften Stube 
mit ebenberfelben nad) ber ©d)umann'fd)en SBearbei* 
tung, ju ber i\$t felbji burd) 9lbbru<f ber lederen, Zact 
für Sact, finnig aufforbert 3n ber italiänifdjen 9luS* 
gäbe tfi«# bie 6te (Saprice. Die lefcte SRummer bringt bie 
Variationen, bie aud) bie Originalausgabe befdjliejjen, 
biefelben, bie «£♦ 398* (Srnfi ju feinem „SBenejianifdjen 
(Santasal" angeregt fyaben mögen; bie Sift'fdje Sear* 
beitung galten wir für baS muftfalifd) 3nterejfantejie 
te$ ganzen SBerfeS; aber aud) fyier finben fid), oft im 
fleinfien Saume wn einigen Sacten, ©djwierigfeiten 



IM 

ber immtmfefcn «rt, ber «et, mofyl ö# fefbfi taran 
Sit fhibiwn ^aben mag. SBet btefe SariatioKcn fot>& 
tigt, unb $»at in ber leisten nedtnben Steife, baf fic, 
ttne e* fein fott, gtei<^ «tnjetaen 6eenen eines $ßnn>ett- 
foiel* an un6 Dotfibetgleiten, bet mag getoß bte $Beß 
beteifen, um mit gotbenen toxUtxux ein Reiter fJaga* 
ntiti'fiif t juriicfjufommen. 



Preisquartett oon Oufius Sdjapfer. 



äBatyr^aft b*utfd>e* $e$! ÄintgK<tye# *Pe$! »an 
fetyretbt ein $reidq»artett au$, man finbet eine* gerauft, 
man brurft bie Partitur — unb gleid) auf t>em Site! {in 
tarnen be* ®etataten fclbfi bleibt ein $rutffe$ler flehen ! 
©djabfer ftatt tote oben flefy*. Slber e$ t$ut nity* jur 
<S«$e- 8oben mir lieber für'* erfle bie 9ti<tyter, bie bie* 
mal ein mefyr alt Mo* gute*, nad> ^erm unb <3d)ulge* 
fefc ri^tige6 (Stfirf ijerauögefunben, bann ben ©ertdjte* 
ten, bei: aber aud) mefyr al$ eine blo* gute Sompojttton 
lieferte» ©$on ber ©ebanfe ber $Pret$au*fd)reiber ge* 
rabe auf ein Quartett, war gut. einmal, ba bie ®at* 
tung an ft<fy eine fo eble ifi, eine t)öt>ere Sitbung ber 
äfotpfenben &orau*fefct, bann, ba in tf)r ein bebend 
tid>er ©tiBfianb eingetreten war. #atybn'$, SKojart'*, 
Stetten'* Quartette, »er fennte tfe nid>t, wer bürfte 
einen Stein auf fie werfen? 3fl e$ gewifj ba* ft>red)enbfie 
deugnif ber unjerftörbaren 8eben$frifd|e iijrer ©djtyfun* 
gen, baf fie nod) mif einem falben 3atyri)unbert aOet 
£etjen erfreuen, fo bo4) gewif fein gute* für bie fp&tere 



IM 

JWnftlergeneration, bajj fte in fo langem Scittanm 
ntd)t$ jenen £8erg(eicf)bare* )n fc^affen »ermatte* £>n6* 
low ollein fanb Slnflang, unb foäter SWenbeläfoljn, 
beffen artfbftfttifö'poetiföem Gtyarafter biefe ©ottung 
aud) befonber* jufagen mufj* 8luj* erbem liegen nodj in 
ben fpdteren SSeetfyo&en'fcfyen Ctuartetten 6d)Äfcc, bie 
bie SEBelt (mim fennt, an benen fle nocfy 3afyre long }» 
Ijeben Ijat. 

©o ftnb wir 5)eutfd)e benn femedwegS onn ; aber 
ed waren bo$ nur SBenige, bie ba$ (Sajrital witflidj I 
mehrten» Soben wir benn ben ©ebanfen be* 3Rann$et* 
mer äRujtfoereiu*, bafj a fyfer anregte, unb freuen und, 
ba£ fein ©ebanfe erfreuliche grud)t getragen. 2)er Ur* 
ttyeile über ba6 ©djapler'fcfye JDuartett {inb »erfctyiebeite 
unb abwetdjenbe gefallt; barin aber famen fte überein, 
baf e$ etwas 33efonbere$, ba6 ffd) nid^t glei<§ auf 
ben erften 93licf ju erfennen gäbe* 

Sßer bie faäteren Arbeiten Seetfyo&en'd fennt, wirb 
anberS ipredjen* 2)lr romantiföe #umor biefer na* 
mentlid) I>at auf ben jungen Äünftter gewirft, unb ba 
er felbft ausgeweiteter ©vieler unb Kenner ber 3nßni* 
mente, für bie er fd)rieb, war er wenigfienS *>on *iner 
©rite &or gdnjlt^em 9Äi# lingen ober (&tra&aganj ge* 
jityert. -Siemanb leugne »er altem bem Ouarfett ba* ' 
Streben nad) ferner $orm ab* 3m erflen ©a$e etftfcint 
fte ganj rein unb feft, im fetten in ^umoriftif$en 93er* 
tyältniffen, bod) feine*w«gd *>er$errt 2)a$ Slbagio $at 
etwa* blaffere Ilmriffe* Der lefcte ©afc eutforify aber 



127 

bi$ auf ben eto&aS übereilten Äürfgang bem erfteren an 
©d)5rfe unb diegebttAftgfeit. 3>ie gorm iji alfp im 
£iuartett ba$ twmgcr SSefrembenbe, als ba$ ©etfiige. 
£ier fprtd)* ein anberer 3Renfd) ju un$ al$ bie fyunbert 
gett>dfynlid)en, bieS fftfylt man gleid)* Der <pijflifter frei* 
Kdj wirft alle* burdjeinanber; tt>a$ i^m nid)t ftar, nennt 
er romantifefy; tt>a$ er »erfieljt, ftöft iljm «gjojfhung einer 
tt>ieberfel)renben 3<tyfS*i* ein; bann muntert er auf* 
Unb bieä freut am &uartettyrei$gerid)t, baf e$ einmal 
einen ftcfy anbete unb neu au$fyred)enben Äünftler ent* 
berfte , bajj e$ an ben tfyeilweife ungejtümen (Sfyarafter 
bet Gompofttion fein fcfyulmeifterlicfyed SWaap anlegte* 

©efyört l)abe tify ba6 Ctuartett leiber nid)t. @$ fyat 
mir aber innerlid) wriebergeflungen, icf> nmjjte feine 
bunfte Stelle* ©nen ber ©dfce befonber* serjieljett 
mochte icfy nid)t; fte fielen aud) in einem inneren 3« s 
fammenfyange* 2>en ßtyarafter in furjen SBorten ju be* 
jeidjnen: eine anfangt trübe elegifcfye ©thnmung jieigert 
ftd) burd) #umor unb ruhigeren bettacfytenben (Srnfi ju 
fütyner energiföer Styatenluft- Die SRuftf l)at fetyon 
2lel)nlid)e$ unb jtt>ar in berfelben ^olge ausgebrochen, 
unb namentlid) liefe ftc^ ba$ im 33eetfyo*>en'fd)en Guar* 
tett in $moH nadjn>eifem ©n bebeutenbed Talent 
fyrid)t e$ aber l)ier in fetner 2Beife au$ unb e$ tft tt>o^I 
ber -äJtölje mxti), mit biefer Slrt unb SQBetfe ftdj vertrau* 
ter ju madjen. SSegrüf en tt)ir benn ba$ SBerf als ein 
eigentfyfimlidjeS, geiftooHeS, unb weifen beutfd)e &uar* 
tettoereine barauf tyin» Der Äünjiler aber jiel)e nidjt 



1*8 

ßfR unb gebe bafo »iebet 8ctodfe bet t^atfr&ftlgeii 
Stimmung/ in bet vokt tyn $ute|t verliefen, ^en $tti* 
be* SBettlaitf& ju gewinnen, barf man ni$t fUty'n itnb 
fid> befinnen* tyat et ftd) felbfi jum SXotto gefegt, unb 
e* gibt iwdj anbete unb l)tyat 3B*ttlfafe* 55 a$ ®törf 
$at tym fdjfon einmal fmmbtty jur Seite geftonben; er 
mflcf)e unb benu$e ben 2Binf ♦ 

gtotcftom 



Streichquartette. 



gefcenäbtfber in einem (Styfhi* ton Quartetten für 2 Biotinen , Stola unb 
Jöiotoncetto. lflei Ctuarteit. ©etf 1. 

3. 3. ter&ulfi, 

Stoei Quartette für Sioline jc. 2öerf 6. 

3w>ei ber obigen Duartette jinb fd)on t>or geraumer 
3eit (f. "93b* II. @- 246 f. m 265 ff.) att 9Ranufcrtyte 
erwähnt Horben* SQBir begrüßten fte, jebeS in &er* 
fd)tebener 2Beffe; a(6 bfe erfien größeren Stefultate 
taientreidjer SBeftrebung, unb bejeidjneten namentlfdj 
ba$ Talent be$ (Sogenannten alt ein eigentf)ümlid)e$ 
poetiftfyeS, toäl)renb un$ ba$ lebhafte bilbung$fäl)ige 
Naturell be$ jungen «£oHfinbet$ mit nid)t minberer 
Sfyetlnafyme erfüllte* 

©eitbem mögen beibe junge Äünftler noefy fletfig 
fortgearbeitet I)aben; t>on bem ©inen ifi e$ befannt, aW 
SRujtfbtrector ehted (£oncertoereta$ brang fein -Kante 
fdjnefler in bie Deffentlidjfeit 3)er Sfnbere l)atte einen 
jv. 9 



130 

f<hwereren €>tanb; wa« fümmcrt bie SBelt um ein 
SityerjiütotyeK, wenn e« nicht gerabe auf bei offenen 
gronte eine« $ßalafk$ gelegen? @o ersten bernt »on 
feinen ßornpofttfonen bf« jefct nur bie eine, ba« erfte 
eine« <&>ffo« »on Cluartetten, bie er feBbfl „SebenäWIber* 
nannte unb mit SDtotto'« au« Ooethe'« gaufi u6er* 
fchrieb- — 

SWan follte meinen, Biete unferer Sefer müßten it- 
gierig nad) bem erfien SBerfe eine« jungen SRaraie« 
greifen, ber in biefer 3eitf(^rift fchon manchmal ju ihnen 
gebrochen, ber ihnen befannt fein mujj burd) mandje 
fuhne Steuerung, SÄan wirb ba« ^ö^ße *>on ihm »er* 
langen, man wirb i^n mit bem SRaafe meffen, mit bem 
er gemeffen. 398er bie« bornimmt, wirb freilich an ihm 
au«jufefcenftnben, unb viel, brennt er aber ben fritifdjen 
SWenf^en »om probuettoen, fo tt>irb er biefem bie 3^eü= 
nähme nicht »erfagen fönnen, bie wir 3ebem sollen 
muffen, ber ftd) mit eigner gauft eigne Sahnen fucht 
(Schmeicheln unb gefallen will er nid)t ; fagt er'« bo$ 
gleich in ben 9Wotto'« fetbft wa« er will : „<£« mochte 
fein «frunb fo länger leben" unb „3<h gröfje bid), bu 
einjige Sßhiote, bie ich mit 9fobacht nun herunterhole, 
in bir »erehr' ich SRenfchenwifr unb ÄunfL" SMe« ifl 
aufrichtig genug* 3nbef fdjaubere man nicht ju fe|r bor 
feiner 3Jhtjif juriief at« oor einer mengen* unb lebend 
fetoblichen, grabe ihr auch nk^t ju tief nach/ of > ^ 
©inn ber gaufTfäjen Sieben bwhfttbtich Wiebergibt 
3rren wir nicht, fo fteb bie Ueberffyifteft erfl fräter 



w 

^ijtaagtfommeit att We £om£oftti*n beeafeigt fcor* 3)er 
©onfyomji fanb in üjnen etoaä feiner ausgeflogene» 
(Stimmung im Stögemeinen VßttmanbM iwb fie gaffen 
autfy aumeift nur auf ben S^arafter befetfien ©a|e$; 
We anbetn ©fifce, obwohl aud) ernfi, geigen ein tt>eniger 
fdjttermutljtfg &ilbe$ @ejid)t uhb Ratten We befannten 
c^araFtcriftifc^en 3ei<tyen fold^er ©i$e im ®aujm fefi* 

©enrifj, ber (S^mt>ontfi fcfyrieb au$ feinet ©eele; 
ein fyef%t 3>*<»8 »w» ©Raffen foridjt ftd) in allen 
dummem feinet DnartetteS um>erfennbar au6. S)en 
flüchtigen Sejirebungen anberer jungen Sontyontften 
gegenüber Ijaben bie feinigen jebenfatld etaxiS ©t*jjar* 
tigeS unb9ld)tunggebietenbe$* 9Äan fte^t e$, er »ritt ek 
2)icf>tec genannt fein, er möchte fic^ überall ber ftaseofy* 
pengorm entjie^en; SJeetfyoöen'S lefcte&uartette gelten 
itymerfi als Anfänge einer neuen poetifcfyen $kta, in 
biefer fcill er fortwirfen; #atybn unb SWogart liegen fym 
weit jurutf* ©o l)at er in ber %f)at mand)e$ mit bem 
franjojtfcfyen Serliog gemein: fü^ne ©ctyaffluft, S&oritebe 
für grope gönnen, i>oetifd)e Unlage, tljeifoeife Serams 
tung be$ «Uten — wnb au$ ba$, baß er, mit jener, in 
frieren 3aljren SBiebicmer, erft im 20ften ftdj $*n& ber 
SJluftf ttnbmeie* Der lefctere Umftanb ift ew&fynungS* 
vmtl). 2Ber frul) ba$ «jjanbwerf lernt, wirb f*äf) ein 
SReifier, nnb gerabe bie 3ugenb ift ber (Sntaridelung 
gmiffec gertigfeften am günfttgftcm 2)a$ &IM aber 
einer frityjettigen ruhigen Leitung fcfyeint unfer JJnnft* 
langer nid)t genoffen ju fyaben* Dagegen braute er frei* 

9* 



IM 

K$ anbete SttUftt mit jum JHenfte bet Stufen, beutst er 
nun ergeben, eine überhaupt fcielfeitigete SMlbung, 
»ie man bei bet Äajte fonft ntd)t ftnbet @t ifl bei 
©efötdjte wtttant, et fennt bie 2>id>tet aller fcänber, 
bie ä&utyfe bet@egemt>att in t>etf$iebenm8e}ie$ungei 
fhtb tym ttk^t fremb geblieben« 2Bad SBunbet, wm 
ein in anbetn Dingen fo weit *>otgefd)tittenet 3üngltng 
nun aud) in bet SDtuftf nid)t mit beut 81336 anfangen, 
»enn et gleid) frei teben unb bieten «rill. 3m erflcit 
frifdjen Anlauf gelingt audj SSteled; tytn unb ttrieber 
bricht aber bod) bie lütfenbafte Silbung ald Tupfer 
fyinbutd), unb man tyat bann ungeffi^t bad ©efuljl »ie 
nad) einem Dtt^ogra^if^en ©d>ntyer in einem fonfl 
getffreidj gebliebenen Stiefe* Stef^nli^em, unb nur 
nodj dftet, begegnet man in »etlioj'f^en (Sompofttto* 
nem 2Bft «Döllen bie einjelnen ©teilen im Ctuattett 
nidjt anführen, bem jebet SRujifet bie nod) unaitdgebil* 
bete «g>anb anmetft 2)et Sfyataftet bed ©anjen, bad 
batin fcomaltenb beutf^e ©eptÄge fielet t>ötyer* <gd # 
Sinn unb 3Ba$t!)eit in biefem Sebendbilbe, unb »ad 
tym an fWetfietfdjaft abgebt, )eigen t>ielteid)t fd)on bie 
fydteten, bie \>en Gfyftud twflenben follen* (Sinftoetlen 
glaube et und nut nod) biefed : ttoit lieben ba$ fingen 
bet 3ugenb nad) Steuern, unb 23eetf>o&en, bet bis junt 
legten Sfttyemjuge tang, fkfyt und ald ein tjotyed 9Rufto 
menfd)lid)et ©töfeba; aber in ben grudjtgärten 3Jio= 
jatf d unb «§atybn'd fielen aud) ftyroetbetabene Säume, 
übet bie fid) nity fo leidet hinwegfegen töfjt, obet man 



m 

überlebt fM> eine* aerebelnben ©enufle* ju feinem 
©d)aben fo lange, bis man nad) anbeten umfonfi in 
ber ffiett umljerfudjenb enbltd) bod) wieber auf jene 
jttr&dfommt, aber bann ju frat nnb oft mit einem erfal* 
teten £etjen, ba$ nid)t met)t ju geniefett, ober mit §tt* 
ternben ^dnben, bie nidjt mefyr ju bilben *>erjief)ett* — 
3n jene grud)tg4rten tyat ber anbre junge Äfinfiler, 
ben wit oben genannt, bei weitem metyt tyineingefdjaut; 
man merft e$ tfym an, et fuljlt jtd) glüdlid) in feinem 
öetufe, SRuftfet ju fein; et will oot «Uem SJhiftf, 
frönen Älang^ $aufi'fd)e »ebengebanfen tyegt et nid)t* 
©d)0n bei Sefotedjung einet feinet Du&etturen (8b» III. 
©; 123 ff.) bezeichneten wir bie Slrt feinet Salente* nnb 
bie ifym entforedjenbe JRidjtung; wir wüßten bem bort 
©efagten fanm etwas fyinjujufugen* 911$ Duartettftylifi 
imSefonbern jeigt et eine entfdjiebeneSefdljiguttg and) 
biefet ©attung; et fyat ifyren wagten Gtyarafter gefaßt, 
jebe Stimme fu^t jidj felbfiftfinbig ju galten, jte winben 
nnb freuten fid^ oft inteteffant genug; nur mand>mal 
fibetfÄBt i^n eine Sttt ftutyfyonifiifdjet ftutot, wo er ben 
6ef$eibenen bieten Dtd^füerwttfungen abzwingen 
mödjte* 2>er 3ettfoIge nad> ifi ba« mit $tu 2* bejetd)* 
neteDuartett ba$ juerfl entfianbene* (SA getyt au$ einer 
im Duartett wofyl nod> ungebrannten Sonort, ber in 
9te bur, unb f>at feine @djwierigfeiteti* 3ngotm unb 
golge ber Sdfce ftrebt e6 ftd) ben Alteren oben genau»* 
ten SWei#ern ausliefen* 3m Straftet tyerrföt 
^cüetfelt unb MenSlufi »or, nur an einzelnen 



134 

Stellen txm Stnferungen finnigeren ©rnffr* burdf* 
tro$en» 

3>le mefobfföe $ityrung §at no$ feto entfäiebe* 
originelle* (Styr≥ einjelne Mtyafte 9fo0br&<$e tri** 
nern an SBenbetefotyn'fdK** Dur<fytt>eg ju rinnen i# 
aber bie Steinet be* 6a$e* in feinen oft ffinftttyen 
SBerfle$tungen» So fattn bennba* ®anje, gut efafht* 
biet unb Dorgetragen, nur einen günfitgen (Stnbrnd tyer* 
*otbringen* Der be* jwetten Cuartett*, ba* in D>moö 
gefdf rieben, tft ein »icUet^t nodj gfinfHgerer. 3)a beibe 
fut) nadj einanbet gefdjtieben [feinen, fb fmbex fid} 
wo$l einzelne Sanftheiten; jebenfafl* belegt jtd> aber 
bet (Sontyoniß im jweiten ned) letzter nnb gefdjicfter, 
ttoju and) bie feistere Jonart beigetragen. 3>er erfte 
©afr raufty flü^ttg vorbei; ber }»>eite #au^igefa«g, 
bet faß einen ^tettttyefemtyarafter fyat, Wmtte beben« 
tenber fein, nnb tt>o er trantyonirt toteberfetyrt, ttnmbert 
bie fceröftberte weniger gute ftwvmk. Den €5djht£ 
»tafdjteu wir ebenfalls bebeutenber; er bri^t jn tag 
ab, a($ $ftte ber ßornponifi bie &tfi an feiner »rieft 
wttoren gehabt 3m Slbagit ergebt er fUtf aber §u einet 
erfreuten £öl)e ber Stimmung* Der 8te nnb 4te 
$act erinnern an ein SRojart'föe* S^ema im Don 
3uan; ba* ©tue! bur^ief^ aber im Uebrigen eiuefo 
firiffy ©mpfabung, voie #e nur ber Sngenb eigen; ge* 
»i#e Reine fjattnontfdje $*ufd>ungen nt*$eu e* ganj 
befonber* atisie^enb. 2>a$ 6(^etjo benimmt fty munter, 
«nfgerdnmt trofc ber SRoOtonart; je ferfer ber ©ortrag, 



135 



je metyr e$ wirfen wirb. S)er le^te ©a|> fängt mit beut 
legten ber fyeroifdjen ©tyntyfyonie an, beinahe bu^ftäb^ 
Itd)* 3ft ba$ bmSomponiflen entgangen? SBenn ntd)t, 
warum lief er e$ fielen? Salb aber ^üpft ein eigener 
©ebanfe tyetioor; Seile unb 33ratfd)e fangen fid> ju 
necfen an unb ba$ lufiige (Spiel gefyt fytibfd) *>on Statten» 
2)er Änfiul »erwitfelt jid) mefyr unb mefyr unb brotyt jtd) 
ju fcerwtrrem 2)od) löfi jtd) ba$ ®anje nod) gefdjitft 
unb fd)lief t im fallen S)ur etwas bombaftifd), bod) nfd)t, 
baf man bemSomponiftat be«f>atb gram werben bürfte* 
<5o feien benn bie Sefftebungen biefe* jungen Äfinfiler* 
ber aBett auf ba* lebfyaftejie empfohlen. 2>er eigentliche 
Sebettöpunct etncaSBerfe* töft ftdj nie mit 333 orten nad>* 
mtfen; barum fpiele unb fyöre man felbft. S)er Stünft* 
let jetge ftd> aber balb wieber auf einem Serrain, auf 
bem %u$ ju faffen freiließ nid)t* Seilte* ift; über betn 
4uf erliefen ßrfolg fle^t aber ber innere ©ewfan, ben 
lebe Kraftübung im ®d)Wierigen bat>on trägt, unb 
beffen folgen ftd> ber ganjen übrigen SBtrffamfett be4 
JttttfKer* ^eUfam mitteilen. 



Die Ceonorenouoerturen oon Beetpooen. 



SRit greuben wirb juty 9Rand)er jene* Sl&enb* eri* 
ntrn, a!6 ba* Setyjiger Drdjejter unter 2Renbet$fötyttt 
geitung und alle vier Ouvertüren ju 8eonore nad> efoa* 
ber $ören lief. 2)te 3«tfd)rtft berichtete f^on frifc 
baruber* aSBir fommen heute mieber barauf juruef, 
fo eben bie 4te ber Du&erturen (ber 6ntjie^ung nad)Mt 
2te) im @tid) erfetyienen ifi, vor ber #anb nur in Sti» s 
tuen , benen aber batb bie Partitur folgen toirtK 

Ueber bie ^Reihenfolge, in ber Seemöven bie JDuwt* 
turen fdjrieb, fann faum ein ämtfd fein* SieftW 
baf* SDtancher bie eben erfdjienene für bie erjie tyate* 
fönnte, bie Seemöven überhaupt ju feiner JDper tri* 
worfen, ba fte ganj ben S^arafter eine* turnen erffen 
SlnlaufS h*t, toie in ber fräftigfien greube über bot 
voUenbete SBerf getrieben fcfyeint, ba$ in ben £aupt* 
jügen fie im Heineren SRaum toiberfinegelt, Den 3 wel ' 
fei befeitigt aber ©tynbter'S SBud) auf ba* SoUfUUMftP* 
(6. 58). 9lach beffen befiimmter 9Serft^erung wfitö 
e$ fidE> foigenbermafen bamit Seet^oven fdjrieb e# W* 



187 



©wertere, bie fräter bei Haslinger afc Serf 138 
na$ 8eetyot>en'$ Job erfäien; fte würbe in ffiten nur 
tot einer Keinen Äennerf^aar gefoielt, aber einfHntmig 
für „ju leidet* befunben* 33eetyo*>en geretjt fdjrieb iefct 
bie Du&erture, bie fo eben bei SJreitfopf unb #4rtel 
erfdjienen, Anberte aber aud) btefe r worauf bie befannte 
in (Sbur als 9tx. 3* ju bejetdjnenbe entflanb* 2)ie 4te 
Dwerture enblid) in (Sbur fdjrieb SBeetfyo&en erft im 3* 
1815, aW gibelio wieber auf ba$ 9tepertoir gebraut 
tmtrbe* 

2)af bie britte ber £>m>erturen bie »irfung^oOfie 
unb ffinfilertfdj t>oBenbetfte, barin jihnmen fafi alle 
3Jhiftfet überehu Silage man aber audj bie lfie nW)t 
ju gering an; fte ift bi£ auf eine matte ©teile (*ßart 

18) ein fööne* frifäe* SRuftfjlucf, nnb S3cet^ot>en^ 
gar ttofyl ttfirbig* (ginleitung, Uebergang in'$ ÄUegro, 
ba$ erjie Steina , bie Grinnerung an glorejian'* Strie, 
ba$ (£r*fcenbo am ©djluf — ba$ reidje Oemfitty be$ 
SHeifier* blieft au$ allem biefenu 3utereffanter jtnb frei* 
lidj bie Sejiefyungen , in benen bie 2te jur 3ten fielet 
£ier Ulf t jtd& ber ÄünfHer re^t beutltd) in feiner SBerf* 
ftatt belauften. SBie er änberte, wie er bewarf, ®e* 
banfen unb 3ufftumentation, wie er jtd) in feiner t>on 
feiner glorefton'fdjen Slrie lo$mad)en fann, urie jtd) bie 
brei 9tnfang$tacte biefer Slrie burd) ba$ ganje ©tüd 
fyinjietyen, wie er aud) ben SErompetenruf hinter ber 
©cene nid>t aufgeben fann, ifyn in ber 3ten Du&etture 
no&l mit fdjöner anbringt als in ber 2ten, n>ie er ni$t 



raljt unb ra^tt, baß fehl SBerf ju ber Stoflenbtmg ge* 
lange, wie wir in ber 3tea bewunbent, — bie* }u 
beobachten nuk }u fcergleidjen gehört ju bem 3ntrreffau* 
tefien unb ©tfbenbjlen, wa6 ber Äunfijirager iwm^ 
men, für fid) benufcen tonn. Sie gern midjten wir bie 
beiben SBerfc Stritt *>or @^rttt »erfolgen. 2>ie$ ge* 
(tagt mit ben Partituren in ber $anb mit @etut$ weit 
beffet al$ mit ©udjfiabea auf bem Rapier, we*$*£b wir 
nur in föttgem bie u>efentli^en Unterfc^iebe berührten. 
9todj eines UmftonbeS mfiffen wir gebenfen» 3n ber 
Partitur, bie futy im »eft* ber ©reitfotf unb 
$&xkl befanb, festen (eiber sunt @$fuf einige ©Mtler* 
3um ßtctd ber »uÄfufyrung in ben tyiefigen Soucerten 
würbe biefe Surfe burcfy eine entfi>re<$enbe Stelle au* ber 
3ten Du&erture ergänzt, unb biefe in ber gebauten Stofc 
gäbe burd) Stemmen bejeidptet 3ebenfa06 war bie* 
ba« eiujig ©djicflidje, ba$ ftd} fyun Heft. Da Dirigent 
$at nun aber freüid) ju t!>un, ba* Drcfyeffer fo anjn* 
treiben, bap bie Stelle 



(21 Sacte »or bem ©d)lup) nidjt ju (angfam gegen ben 
be* Prefio 



tyintertyer fomme* Der Ue&elflanb wJre mmieben wor* 
ben, wenn man nad) bem Satte 



IS» 




ber 2ten Ouvertüre (Ific aSiolinftimmc, 9te$ ©tyjiem, 
lefcterSact) fcielleidjt gteid) mit bem ffficx 2ten Dufcet* 
ture auf ©♦ 68 ber Partitur fortgefahren wäre* 2)er 
SBcrlufl ber Keinen 93arianten In ber 3nftrumentation, 
ben ba$ gfotjlidje Aufgeben be$ Sßrefio nad) ber erfien 
8e$art mit jtd) tränte, f<f>eint un$ fein großer» 

3tnbrerfeit$ muf* man freilW) bie *ßietöt gelten laffen, 
bie feinen !£act opfern tooltte* Sollte ftd) aber in ber 
SBelt feine jvoeite Slbfdjrift ber Dmoerture ttorfhtben, bie 
audi) ben »oßßänbigen Schluß enthielte? 



Drei Preissonaten 



für fta* pianofortt aratpanirt von C. boUmrila: in 
Petersburg, 1. C. feonfjartr in fauban, J. p. f. 
^artmann in Copcnfjagen. 

(Schönt »♦ $tei*uiflitot bt* SRotbbttiifdjett SNufitoetefo* in $amta9< 



Dbige SBetfe laffen ftd) fftglid> an* j%i>ei ©eftdjt* 
puncten betrauten: al$ *ßrei$fonatert, — a!6 ©onoten 
überhaupt«, Diefe tonnten allenfalls aSerfud)e fein itnb 
fte würben fd>on ber wfirbigen gorm falber, in ber jic 
auftreten, bie ©tympatyien be* Äritifer* für jui> tyaben; 
an jene fiellt man fyityere Stnfyrüdje, toie etitoa an gc 
frönte £Äupter felbji, bie bem 93olfe öorange^en folkn 
in aller «rt. greili* in ber Äunft gibt e* fein ©rbre$t; 
tyre Äronen »ollen fcerbient fein; nnb an bent Sorbeet, 
etye er auf einem 2)td)tertyaiq>te fefi ftfct, jetren oft 
taufenb £Änbe nnb nicf)t in ber beften Stbfic^t. Äüitjb 
lertföe SBettKtotyfe ftnb benn gut baju, Talente fdjnelta 
in erforfdjen nnb ber 8Belt befannt jn mad>en* j$M 
ber Jtritif ftnb fte be6$atb nodj nid>t entjogen; aber ba 



141 



SRaffe im^omtt ein Sßteiacollegium immer, wie ben 
Äfinfiletn felbji, bie fid) tym ja fonfi nicfyt nntetmotfen 
ljaben mürben. 2)af aber offenbat ©$(ed)tem &on ante 
gen>A$tten 9ti<btetn ein Ätana jngefttodjen mürbe, wäre 
teifoielloS* äJetbienjHtctye* mag benn audj bntd) ben 
lefcten 2Bettfanq>f einiget etjfelt wotben fein» 

SBon ben brei Stegern mar bem publicum *>ielleid>t 
nur bet britte befannt; bie jwei anbetn fyätten »ielleity 
nod> lange arbeiten nnb matten müffen, ei)e tl>re tarnen 
bet öffentlichen Slnfmetffamfeit fut metfy befimben mot* 
ben* 9£an weiß, bet 9luf ifi jefct nfd)t me^t fo wohlfeil 
aW fonfl ; fte metben alfo bie ©unfi Styolf* jn wütbigen 
aetfiefyen* ©efyen mit iefct ab t>on aßen Äufettidjen 
Snteteffen nnb bie (Sompoftrtonen felbfi etwa* ge* 
nauer an. 

Die etfie Sonate gefyt an$ ©motL 2>ie ftolge bet 
©dfce ifi bie gewöhnliche- SB8a6 fte muftfalffd) au^fpri^t, 
ifi ntd)t neu, aHe* and) nid)t SWnjtf* S)et ©ompontfi 
flef>t einigermaßen nod) nntet bet £ettfd>aft be$ SBir* 
tuofen; bo<h btingt et nitgenb* getabeju inhaltlofe* 
*ßaffagenwetf* #tet nnb ba blieb Rummel al$ SBotbilb 
butdj, and) jüngere (Somponifien fdjeint et ju fennen 
nnb lieben* 2)a$ 3nfitnment ifi witfungSooll , in mo* 
betnet ffleife betyanbelt, wie benn bet (Somponifi übet* 
tyampt ein brfflantet Spieler fdjeint Sid) als testeten 
jn jeigen, gibt bie Sonate vielfache ©elegenhett; be«* 
halb fotelt fte aud) oft in bie ©oncettfotm f)inüber. S)a* 
mit ifi $ugleid) gefagt, baf* it)r nid)t jener au«banetnb 



M2 



innige feefoftoOe Gtyorafter innewohne, *fc }« f. 
©tct^en'f^tn ©owtfen, tttmmtltd) ber ledern Spo^r 
St *dre aber aud) ®ieid>e* ober mit 9W>nlüfc$ p 
finben? — 99on ben etnjefnen ©äfren fc^efot und k« 
«tfie, twnn aud) ni^t &on nteifierKdjem @up , bod} ber 
frtföeffe unb feAfttgjie* 3)it Partie, wo ftd) ber fBWfa 
am ftdjerfien erprobt, bie 2)urd?fityrung m ber SJtüfc 
be* ©tuefe* bi$ jum 9tfi<fgang tfi ntc^t wtitttereffmrt, 
bo<fy etwa* fc^toerfdlüg ; ber (Sompontft tyatte ftdj ia4 
©e*bur (t>oxt ©moK au$) serirrt, ba gab e$ beim eil« 
fdjtwren 3(ü<froeg ; ber ©vieler fyat babei gen>i£ btefettc 
(gmpftnbuug , wie ber ßorapontft Ijatte toälEjrenb er 
fdjrieb* ©nige trhriale ©teBen fmbeit fid) nrie fd>on t» 
lten Steile be* erflen @a$e$, fo and) im SRtttelfa* 
biefeS (fo ©♦ 5 69 jt 2 t>on $act 4 an, ©♦ 7 ®f% 4 
unb 5, ©♦ 9 ©^fh 6). dagegen gefällt un$ ber ©d)faf 
»on ©♦ 14 ©tyft. 4 an fcorjugltd) ; bte (Stnfüfjrung be* 
erfien X^ema'6 geftyte^t fyier leitet, frei unb twfyfyutnh 
@$ folgt ein S^erjo im 2 A £act, in betreiben JEonart; 
e$ ifi artig unb fyat ein anmutige* Xxit. ©teilen m 
©♦ 19 ©tyft. 2 t>on $act 5 feinen uu$ aber ju ww^t* 
feil unb gehören am ttentgjiett in eine Sßradfonate«. 3a 
Soba fagt im* bid auf einige verbrauchte SBieber^otunget 
ttieber ber ©<$luf fe^r ju, 2)aö Sfabantino beginnt mi 
einem innigen ©efang, ber an ein -äfiotte be$ Ifta 
©o$e$ auffingt; wir wfinftyten e$ in biefem (Straftet 
fefigetyalfcn* ©♦ 23 get&$ aber ber (&>nq>onifl in einet 
unbegretflidjm 3om, ber fid), ttrfe oft beiSlattietfrieler* 



143 



in mafßgen ßctaoengängen auWfijit* Siefe ©teile *>er* 
leitet und ben ©a$* 2>a$ ginale n>itt> burd) ein paar 
UebergangStacie mit bem ?lttbantino aerbunben; wir 
muffen tyrt leiber für ben geljaltlofefien Saft ber (Senate 
erflfiren, er ift nidjt einmal in ber gönn geraden unb 
t>oö bon ©emeinpläften, wie wir fie wofyl in ffitrtuofen* 
fföcfen entföulbigen, ntd)t aber in (Somponiftatteiftongen* 
(Stö tyut und leib, bie SBleimmg bjer *ßrei$rfd)ter 
Ijier mcfyt feilen )u fönnem 3)a$ Talent, ba$ jid) in 
ben »orbern ©5fcen au$fi>rid)t, fyat fte offenbar bie 
©(fywätfyen be$ leftten überfein taffen, 

SBSir fomraen jur jweiten ©onate, fcom ßomponifien 
Sonata quasi Fantasia genannt; fie ift mefyr fonberbar 
als föön, in gewiffer Slrt originell» 2>er Somponifi Ijat 
ftd) nämlid) barauf caprtjirt, bie ©onate, fogar in tyrett. 
•Jtebentfyeileu, über ein 3^ema ju macfyem 3Betö>e 
bruefenbe geffel er ftd) bannt angelegt, wirb er felbft am 
befien wiffen; immer tterbient aber eint fotöje ©elbftte* 
föränfung ein gewiffeä 8ob, bad wir um fo lieber 
fpenben, je metyr wir überjeugt ffyb, baf e$ tym 8fn* 
bere, bie t>on ber ©d)wierig?eit einer folgen Arbeit 
feinen 93egriff fyaben, nidjt fyenben werben. 2)enn frei* 
lid) — wa$ fyat er erregt burd) biefe ©onberbarteit? 
©ein ©tüd leibet an einer faft abmattenben einförmig* 
feit unb He Äunji erfefct nidjt, wo bie Statur mangelt. 
SBir wiffen wotyl *>on ©adj unb anbern öerwufelt com« 
bhrirenben Äünfllem, wie fie auf wenige Sacte, oft 
Sloten gan$ wunberfam gefögte ©tütfe gegründet, burd) 



144 



bie fid> jene 9nfang*littien in un^tgen Serföttngun« 
gm fytnburd)$tefyen, »on Äünßlern, beten innere* £tyr 
fo beti>nttbern*trärbig fein fdjnf , bafs ba* fiufere bie 
Äunß erß mit £ilfe be* «uge* getoafr totrb* Wm fle 
waren Steißer ber erßen Drbramg, benen in Saune ge* 
lang, tt>a* bem 3unger ©djweif tropfen foßet, 3$re 
tiefe Ijarmoniftye Äunß gewährte «oenigßen* t>on biefer 
Seite ein 3ntereffe* 3)er obigen ©onate unb i§rem 
(Somfronißen sollen wir ben beßen 98i0en unb ba* 
ernße ©treben, au* SBenigem Siel tyeworjujau&ern, 
nid)t abfinden ; aber ber (Sfnbrutf feiner (Sompofttion 
fptid?t bafftr, baf er mit feiner Arbeit etwa* Unbanf* 
bare* unternommen, baf er feine Äräfte in einer 
turtidjen Spannung *>erfud)t, bie aud) bem wohlwollen* 
ben Sefdjauer ein 9Äif besagen »erurfacfyen muf ♦ Äodj 
baju iß ba* ©runbtfyema nid)t einmal fein eigen unb 
unterf^eibet ß<fy nur rl^tfymifd) bom erßen Steina ber 
äJeettyo&en'fdjen 9t*@onate für ^ßianoforte unb SSioline, 
ober, gefyt man nod> weiter jurücf, &on ber guge in 
©moll au* bem wotyltenq>erirten (Slabier t>on SJad)* 
3fabrerfeit* erinnert bie 8rt feine* Auftreten* an bie Ie$te 
grofe ©onate in 6 t>on 83eet!)0*>em 2>abon abgefefyen, 
fo f)at ber (Somponiß au* tf)tn gemalt, wa* e* nur 
irgenb Vergab. @* erfdjeint in wofyl 50 begebenen 
©eßalten, al* SRelobie, al* »af, al* Stittelßimme, 
per augmentationem simpiieem unb duplicera , be** 
gleiten per diminutionem, wo$l aud) in <§ngfß$atngen 
ic. k» 3m erßen ©afce interefßrt ba* nod?« beginnt 



1« 



übet ba6 8bagio koiebet mit ber gtgur, bann ba« ©dferje, 
uttb bann ba* Staate, unb, n>ie gefagt, uidjt allein in 
bem «g>au#*, fonbetn au$ in ben SRebenfyema'*, [o 
mochte ft$ bad £tyr afatytfd) abwenben, ba* fo un* 
f>arm$er)ig öon bem 

»erfolgt wirb* 2>ie$ tft ba* 3ut>tel ber S)urctfu$ntiig, 
ba* natye an fünfilerifd)e Slbftc^t grenjt; fiatt lebenbiger 
5Etyat trotfue gormel* äber aud> biefer Slrt ber ßoatyo* 
jttton wollen wir ni$t entgegentreten/ fobalb ftc jt$ 
gibt al* waö fte iji, als ©tubie für ben jungen <£*m* 
ponifien felbjt gnr eine Sßreidfonate aber, um bie fidj 
ein eben erteilter Sorbeer anfdjpniegt, galten Wir bie 
©a$e ffir ju gemalt 3m Uebrigen ftnb wir, wie ge* 
fagt, weit entfernt, bem fcom^oniften ein fdjfifcenS' 
werttye* latent, ba$ bei guten Lüftern in bie ©(fyile 
gegangen, abjuftredjen* @r will nur oielleicfyt )u otel 
unb tobtet am (gnbe ben 9teft Watoetit, ber nod) in ffym 
fein mag. ©agt i^m ba$ nie eine innere Stimme? 
Dber ift er fdjon glütflid) an jenem Äreujweg boruber, 
wo jtd) Statur unb Slffectation trennen? 

Die britte ©onate liegt und neefy t>or, biefelbe, bie 
ben legten !ßrei$ baoon getragen« 3>a btidt und benn 
gleich ein finnige* ©emütf) entgegen; im fronen gluffe 
ber ®eba*fen bewegt fid) bie (Sompofftion »orwärt«; 
neue treten fnnju, bie alten tauten wieber auf; fte um« 
iv. 10 



14« 



ftyingen fid), trennen fM> wfeber. SBie eine fööiie 
®r«M>e I6ft ftd) bad ®ange unb »erfdjwinbet leitet unb 
anmutig, wie ed begonnen. 9tad) biefem ®tä<fe föf)(t 
man ben S)rud einer JtfinfHer^anb ; nur einer folgen 
fonnte bad gelingen. Sine Slomanje tyebt an, nad) einen 
etwad gerben SJorfriele, biefe felbji; mit ntilbem @r# 
Wirb und wad ergäbt, wad Wir fdjon gehört ju ^aben 
glauben* 2)ad ©anje fcffeft nodj immer/ wenn ed un* 
aud) nidjt ben erften Saft aergeffen madjt. <£m ©dprjo 
folgt ber fyübfdjefien tlrt; in anmutiger golge toedjfcfo 
fiarfe unb feife ©timinen unb nafyen urib fliegen ; ba$ 
Zxio erfUngt wie bie SJtafynung eined $reunbe* ; aha 
bad Herfen ber erßeren beginnt *>on neuem. 3)a$ %\mit 
wei^t t>om früheren anjtefyenben Sto&ellendjarafter ber 
Sonate etwa6 ab unb greift ju ftdrfeten garben, glrid} 
ald tydtte ber Sontyonifi ein £)rd)efterfföcf bamit erfefcen 
wollen. @d gefdUt und an ber Sonate am wenigfien; 
innner aber gewahrt man au<fy an il)m bie tüd)tige £anb 
eined SÄuftferd, ber mit Slbftcfyt etwad Äunftfidjered 
liefern wollte. 2)iefer t>or Stilen, Rang ed na<$ bet 
©onate in und, gebührt ein *ßreid / unb in ityr wieber 
*>or ben anbern bem erfreu Safte. SBetut wir in ber 
erfreu (fcon SJoKweiler) einen (Slatrierftteler erfannten, 
ber ftd> mit latent au$ ber (Sontyofition gugewenbet, 
in ber anbern (fcon 8eonfyarb) einen SRuftfer, ber fldj 
ben 2Beg jur SSoHenbung burd> 93erfianbedft>iele nt 
etwad gu erfdjweren fdjeint, fo fi>rfd)t audberwn 
% % @. #artmann ber Aünfiler gu und, ber und *er- 



147 



fötynt burd) bie fyarmontfdje StaSbilbung feiner Äräfte, 
bcr, ^errber gönn, fein ©clat> feiner ©efüljle, und 
überall ju rfifyren unb feffeln &erjlef>t 

3Me$ ifi unfere 9Äeinung, unb tt>eid)t fie einiger* 
mafen wn ber ber 5ßrei$rid)ter ab, fo fei batnit in 
feinem gaße tljr guter SBiHe in 3\ottftl gejogen, baS 
SJerbtenft nad) 2Bürben ju belohnen* Slber e$ ifi ftfyttne* 
riger, aus funfjig 9Renfd)en bie bejien I)erau$jufinben, 
at$ au$ breien* Unb bann — aud) ttrfr fßnnen irren, 
unfere 3lb<td)t aber war bie bejie. — 



10* 



CCeberfdjctu. 



4). i. Auffctat^ ftty* £utott von Ä. ftutn* mit 
UegUttung *e* ptanofocte. 

ffiert 3. 

Sunt« ifi ber 8ieblingdbid)ter ber jefcigen jungen 60m- 
yonifien, ©etttf fyat ber poettfdje ,$fltöger t>on Dumfrie*' 
e$ nie fcermutljet, baf feine Sieber, ju benen er meifien* 
burd) alte SJolfcsSMobieen angeregt würbe, nadj beinahe 
ljunbert 3afyren fo Diele anbere SBeifen eroetfen nror* 
ben, aud) fenfeits be$ Äanate* 3tt #erm Äufferaty ^at 
er einen fefyr begabten ©dnger gefimben. 3)er £on bei 
Sieber ifi gIü(fIi^nnbat^metf^ottif(^en6^arafter* ®ne 
getoiffe ©nförmigfeit ber 9Mobieen erfcfyetnt tyter att 
um>ermetbltd); fie gleiten fid) afle feljr, namentlich i» 
1ten unb 4ten Siebe, bie iugletd) an baS unter bem 33td 
,,Michelemma" befannte italtönifdjeSJolf Stieb erinnern. 
3m Uebrigen geigt ber junge (Sompontjl in allen Salat 
unb ®efd)tna<f, in fielen einjelnen 3üfl«t and) bie fri< 
nere Silbung be$ mobernen $ünfller$, fo baf bie« fein 
erfleh Oefangtoerf beut SKufifer wie bem 8aien gletö 



140 



ttnüforamen fein mu# ♦ 9iod) hoben bie Sieber faß bur<h* 
gängig t>a* »efonbere, baf bie CÜaoterbegteitung metfl 
mit ber SOtelobie jufammengeht, fo ba|J jene auch ohne 
©efang felbfiftönbig befielen tonnte. @$ iji bte* gerabe 
fein SJorjug einet Siebercompojttion unb namentlich für 
beit ©dnget beengenb; wir begegnen dtynlicfyem aber 
bei allen jungen Somponißen, bie ftd^ *>orjug$tt>eife 
früher mit 3njirumentalcomi>ojttiott bef^dftigten- 3)ied 
hinbert aber nicht, ben 8iebern be$ unftigen innerlichen 
©efangge^alt jujufotechen, toie fte ft<h benn auch fel)r 
leidet fingen unb rafd) auffingen* 3)er Somponiß jeige 
juh noch oft auf beut ©ebiete, auf bem er fo glüdlich 
unb aufmunteruugStoerth begonnen» — 



Carl Saliner, <iebc$ftiil)ling von i. ÄüAert. tttun 
Cielrer mit Begleitung *e$ fHanoforte. 

fDiefe Sieber ergeben ftd) weit über bie Stittelmdfig* 
leit, toie fie in neuerer 3*i* im JHebetfad) wahrhaft ent* 
fefcenb über^anb genommen» äßir machen bo$>elt auf* 
merffam auf fie, bie im Anfange fdjlicht, wohl gar etwa* 
profaifd) erfdjeinenb, bei genauerer SJefanntfchaft immer 
mehr gewinnen muffen unb einen wahren ©efangSmen* 
fdjen Oerrathen, wie Wir unter £unberten nur ju einjel* 
neu finben. 3ene Schlichtheit geht namentlich bie Begieß 
tung an, bie, umgefel)rt toie bei ben borget angejeigteu 
Gebern oon Äufferatl), ohne ©efang beinah börftig 



190 

unb bebeutungSfo* gu nennen wäre* 3n benen m 
3ö0ner liegt bie Äroft in ber SRetoMe ber ©efan^ 
fHmme; fie eben in tfyrer gangen Smtigfeft gu wfirbigen, 
bajn gehört ein Sänger, ber and} gu fyredjen »erjietyt, 
unb wie fie jeber Bewegung be$ ©ebicfyteS liebenb naty 
folgt, fo wollen wir e$ aud) burdj ben ©finget lieber 
empftnben. 2Bie oft wirb und ba$ geboten? guteöeber- 
ffinger finb fafi nodj feltener aW guteSiebercomponißen. 
Die Böttnet'fcfyen ©efänge grabegu gu entfiellen, würbe 
gwar nur völlige Salentlofigfeit vermögen, fie fhib baj» 
gu natütlid) unb fiimmred)t; fte aber gegen oberflfidjlidp 
Sluffaffung unb »orneljme ©eringfdjfifcung gu wahren, 
bagu fann ein öffentUd)e$ SBort wol)t beitragen* Sil 
möchten fo bie Sieber einem ebeln ©efietn &erglei($eit, 
wie e$ fid) oft unter unfd)embarer (Srbrinbe »erbirgt; 
e$ gehört gteif unb Siebe bagu, e$ l)ell an'S Sagetityt 
gu fflrberm 2)ann aber gewiß wirb man jtd) be$ edjtnt 
reinen ©langes erfreuen, ben fte auSftrafytem Studert, 
ber 2)eutfd)e burd) unb burd), — nur t>on „bfklityn 
9tofen Ä guweilen überflraljlt, — war aud) gerabe ber 
Dichter, ber bemSompomfien befonber* gufagen muffte. 
3m „SiebeSfrupng* jie^t »Ififye an »Ifit^e; bie beut» 
fcfyen (£omj>onifien finb erfi feit Äurgem baljütter gefom* 
mem 2)er fdjönflen Serte einige l)at ftd) aud) 3$üxta 
gewählt 2)en 5ßrei$ als Sompofttion gölten wir bot 
»tlembem „D wefy be$ ©Reibend;* Ijtet ift bie®* 
fad^eit gugtefd) Siefe, ba* ©ebify leibhaftige 9Jhijtf 
geworben; e$ ifi ein fd)öne$ ?ieb unb wfttbe einem 



151 



93eetfyo&en nid)t jur Unehre gereid)em 9Iac^ biefem 
feffelt uns baS „SBenn bie Siefen aufgeblüht" burdj 
innige* aSerjiänbnt|* beS OebidjteS, baS nid)t leidjt ju 
contyoniren war* 2)te erfie £älfte, bte recttattoifcfye 
SBenbung, fcfyeint uns auSgejeicfynet, ber ©ttylufl nur 
erinnert an SBeber* SSortrefflid) aufgefaßt, im altbeutfdj 
poetifdjen $one, ifi aud) ba* 2)uett „©eligjier SBunfä" 
unb namentlifl) ber <5d)lujj &on rüljrenber Snnigfeit* 
2)aS „3Rein Seinen, mein Sinnen" ifi aus bem £erjnt 
gefungen, Ähnelt aber in etwas einer äJiarfdjner'fcfyen 
Slrie and #anS Meiling, wie benn 33eetfyo&en, SBeber 
unb 3Rarfd)ner um>erfennbate SSorbilbet beS Sompo« 
nifien fein mögen* 3m Siebe „SBarum willji bu anbere 
fragen* gefällt uns entfcfyieben bie jweite ^älfte btS auf 
ben tremnlirenben 6d)lu|*, für ben wir lieber einfa^ 
auSl)altenbe Slccotbe gefegt wünfdjtem 9lx. 6 t)at einen 
innigen ©runbton, ber fid) aber in ber ÜÄitte beSSiebeS 
etwas trübt burd) einige müljfame SKobulationen; aud) 
ber jweite Xact, obwohl melobifd) gut gefungen, auf 
bem SBorte „33ufen" gefällt uns nicfyt; er fdjeint und 
für bie SBraut, bie Stüdert meint, nid)t jungfräultdj, 
nic^t feufd) genug. 9Son ben jwei SSolfSliebern faflt 
uns baS erjie ju; eS »in gut gefungen unb geforocfyen 
fein» 2>aS anbere ifi baS am Wenigkeit bebeutenbe beS 
#ef teS, weldjeS tt)ir benn naefy treuerer UeberjeugungÄtten 
em^fe^len, bie mefyr als fingen, bie auefy beulen unb fore* 
d)en wollen, jur nad)l)altigengreube U)rer wie Stnberer* — 



131 



Ijenrj 4)tt0l) pearfon, 6 fufttt oon ftobett Uurns 
für eine Stngßimmc mit fttanoforte. 

ffifrf 7. 

Sin eigentümlicher ©etfi wet)t im* au* bkfen ©e* 
fingen, ni^t ber eine* SWdfler^ aber ber einer intereffan* 
ten aitfldnbiföen 5ßetfönli^feit 2>ie Sieber leiben fajl 
fftmmtfid) nod) an einer gewiffen UeberfüUe, nrie 
tbtM Unftd>erf>eit int $ed)nifien, tljeil* bie «bftyt, 
»He* gleich möglich gut machen $u wollen, in junget 
domponijien oft erjeugen* Selbe*, Reffen roh, wirb 

mit bem reiferen Sttter burd) Uebung unb ©elbfier* 
femttnif milberm Um e* furj ju fagen, e* f$rfni und 
ju t>iel Slufwanb gerabe an biefe Serte berfcfywenbet ; <* 
#ub ju \>iel SRoten ju ben einfachen SBorten* S)a* 8ob 
be* gletfe* foll bamit bem jungen Äunfiter in feinet 
JBeife vorenthalten fein; gerabe bie warme, (ietoofie 
9e^anb(ung, bie au* ben einzelnen Siebern fpridjt, 
nimmt im* für i^n ein; aber er tfyat ju Biel unb fehlte 
ÄfHjetifd}, wätyrenb er fteütd} überall ba* 95effc n>oDte. 
3)ie ©urn*'f^en ©ebietyte lehnen vornherein, jum größ- 
ten Xtyih wenigen*, jene breitere gorm ber 93e^anb* 
lung ab, wie jte in ber (Sontyojttion erjttylidj ifi; e* 
flnb wo$l (Srgüffe einer wahrhaften SrtdjterfKmmung, 
aber immer fehltet, für) unb bünbig; barum lieben ü?n 
bie €ompomftett au$ fo feljr, barum fugen fid) feine 
SBorte wie von felbfl jum Siebe, unb am natürlichen 
in jene Bonn, wie fte bem wlrflid)en 5Bolf*ltebe eigen 



153 



ifh 2>er (Sontyonifl wollte aber metyr als biefeä; er 
gibt mrfjtot* grojie aufgeführte Stüde/ bie n>o|l einen 
fhrebfamen SJtujtfer Serratien, mit ber natoen gorm ber 
®eWd)te aber im SBiberforudje fielen; oft tyat feine 
3»uftf fogar einen bramatifcfyeit ober tljeatralifcfyen 
Sfajirid), unb fyier fdjeint er am toeitejien t>om 3itU ju 
fein* galten wir alfo bie »uffaffung ber ©ebitfyte ffir 
gum Styeil&erfeljlt, unb namentlich ba$ lfte, 3te unb 
5te Sieb ffir »iet ju anfyrudjtooH unb fd)tt>erfäflig, fo 
muffen n>ir bod) aud) in biefen manche* (Sigentf)ümlid)e 
anerfennen unb bor aHem ein djarafteriflifd}** @ttt>a$, 
etnefräftige ebelmännifäe ©ejtnnung, wie wir fte an 
fo Dielen feiner 8anb$leute ju finben gewohnt ftnb* 2>ie$ 
läfjt ftd) nidjt mit SBorten nadjtoeifen; bie* muj* 3ebem 
fyiityatljifd) au$ feiner 2Jiujtf entgegen toefjetu Sebent 
frfiftigeren mdnulidjen 9lu$brud, wenn er frellid) tt>ie 
tyier aud) nod) nicfyt ganj gebtlbet erfcfyeint, muffen ttrir 
aber ba$ SBort reben in ber mujtfalifd)en ©egemoatt, 
bie ftcfy fo ubertoiegenb unb gerabe in tfyren beliebteren 
SReijiern jum ßntgegengefefcten neigt, al$ ob nid)t nodj 
&or «fiurjem ein 33eetfjo&en gelebt, ber e$ fogar tn2Bot> 
ten au$gefyrod)en : „bent 3Äann muj* SWuftf fteuer au$ 
bem ®eift fcfylagen; Slüljrung pafft nur für grauen* 
jimmer/ S)aran aber benfen bie SBentgften unb ftnnen 
gerabe auf ftdrffle Slüfjrung* STOan foKte fte jur ©träfe 
fdmmtlid) in SBeiberfleiber fiedem Sllfo 6d)lud)jen unb 
SBeinen ifi bie ©acfye unfer$ @ngldnber$ nidjt; er gibt 
marfigereSWelobieeu al$ man fte gemeinhin in beutfd)en 



194 

gteberljeften ftabet, nnb bie* mad>t iljn und »erty- 
Sollten tolx einiefoe bet lieber fyert>orfyeben, bie un* 
am meiften jngefagt, fo ftnb e$ „3otyn «nberfon* unb 
ba«6otbatenUeb/ Jene* if* ganj t>on bem tt^mütfjigen 
$one butdjbtungen, betba* ©ebic^t in fo $o$em@rabe 
befreit, unb tyat ttofcbem c^arafterifüfd^e Äraft; im 
„©olbatenlteb" nmfrieft un* ein Sfaflang an ba$ 3Rart 
borougtylieb mit eignem tomantiföen 9Wj, baf wir un$ 
in bie föotttfd)en £od)tanbe aetfefct füllen* 5>te Siebet 
jhtb toofyl utfprünglid) auf ba$ (Sngllfcfye componirt; 
bod) fielen aud) beutfd&e SQBorte babei. — 



Srio's für piano forte, tfiofine unb Utofonceflfo. 



2te* ftw§tf Zxio. ffierf 12. — 3tc« gto§ed £rio. ffietf 23. 

Selber liegen un$ t>on tiefen, wie ben meinen fyäter 
gu befpred)enben JErio'S, feine Partituren fcor; auf 3n* 
fallibilitfit be$ UrtfyetlS madjen bie folgenben 3«fat to* 
^er feinen Slnfprudj , unb mögen mefyr als ein #inwei$ 
auf bie ueuen @rfd)einungen im Oebiete ber Sriocom* 
pojttlon, bennate fritifdje* (Spiegelbitte gelten» UeberbieS 
ftnb bie einjelnen SBerfaffer befannt genug, fo baß Seber* 
mann weif, wa$ er ungefähr &on iljnen ju erwarten 
bat, wa$ nicfyt 

3)a$ erfte $rio be$ obengenannten jungen ßompo* 
niflen beforaef) bie 3eitf^rift fetyon \>ox längerer 3eit, 
unb fagte bort „e$ fyabe eine ©cfymetterlmgSnatur, wo 
nietyt ber ganje ßotnponiji fetbfh" 2)iefer 9(u6fi>rud), 
gut wie fdjlitmn gu beuten, finbet aud) auf feine gwet 
fodtern Srio'S Sfnwenbung* 9Bie Jene*, geidjnet offen* 
bar aud) biefe ein rafd)e$, flffid)tige$ SBefen au$, wie 
e$ und wofyl auf SlugenbÜcfe gefallen fanm ©n gange* 



156 

Äünftterleben aber fd)metterling$artig burd)jubringen, 
fdjeint un$ biefeä benn bod> ju furj. SEBir wlffen nicfyt, 
cb £r. geäca bie$ im ©Urne l)at; aber bie Slnlage gefyt 
tym baju nid)t ab. @r l)üte ftd) alfo. 3)ie giftigen 35(u= 
inen jtnb fyier ber SJeifatt be$ gewöhnlichen Raufend, 
ftewlffe 93li<fe fentimentaler grauen. 2)er wa^re Jtünfc 
ler gebeizt aber nur anberäwie, — in ber ©nfamfeit 
ober im Umgange mit ÄünjHern, unb nid)« entnervt 
me^r, af« ber SBeifaQ Mittelmäßiger. Siefe fann 
fidj freilid) SRiemanb geben; aber lernen unb jfreben foH 
man immer. 2Bir wiffen in ber Zfyat an beiben Sxio'S 
nid)t* aufljufefcen, als bie mittelmäßige Stufe, biefte 
überhaupt einnehmen; auf biefer leitet ber Sompontfi 
gewiffermaßen fcfyott SSoltfornmeneS, bie Sonn wirb tym 
leid)t, e$ fehlt i^m mctyt an ljübfd)en 9Äelobieen, er 
f^reibt banfbar für ben (Spieler ; eine gewoiffe iugenb* 
Itcfee Dffenljeit fte^t Uim ganj befonberS an. Stber bie 
gorm iftauä) bequem unb gewöhnlich, ben SRelobieen 
fehlt e$ an mannigfaltigem 3lu6bru<f , unb vergebend 
tt>ürbe man in beiben SBerfen nad) eigentümlicherem, 
^öf)etem Staffing, ja nur nach bem SBiHen baju fuchen. 
3Rit einem Sßorte, ber Somponifi fcheint mit feinem 
Salent, mit bem, wa$ er bis jefct gelernt, jufrieben, 
unb glaubt bamit für fein geben au$jufommen, wa$ 
wir mehr wünfchen al$ glauben motten. I)od) fünften 
wir auch nicht ju viel ! £at bod? Jebeä Ännflterleben 
feine gerienaeiten, wc e$ ftd) bequem fdjaufeln mochte 
auf ber ©egenwart; bie tf)n bann ju neuer Arbeit ruft, 



1*7 



bie Stimme wirb nidjt ausbleiben* 2)er 2)eutfd)e f)at fo 
grofe SBorbilber fyober SDtdnnlid)fett; an btefe blide ber 
3ünger auweilen hinauf, wie an 33adj, ber alle feine &or 
bem 3©ften 3afyre gefdjriebenen SBerfe al$ für nidjt eri- 
fürenb erfldrte, an 35eetl)o&en, ber nod) in feinen legten 
Sauren einen „(Styrifht* am Oelberg" ntd)t »erwinben 
lehnte. SBirb eö eud), junge ßünfiler, ba manchmal 
nid)t bange, wa* nad) etwa 50 3al)ren ifyr über eure 
(SontyofUionen befd)Ue<*en werbet? Stber ftetlid), wa* 
Äonige wegwerfen, ba$ fcerfcfylingen bie Ärämer nod) 
gierig genug* ©ewif U)r verbrennt feineä eurer unfierb* 
ttcfyen SBerfe, unb fo erfreut eud) benn eure* furjen 
Sebent, aber freitet bie 3ufimft audj nid)t, wenn jie 
»ergefen fyat. ©n £otaturtl)eil über bie neuern SBerfe 
be$ «£>rn. geäca liegt in bem Vorigen eingefcfyloffen; im 
2)etait mögen jte gewif* nod) mand)e$ enthalten, wa$ 
eines befonberen 8obe$ wertl) wäre, ba$ un$ wegen 
ÜÄangeW einer *ßartitur entgangen. 3n ber Sluffaffung 
be6 ganjen jtünjilercfyarafterS glauben wir aber nid)t 
feljlgeurttyeilt ju l)aben, unb fo Wollen wir un$ unb 
»nbere in ber 3ufunft, bie 8JHeö flar madjt, wieber an 
tiefe 3eilen einmal erinnern. 



158 



tß. Heuling, großes ttio k. 

3QBerf 75. 

Die S9Serfaaf)t td^t fd)liefen, baß wir e$ f)ict mit 
einem gefcfyuften SOtufifer ju tfyun l)aben* ©o fdjetnt e$ 
aud) narf) ber (Slafcierfiimme unt> tljeilweifen SSergleicfyung 
ber anbeten Stimmen mit biefer, wa$ un$ ben ÜÄangel 
einer *ßartitur erfefcen mußte* 3)er Somponifi ift über* 
bteä einer ber SapeHmetfler am Äärntfynertljortljeater in 
SEBien, ber ftd) npd) füngft burcfy eine Dper befannt ge* 
mad)t JBSir Ifaben e$ mithin in feinem gall mit einem 
SRortjen ju tfyum Srren wir nicfyt, fo würbe tljm bei 
äuffüfyrung feiner Dper jum «£><wtytoorwurf gemalt 
fein ©d)Wanfen jwifctyen beutfdjer unb italtönifdjet 
©djule, fo baß feine ber ^arteten, wie fie in SBien auf 
ba$ fcfyrofffie ftd) gegenüber fielen, ftd) mit bem SBerfe 
befriebigt erflfirte* $unbert anberen SBiener (Soutyo* 
niften ift fdjon ba$ 9?ämlid)e mit bem nfimlidjen Erfolge 
gefagt werben ; fte wollen ba$ (Sine unb fönnen ba$ 
Rubere triebt laffen, wollen Äünfiler fein unb aud) bem 
$leb$ gefallen. 2)a$ fyunbertfältige SWtßlingen foletyer 
SSeffrebungen, l)at e$ tfynen nod) nicfyt bie Slugen geoff 5 
net, baß auf biefem 2Bege nid)t$ ju erreichen ifi, baß 
nur einer jum ^kk füfyrt, ber: nur feine 5ßflid)t gegen 
ftd> al* Mnfiler unb bie ßunft ju erfüllen? — ffiir 
fmtyfen biefen Vorwurf an biefe* $rlo, ba$, obgleid) 
»ielteid)t im fd)Wdd)ern ©rabe al$ jene Dper, eine 
äf)nlid)e Senbenj, wie fie in jener 9fnfi<^t auSgeforod^en, 



150 



ju verfolgen fdjeint. 2Bie gefagt, wir glauben, baf ba$ 
beutfd^e «Jfünftlerelement in bcm Somponijieu jur 3^* 
nocfy überwiege; aber ber entfdjiebene gortfcfyritt beginnt 
erji mit bent entfcfyiebenen Aufgeben aHed btlettanttfdjen 
©efyagenä, aller italifintfcfyen ßijtflüffe* $aben wir 
3)euffd)e benn feine eigentümliche ©efangweife etwa? 
$at nid)t bie jüngfie j$tit geteert, wie e$ in Deutfd)* 
lanb nodj ©eijier nnb ÜReifier gibt, bie ber ®rfinbli^ s 
feit bie Setcfytigfeit, ber SSebeutung bie Orajie beijuge* 
feilen wiffen? ©pofyr, 3Äenbel$fo!)n unb Slnbere, fte 
wüßten ni^t aud) ju fingen, ntctyt aud) für ben ©anger 
gu fdjreiben? 2)ie$ iji'S, worauf wir bie beutfc^ntalidnif^e 
3wttterfd)ule aufmerffam macben motten, wie jie na* 
ntentlid) in SBien iljre Sfafyänger f)at. @$ gel)t nid)t: 
bie l)öd)jien ©pifcen italtänifd)er Äunfi reiben nod) niebt 
bis an bie erjien Auffinge wafyrfyafter beutfdjer; man 
fann nid)t mit bem einen §uf auf einer Sllpe unb mit 
betn anbeut auf bequemem äßiefengrunbe fielen* 2)af 
in bem Somponiften, &on bem wir fpred)en, ein eblerer 
$rteb »orwalie, jeigt fdjon bie ©attung, für bie er 
fcfyrieb. 3m Äammerjtyl, in ben üier SBclnben, mit 
wenigen 3toftrumenten geigt ftd) ber SJiuftfer am erften. 
3n ber Dper, auf ber 33üljne, wie t>iele$ wirb ba üon 
ber gWnjenben Slu^enfeite jugebedt ! Slber Sluge gegen 
Äuge, ba jtefjt man bie ftefcen alle, birbie Stögen t>er* 
bergen fotlem greubig erfennen wir e$ benn an, baf 
und aud) au6 ber äaiferfiabt wieber einmal ein 2Berf 
fömmt , ba$ wenigfienä einer gebiegenen Jiunjlform }u* 



m 

fÄttt, mit Sebauern fagen wir'*, au* berfelfren ©tabt, 
ber&orbem geweiften, bie „manchem guter ©eifl be* 
trat/ berfelben, bie und gerabe unfere SWeiflertrio'S, 
bie ©eetfyoaen'fcfyen unb ©cfyubert'föen brachte* gtu^er 
^ief ber Siener «^ofcomponifl fB. SRojart, jefct ift 
e$ ©aetano 2)onijetti geworben unb mit einem ©ehalte, 
ber feinem innern föwerttd) entfyrity, 2)a$ ifl in wenig 
Sorten bie @ef$i<tyte SBien* aon fonflunb jefct ©<$etot 
benn teiber in jener Äeftbenj für einige Shtgenfcttcfe ber 
3tattani$mn$ gefiegt ju tyaben, fo wollen wir guten 
beutfdjen $f)ttifter, bie nodj auf S3adj unb Slnbere 
etwa* galten, bennod) fo lange wie mögftd) ©tanb 
galten, unb wenig jien$ in ber ©tube fo *tel guteäJhiftt 
mad)en, al$ wir fte im Sweater nidjt ju fyJren befommen» 
3n biefem ©inne fei benn aud) ba$ $rio begrüßt, unb 
Kimme ber ßomponijl, wie jeber, ber e$ fann, auf 
fronet üunfWeiter weitem bie ju mlkify befd)eibeneren 
aber bauer^afteren Srhtmpfyen fü^rt, wdfyrenb ba* 
morfdje, mit 9lllertyanb*£rfinjen begangene @eräß ita* 
lifinifdjer SWatftfcfyreierei bodj über für) unb lang ein» 
mal wieber gufammenftörjt — 



Jttarfjdjner, grames Zv\o ic. 

©et! 111. 

6$ ifi bie$ $rio ba$ erflc größere ÄammermuftffWcf 
fcon SRarfdjner, ba$ wir lernten lernen» Unb wie e$ an 
einem filteren Ännfiler immer erfreut, wenn er jtd) in 
neuen ©attungen fcerfucfyt, gleicfyfam jum ©elbfigefWnb* 
niß, baß er ftd) felbfi nod) ntdjt am 3itU glaube, baß 
er nod) ein warme« ©treben in jtd) bewahre, fo waren 
aud) wir über bie (Srfdjeinung erfreut, beren genauere 
©efanntfdjaft unfer günfiigeS SBorurtfjetl audj nid)« 
weniger als abfcfywficfyte* 3wat wir ftnb nid)t blinb ge* 
gen bie einjelnen SWfingel aud) biefe$ SBerfeS, gegen 
jene fdjwäcfyeren 5ßartieen ber Sompofttion namentlid) 
in ben jweiten Sfyema'S unb in ber fogenannten 93erar* 
beitung, wo ber (Sompomfi ju rafd} »erfahren, ju fdjnetl 
mit bem juerft ©efunbenen ftd) begnügt; bagegen tljut 
aber bie SÄarfdjner'n immer eigentümliche griffe wofyt, 
bie forteilenbe Bewegung be$ ©anjen, bie fixere £anb, 
mit ber er bie einjelnen ©fifce d)arafterijiifd) fyinjufiellen 
weif ♦ 9Äan finbet fotfiit in bem Srio ungeffifyr benfelben 
jtünfiler wieber, als man tyn au« feinen großen brama* 
tifdjen Arbeiten fennt 2>a$ ©njelne, ba$ detail ifi 
mcfyt immer ba$ SJorjüglidje; ba$ ®anje aber ift e$, 
bie Sotalwirfung, bie ben ÜBtangel funfireidjer gebiege* 
ner Detailarbeit wenn ntd)t ttergeffen, fo bod) überfein 
läßt* 3ßenn wir unter SSorjügen ber Detailarbeit jene 
©etbfifiänbigfett unb lebenbige Fortbewegung ber ein* 
iv. 11 



168 

jelnen Stimmen, jene bebeutungä&ollere 93efyanbfong 
aud) ber Uebergangäjiellen (fo 93* toenn fidj ber Sa$ 
au$ ber SKofl* in bie Durtonart tt>enbet) , jiene feineren 
©ejüge jvoifdjen bem ^aupttljiema unb ber Verarbeitung 
ber anberen SRottfcen meinen, n>ie tote 33* in $eet* 
^oöen'f^en (Sptn^ojitionen, bie Sotaftoitfong lebte** 
*oeg£ beeintrdctytigenb , wteberfhtben, fo werben ttn* 
einfid^ofle Sefer Oerzen, »ei »arfd)u*r bomintat 
metflertS bie DberfHmme ; ju tieferen Kombinationen ju 
gelangen, ifi e£ als gänne er fi<fy bie 3eit nitfyt; e$ reift 
ityn umotberftefylidj nur nadj (Snbe, nadj ber SSoflenbung 
be£ StütfeS $hu Sletyrtltdj bem nrirfen audj feine (fomt* 
pofitiorien; man ßtylt ftdj fortgertffen, geblenbet; grofe 
Salentjüge blffcenun* überall entgegen; bei genauerer 
Unterfucfyung jfctten ftd) aber audj bie otofWttyttdjer be* 
Baubeiten Seiten ber (Sontyofltion fyerau** 3n eitlem 
Silbe ju fyrecbeu, er gibt uns bie golbenen ( grüßte 
feinet Talentes in oft irbenen Skalen* Seien toir 
benn sor allem banlbar gegen jene, gegen bie &i$tfeiten 
• be« Srto'** SBte gefagt, e$ bilbet — bi« auf ba* tfoa* 
gio, ba$ unf nidjt ju gleicher &it mit ben anbmt 
S4fcen entpanben ju fein fdjetet, — ein lebenbigeS tt>fe* 
fung#>olle6 ©anje«* Die Tonart ifi im Anfangs trab 
Sdjluffafc, toie im Sdjerjo ©moB, We beaftbagiitt 
ba« tn biefer go(ge befrertbenbe 8tebur* 3e*e <5d$e 
tyaben fÄmmtKd) einen toilben, Idbenf^afttt^m &p 
ratter, ^renb ba* Hb*gto ben g«nj entgegengefefctot 
ber SRilbtyeit unb Stutye tr4gt Der Umflanb, ba# W 



163 



Ubagio im legten (Safte wieber jum 3Sorf^ein fommt, 
fönitte unfere ©ermuthung, baf e« ju anbetet, früherer 
ober frdterer &it al$ bie anbem Seifte gefchrteben fei, 
etwa* föwanfenb machen. Dorf) weif* man, toie einem 
gewaubten Somponijien foMje Slücfblicfe oft mit leichter 
2WüI)e auch nach Abfluß eines @afte£ no<h gelingen» 
3m Uebrigen gefchietyt jener MdUid in fei)r jarter 
SBeife unb t^ut getabe im unruhigen Steiften beö legten 
<5afte6 wohl* Das 2lbagio felbfi f)at eine reijenbe, 
SWarfchner'n ganj eigentümliche ©efangweife; wir f)aU 
ten e$ für ba$ Urforünglichfte im ganjen $rio* Da« 
93iotonceUfoto, ba$ jte beantwortet, ergebt ftd) bagegen 
ju breit nnferer Meinung nach unb fcheint un$ and) in 
metobif^em 33ejug ju gewöhnlich/ faft theatermäfKg* 
SQBo ftd} SDtarfchner fcfyon oft mit ©lücf bewegt, in tyr 
©p^Äre be$ ®puf< unb 3Jiaf)rcf)enljaften, tljut er e« 
auch im £rio mit SBirfung, im erften Safte weniger, 
im 6d)erjo unb ginale aber mit offener 8uft an feinen 
©ebilben; biefe leftteren ©dfte finb auch bie Ijitmori* 
flifdhfiem ©nige leiste Slnf länge an ba$ granj ©dju* 
bettle £rio in (£$bur erwähnen wir flüchtig» 

2)a$ £rio wirb ftcfc, glauben wir, verbreiten; wir 
finb nicht überreich an geiftüoUen SBerfen ber Slrt, unb 
bieä lefttere ^rdbicat gebührt bem $rto in jebem $att. 
3n ber Ausführung bietet e$ feine ungewöhnlichen 
<5d)wiertgfeiten, namentlich ift ba$ glasier wirffam be* 
^anbelt 



11* 



164 



Com* Spoljr, fttio k. 

SM 119. 

Slud) ba6 Xxio biefeS »erefyrten SBteijierS tjt, fo&iel 
ttrir tttffen, feine erfte derartige ßontyoftttom SMefetbe 
fteubige 33emerfung, bie wir fd)on beim Eingang ber 
Stnjeige be$ 9Äarfd)ner'fd)en Srio'S auSforadjen , müfc 
ten tt>ir alfo bei biefem tmeberfyoten* Unb ba$ untere 
(Reibet eben bie SReifter ber beutfd)en ©djute t>on 3ta* 
Itönern unb ftranjofen, ba$ l)at fte groß gemalt unb 
burdjgebilbet, baf fte fid) in allen formen unb ©attungen 
tterfud)ten, wäljrenb bie fBteijier Jener anbern Lotionen 
ftd) meiftenä nur in einer ©attung fyersortfyaten* SBenn 
wir bafyer einige ber beliebten Sßarifer Dperncompont* 
fien fyier unb ba j* 35* „grofe Äünftler" genannt ftnben, 
fo motten wir erfi fragen: tt)o finb benn eure ©tymptyo* 
nieen, eure Guartette, eure $falmen u\ ? tt>ie fönnt tyr 
eud) mit beutfcfyen fSJieiftern vergleichen wollen? ©o l)at 
aud) ©pofyr faji in allen muftfalifdjen formen geartet* 
tet Dom Oratorium bis jum Sieb, fcon ber ©tymptyonie 
bi$ jum 9tonbo für ein Snftrument, unb biefc Steifet* 
tigfeit ift ntdjt ba$ ©eringfte, tt>a$ ifjn uns *>erefyrung& 
würbig madjt* ©eine neue ©abe müffen wir benn al$ 
eine neue 33lütl)e feines reiben @et(ic$ begrüßen, bie 
im Äranje feiner ©djöpfungen ftd) gar wol)l mitbltcfen 
laffen barf* 3war Duft unb ftarbe fhtb biefeften , bie 
wir fd)on lernten* Slber e$ fdjeint eine unerfdjöpflidjc 
©emüt^tiefe gerabe in biefem Äfinfiler §u liegen, baf 



165 



et uns immer ju feffelu serfleht, fo feljjr er ft<h auch 
gleichbleibt. ©ewtji, ©pohr fötmte alles ohne feinen 
%amen herausgeben , man wütbe Hju auf benStugen* 
blicf erfennen. 93on feinem ßünftler ber ©egenwart ifi 
baS in bemfelben 9Raj$e ju behaupten. Sluf etwas 9fo 
bereS noch fltunbet ftch aber baS 3ntereffe, baS wir 
immer für feine Schöpfungen h*gat muffen, nicht allein 
auf ben 3^uber feiner ©igenthümlichfeit, fonbern auf 
feine reiche Äunfibtlbung, auf bie rein mufifalif^en 
Schönheiten im ©egenfafc ju ben charafterijüfchen feiner 
Snbtoibualität. Denn eS famt uns aus einer 9Äuftf ein 
bebeutenber &)axatUx entgegentreten unb ihr bod) t>iel 
jur SReifterhaftigfeit fehlen, ©pohr gibt uns SllleS in 
meijierhafter gönn, unb felbfi ©efannteS in gewählt 
©ewanbung. (Sr wirb nicht mübe, feinem 2Berfe bie 
größte SBoHenbung ju geben. 9Jtan fe^e j. 33., tt>ie er 
baS erfte Xfyma beS lfien ©afceS feines Srto'S, fo oft 
eS wieberfommt, neu harmoniftrt. Gin bequemer Äünfi* 
ler f)&ttt eS ohne 2Wuh e ^nmat wie baS anbremal ge* 
macht* 9Son feinem gewiffenhaften ftleif, ber ftd) mit 
bem ttorrücfenben Sllter beS ÄfinfilerS eher geweigert als 
»erminbert ju haben fd)etat, f)abtn 9Jtanche gar leine 
SJor jiellung ; eS rfid)t ftch aber auch genug an ihren 
SQßerfen. Doch was bemühen wir uns, ©pohr'S grofe 
Äünfilertugenben auSeinanberfefcen ju wollen, worüber 
bie SBelt fdjon Idngfi einig ift. »uch baS Srio jiert 
feinen SWetfier; eS ifi aus einem ®uf tton Anfang bis 
@nbe, unb nur baS Slbagio nach unferer SWeinung etwas 



166 



mattet. 2)ie anbeten Öäfce tyaben bie etgent^ünttic^flen 
JBorjfijje; ber etjte f fl etn feinet ©ewebe, wn fixerer 
#anb fuhfheid) au$gefft!)rt. 3)ad ©d)erjo gel)6rt jir 
©i>o$r'$ &orjfigHd$en, bie er getrieben ; man »erlangt 
etftbfcber ünfr wieber ju Gören* 2)er lefcie ©a$ l)at ein 
burdj ©potyr fetbfl etwaö ailgetnein geworbene* SRotfo, 
im ©anjen fyerrfdjt aber ein aujierorbentlidjer ©d)Witng, 
brt$ aöiotoncell^ijjicato nid)t ju »etgeffrtt unb bie fdjön 
eingewebte 9Relobie dn$ bem äfbagio» SBettyen (Styarafe 
ter ba$ $rio fm Uebrigen at^me, Wir branden'* wofyt 
nictyt au$jufyte<i)em ©pbtyr im erfien, ©pofyt im jwri* 
ten ©a#, unb fiberall* $aft auf irgenb 3>emanben 
©cfyiller'S: „bod) ©djönereff fenn* idj nfdjt, fo lang iäf 
wäl)le Ä jc v fo ifi e£ anf f^n* SÜWg' er nocfy lange unter 
un$ wirfen! 



Deutfdje flpern. 



i. 

Xütit tt tm^ große ©per in vier Zcttn von 
K. Ulurn, in üttufth gefefct uon C. Ö. Heiner, 
bollftätrtrtgcr €lauierau*?ug. 

5)«* ©nfet betyonbeft eine Skbeögef^i^U gron» be* 
(Srjien *on granfrefefy, ber ftd) , im ©runbe auf wenig 
fdniglWfc SBeife, in »efifc Don Adtfe de Foix, ber 
jungen grau eine* betagten @belmamt*, b«$ ©rafen 
gtyateaubriaub, $n bringen fcerfucfyt* 2>ie $<mb(ung be* 
Jfdnfg* wirb neefy babnrA unfd^ner, b*# bei befagte 
(gbefmann tym früher einmal baS 8eb*n gerettet. $\m 
©djfaf erjMdjt ötjatcaubrianb feine untreue gwu unb 
a*$ ftd); ber Jtfotig jiefyt frei ab, feinem SSotfe State 
unb Sefferung angelobcnb* €o enbigt ba* Stoenteuei 
wenig erbauliefy, wie 3femanb fagte, ald ©$erj gu erujfc» 
^aft, a(4 ©ruft ju fd)etji>aft 3>af bie* auf bte (Somp* 
fUitn jurüdwirfen mußte, war natürlW), ®tf$e *ei# 
ruckte Liebeleien allenfalls ju befdjonigen, wftefycn nur 



168 



feie gfranjofem 2)er Deutfd)e tfi baju t>iel ju et>rlic^ unfe 
ju moralifd)* 8lber wa« uberwinbet eben ein beutfdjer 
ßomponiji ntcfyt alle«, Ijat et nur einen leibttd) compo* 
niblen $ert, fcon bem er ft<fy and) einige SBtrfung auf 
ba« ^Publicum &erft>rid)t* 2Btr wünfdjen ntdjt, baf ftd> 
#err Steif iget getöufd)t Ijaben möge : aber ber $ert wirb 
fdjwerlid) bei un« 9lnflang ftnben* 2Ba« bie 5WujtI.be* 
trifft, fo barf 3eber, ber ben Sontyonifien bereit« fenVtt, 
ba&on im SBorau« t>iel ©ute« erwarten. 9tt« gen>anbter 
3nfirumentator fyat er fid) l&ngft befannt gemalt; an 
ber Spifce eine« &orjüglid)en Drdjefter« jiefyenb fyatte et 
mel)r al« mancher Anbete ©elcgenljeit jut 33eobad)tung 
nnb Kombination. 2)a« (Element, tn bem et ftd) jettfyer 
am liebfien bewegte, war ba« Sieb, nnb am glütf lid)fien 
im Reiter fyrtfd)en* SJiel ©efangene« in biefer SCrt &er* 
banfen wir ttynu Sind) at« Ätrd)encomponifi tyat ftd) 
Seifiger mit ©lud gejeigt ; feine berartigen Sompofttfo* 
nen atfymen einen freunblid^en frommen Sinn, ber 
feine« (Sinbrutfe« gewtf fein fann* Weniger glücfltd> 
war er bis jefrt al« btamatifd)er (Somponifi; wir fmbra 
ben ©runb ba&tm im burdjau« SJorwiegenben feiner 
fyrtfdjen Statur, wie e« aud) anberwdtt« föon me^rfad) 
au«gefarodjem S)af er bennodj nidjt t>on ber Oper 
töft, baf er wieber mit einer fogenannten großen t>or* 
tritt, wollen wir al« ein 3«^en inneren SRuttye* bt* 
grfifen, ber überall meljfr juwege bringt, al« tröge« 
Stehenbleiben anf einem ftled* Adäle de Foix würbe 
gegeben, mit Seifall, aud) ni$t o^ne einzelnen S&foer* 



16» 



frrif$* SBir jtnb fo arm an einer beutfd)en Dpa; man 
foöte nidjt gleich über alle, bie nid)t auf ba$ erjiemal 
tt>ie ettoa ber greifc^üfc wirfen, fo bo^aft Verfallen ober 
fle gar ignorirem S3erfd)W>eigen n>ir aber aud) beäfyalb 
ben Xatotl nidjt* 

2>fe beutfdjen Somponifien [Rettern meidend an ber 
9bfid}t, bem publicum gefallen ju wollen* ®ebe aber 
nur einmal einer ettoad ©geneö, @tnfad)e$, Sief* 
innerliche* ganj au£ ftd) tyerauS, nnb er foll fefyen, ob 
er nid)t mefyr erlangt« 993er bem publicum immer mit 
ausgebreiteten Sinnen entgegenfommt, ben gewöhnt e$ 
fid) enblid) über bie Sld)fel anjufeljem 35eetl)Oben ging 
mit gefejtftem Äopf unb untergefcfylagenen Straten ein* 
fycr, ba toidj ber *ßleb$ fdjeu auSemanber, unb na$ 
unb nad) wmrbe tljm aud) feine ungetoöl)nlid)e @prad)e 
vertrauter. 

Sin obiger Ältype, furzten wir, iji aud) Stetiger 
tfyeiltoeife gekeltert« Der ungeheure (Succef be$ „grei* 
föüfr/ f^cint eS, fyat bie beutfdjen (Eomponijien ju 
ttaforberungen an Seifalläbejeugungen verleitet/ bie 
nun einmal nidjt burd) Slbjidjt $erau$geforbert tt>erben 
Hutten» SWuf benn alles gleid» gurore ma^en follen? 
©etyoten benn )u «Hern ^ofaunen unb tyid elflöten? 
Sie fctyimpfen auf bie ttaltämfdjen (SomponifJen unb 
freuen jtd) bod) nic^t, oft mit benfelben Mitteln ju 
toirfen; man lennt ben Unftnn unb begebt ttyn bod). 
2Bo foll benn ba bie Sldjtung beS SßubltcumS fyerfom* 
men, baS aud) feine Beriten l)at unb oft geller fie^t, 



17* 

al$ man glauben foOte ! 9to<$ eimnaJ : gebt trat etmnaC 
eine redjt origineBe, einfach tiefe, bentfdj* ©per, fdjreibt 
att gäb' e$ lein ?ßttbKaim, aber jeigt ben e#m JÖtoft* 
Ter, bie ecfyte 93übnng, mtb wir wollen fe^en, ob iljt 
eud) babei nfdjt bejfer fiel)t. SSielmal iffc ba$ f$on gc* 
fagt Worten, aber nie war e$ ndtfiger dW fe$t, wo ber 
©taube be$ !fhtbHann$ an betttfcfye JEtyertKOtRpontffen 
immer tiefer unb tiefer ju flnfen anfängt* ©djon fefyen 
wir ttaliänifdje Stufen fid) me^rer beutftfyen Stöhnen 
bemädjtigen; franjöftfdje Wnnten leidet nad)folgen. SUfo 
Sldjt gegeben, baf man eud) nidjt enren eigenen Sobtn 
unter ben $&$tit wegjiel)t 

©ewijJ, wir ftoben in SWfiger'S neuefierCtyer 
Stüde, Wein neu*italiänifd>en ober franj6flf(&en wie 
edjte (SbelfJeine nnter bö^mif^en ftd> ausnehmen w*t* 
ben. Slber mit einzelnen Hummern ift nod) nid)t* getfyan; 
wir wollen Styl im ©anjen, eine buflfygetyenb* eble 
Sfuffaffung , ein immer frtfcty fd^fagenbe* JJfinfilet^cij. 
Ü)ajjun6 folgen ©enufj bie SteijHger'ftye £tyer tarfy 
gängig bietet, ßnnen wir leiber nidjt betyatqtfcn* ®tbt 
er un$ *>ief SBfirbfgeS, fo ^ulbigt er aud> bem £age£* 
gefdjtnad; wir ttermiffen eben im »figemeinen (£$atat* 
ter nnb (Sinfyeit be« ©fyla. 33emerfen*wettl> 1)1 au$, 
wie Seifiger, ber g* in fielen feiner 8Uber ein eigen* 
t$fimH<tye$ Talent gejeigt, tn feinen brantatif$cn «hbei* 
ten weit Weniger originell baßel)f , ja fo ftarfe StoK&ttge 
an befannte beutföe nnb italtöniftye SReffter bringt, 
baf e$ aud> ber Sate werfen muf* 60 fittben fid) bc* 



171 



beutende 9femfnt6cenjen au« SBeber, <S^>^r, au<$ 
SWatfdjner, ^Aitfig aitc^ au« Stoffiitt unb Settint, We 
einjeln aitfonjeii^nett ju Wel Staunt wegnehmen würbe, 
We aber gewifl SWemanbem entgegen fönnen» ©nett 
anbeut SSorwurf Knuten tt>ir nodj ergeben gegen We 
unfere* SAinfen« burdjweg ju maffenl)afte 3nffru* 
mentatiom 2Bo fo8 ber (Somponift We SRtttel $ur 
Steigerung fyerbef ommen , wenn er an mfnber bebeu* 
tenbe Stellen fdjon die Äräfte serfdjtoenbet, bie il)m 
bann am regten Orte fehlen? Sfnbrerfei« ifl freißdj 
9teifiger'6 grofle SirtuofitÄt bet 3njfrum*ntation fe$t 
auäjujeidjnen nnb wir muffen fie wol)lflingenb tmb 
gtönjerib nennen, wo er bie Drdjeftermaffen nid)t ju 
fefyr atrfeinanber fyduft Äbgefefyen aber bon Wefem jwei* 
fadjen Vorwurf öfterer Stemintecenjen unb öfterer über* 
Iabener 3nffrumentirung, flnben wir in ber £)per fo 
Wele SSorjfige, ju benen wir un* jefct mit Vergnügen 
wenben* 

Gfo l)errf(fyt in ber Dper ein au6gejet<fyneter muftfa* 
Kfdjer $lujj, wie er eben nur beut Äftnfiler &om 
eigen ifh ©etyr anjuerfennen ifi au<f> bie {Reinheit bei? 
Harmonie, wenige grelle Slccorbenfolgen in einigen 
leibenfdjaftlidjen Momenten aufgenommen* Sobamt 
wir im ®anjen 2Baljjrl)eit be$ $u*bru<!0 in ttebereta* 
fHmmung ber 2&orte jur ÜBtufif jugefiefyen, 1 Don ber 

1) 3toei Stetten nur nfdjt nötiget Hnffaffung tooflen toir $tet 
anfuhren , in ber 3rie M ©rafen <&* 83 Bei ben ffiorren : „<Da 
erfaßte meine Seele, bie &e»egt toar, Bang nnb ta>Ub, bein getiefte* 



17* 



ttir in bei: neuntalidmf<t)en Dpernmuftf faum t>ie ©pur 
antreffen* @nbtt<$ bürdet bic ganje £>per ein natur* 
lid) freunblidjer ©inn, ber »oljltljut auf ber Süfyne, 
bie und fo fet>r an SÖtorb unb $obtfd)lag gewöhnt* SBox* 
neunte Äunjitfyueret, namentlich contrapunctifd)e, ttriK 
jtd) nirgenb* geltenb madjen ; fte toär' aud) am üMen 
Ott angebracht. äJtufifaltfd) am djarafterifiifd)jiett ge* 
galten finben toxi, aufjer bemÄönig unbAdfcle de Foix, 
ben ©raf (Sfyateaubrtanb , twtm aud) ba$ 3ntereffe für 
Um allein bemäRitleib eineä Hintergangenen bemanne« 
gilt, ber überbieS fdjon über bie 3ugenbjal)re fymauö* 
33onntoet, ber Teufel im ©tütf, jeigt ftd) fctelletd)t ju 
fanft/ nicfyt teuflifdj genug. 2)em $agen fef)(t e$ eta>a£ 
an ©ragie , bem Karren nid)t minber an fd>lagenber 
ÄJOtmf* 2)er lefctere nrirb fcon bem befannten 3Rarfd)* 
uer'fdjen im Sempier bei weitem überholt. 
* 2)ie (Sfyöre greifen oft »irffam ein; Popularität 
burfen wir inbeffen feinem fcerfpredjen* 

93efonber$ au$iujeid)nen ifl bie S3alletmuftt; fyier 
jeigt ftd) Sleif iger'ö ganjeä Ueben&wubige* Talent« 
»amentlid) tyebt fic^ Stpin$ft'$ 6olo mit bem fpfiter 
bajufommenben £oboetrißer tyerfcor. 



9&tlb," n>o ber (Sontyontft nur ba* bang unb toilb in bet Stapf 
föilbert, ben Sfcadjfafc aber n&erfaljj bann <&. 96, too Beim Qüu 
treten be$ tfönig,* 5lbele fagt : „nun bin idj frei, ber «Roma, rettet 
tmdj," bie ber (Somponifi coa tutta forza fingen t&{t, n>&$renb 
fle unferer SReinuna, na# gang leife für ftdj gefprodjen teerben 
müßten. 



173 



2)ie IDeclamation finben wir im ©anjen lobend* 
wert!) unb richtig ; einige 3}er(iöj*e wären mit leistet 
SDiülje abjuänberm (Sinen «^auptmoment finben wir 
jn teid)t befyanbelt, ben im legten Stet, wo (Sfyateau* 
brianb jum Äönig fagt: „bie@d)ulb, fle ifl bein/ #ier, 
tt>o bie ©cfyeibewanb jwif<fyen prjl nnb Untertan jum 
erstenmal nnb anf ewig fällt, wo ber ©emiftyanbelte 
bie ©rofe be$ Unglücfä bem SSerfuI^rer rerf^t orbentlid) 
t>or Singen fiellen will, fyier wirft ber reritatfoifd)e 93or* 
trag ju wenig. Der ßomponiji Ijat ft(fy biefen bebeuten* 
ben 9Äoment entgegen lajfen* 

2>er, beiläufig gefagt, fefyr forgfältige (Slafcierauö* 
jug jeigt einige Slbweid)ungen son ber Sfaffufyrung in 
3)re$ben ; namentlich ift , was in jenem 3ter nnb 4ter 
Slct ift, in einen einjigen, nnb gewif jum SJort^eil ber 
SBirfung jufammengejogen worben. 

£öd)fi unbanfbar finben wir ben @d)luf ; ba$ 
©anjefiiebt fo unglüeflid) au$einanber> baf ber 3« 5 
Ijörer nur mitleibSsoll ben Äopf fdjüttetn fann, wie 
über eine Gegebenheit, bie freiließ nidjt anberfl enben 
fonnte* 

2Bir (Reiben &on ifym, nid)t oljne $abel be$ einjel* 
nen SWtflungenen, mit aller Sichtung aber &or bem 
%Ui$ , bem Talent nnb ben Äenntnijfen, bie ber (Som* 
ponijl Wieberum gejeigt, nnb in ber Hoffnung , baf er 
fte balb wieber auf gleichem Serrain betätigen möge« 



II. 

Ijcinrid) Cffer, lljötna« Äqutyui öfter ixt palüifdjc 
IJeiratl), homifd)c ©per in 3 bieten. 

©er! 10. 

9tad) ben ©ertöten, bie wir über biefe Dj>er bor 
unb nad) i^rer Sluffityrung gclefcn, mußten unr etwa* 
gatt) ätorjüglufyeS t>on tf>r erwarten* $n eineßl tykj* e$ 
u. 21.: 2Jtand)e fäf)en in bem Jungen ßomponiflen 
einen fetten Slbam, Slnbere einen 93oielbieu, ©cal* 
tirtere fogar einen nenen SKojart imb SJeetfyo&en ent* 
ßctyctu 3«>ifd)en 8tbam unb 93eetfyo&en liegt freiließ biet 
in ber SBiitte, unb ift ber Som^onift flar mit ftd), fo 
»irb er felbfi jugejietyen, baf er einen SBergfeid) mit 
erjierem allerbiugS etyer aushalten würbe, at$ mit bem 
lederen* 2)od) bürfen wir ben <£ontyomfien nid)t eut* 
gelten laffen, wa$ perf online S^eilnatyme »teilest an 
i|m überfd)ä^t ; fein SBerf f>at einen ju beßimmten (Sin« 
bruef auf uu$ gemad)t, als baf und bieg, wie bie ent* 
gtgwgffafct falte Stufnafyrae, bie bie £tyer inSRann^eim 
erfahren, in unferem Urteile beirren fönnte* 2)od) e$e 
wir über bie SKufif fpred^n, erft einiget nod) über ben 
$trt» Da muffen mir benn bor altem bef ernten, baf 
Wir nur wenig. Äomifcfyeä an $m fwbem äBemt Xiqui* 
flui, bie^auptyerfon ber£)per, ein gutmütiger @d)u$* 
madjer, um bie Softer feiner SofyltyÄterm au* ben 
^änben wütfyenber ©anäcüiotten p befreien/ mit btefer 
eine ©djeintyeiraty eingebt/ fte aber na<J> Seenbigung 



175 



ber (ftait4ö£f<fym) 9too(uti*n frei unb Ujtem früheren 
SSerlobten jutiWfgtbt, [o iji ba« bta» unb ebel^eijtg, 
aber gewif nid)t fomffd), uttb um jene ©djeiuljeitatfy 
bretyt ftrf) feo$ ba« ganje ©tfief , ba« un« itt *klen $e* 
lietyungen etyet wie ein in eine ntebete <&pf)&xe gejogenet 
,ffiaffcrtt4get* aorfommt, ben bod) gewifi SWemanb ju 
ben fomifdjen D^tn jd^Ien witb. 2)te einjige tojiige 
gtgur ift bie be« Satnabe; abet fte iß tnel ju unbebeu* 
tenb, um ba« Seiwort „fomifd)" für ba« ©anje ju ted)t* 
fertigen* ©o wfinfdjten wir *>ot StUem an« bem Xitel 
jenen Seifaft tyetau«, »eil fonfl 3ebermann etwa« 
anbete« ermattet/ al« er empfangt. Uebtigen« iß ber 
Xc?t gefdjWt bemäntelt, namentlich au$ bet S)iaIog 
gewanbt nnb lebenbig gefdjtieben, wie benn bie $rofa 
bem SJetfaffet geläufiger fdjeint, a(« ber 95et«* 

Som(Sfyaiaftet bet SÖlufif einen SSegriff jn geben, fo 
f önnen wir fte im Allgemeinen al« gefunb unb natürlid) 
bejefdjnen* Ofenbar fäjwebt Sttojart b?m jungen Xon* 
fefcer al«.3beal ber SWufe »ot; in bet 8et#tigfeit nnb 
Stnrautl) bet gorraen Detroit) e« fM) namentlich , b*f 
jener SReijiet in'« 93Iut unb geben be« jungem fungier« 
übergegangen» Slber aud) ber fran|<$fd}en!S<l)ule fcfyeint 
er ittöjt nutzet traut, nnb mir bemerfen bie« gern, wo 
eranSoielbieu, weniger gern, wo er janSlbain erinnert, 
©o Knute foecieU ba« SWotto, ba« We ©runbibee ber 
£>j>et ttlgt: Arbeit, gretyfmn, leiste« 33lut fmb be« 
Stefefai« $J<fHie« @ut* *>om «ontyonifiettie« $oßiifot« 
fetn— wir gefielen, e« etwa« trivial gefunben )u #aben* 



176 



<i* Ijaben alfo jene fcerfcfyiebeu lautenben 5Berid)te alte fn 
etwa* 9ted)t, wenn fie *>on einem ©nffaf SWojarfd, 
»oielbieu'S unb Stbatn'S auf bie 33ilbung be$ (Sompo* 
nijien fyredjen; SJeetfyo&en'fcfye* nur vermochten wir 
nirgenb* ju entbetfen, aber eben fo wenig ltaltänffc$e 
©emeinpläfce, wa$ wir mit SBergnügen J&injufefcem 

%bt bie auägejeidjnetjien ©tfiefe ber Oper Ratten 
wir bie @nfemble'$, unb wenn e$ wafyr ifl, baf* fid) 
gerabe barin ber 33eruf be$ bramatifcfyen (Sompontfien 
jeigt, fo mfiffen wir biefen (£♦ juft>red)en* 3n ber 
^Partitur, auf ber ©cene nimmt fiä) gewif* mandjeä nodj 
vorteilhafter au$; aber aud) ber (Slavierauäjug Wfjt 
ba$ entfd)iebene Talent be$ (Somponiften in biefem 
33ejug afynen* $ie$ if* ni^t ber fdjwerfäöige 93erfud) 
be$ ©<fyuler$, fonbern bie faielenbe #anb natürlichen 
©ef$icfe$* 

saßa^ ba$ melobif^e Clement ber Dper betrifft, fo 
f)ält e$ jtd) in ber Sfltitte jwif^en franjöfif^em unb beut* 
fetyem (Styarafter* 3«r Offenbarung tieferer SSRelobieen* 
fraft bot bie Dpct feine ©elegentyeit @ut fangbar ift 
fafi ba$ 9Reffie, nur ber Senor (Stiquiqui) l>ält ftd> oft 
in ben f)öd)ften Sagen auf. Die ©f)öre ftnb tmrchgdngig 
fe^r leid)t, in 93etrad)t, bafj wir Sansculotten auö ber 
erflen ßtit franjojif^en 9iet>olution vor und ^abeu, 
fafi etwas jatym au nennen. 

SSor allem aber ifi bie ßorrectfyett unb ©auberfeit 
beS ©afce$ ju rühmen, wie fitij ba$ burd> bie ganje 
Oper Ijlnburd) jeigt. 2>aj5 fie auch vortrefflich/ — ftar, 



177 



rfitfad} unb natürlich infhumentirt fein mag, (Aft jl<$, 
otyne jte t>om Ordner gehört ju £)aben, beinahe mit 
SefHmmtyeit 9oran$fagen* 

SBir tyaben fomit in jebem galle eine freunbli^e 
Dpa metyr, unb e« aerbienen aud> bie SSerteger (Swdty* 
nnng, bie ba*SHkrl «ine* iung^n MetfAnbiföen Solen* 
te* im ftottlid^en ©ettanbe ber £>eff entfld)feit übergaben, 
©ebenfen xoix ber großen Sugenb be« (Somponifien (er 
foß fawm 24 3afyre jäfy(en), fo bürfen wir auf feine 
3ufunft erfreuliche Hoffnungen fefretu 6« toirb aud) 3eit, 
baß bie beulten ßomponifien ben Sownirf jfrafen, ber 
Hjirnsi feit laagr gemalt fcirb, 3tdifetent «n* gwaiofen 
ton» Sdb nttfrt auf ta* $ai>ferfte nbtria#ra jitfafctt. 
5)agtt' e* ein SBort )n «best, «Ufy an bit taitffr» 
SMdftet! 



IV. 



12 



\ 



3ofjcum (Juß, flratorium oon Jfrof. Dr. IL 3eune, 
compomrt oon Dr. C. Cörae. 



SSBir freuen und ber S^Ätigfeit be$ getftooUen 
Stenne*, tum ber und obige* SBerf lieber 3^8^ 
gibt ©ein neues Oratorium rei^t ftd), in feiner 3*n* 
ben}/ ben früheren berattigen (Sompofttionen £&oe'6 
an ; e£ ifi, fd>on *om 2) testet, ni$t für bie Äirc^e ge* 
ba$t, unb l)Ält fid), für ben Soncertfaal paffenb ober 
aud> bei mujiffefllidjer ©elegentyeit wofyl anzubringen, 
jtt>ifd>en Dper unb Oratorium* SBir f)aben nod) fein 
gute* SBortfurbiefe 2»tttelgattung; bei geijHifyr £tyer 
benft man an ettoad anbetet, unb bramatffd)e$ Dra* 
tortum trifft ben ©inn au$ nidjt 93on monier (Seite 
ift fogar gegen bie ganje Äunfigattung angefhitten to>or* 
ben» Sollen ber SJtuftl aber Styaraltere, eben tote £uf , 
©utenberg, toie ?utf)er, SBtnfelrieb unb anbere ©lau- 
ben«* unb gretyeiWtyelben, g&njHd} enijogen bleiben, 
toetl fle toeber gana für bie £tyer, nod) ganj für bie 
&ir$e paffen? SRir fdjeint, Sitte f>at ein Serbien^ um 



bie ©ottttng, bie wenn aud) nod) fein dt>od>en*8Berf 
geliefert l)iit, bod) aud) nod) nid)t ju @nbe gebaut ifi, 
3)a$ rein Mblifdje Oratorium fann barunter nid)t im 
©eringflen leiben nnb wirb aud) immer feine ßonqwni* 
ftoi ftuben* SSber wir wollen un$ freuen, baf bie ®e* 
fd>t<t>te nod) aQer^anb grofe ©eftolten aufjuweifen $at, 
bie fiel) bie 3D?ufif nur anzueignen brauet, um nad) einer 
neuen ©eite l)in ju wirfen unb fid) au6jufi>redjen. 93on 
biefem ©ebanfen fd)eint aud) 8öwe auf ba$ tnnigfie 
burdjbrungen ju fein, ba er nidjt abläft, ben früher 
betretenen SBeg ju »erfolgen* Unb l)at er barauf ty>d) 
feine glänjenben Srtum^e errungen, fo fd)rede tf)n ba$ 
nidjt ab ; e£ brauet nid)t alles in ber SBelt gleich gurore 
ju nwd)en unb barf bod) eine* etyrenben $lnbenfen$ in 
ber Äunjigefd)id)te gewif fein* 2)a$ SJerbienfi, einen 
neuen SBeg mit angebahnt ju tyaben, muf Söwe juge* 
fprodjen werben* 

£itte er'S bod) in ber erfien 93lfit^e feiner SRanneS? 
fraft getfjan, ober in ber 3«*/ wir feine frifdjen 
fräftigen »aOaben t>erbanfen! »ber freilid), ber m* 
büngSgang eine* ÄünfilerS läf t ffaty wol)l l)interl)er er« 
Hären, *>orl)er aber fdjwer (enfen unb »orqudbeßimmen* 
3u fiarf würfen aud) geben unb 9Serl)Ältniffe oft ein* 
Sto$ bem Dperncomponifien £änbel wirb ein Drato* 
riencontponiji; «$at)bn, ber 3nfirumentaliji, gibt und 
im ©reifenalter feine „©djöpfimg SRojart mitten in 
feinen Dj>erniriunq>l)en fein „Stequiem** 3R6gen fold)e 
(6rf<^einungen aud) im tieferen inneren SQSefen berÄftnfi* 

12* 



18» 



ier begdtabetfeto, — »eben, Umgebung, 2*rf>4ttnifft 
bringen fr oft etfl jur Steife* 

tttoe, im mi$ eiltet fHfte« ju bebiettfn, tft frity* 
jeitig o«f ein rfnfome* ©lanb gewwfen ttotben, 9Bo6 
beaufwt in bet SBelt wrge^t, foimnt nur ertrug** 
ttejfe jtt feiner Äunbe, tok »mgefetytt bie SBelt tot fei« 
teil tum fym t)dtt 3w«r Sott>e i# ber Jtfttig biefcd «i* 
fenfee* unb bont e$ an unb *erf<$Snert e$, berat bie 
Statut f)<rt ttyn mit Wd)terifd>en Ätäften oaSgerftflet 
®r*feren @inffuf» aber auf bett Oang bei 8&eft*egebeiv 
|dten auGfiben Um er ntojt unb n>itt e« »felfef^t 

©o gehört benn $ta>e beinahe $n ben Serfdjoöenet 
f$*tt, trafr feiner regen fortgeben ^rcbuctirtt** 3tat 
fugt tv^J feine alten »aöaben rwty, unb fein 3a* 
gießet unb Hinget bie ©träfe fyerauf ertönt n*d> an* 
ber Äel)te mand)e$ alten Surften; aber feine frifetct 
grJffcten Arbeiten fhtb ftram beut Konten nad> Mannt 
geworben* Ungerecfytert&eife, aber au$ natärtt$emeife» 
Unb $ier umf ify ei»a* an*fpre$en, um* i$ wir 
gern t$ue, trab m4d>te e$ mit bem ©oettyefttye* SBart 
einleiten: „Skr fty ber ©nfamfeit ergibt, a$ berifl 
batb tUein/ 3u lang anl)aUenbe *bgef$teben$ett ms 
ber SBeft fdjabet bem Äünfilee julefct; er fangt ba oft 
an ft$ in gewiffe gönnen unb Sanieren einjage»*^ 
nen, f>i$ er plofclty bi* jutn ©ottbetftag, jsk 
3*Äumer fejigefaijten* ©o mit mag er nodj ga*§ 
t*o#befabeu, Vier bohnert tym min einmal eine dffeat* 



181 



Itye eüsmt ein *£ob' S$t, greurtb" entgegen, fo *er* 
f&lt et in ®tübete, in dmeifUn an jid), unb bet $c* 
feanterie gefeilt ftd) gar nod; bet Unmuty, feie $ty»*4on* 
btit su, bicfet föiMtyfle gefatb be* ©Raffend. 

SBit #nb weit entfernt/ obige* in feine« ganzen 
Umfange anf ütot anjmoenben ; aber e* ifl ©cfafc für 
tyn ba* SMe fein unjttKifetyaft eine Stenge ©tel* 
(cn anfjittoeifen tyat, bie benno^fcif^enelafüf^en®ei(l 
tyte« ©<^6^fer6 bejeugen, fo bo<$ anbre hiebet, an 
benen mir bie fd)dblid)en (Sinflüffe einet ifofitten ob« 
ftd> felb£ ifoürenben ©telhmg tDa^rne^men $u fömten 
glauben. (£* gibt eine Sßebanterie ber ©nfa^ett, bie 
ftd> *ur ffinftterif$en eckten Slatoetät *>er$Ält, ttne 3Ra* 
niet gut Drtgtoalitfit 2)em 8aien fagt Jene gar oft and} 
pt; ber Äfinjiler aber voiQ au<$ immer mufifaltfd) toter* 
effirt fein^ unb biefen (enteren »nfyrucfyen genügt bet 
JQU$ M eben nid>t immer« 93telleid)t empftnbet bad ber 
(Eontyoniji felbfi manchmal; benn er aerfMlt fteBemoeife 
in ba* anbre ©etrem unb gibt }* 93* im 3ten Steile 
ftitte* äBerfe* auf einmal eine fünftlic^e canoni* 
fd)e STOeffe* »ber bajj er jtoif^en aUjugrof er ©ufad>» 
i^ett unb Äünfilic^feÜ bie SRitteUinie treffe, ben eigent* 
ftfyn Jtunfijtyl, bie* tounföten u>ir ba£ e* i£)m ge* 
Wnge* greilid), ba* Sefete ip ba$ ©(fyoierigffc, unb, 
grofe* SEalent t>orau6gefefct, ba* (grgebniji vieler ©tu* 
bten, Erfahrungen an jid) unb Ruberen. 2R$d)te unferm 
Sonbi^ter fein @*niu* $olb fein unb \fyx biefen SSeg 
geleiten; aber aud) jener toirb e* nid)t aHein »ermigen, 



m 

fonbetn unauSgefefcttr gfeifj, fhenged Ueber&afyn bet 
Ärdfte, etferoer «Bitte bis in bie ditejien 3a^re tyittattf* 

Sir gelten gur Segrünbung etojebter oben auäge* 
frrodjener 5Knfi<fyten *ttoa* nä^er auf baä Oratorium 
ein, unb muffen juerft bem £>icfyter, gmifi aud) im 
©inne be$ ßom^oniften, einen 2)anl foenben für fet* 
nenSert* @d ift einer, ber and) otyne SKufif fidjf beS 
8efen$ lohnte, feinet ©ebanlengetyalteä, ber eblen ed# 
beutfdjen ©pradje, ber natfirltdjen $fnorbnung be$ 
©anjen tyalber* SBer an (Smjelnem mfilelt, an einzelnen 
SBorten Slnflof finbet, ber mag ftd) feine Serte bei ben 
©Ottern tyofaw SBir würben bie (Somponifien glücfft(^ 
fcfyäfcen, bie immer foldje Serte }u componiren Ratten. 

2)te @efd)id)te ber #anbtang Knnen tt)ir al$ be* 
tarnt t>orau$fe$en; (Styarafter nnb Haltung ber 9Jeben* 
perfonen ttrirb aus bem gotgenben erftdjtlid) »erben. 

2)a$ Oratorium beginnt mit einer Einleitung, bie, 
tnufifalifc^ ni<^t aufergetoöljnlidj intereffant, bo^ ben 
Prolog paffenb einleitet, ©n Prolog folgt, ber 3eit 
nnb 33ebeutung ber £anblung in furjen SBorten feji* 
fiettt. 3)er Sontponifi Wf t biefen, jtoar einfa$, bod) 
originell »om Gtyor allein vortragen» 3m 9?ad)faiel ju 
biefem Styor treffen toir fd)on auf eine ©teile , to>ie 
tyxdity im ganjen Oratorium unb jü oft toiebertyolen; 
e$ finb fogenannte Sequenjen. SBir fpre^en uns gleich 
tyier barftber unb bagegen au«, »eil fie im Verlauf ein* 
»ein anjufütyren gu fielen Sßlafc xavAcn mürbe. 2>urd) 
ben folgenben Keinen Saft in Äbut wirb einem fi>4te* 



ttft 



teil @$*t *i>tgegriffem Sie er f$*n #et etf<$eiitt, $at 
er feinen testen Sinn, aud) feine SBirfung, 

*t. 1» if* ein <S$*t ber ©t&uter unbStubentett *on 
Sßtag, bie ftc^ , tf>rer (Stubien freuen. Sie Kummet ift 
leicht unb (fyarafterifKfd), in ber gönn aber fafi bilet* 
tantifdj einfadj* @$ fetylt tf)m, um funfHerifdj )u Reifen, 
Detail nnb feinere ©eftaltung, aud) eine£Ärteftnbetjidj: 

froste £na * * Ben * geit 



n j 



3lr* 2* tritt ^ierontymu«, eingreunb be$ £uf, auf, 
unb tnelbet, baf legerer fcor ba* 6ofh*ifcer ßonciltum 
gefaben ift S)af 8öw>e ba« SRecitatfo auSgejeidptet be* 
tyanbelt/ ifi and feinen früheren Arbeiten befannt* 3)ie* 
?ob gilt fftr alle 3ledtatl»c be* Oratorium«* 

2)er barauf folgenbe Gtyor: *£uf jtefy ntö)t fort* 
I)at ein tebenbigeS JEtyema. 3)ie 33ef)anblung be* ©an* 
jen bünft und aber oberfWd>lid>. 

9tr, 3. £uf tritt auf unb gibt (Srftörungen* £iero* 
ntymuä warnten: 

3u ftorf , d $uf , Ijaft bu bie Älerifei 
Ob üjte* UeWigfeit unb Stytamiei, 
OB fünften SlBlafjframe* angenagt, 
<£(e tpitb bfc'* itumnermeljr »ergeben k* 



tot tote: 



TffTr \ rttTr \ rttTL 



ggggsssge heul 

motten n>tt tut« ftamnen: fte erittnetit gu fefyt an bie 
©raunte 3<tyföeit* 2>at <5d)faf fuhren tt>tt nod) an, 
ba bie« Steigen bet (Stimme in bie Stefe jum ©d)luf 
ber Stummem eine Sieblingdmaniet be* Stmpontßet 
fctyeint, 1 bie tote toenigften« rndjt ju oft anjutreffen 
wfinföten* 

3?t* *♦ tringt ben feinen (Styoral: „5Ba6 mein 
fhrtt toitt, ba* gföe^ aHjeit/ <& ift fein rntb fo j« 
fagen att6 bem geben gegriffen, baf #ujj bie etße ^eriobe 
atteht (nrfHmmt. 3m fottfyen Reinen 3ögen ftiegeft fty 
ba« ec^te Sateitt 

3n 9tt. 5* tteten naity einet tecitatfoiföen Einleitung 
ffienjet, 6ofia tmb ^nf jn einem Setjett jufwmnen. 
2)ie beiben etfien finb ba* Wtytrrifd)* ÄJnigtyaat* 
greift b«U {ßapiffcnttywn an* 3m Setjett Detttnigen fte 
#d) jum SPtet« be« ©tauben«, bet Siebe, ber ^offming. 
Die gotm be* ffiebtö)W tot bem SBhtftfer #et ©elegen« 



1) Oft fabra fe |«n €*lttf *m 8fe> 0 V 9k. 12,, 9bc. 17. 



18t 



$tit |u töiet bmßtcklpn flto&etvng bei SWn^fflUitttttti/ 
bie et toef entgehe* lief. £)er Sfityrng tum «6 
- n«ri) «* o«f 36 fctyeini un$ fog«r nid>t gati) meijiet* 
$aft» 3« Uefaigen enthält bie Stummer bteC Stmige** 
Sit 2$e*t»tifet turnt ed)ten ©djrot *nb Äern ftetye tud) 
Wtfe<S*üeba: 



-jh> ;-l — =r— -n 


fflLL-^ Ml- j-J 

U-J-r^^ — i 




' * — i — * — i— 3 





9ia$ uftf*™ Wtt^eU ifi b*# fcfe fcgffc ®ftnbe nify, 
nur ^ebanterie mtb ®e$e*fau0}ett in Sachen betÄunft 
iji e$, wie fie getabe unter ben OewrÄifeofft jkn am mei* 
fien angetroffen n>irb* 

Der 2te S^eit beginnt mit einem 3ig«unet«8$or, 
wro bem ttit metyt em>axtet Ritten* SBo^tttaitg unb 
Hitmutfy foüten niemals fehlen, aud) wenn 3igennet 
fingern 2*e6 »ufte ffieber in bet ^teriofa beffer jn 
machen- 

Dagegen ntuf 9?t. 7*, too fty gmtf^en ben Stimmen 
bet 3ifletntet au* bet $et»e bet S^or bet $ufßten *et* 
warnen töft, *on iebentenbet SSJirfung fein. 

3m 3igeuner^or Sit* 8. tritt ber frtfcte 3igeunef 
artige €tyatafter jurttf, et bünft nn6, faft nur auf 
Sonifa uafe 2)omitumte bajitt, bo$ gat ju fmpd. 
ffienn tpit oben bon Steden fyradjen, an benen toir 



m 



ta* stiften ifößrteSWttung vba^tgunetyttten glaub* 
ten, fo meinten ttir bamit ©frfae, ttfc bfefc Shumnet, 

3* $r» 9* ethtubigen fid) bie pufften nadj b« 
SBege na$ (Soßnifc* (Sitte S^Herin ttxtntt t)ot ber 
94<ife in einer $toe, bie und nur wenig jufagt, mtb 
melobtfd) tt>ie formell mifratyen fdjeint @o toenigftot* 
nadj bem (SlafcierauSjug. 5Bie((eid)t n>irb fte burd) ba6 
Ordner gehoben» 

9tr* 10* £uf jeigt leine ?tord)t; er fyat ja aud) 
freiet ©eleit Dom Jtaifer ©igtemunb »erftrodjen be* 
fommen. 3>er ®&or foottet: „greieS ©elett?* unb 
frdter: „©igemunb Ötgemunb;* beibe 9lu$britd)e be« 
©$or$ ftnb fe^r für); im 2ten bünft und ber eintritt 
ber »fijfe auf ber Dominante nid>t mei#eri)afk 

$lu 11. £uf i>erabfd)iebet bie greunbe/ bie i$tt 
begleiten, in auSbrutfSDoÜer SDtuftf* 

»r. 13» ifi fafi eine toörtlidje 2Bieber$oluttö be* 
(£fyore$ *on 91t* 6* 2)ie 3*8*uner Jktyw fort* 5)a* 
in'S d einmal Dorfdjtoebenbe e ju ©d)luf (©. 64;) ift 
ein abgelaugter Siaturlaut ©oldje »oten fallen nur 
einem poetifdjen Äopfe ein* 

3n 9lr* 14* begegnen tt>it juerfi ber8fof[d)rtft: „Sieb* 
li#e* SBiefentyal/ al* bem Ort ber £anblung. & 
liegt barin eta>a$ ©onbetbare*, ba ba$ Oratorium 
bodj flehet nid)t jur »uffüfjrung auf berSJityne befHmrat 
ifi. 5)et $f)antafle be« £6rer$ burdj folc^eSlnbeutungeu 
P £Mfe ju fommen, fd)eint aber gar tt>of>l *uf4fftg- 
2He SRuftf Gilbert ben Ort im freunblidpu «tatr ita* 



fd^hrfer* #u#, in ein £irtentl)al gefommen, bittet He 
Birten um einen Zxunt 2RU<I). (Sfyhim tt>amt »or Set* 
fliftang* 2)ie* gefd)ie$t in ber ÜRufif feftr d>arateti#tf$ 
int ßwiegefang j»ifdjen #uji nnb Sfylum (©. 67)» 
2)ie fluteten Sorte be$ Ritten: 

9n4 tu* , o $m, »etfety ®ott £eil itnb ©lud ! — 
3$t mögt tooljl toaitbeltt jefct auf fötoerro ©cgen, — 

ofcwotytBomßontyonijien auSbrudSDoU redtirt, tofinfö* 
tenvt>lrettt)a^on33ectf)ot>en contyonirt gefeljen ju ^abett* 
£ier fonnte eine tiefe 9tüfyrang erreicht Werbern 

Die folgenbe Stummer beginnt nutben^almtforten: 
„ber £err ift mein £irte* unb attymet ben redeten S^a* 
tafter; bod) f)ängt ba« ®anje ju lange in Stbur fefi. 
3>er Styor bringt bann mefjr Sewegung in ba$ <5tä<f» 
SBie ber erfie, fo fdjtieft and) ber aweite S^eit ganj 
leife, 

3m 3ten »erben wir nad) (Sojhtifc »erfc^t* Sarbara, 
Äaifer ©igtemunbS grau, bittet nm ®nabe ffir £nf* 
Sener ffräubt fid)* ÜRan tyört ba* ©etöute, in berSWnfif 
in ber befannten Ctuintemoeife wtebergegeben* S)ie foU 
genbe &rie ber SJarbara: „Singen jtnb ber trene <5#e* 
gel" ifi innig gefungen, wenn and) nidjt neu, Siel 
bebeutenber als SÄufifftöcf unb t>on leibenfdjaftli^er 
g&bung fdjeint un* ba« näd$e Duett. 

6$ folgt {efct unter ber Sluffcferift „Missa canonica" 
jener fünfilid)e läRufiffafc, Don bent wir oben [prägen, 
bof er fW> im ©egenfafc ju ber im ganjen Oratorium 
wtwaltenben ©intylicitÄt wie ein ©rtrem au*nA$me* 



188 



Sie beut fei, foldje @% gereW^en jebem Shtfttet gtt 
<flt>tt- 2)ie gotm tf* bie be* breiten (Sanott* in bet 
Bntetqninte- ttn* bet ©adf'fdjen ^affionannif» nt$ 
beut (SbangeKnm 3o$anni* erinnern wir im* eine* &lpt< 
lid)en, freiließ nodj brnftoofleren, übet bie SBette 
jÄtenjtge/ 

#t* 20. etU^AIt bie «nfiagefeene. £nffen*folgenbe 
Ärie fd)eint nn* eine bet bebeutenbfka be* SBetfe** 
Srgebting in ben ffiitten be* «Gimmel* nnb Stofc gegen 
feine Verfolget finbbie®tunb§üge btefe* mannen/ enet* 
giften aJhtftffKtrfeö. $lo$ einmal fingt et feinen ©frotal, 
ben et fdjfon im erften S^efl angejHmmt, bem ein etwa* 
mattetet €tyot unb bann bie ©cene mit bem Sattem 
folgt, bet nod) ein befonbere* ©djeit jirat #ol#of $et* 
beigettagen bringt* #tet folgt ba* meltberä^mk, mit 
®eifi componitte ,,0 saneta simplicitas" puffend* 

2)en folgenben/ ben 6$fuföor, nrimfdjten wir in 
wBftönMget Sefeftnttg gebort ju tyaben; et muf txm 
etgteifenbet ä&itfung (ein, namentlid) »te£nf gttifdpn 
bem <S$öt bet glammengetfter ba* „Miserere mei 
Damme" anffdjteit nnb mit immer f$n>&d}etet Stimme 
ttab ben SEBorten „non confundar in aeternum" be* 
föiieft» <g* föetnt, baf bet domponifi gerabe an biefet 
Summer mit öegeifienmg gearbeitet, nnb mit mbty** 
fie für bie trätbige Ärone be* (Sangen erflären. 

6o fyaben mit ttad) befiten Äriftro t*rfud)t, bem 
SBetfe bteffitötbignng jn geben/ mt fie eben nad) einem 
«lat»ierau65Ug geben mogltd)ifi* Ueberbieöefd^ignng 



18» 

be* QimtyonifUn fyat bie äBelt längft entföieben; aber 
berSBege gibt e* vielerlei. 8öwe tyat ftcfy einen friert* 
gen gewählt* Sr ermatte nid)t — unb wenn au$, ba* 
Serbienf} muf ifym bleiben, in ben erften Steigen jur 
<grrei<fyung eine* neuen 3iele$ gefdmpfi jn tyabem 5Kit 
biefem ©efenntnif, ba* wir fd)on an bie Stifte biefe* 
«uffafce* fieUten, befdjtieflen wir tyn nnb mit benSBün* 
fcfyen für bed ÄßnfHer« femered 3ßirfem — 



pianofortemufifi. 



Seit längerer 3eit ifl über feine ^tanofortecontyo* 
fttion in bei 3*itf$tiß berietet worben; e$ gab eben 
tro^ ber SKaffen, bie tagtif für biefe« Snffcument ge* 
ffrfeben werben, nift »fei 9ieue$ ju bemerfem 2)ie 
SReifier ber »Orienten @|>of e fmb ttyeife »erfdjieben, 
ttyeiW fdjweigen flc ganj; bie ber lefcten (§po$t m* 
Marren entweber in ityren Stiftungen/ über bie ffon 
jum öfteren in biefen SJldttern getrieben worben, itoer 
fmb gar jurütfgegangen* daneben wufert jene* Un* 
haut fort/ wie e$ $u allen ßtltm gewufert tyat; bod) 
tyat ba$ Sreibiatt (Sjernty, #erj unb Junten, bebeutenb 
in ber ©unfi be$ publicum« »erforen* 6« wirb eben fo 
wenig ausrotten fein/ wie eine gewiffe £eil}bibtio$ef* 
Literatur; in einem Äunflblatte aerbient fte nur bie 
flfidj tige Shtbeutung ityrer Triften). @in neue* wa$r* 
^afted Äfinfilertalent, ba$ bem (Slafcier feine Ärffte 
wibmete, iflnod) nid)t erffienen; einjelne erfreulife, 
ober bo$ $offhung$*oH* @rff einungen berühren wir 
fi>dter- 



IM 

SJon bot namhaften Sbfeiercoutyonijien ber t>or* 
legten <Spod>e [Raffen, auf er <£r am er, ber einer ttodjf 
früheren jitfAOt, in ber legten Seit aber lieber mit 
einigen neuen Sompofhionen hervorgetreten tfi, 1 mtr 
nodj 3Äofd)ele« unb Äalfbrenner* (SrfJeur l)at in 
feiner „Romanesca" 2 eine Sßerjiftoge jener Sßfeubo* 
ÄomaiUif geliefert/ bie tyren eigentlidjen <Sty in ber 
großen Sßarifer Dpa fyaben mag , von ba aud) in bie 
(öaaiermujif ficl> eingefaßten, fogar fiber ben 9tyetn 
bi* ju und aorgebrungen, — eine föfllidje Sßerflflage, 
beren ©tnn mty i)ier unb ba nicfyt einmal Derfianben 
»urbe, fo baf einige gar ben Serfaffer unter bie 98er* 
rüdten [Rieben motten, bie er gerabe fdjübern wollte. 
2>ie 6a<tye ift luftig genug, unb ttertfj, baf man fte 
fennen lerne* (Sin anbere«, aber ernftyaft gemeinte« 
©tfitf beffelben Somponifien tfi eine ©erenabe, 8 bie 
un* »ieberum jetgt, wie bem SBerfaffer bie Bewegung 
ber lefcten ßla&lerfoielerepote nid)t fremb geblieben ifi, 
otme baf tt>ir fte gerabe feinen gfötflid)en Stiftungen 
betretenen motten. 

£errn Äalfbrenner'« tarnen finbet man nur nod) 
auf eingehen ^fyantafteen über $l)ema'« au« gerabe in 
$ari* beliebten £tyern, über beren 3ufc^nitt unb 3»etf 
nidjt viel ju fagen ift* 



1) <§ctne fcebeutenbjle — »ier^anbtgc (Stuben — formten ton: 
no$ ni$t gn <Befi$t befommen. 

2) Btd 104. 3) Set! 103. 



(gtafcuriofumchtr* fe$t b*i<^tfcnä*«fetci* ftegtuu* 
tt*4 9tf in 8fca**«baii«ttoiiett t#n äBeber, 1 
bea Stfredot be* fraget fcmfer&atoit*. »ir turnten 
ba* ®tÜ t{* ritte üeten*wnrbtge Saune be* al*n 
Äannc** Senn obre ebtgdne bentföe Äecenfenten fite 
ba* SBerf in (Sfftafe gerieten nnb auftfdpieen, bie* 
ttWbe bet »a$te ctefftföe 8m**nr{tyl, fo fan* mm 
batfifo um läfytn. tfi ein ®eJegen£eit*flu<f »ie 
Ipmbert feine* ©feigen unb fc*n votier 9b$f barin 
leine Äebe; ja wit finben nt*t einmal ba* 3$ana fe$t 
«nfgearidptet, nnb nantentlid) bie $artt#ttte t>om btfet» 
fcftten gnm »örfcfrtatSaet nraratjtfaHfd)* 3>a$ba& ®an)e 
in feinet nefinrfingfofyen ©eftalt, mie »ir in einer 9* 
merhmg tefen, mit JDrdjeftarbegleitung nnb fötomtette*, 
m wtgteid) bebe*tenber auäwfyme, ift lein 3tocifei* 

$>ie* öftren bie namhafteren ber Älteren Sanfc$et, 
bie tutd jnlefct Stabiet cont^oftiiimen gegebe* , mtb bie 
9bt0tiM$l fertig feine grof e. 

San ben (Sontponiften ber legten <£pod>e »etraiftdi 
tt)tt feit 3a$re*frifl (eiber SJtenbe Wfityt nntet ben fb 
bt* ©tarier tätigen, ©eine plffrt erfdjfotem* Serie 
*arcn ba$ 4k £eft ber Weber e$ne äßorte, «ab efai 
a^ocbitfott^c^ffatd in bett ^työben^B&tmt, bie kette 
fetyon in bet 3ettförift erotynt mürben. feibtr fekrt 
audj 2B* Zaubert in 93er ltn r beffen frndjtbarer Stefano 



*) bei 3. $ofmaniu 



1« 



eine reifere golge erwarten lief, £offen wir, baf? fle, 
Wie manche anbete, mit tyren ©oben nur jurudljaüeiu 
SBielem ©etfteoBen begegnen wir tt>ieber in einigen 
(Sompofttionen Gtyopin'* : fte fmb ein Soncett^Uegro 
(ffierf 46), eine SaHabe (SBerf 47), 2 »otturno'6 
(SBerf 48), unb eine ^tyantafie (SBerf 49), unb, »ie 
alte 9on feiner #anb, im erfien 8fogenbli(f al* 6f)opin' 
fd)e (Sompofltionen $u erfennem Da* Goncert*8lHegro 
fyat ganj bie gorm eine* erfien (Soncertfafce* unb iß 
wofyi urfrrunglid) mit Drcfyeftabegteitung getrieben* 
Sßir fcermiffen in bem ©tutf einen frönen 9Wittelg*fang, 
ba$ fonfi reid) an neuem unb gtönjenbem 5ßaffagentt>erf 
ifi ; tt)ie e$ baflefyt, fdjweift e$ ju unruhig vorüber; man 
füf)It ba$33ebürfnif nadj einem nadjfolgenben (angfamen 
©afc, einem Slbagio, wie benn bie ganje Anlage auf 
ein üollfMnbtgeS (Soncert in brei ©äfcen f^Iiefen (flf t» 
2)a$ (£fat>ier jur fyocfyjien ©elbjijiänbigfeü ju ergeben 
unb be$ Drd)ejier$ unbebürftig ju matfyen, ift eine Sieb* 
HngSibee ber jüngften ßla&iercomponiften unb fcfyeint 
audj ßtjopin jur Verausgabe feinet Jlllegro'a in ber 
jefctgen ©efialt fcermodjt ju tyaben; an biefem neuen 
SBerfudje fetyen wir inbef t>on neuem ifjre ©cfywierigfeit, 
ofyne beäfyalb *>om wiebertyolten Singreifen ber @ad>e 
abjurattyen* Sei »eitern fyötyer als ba* Slltegro fieöen 
wir bie SaUabe, (St^in'* britte, bie jty t>on feinen 
früheren in ftorm unb ßfyarafter merf(id) unterfdjeibet, 
unb, wie jene, feinen eigenen ©djöpfungen beijujätylen 
ift 3)er feine geifhei^e $ßole, ber f?d> in ben twrneljjm* 
iv. 13 



IM 

ßtn Areifen ber franjöfiföen .§aup$aM |u bewegen ge* 
wotynt iß, ttifdpe in tl>r öorjug*weife *u erlernten fein; 
i$r poettfd>er 5)ttft (&#t fi$ weitet md)t jetgliebero. — 
2)ic Äotturno'6 teilen ftd} in intern ntctan<^olif<^en 
Styaralter, ilirer graji&fen Gattung (S^in'* frftyeren 
an. SBttjüglid; mag ba* jweite ju Standet ^erjen 
ftrettyen. — 3n ber $^antafie begegnen wir bem ätynen 
ftfamenben Sonbttyer lieber, wie wir it)n fcfyon öfter 
fennen gelernt; fte iß soll genialer einzelner 3üge, wenn 
and) ba6 ©anje fid) einer fronen gorm nidjt Ijat unter* 
werfen wollen. SBeldje Silber S^o^in aorgeföwebt 
$a&en mögen, a(6 er fie fdjrieb, tann man nur atynen; 
freubige fbb e* nfdjt. — 

SB. ©ternbale«8ennett $at feit feinen reisen* 
ben fdjpn *or 3afyr nnb Sag in ber Seitffyift befi>ro<$e' 
nen Diversions mir eine einjige Slafciercompofttion t>er- 
öffcntlt^cn (offen : Suite des Pieces ; 1 fte reicht aber £in, 
bie »Stetig &or feinem frönen Talente ju erneuen. 
©ed>6 ©tiefe fmb e* jtemlid) gleiten (B&araftet* , bie 
ba* £eft enthält, bie fimmtlid) 3*ufl*w# »onber eisten, 
Sllle* wie nur im ©$erj nnb Spiel soflbringenben 
• @d)tyferfraft tyre« »erfaffet« geben. Ri$t ba* Sief* 
finnige, ©rofatttge tf* e$, wa* und tyiet ©ebanfen 
werft nnb tmponirt, fonbern ba* geine, 6pielettbe, oft 
(Sifeni^nli^e, ba* feine Keinen, aber tiefen ©puren 
in unfern #erjen priMKdjit. (Sitten großen ©enta* 



I) fSktt 24. 



II» 

mirb ba|er $ennett Stkmanb nennen matten/ aiet 90* 
einer ®enie Ijat et Biel. 3n biefen 3*gen mo fo öiele 
unerqutcf(td)e 2Kuftf jid) breit mad)t, ba* 8leufkte, ba* 
3Äed)anifd)e bi$ jum Unmaß nnb Unfcerjianb fyinaufge* 
trieften wirb, motten mir un$ aber boppelt erfreuen an 
jener natürlichen ®t«jte, jener füllen 3nnerlid}feit, mie 
jte Senne«'* gompofttionen innemotynt SBir jmeifel« 
au<$ nid)t, baß ftd) biefe ärt ÜÄuftf , mie bie tyr «er« 
manbten fyofyeren nnb nieberen Stiftungen ftd) immer 
mefjr Saf)n brechen muffen, unb baß, mie t>erfd)teben 
audj bie Urteile über einzelne ityrer Vertreter auffallen 
mögen/ bie ®efcfoid)te ber «ßunß ber *ßeriobe, bie ba* 
Ännfhei^e unb Seelenvolle mieber ju tterbinben ffrebt, 
tfyren ^o^en Sßlafc über ba$, ma$ SWobe unb Saune be* 
©lüde* gehoben, einräumen unb jidjern mirb* SSiele* 
iji fcfyon getfyan; unb unter ien ßomponiften jener 
ebleren, feltneren Stiftung tterbtent aud) SBennett eine 
(Styrenffctte* ©triebe er nur mefjr ! Slber e$ föetet, bafi 
er felbfi einfielt, er bemege jtd) auf einem Keinen Terrain 
unb er burfe nid)t immer auf biefem Marren; benn, 
mie gefagt, mir lieben motjl bie (Slfenfptele^ aber 9Ran* 
neätljaten no<fy metyr, unb biefe ju »ottbringen, föeint 
ba$ Heine ©ebiet be$ (£lat>ier$ )u befctyr&nft; baju ge> 
tyirt ein Ordner, eine »utyne* 2)od) mir fdjmetfen ju 
meit fcon ünferer ßompojttion ab, bie il)rem SSerfaffer, 
möge feine Snhrnft fein mie jte motte, jur immer* 
mÄ^renben (Styre gereift* 95on einem SWiflingen ber 
gotm iu bgL fann bei iljm fd^on gar feine SRebe mctyr 

13* 



IM 

fein; Anfang, Fortgang unb ©d)lu£ be« ©tucfeS, alle« 
gekartet fid) tym meiflerlid>- «uf t>ic «etyiHetyfetten 
feiner Gompofitionen mit SDtenbetefofyn'fcfyen ifl fd)on 
öfter« aufinerffam gemalt worben ; man würbe Sennett 
aber fefyr Unrecht tfyun unb Urtfyeilloftgfeit fcerrattyen, 
glaubte man mit fo einem 8lu«forud)e feinen (Sfyarafter 
fcoHfifinbig bejeidjnet ju fyabem ©ewiffe 3fefynlid)feiten 
flnt> ben verriebenen 9Jieiftern ber t>erfd)iebenen(Sj>od)en 
immer gemein gewefen; wie in 33ad) nnb #finbel, wie 
in läRojart, £atybn, unb in ben früheren Gompofttionen 
93eetfyo*>en'«, iß e« ein gewiffe« gemeinfd)afilid)e« 
Streben, wa« fte *>erbinbet,.ba« ftd) au<fy oft auf erlief 
au«fprid)t , gleid) al« ob ftd) einer auf bat anbern be* 
rufen möchte, 3>iefe^ hinneigen eine« eb£n ©eifie« ju 
einem anbern wirb Stiemanb mit bem SBorte 9tadj* 
afymung belegen »ollen, unb etwa« 3lel)nlid)e« liegt 
au$ im äJerfyfiltniffe Stnnett'« ju 9Wenbel«fo!)tt* 93on 
SSBer! ju SBerf fyat ftd) aber Sennett immer eigentfyüm* 
lieber l>erau«gefialtet, unb in bem jefct sorliegenben 
fönnte, toie gefagt, nur ba« serwanbte fünfKerrfc^c 
Streben im ©anjen an 9Jtenbel«fol)n erinnern» 6fyer 
motten wir manchmal an filtere SÖieifler benfen, in bie 
ftd) ber englifdje (Sontyonifi eingelebt ju fyaben fdjeint; 
ba« ©tubium SJad)'«, unb unter ben SUwiercpntyo- 
nifien be« 3X ©carlatti, bie SJennett borjug«weife 
liebt, ifi nidjt oljne Sinßufj auf feine gortbilbung ge* 
blieben, unb er fyai ganj 9tedj*/ fte ju fhtbiren; benn 
wer ein SWeifier werben will, fann e« nur bei SKeiffcrn, 



197 



— wenn wir naturlid) aud) nidjt ©carlatti tritt $a$ 
auf eine (Stufe fefcen wollen* 9Son ben einzelnen ©tucfen 
ber , ; Suite" — aud^ ein alte* gutes SBort — möchten 
wir fatttn einem *>or bem anbern ben SJorjug geben* 
3eber wirb nad) feiner ©nfufyt wählen* 2>ie eigenem* 
ließen fdjetnen un$ bie 2te Stummer in ifjrer eigen* 
tl)ümltd)en f)d$$ jarten ©efialtung, unb bie 4te 
wegen il)re$ pl)antafltfd)en (StjarafterS* 

SBie Ct. Sennett war leiber aud) Slbolpl) £en* 
feit in ben lefcten 3al)ren nur wenig probuetfo* SJiel* 
leidjt Rieften ityn nur äußere ©rünbe ab; benn baf ein 
Duell, ber fo frifd) unb frol)lid} ju grübeln begann, fo 
fc^neU lieber serftegt »Are, lann man nid)t glauben» 
©ein neuefleS ©tiitf für (Slasier allein fyeif t Tableau 
musical ; 1 einer bofymifc^tufjtfcfyen 93olf$melobie folgt 
ein länblid)e$ $l)ema, bie ftd) in anmutiger SBeife 
fpfiter begegnen; e$ gibt ein 33ilb, al$ wenn etwa eine 
3igeunerbanbe ftd) in mobernereä 33auenwolf mifd)te, 
unb melleidjt l)at bem Gomponifien fo etwa* ttorge* 
fdjwebt, wie jum $l)etl wenig fiend ber Sütel aermuttyen 
iäft !£a$ ©anje matyt einen Reitern, fafi maletifdjen 
(Stnbrud unb ift son jenem 3Bol)lflang befeelt, wie er 
alle (Sompofitionen biefeä Äunjiler$ auäjeidjnet 

9Son berühmten SSirtuofen, bie ba$ Sla&ier neuer* 
bing$ bebaut, fuhren wir juerß ©*3^alberg an, 
ber, auf er feiner 2ten *ßl)antajie über Sfyema'* aud 

1) ©ftf 16* 



198 



$im 3uan, bie.twn feinen anbent $Pfyantafteen nur 
wenig unterf Reibet, unter bem $itel: ThSroe original 
<* Etüde, 1 eine* feiner effectoettfien ©tücfe aeroffent* 
H4)t tyat, — baffclbe, mit bem er in feinen Goncerten fo 
eft guwe tnadjte* 2>er 9teij Hegt juerfi in bem arnmi* 
t^igen Xfyma, *>on bem 3emanb fagte, e6 ^abe etwa* 
*on einem ©efang italtönifdjer TOautt^iertretber, wa* 
ben befonbern Straftet ber 50?e(obte aud) im ©anjen 
anbeuten mag; ben #aupteffect auf ba$ publicum mad)t 
aber erß bie fdpernbe 9Sariation, tt>o man nietyt weif, 
wo ber Spieler äße bie ginger tyerbefömmt Dabei Hingt 
bie (Stube »iel fcfywierfger al$ fie tfh £fltte bie (Sontyo* 
fition eine gehaltvollere Einleitung unb einen weniger 
furjen ©djluf, fie wäre eine* unbebingten 8obe$ 
wurbtg. gfir ba$ publicum ifl fie no<fy immer trejflid) 
genug- 

8ift f)at t>or Äurjem, außer einigen ^Jtyantafteen 
über Oyttnttyma't, fein umfangreidtfieS unb, wie wir 
glauben, fein bebeutenbjieS SBerf erfdjeinen lajfen, feine 
Pekrinage, bie brei fiarfe SJänbe füllen wirb* 8Bir 
tonnten erfi ben erflen S5anb ju ©efitfyt befommen, unb 
»erfparen unfer Urtfyeil, bi$ wir ba$ ©anje fennen ge* 
lernt, für einen fpätern befonbern Slrtifcl. 

SScn jfingeren ßomponijien, bie fufy als fold)e ffyon 
anberwdtig befannt gemalt, für ßlaaier aber, foaiel 

wir wiffen, erfl wenig ober gar ntd)W t>er6ffmtli<$t, 

. x 

1) ffittf 45. 



IM 

muffen wir nod) D. Nicolai itnt> 3ultu$ JRiefr nen* 
nen, t>on benen un* jwei (Slatriercompofttionen »orlie* 
gen» Unb tt>ie wir t>orgtigdn>eife gern nadj neuen Sona* 
ten greifen, fo freute und ftfyon ber Zitd auf ber Rico* 
lat'fdjen (Sompojition, bie eben eine Sonate ifh 1 Stau 
f)at biefen (Somponifien wegen feiner italidnifdjen Stym* 
)>at^ieen trielfad) angegriffen; wir fennen nid)W *>on fei* 
nen in 3talien gefcfyriebenen Dpern ; in biefer Sonate 
fietft aber nod) genug gute* beutfd)e$ SMut. Ober wäre 
c$, baf er feine geber fo in ber Oewalt fyätte, baf er 
ficfy fyeute in italiänifd)er SSSeife, morgen in anberer er* 
gefyen fönnte? 2>te* wäre eine gefährliche ©ewanbttyeit, 
ber fd>on 2Retyerbeer al$ Opfer gefallen ifL 3)od) fen* 
nen wir, wie gefagt, ju wenig fcon £nn Kicolat't 
(Sompofitionen, um und ein Urzeit baruber jujutrauen* 
35ie Sonate befunbet in iebem galt eine beutfd)e 9lb« 
fiammung, unb im befonberen eine grofe 8eid)tigfeit in 
ber (Srfinbung unb Ausführung; iji Jene ntd)t gerabe 
tief, biefe feine außergewöhnlich lunfhei^e, fo feffelt 
bod) ba$ Stfitf bur<h anbere SSorjfige, bur<h fein aufge« 
wedte* rafdfe* SBefen, ba* nicfyt grüblerifd} beim ®n* 
jelncn aufhält unb eben eine bem Somponifien gunfHge 
Sotalwirfung hervorbringt Slm wenigem gelungen 
föeint und ber lefcte Safc; e* »eränbert fid) in üj>m bat 
Sempo ju oft, wa* nur ein befonber« geifheidje« Spiel 
»ergeffen machen würbe» Stecht au* bem ©anjen ifl ba* 



1) SBcrf M. 



m 

gegen ber erjie Safe/ ebenfo ba* Sdjerjo unb namens 
Iii) ba$ Stio gelungen. 3^nt Hauptmotiv be$ Abagio'S 
tyat ber Somponifi eine fd)Webif(fye 93oIf$melobie (allere 
bing* eine ber fdjönflen) gen>äf)ft ; einen 3ufammen* 
Ifang mit bem Uebrigen vermögen wir inbef nid)t ju 
entbedem 

3uliu$ 9lte|>, ber ftd) burd) feine beiben Dufter? 
tnren einen flangvoßen tarnen erworben, bebütirt al$ 
(Slaviercomponift mit einem Scherzo capriccioso. 1 95on 
feiner Hinneigung jn 9Jtenbelöfofyn'$ äßeifc war fd)on 
öfter bie Siebe; audj und verleibete bie$ mandje ©teile 
feiner (Sompojttionen* 2)a# un« gett>iffe SlnfWnge bei 
mannen ßontyoniften metyr beleidigen r al$ bei anberen 
(wie $♦ 33* bei Sennett), mag ferner ju erftören fein, 
wenn e* nidjt vielleicht bafyer fommt, baß 93or* unb 
•Kadjbilbner von -Jlatur au$ weniger verwanbt jtnb, unb 
mithin ba$ Angeeignete im ledern frembartiger berührt, 
als wo (tt>ie eben bei Sennett unb ÜWenbelSfofyn) bit 
ßtyaraftere einen &etynlid)feit$jug gleid) bei ifyrer ®e* 
burt mit auf bie SBelt gebraut ju tyaben ftfyeinen. SBie 
bem fei, ber äuferß talentvolle Sontyoniji, von bem 
Wir fi>red)en, tyatfo viel 33ilbung, jeigt einen fo ent* 
fcfyiebenen gfyarafter, baf e$ vielleicht nur einet grofe* 
reu Stufmerffamfeit feinerfeite bebarf , 9terainiSeen$eH ju 
vermuten* 3m Uebrigen erinnert gerabe ba$ ©djerjo 
weniger an äJtenbetefotytt'fctye Art; e* iß baju viel ju 



J) 3B<tf 5. 



m 

mifmutyig, mißtrouifd) fafi, wenn wir fo fagen bfirfetu 
hinter bem wenig Reitern Junior bed ©tücted verbirgt 
fidj aber iebenfaHd ein twtrefflidjer SonfunfHer, bem 
wir wünföen, baf, tt)ie er heimifdj in feiner Äunft, er 
jtdj aud) ganj glüdflid) in i^r füllen möge. 

9lod^ liegt eine Steide ßompojttionen t>or und, beten 
SSerfaffer weniger ober gar nid)t gefannte Kamen haben; 
wir f)aben fte and einem anfeindeten Stoße neuer 
SWujtfalien ald bie bemerfendwerthejien heraudgewifflt. 

3uliud ©Rapier/ beffen ißreidquartett allein 
bebeutenbed SJfaftfjiücf bereitd ©♦ 125 ff. angegeigt 
würbe/ hat neuerbingd eine Fantasia capricciosa 
gebraut* Den ©nbruef Jened Ouartettd nod) im frifd>en 
©eba^tniß bewahrenb, gingen wir mit greube an bie 
neue ßompofitiott, fanben und inbef biedmal getäufdht* 
2)er Sütel mag sieled entfd)ulbigen, aber nit^t 9ltled. 
SBir »ermiffen in ber $^antafte einen wahrhaft frönen 
mujtfalifdjen ®ebanfen unb ben innerlichen gaben, ber 
aud) bie p^antafttf^e Unorbnung burchfd)tmmern foll, 
will fte anberd im Sejirf ber Äunß anerfannt fein. 
Offenbar hat ber ßomponift mit feinem @tü(f etwad 
gewollt, — wad aber? t>erfc^u>eigt er und. Oegen bad 
(gnbe f)tn erfd)eint nämltd) auf einmal, biedmal rec^t 
wie aud ben äBolfen fommenb, ber „SWonb/ b. h* ein 
Anbaute mit biefer Stufförift* 993ad ihm *orangeht, ift 
faum ju erraten; ed fehlt und ber 6djlfiffel jur 9faf* 
lofung. ©o »ermüden wir benn, ber ßomponiji hat 
irgenb eine Gegebenheit fdjilbern wollen unb, bie SRujif 



M2 

getyefnmijwoller liefen ju (äffen, bie nötigen Stnbeu- 
tungen weggelaffeiu Damit ityat er aber ftd) unb feinem 
SBerle (Stäben, bem wir wenigjien«, wie e* baffctyt, 
lein 3ntereffe abjugewfnnen wiffen- Die SWufil ifi eben 
ju wenig an fidj nnb fonnte nur baburd) ju itym Ste 
beutang gelangen, wenn und ber (Somponifi bie Silber, 
bie tym JebenfaK* t>orgefd)webt, mit SBorten genannt, 
wie er e$ bei bem „2Ronb* tfyat @in nid)t gute* ßtitym 
für eine -äRufif bleibt e* aber immer, wenn fie einer 
Ueberfcfyrift bebarf ; fie ifi bann gewiß nidjt ber inneren 
$iefe entquollen, fonbern erfi burd) irgenb eine äufere 
äJermitteiung angeregt» Daß nnfere Äunfi gar siele* 
auäbrfitfen, felbfi ben ®ang einer Gegebenheit in tyrer 
SQBeife »erfolgen fönne, wer würbe ba* lengnen; bie 
aber, bie bie SBirfung nnb ben SBertfy ifyrer fo entftan* 
benen ©ebilbe prüfen wollen, fyaben eine leiste grober 
fie brausen nur bie Ueberfdjrfften wegjuftreidjen* $err 
Stapler tfyai e$; aber bie Sßrobe fiel gegen ityn and. 
9?td)tS befto weniger jäfylen wir feinSBerf »u ben bemer* 
fen$wertl>en, unb würben e$ ol)nebie$ in biefe JRoüe 
gar nid)t aufgenommen tyabem Stad) im Staffelten (Aßt 
fWj oft ein Zahnt erf ernten, unb biefed ifi bem (Sompo* 
niften in jebem gaHe jujufpredjem 

®nen anmutigen ßfyflu$ »on (Stuben gibt un6 
© o Ib f djmi b t ; 1 er gehört nad) biefen groben fei- 
ne* Talente*, ben erflen, bie wir von tym gu @eß$t 



f) Six Etndes de Concert. Oe. 4. 



203 



befontmen, mit 8eib unb Seele ber 9lid)tung ber neue* 
fien 3eit, aber einer ifyrer ebleren an* ßfyopin fdjeint er 
jutnal in'S $erj gefd)(offen 311 fyaben ; babei offenbart er 
aber aud) Sigent$umlid)eö ; baö 3togenblid)*©d)tt>ärme* 
rifd)e, ba$ alfe feine Stüde burdjtoeljt, fann faum 
3emanben entgegen» 9lud) fd)öne Äenntniffe fielen ifym 
ju ©ebote. Slm liebfien ergebt er ftd) in frembartigen 
Tonarten; bis auf eine Stube fpielt ba$ ganje £cft in 
2)e$ unb Steige er fpflterfjin aber aud) mandjmal 
ju menfd)lid)eren fyerab; ein junger Somponifi, ju beut 
man fid) txft burd) 5bi$6Äreuje l)inburd)arbeiten muf, 
braudjt nod) einmal fo t>iel Sät jur öffentlichen 8faer* 
fennung. 3)ie £auptfad)e aber ifi, er bewahre ftd) feine 
9iatfirlid)feit unb fdjretbe bann, in n>eld)er Tonart er 
wolle» SBir fyaben feinen 3n>eifel, baf #err @olbfd)tnibt 
nod) ©d)önere$ unb Sebeutenbereä leiften n>erbe ; fein 
SBerf fprid)t bafür* Den jarteren ©tüden in ifym geben 
wir übrigen« ben SSorjug; in ber triftigeren fhf)t er 
weniger felbfiflflnbig ba. ©nige ©emeinftetten (djroma* 
tifcöe ©äuge) nmnfdjten tt)ir unterbrfidt; er erinnere fid) 
immer beö ©afce$: 9fur ba$ SBefie wirb fortbauern. 

(Sine anbere nid)t unbebeutenbe ©ubenfammlung 
f)at toieberum «£>♦ %. Äuf f erat^ fcerdffentfidjt; 1 feine 
erfle toarb fd)on lobenb in biefen SJlflttern befprodjen* 
8ud) biefe (Stuben geben fid) auf ben erfien Slid al« 



1) ©erf S. 



204 



Äinber ber jüngffcn 3«t; man fennt jene 9lotengrup* 
pirungen, in benen fliegenbe ^arpeggten eine ru^enbe 
SDfcelobie einzufüllen fd)emen. 3)er Somponift gibt in 
biefer Strt lieber einige treffltd)e ; nur fcfyreibe er nictyt 
ju Biel in biefer SompofitionStoeife; fie füfyrt jur 2Ra* 
nier* 33ad) Ijat 30 (Srercice* ober SJariationen geffyie; 
betj, i>on benen jebe eine anbere ^tyftognotnie fyat, — 
nnb bie$ fdjon t>or 100 3afyten; er tonnte fretltd) nidjt 
anberö unb würbe nid)t begreifen, wie 9 /i 0 ber heutigen 
Sotnponifien alle über bie nflmlidje SEBeife »arüren unb 
etubirem #err Äufferatl) gehört getoiß ju ben befferen 
unter ifynen; e$ tfjut aber 9totlj, bie jungen manchmal 
an bie alten ju erinnern; in SJielem matten fte ftd)'$ 
nid)t fo leicht* 9Son biefen fyodjfien gorberungen an 
Sßielfeitigfeit unb 3Dlannicf)faltigfeit abgefefyen, enteilt 
bieÄufferatyfc^eßtubenfammlung aber, totegefagt, *>tcl 
©d)äfcen$tt>ertf>e$. 2>ie gertigfeit unb ©idjertyeit be* 
(Sotttyoniften al$ ©vieler jeigt ftd) aud) in feinen (Sora* 
pofttionen* 3u bergorm ftnb fte burd)getyenb$ gelungen, 
toenn biefer aud) oft eine getoiffe ©reite unb UmfMnb* 
licfyfeit anfängt» !£a$ gigurentoerf finben wir fefyr flet* 
füg unb jart befyanbelt, bte$ namentlich in ber 4ten unb 
5ten. geiner 3äfl* tfi aud) bie 3te* Die Steigerung 
in ben glänjenberen Hummern burd) Slnljjfiuftmg t>on 
S5rat>ourformen fann tljre SBtrfung nid)t fcerfe^len* Die 
meiften ber Stuben eignen ftd) jum öffentlichen Vortrage 
unb t>erbienen biefen me^r, al$ manche toert^lofe (Som* 
pofition beräumter SJirtuofen. 



305 



Stefan gellet fyat un* in einem SdKQO 1 unb 
einer Saprice* neue Seweife feine« geifheidjen Talente* 
gegeben. SefonberS glüdltd) finben tt>ir ba$ @d)erjo; 
e$ ifi *>oB t>on £umor unb babei *>on Ktnftlerifcfyer gorm ; 
tt)ir füllen un$ som Anfang bis Gnbe in ber9iäf)e eine* 
!)od)ft lebenbigen, liebenäwürbigen ©etfteS, ber, wie er 
ju fdjerjen unb ju unterhalten, oft aud) einen tieferen 
©ebanfen fyeranjubrtngen mfafy. Unb fdjeint un$ 
aud) nid)t alle* ber (Srguf einer freifd)öpferifd>en $ßfyan* 
ta jie, nid)t Sitte* unmittelbar au« bem 3nnerfien ge- 
floffen unb mefjr am 3njirument gefunben,' fo muffen 
wir um fo metyr wünfcfyen, ber Äunftler befomme $dt 
unbSuß, für Drdjefier ju fd)reiben, bamit fein bebeu* 
tenber innerer mujtfalifcfyer Sinn fid) immer mefjr *>on 
ber £errfd)aft ber med)anifd)en ©nftuffe befreie, benen 
jtdjalle, bieamSnfintmenterftnben, nicfyt leidjtentjiefyen 
tonnen. #etter'$ Gla&iercompojttionen tragen atte 9ln* 
geilen eine* bebeutenben julünfttgenDrcfyercomponiften 
in fi<fy; flc wären mit wenigen Slbdnberungen auf ba* 
wirfungS&ottfle ju infirumentiren; man fyört, wie ifym 
Iiier aSiolinen, bort «£>örner k. *>orgefd)Webt. @$ wäre 
Schabe, wenn un$ $ari$, ba$ jeitraubenbe 8eben einen 
£>rd)efiercom}>omfien ju ®d)anben werben ließe, ben 
bie Sfcatur mit fo entfdjiebener ©efäfyigung auägerüjtet. 
J)en (SUwierftielern würbe, wenn jid) ber Drcfyefier* 
compojition juwenbete, freiließ mancher ©enuf entjogen 



1) 28etf 24. 2) Sftf 27. 



werben; betut man erholt ftd) t>on bem nid)WwutWgen 
(Sla&ierpajfagenfram gern an feieren ©ebilben, wie fie 
fempljottieartig in fetter'* gompofttionen oft auftauten. 
SBir würben aber ben ©enuf gern gegen ben reiferen 
t>ertaufd>en, ben ba$ aller SRüancen fifyige Drdjeßet ju 
bereiten im ©tanbe ift 5 unb baß er and) biefeä mit ber 
3eit jtd) unterbau madjen würbe, bafür fl>rid)t fein 
Talent, bie Stufe, auf ber er überhaupt fcfyon att 
SÄufifer ftefyt ©efyen mir aber *>on biefen SOBunj^en 
ab, fo muffen wir normal* eingeben, ba6 ©d^ergo 
ift geiftreid) unb fein genug, als baf wir unjufrieben 
fein bürftem Sitten wirb freiließ feine unb foldje 3JNH 
überhaupt nicfyt jufagen, unb lann e$ nid)t Sie gu »er- 
ftefyeu, ju lieben, gehört wofyt meljr baju, atö blofe 
Dilettanten*, felbji 3Kuftfer*33ilbung* Sluö biefem frte* 
lenben ^umor erf fingt mefjr, als blo$ muftfaliffy 
(Srfafyrung* SBer ©l)afefyeare unb 3ean $aul fcerfietyt, 
wirb anberS contyoniren, af$ ber feine SBeteljeit allein 
au$ SRarpurg n\ fyergefyolt; tt>er im ©trom ein** reieb* 
bewegten Sebent anberS , al$ wer ben (Santor feine* 
DrteS für ba$ 3beal möglid)er 3Reiffcrfdjaft f)ilt, — 
unb bte$ bei übrigen* gleiten Talenten, gleid) ernten 
©tubien. (Sine anbere af$ btoö muftfalifd)e Stlbung 
unb (Srfafyrung fprid)t aud) au$ ben Sontyofüioiten 
unfereö iungen ÄünfHerS; wir wollen nid}t$ l)tnetnIlD^ 
geln, aber wir wiffen, ba$ ift uic^t für Sebermawi. 
Sind) in ber ßaprice finbet jtd) 3fa$gejeid)nete$ ; bod) 
jletyt jte an 9fafoetät, an ©rajie gegen ba$ <Sd)er$o ju- 



807 

türf. Die ©efangfteöe barin fd)eint un* farg ; bagegen 
fpräf>t aud) in it)tn t)umori(i(fd)e6 gettet unau*gefe$t, 
Wie man b«6 ©anje einem Tünfiltdjen geuerrabe t>er* 
gleiten mötye, ba4 un* in feinem buntfarbigen Um« 
fönmnge eine ©eile ergöfren will. 2)a6 (Erefcenbo 
(6* 11 unb 12) macfyt eine fout^onleartige SBirtong, 
of)ne in'0 üribiate ber gewtyntUften ttrefcenbo'6 ju 
fallen; wir fennen ni$t* Ätyntid)e6 für (Klabier, bet 
©pleter fann fid) tyier im graten ©lanje geigen« — 

SBon ^ermann bon ßöwenfflotb liegen un6 
jn>ei «$efte Gtyarafterftflde 1 bor; fic tyaben bie Hebet» 
föriften: Wn bie (Sntfernte, SBenetianlföe« ®onbellieb, 
berSBunfd), bte(Slfenfd)w4rme, Aufregung, unb fptectyen 
fid) bemgemdj* au6. Der ffiomponifi iß jwar ju einer 
entf$iebenen ®etbflfldnblgfelt nod) nid)t borgebrungen ; 
bie Stiftung aber, bie er verfolgt; geigt fiel) al6 eine 
eblere. Biete« fagt un« namentlich in ber «nlage ju; 
bie 8lu«füf)rung läfit manche« »ermiffen* (Sine gewtffe 
giud)t be6 Sertigwerbemwtten* mad)i fid) f)iec unb ba 
bemerfbarj nid)t alle Stüde finb gleltyndpig, fünfile. 
rtfd) rubig abgesoffen* Uebetall aber btidt latent 
fyinbutd), unb wa* jur 3Welffcrfd>aft nod) fe^lt, möge 
deit unb gleiß bem jungen firebenben Jtünßler erreichen 
Reifen» 

<$ier ermahnen wir gteid) ned) ein ffietf eine« anbe< 
ten jungen bÄntffyn ffompontfien : 12 Gabrilen t>on 

1) fiÖ*tM2. 



208 

@mil «^ornemann, 1 ba$ und burd> feinen bebeu? 
tenben Umfang, wie burdj ben erfreuenbenSnfyalt gletd^ 
mifig überrafdjte* ©d)on bie gorm ber Stüde, eine 
SJtittelart jwifdjen Stube nnb Gaprice, muffen wir eine 
glü(fUdj*getroffene nennen. 3(n bie Stube erinnern fie 
burd) ifyre Slbgefdjloffenljjeit, burdj ba$ öftere gehalten 
ber einmal gefunbenen ftigur, »ermeiben aber, anba* 
Kapriccio anfireifenb, ba$ 2(engjlUdjs9)fed)anifdK be$ 
3we<fe$, woju oft bie (Stube ben Gomponifien »erleitet* 
Die SKufif an ftd) trägt einen Weiteren, wol)Itl)uenben 
Gfyarafter. 9?irgenb$ fioft und 9luferorbent(id)e$, @e* 
nialifd)e$ auf; feibfi hinter ben fufynerenSfafäufen birgt 
ftd) ein befcfyeibener 6inn, ber fd^nell jurüdfyält, wo 
iljn bie ©tcfyerfyeit im SBofylbefannten $u »eriaffen brotyt 
Der Sompontfi will mit einem SBorte nid)t mefyr Irißen, 
afeerfann, unb bie$ besagt immer, wenn er bie trhriale 
©i>^firc überhaupt hinter ftd) ffat ©ein Drang, über« 
aB geregelte Äunjiformen ju geben, verleitet iljn freilid) 
oft jur Sreite, unb wir erhalten in ben jn>eiten Reiten 
meifi nur bie $araHelfiellen be$ früher Dagewefenen, 
ofyne baj* er einen neuen Sluffdjwung »erfudjte; aber 
e$ ifi und biefe ©reite nod) immer lieber, al$ platte 
gormloftgfeit, bie titelt weif, wa$ fie wttL Damit 
ratzen wir aber bem jungen Äünfiler feine$weg$ ab, 
bei bem (gewonnenen ju »erharren, ftdj nidjt in fdpme; 
tigeren gormen ju fcerfudjen, feiner *Pfyantafte ntd)t neue 



1) ffierf K 4 J&efte. 



SM 



Gebiete g* eröffnen* 3m ©egentyeil wir fefren bie* 
aora»** 3m toufenbfad&en Durd^einanber ber ®eg*n* 
»ort würbe feine fanfte ©ttwme nur fpurlo* »et&aHen* 
SBiH er metyr, fo ifl e* an ifym, fid) gu fräftigen, 
ben fyötyern Sireitern fid) angufdjliefem (Jinfhüeilen 
bfirfim wir bie* fein erfleh SBerf, mit bem er fid> auf 
fo e|rent>oDe Seife eingeführt, «Uen, bie fid> an einer 
ttett&en f langDolleu Sttuj» erfreuen wollen, aufba*8eflc 
emyfe^ten* 

SBir foradjen gum ©d>hifi unfere* legten «rttfett 
*on Som^fhionen gweier junger bänf fd>er SWufifer, wn 
Ötoenfttolb unb #ornemann; fo eben wirb u»* ehte 
neue (Elatriercompofttion eine* brüten gleidjfafl* jungen 
Stoien SL 3B* ®abe mitgeteilt, beffelben, ber fd)(m 
burd) feine Du&erture „Dfftan" fid) UVmrd gemalt, 
fo retdje Hoffnungen fftr bie 3«&"f* erwetft Steint 
er aud) im Dtcfyefatr in feinem eigentlichen ©erneute, 
fo fcerr&tfy bod) audj bie erfte (Sla&iercontyofition, bie 
mit feinem Staaten »or und liegt , ben fenntnifreidpn 
SRufifer unb jkbenfaB* ein innige* poetffdjnimfifaliföe* 
©erafity; fielet ,,$ritylfng*blumen« unb be^tau* 
btei Keinen 6täcfen, bie biefen SM gu tragen öoWmn* 
men tterblenen* (g* ftab eben fM0e befctyeibene Jtinber 
feiner $$antafie, l>ier unb ba an tyultyea»enbel*fö$n'*, 
and; «£enfelf* erhmernb, bodjf aud) feffdnb burdjbie 
eigene n*tbif$e gdrbung, bie fdjon in ber Cufterfettt 
^Dfftan" ju bemerfen war» 3ßa* tft bodj alle* SBirtuo* 
fengeflintyer gegen fold)' anfrr»$lofe fittige SRufif! 
iv. 14 



»10 

Uber bie ©egenwart fangt an ju erlernten, unb Mt fhi 
fettfterntebrigen, follen et^d^et werben/ 5>od} genug 
ber Sorte über bie Keine (Sontyofttion, bie für fi$ fdbfl 
fortty* 

3n ben fed)$ „9tomane$fen* »on ©ufla» Stötten 
b o m 1 wirb Scbermann etwa« anbetet gu ftnben hoffen, 
al* fte bieten; e* ftnb Stüde ber ftytttyejtot bürgere 
lid#en *rt, baf man ben £itel beinahe für eine 3ronie 
Raiten Knute* 2Bie bem fei, ein guter Äern töft fid> 
unter ber unfd^eiubaren oft gerben ©(fyale ntd)t fcer* 
lernten* $ht* einigen größeren (Sompofttionen befreiten 
aSerfafferä, bie an einem anbern Drte ju beftredjen 
fhtb, get)t ble$ nod) beuilidjer $erbor* £ier, fd^erat 
e$, wollte er nur etwa* Setzte«, ben Verlegern @e* 
fällige* liefern* 

föne ^ontafie t>on $* 6. SBilfing* rief un* eine 
frühere in biefen Stötten* f$on befprodjene dompofttion 
beffelben in'£ ©ebadjtnif* 3Ba$ bamaW anerfamtt 
würbe, fmbet ftd) aud) Ijter wieber betätigt* Der (Som* 
ponifl gehört einer grünblWfen ©d)ule an unb förint 
ftd) immer freier ju entwicfeln* 3n feiner Sßtyaittajte ift 
©inn unb Drbnung, für eine Sßfyantafie eljer ju »tel aW 
ju wenig* 3n einer 3dt, wo bie« fdjöne SBort fo oft 
gemifl brauet wotben, fei aber jeber SBerfud), e$ wieber 
ju Gtyren }u bringen/ mit Shrtjeidpwng genannt, aud> 
wenn er ft$ jum ©rtreme neigte* Sei alter Bnerfenmutg 



1) »erf2. 



%) »eil 10* 



m 



be* Sotttyomficit würben wir'* nid)t ungern feljen, 
Wenn #d) feiner juweilen an* jene ©rajie benötigte, 
Me ben Srnft erfi lieben*würbig madjt. Einige alt* 
mobile giorituren (im lfien Steile) wünfdjten wir 
gtajltdj unterbrütft; burd) ©d)önpftöjierd)en 2c. wirb 
bie dafjiftye 3ett nod) md)t jurücfgebradjt* 2)od) ba* 
jtnb Äleinigfeiten* Der SSerfaffer muf jid) burd) ba* 
fiberwiegenbe ®ute feine* SBerfe* bie SMjtung aller ge* 
bilbeten SWupfer erwerben; m6ge tyn ba* ermuntern ju 
fortgefefrtem Streben. 2)a* Siebte in ber ${>autajie iji 
un* übrigen* ber 2te ©a$* Die $uge junt ©d>fa|* tyat 
im $fyema äefynttcfyfeit mit bem be* legten ©afce* ber 
©onate in 2lbur *>on 33eetfyo*>en, fcerräty fonfl aber ben 
tüchtigen SReijier, wenn wir audj nid)t alle* in tyr fetjr 
Woljlfltngenb ftnben fönnen- 

SBir befdjllefen unfern Ueberblttf mit einigen 93e* 
merfungen über brei neu erf^ieuene ©onaten, beren 
Serfaffer »botyty Steimel, Sgnafc 8a$ner unb 
£$eobor Äullacf fmb* 

2)ie erfltere 1 fcfyeint un* ber erfie SSerfudj in biefer 
föwierfgenÄunjiform, bie loben*würbige Arbeit eine* 
fleißigen ©djfüler** 93om 5)ru<f tjdtten wir abgeraten, 
Wir ftnb überzeugt, ftynlidje ©onaten werben in 2)eutfd}< 
lanb jÄljrlidj )u £unberten contyonirt SBer in einer 
Gattung/ bie fo fyerrlidje SKufter auföuweifen fyat, nidjt* 
Eigene*/ ntcfyt* burd) unb burd) SWeijierljafte* ju geben 



1) »etf 4. 



14* 



tat 

wmag, bleibe juräcf* 5)er Sfcrfaffer, tt>enn er fonfl 
Hat mit fid), ttrfrb angeben, bap »or folgen $01* 
berungen fein SBerf allerbing* »erföttinbet* 2>af et 
nad) guten SBarbtlbern gearbeitet, jeigt jebe (Seite feinet 
6ompoftticn; manche* erftyeint aud) gelungener. 3)a$ 
@anje mad)t abet feinen anbern (Sinbnuf , ald ben bet 
(Sopie* @ine genriffe Srotfentyeit tyängt bem Serfaffer 
»ielfetdjt no<fy &on ben ©tubienjatyren an, tnellcid)* 
fehlte tym and) ein rechter SKetfter, ber baS Zaltnt in 
iljm lebenbig ju machen serfianb* Der 3fogenb fteljt man 
manchmal gern ein 3wiel nad> ; aber ba$ 33ef$neiben 
ber glüget mad)t ^fjilifter, man muf ben unftdjent gfug 
ju lenfen ^erfie^en. 2Wit einem aSBorte, ber (Somponiß 
iji nod) in pebantifdjen Segriffen befangen; eine ©onaie 
foH fein 5ßenfum fein, bie feinfie33Iütye ber 9»eifterf^aft 
buftet un$ auö ben SXuflerwerfen ber ©attung entgegen. 
2>arom fort mit ben Serjen* unb ©ertengängen, wne fte 
in ber »ortiegenben ©onate fo ^duftg ttorfommen ; ba* 
ifi bie fd)ied)te Glafftcitfit, ber SßeruquenftyL @el$e 
nnb Afynltcfye ©teilen fallen boppelt auf, ba ber 6om* 
poni# ^innnb tt>ieber feinen ©ebanfen eine mtereffantete 
SBenbung jn geben serjietyt; fo beginnt ber äHitteft$e8 
im lflen ©a$ fetyr glütfli^, fo ergebt fid) bie fefrte ©eüe 
ber ©onate )n freierem ©djttmnge, fo gefdüt und man* 
dje$ im ©djerjo, wenn aud) bie jn>eite Stimme jtt 8a* 
fang beffelben ntdjt nad) SÄeijierart auftritt. 3tuö biefen 
93eift)ielen möge ber SBerfaffer in eto>a$ einfe^en, tto 
tt>ir tym beifHmmen, wo nicfyt 3n feinem gaUe aber 



tis 

tyütt tytt \t ein ZaiA ab, rüftig fottjuftyreiten» Slur 
einige ber gröften©eifkr l)abett mit if)rem SBerf 4 gteidj 
ein SReifterjHtcf geliefert* t . 

lieber bte Sonate &on 3. Sahnet 1 fötmcn urfr 
un6 furj faffen: flc ift ofenbar ba* SBerf eine* fe$t 
routuritten SWujtferS, ber feinen Stoff jn orbnen nnb 
ju betyerrfdjen t>erfie$t» Da« flieft tt>ie vom 33or», 
immer glatt unb rufyig fort» 8Btr fmben faum etoaft 
autyufefteu an ?orm unb ©dpeibtoeife* 3)amü ift aber 
aud) beinahe Sittel gefagt ; Sfaftrüdje an fefinbung, an 
Kett^eii fann fte feine magern 3m Uebrigen mag ber 
(Somponiß *>orjug$n>eife im ßntyefierfafr geübt fein; 
get&iffe ©emeinöeUen, bie im Dr$eßer (Sffect machen, 
anf bem Stadler aber ftd) leidjt trtoial au«ne$men, 
ttfinffyen wir g&njlid) befeitigt» 3>te gortfdpitte neuerer 
(Ha&imontponiftat, bie SBirfungen, bie fie intern 
Snfftumente abgewonnen, fdjeinen bm SSerfafer ganj 
frcmb geblieben ju fein» 2>ie Sonate »erfefct un* fomit 
in bie ^atybmSRogart'fdK Sßeriobe, otyne eine £<tybn* 
Slojarffdje ju fein» JCod) aud} gegen fol^e Sßerfe, 
toenn fte fonfl nid)t nngefnnb ftnb, tooßen tolr fein 
9Serbammung$urtl)eil auäforedjen; für eine getoiffe 
SWttelclaffe von Spielern muf ja aud> geforgt fein, unb 
bie $fcforüd)e biefer befriebigen fot^e unb dtynlicfye 
SBerfe »ottfommem 



1) ©etf 20» 



»4 



9?od> liegt und bte Sonate oon £t>- Äulla tf , 1 bte 
intereffantefle, aber aud) barodefie unter ben brei ge* 
nannten, fcot; eine toa^re £erenfüd)e, ba* gfiljrt unb 
fod>t unauftyfalid) but^einanber, Sftir int Sftttetfat 
brtd)t ein fanfteret SDfonbflratyl Ijinburd). D^ne JBer* 
gleid), bet ©ontyoniji $at ©eiji unb *ß$antaftc nnb 
mag ein brillanter Spieler fein. SWdjt Stilen föntten wir 
8Rujif in feinem Sßerfe Reifen; jietyt man einjelnen 
©cbanfen ba* beftecfyenbe glfinjenbe ©ewanb ab, fo 
erfc^etnen fte oft bürftfg genug. Dft aber ergebt fte fty 
aud) )u eblerem 9lu$bru<f unb bte$ gibt und £offtuntg 
auf feine äuftmft «tt Jiünfller, baf biefer nidjt bem 
eitlen SBirtuofemoefen unterliegen werbe, ttyun bleibt 
iljjm freißd) nod) mandje* übrig; fragt er, wa$? fo 
antworten wir: fyabt nur tyeße Äöpfe unb foiett eure 
Sonaten nad> einer »eeifyooen'fdjen, Slojatt'fifyeti, unb 
fetyt bann ju, wo ber Unterfdjieb liegt.. 8Ba$ bie ginger 
föafen, ifi äfcufywerf ; wa$ aber innen erflungen, ba* 
fpriebt ju »Hen wieber unb überlebt ben gebretyidpn 
Selb. — 



1) ffierf 7. 



1843 

wsk ipättr. 

Siebet unb Qefange. — Gencetteuttttuten für Ottytßet. — Styntyftfuiee* 
fut Dttyflet. — Antonio SaftHti. — Stuben fut $ianofotte. — tutjew 
Stüde fut $iaitof9tte. — Coitccttc unb Goncttiftürfc füt ^iattofotie mit 
Ot^ejlei. — Siebet unb Qefange. — Äurjtre Stütfe fut ^ianofotte. — 
3»ei $tei#fonaten. — 9ty$otifttf$ei. — 2)ic SommematyltratttttmufW. — 
9He» SB. <&abe. — tyeatettifylein. — Shtfifalif^e $au#- 
unb SebenltefteUt. 



Cteöer tmb «gefänge. 



fcljto&or ftirdjner, jc^n (xAtt für eine SingfUmme 
mit pianofortc. 

3m ffingfien beutfäen ©ingetwatb mieten biefe 
erflen SMfitfyen eine* nod) fefyr fugenbtidjen Sontyoft* 
tiondtaleritä mit ju ben (^aralterififf^en geboten* Unb 
erhalten wir nid)t lauter (SigeneS, fo f^eint bod) alle* 
au6 fo innerer gfille gefloffen , baj* wir ber Öffnung 
vertrauen, ber ftrüfyttng fyalte nodj lange an unb e$ 
werte il)m ein frud)tbringenber ©ommer nadtfolgen* 1 
3in 3ufammenljange mit ber fottfdjreitenben 2Di<^tfunfi 
tjl ber granj ©cfyubert'fcfyen Gty*ä)t bereit* eine neue ge* 
folgt, bie fi$ namentlid) au$ bie ftottftyritte be$ einfi* 
weilen weiter auägebitbeten ©egleitungSinfhrument*, 
be* Ctatfet*/ ju 9Ru$e machte. Der <5<mtyont# nennt 
feine fcieber aud) Siebet mit Sßianoftrte, unb e* ifi bie* 



1) 3wei J&cfte fc^r geniale (SfotnetfHtäe , bfe fo ebnt (1852) 
erfdjteam, tjafctii bie ^tc^ejemng toafyr gemalt 



218 



ntdjt ju überfe^en. 3Me ©ingfümme allein fann allet* 
bing$ nid)t alle* n>irfen, nid)t aKe$ nnebergeben; neben 
bem 9lu«brude be« ©angen foOen audj bie feineren 3% 
be* ®ebid)t* &en>ortreten, unb fo i|T$ redjt, wenn bat« 
unter nid)t ber ©efang reibet, darauf Ijat nun freiließ 
aud> biefei junge (Somponifl ju achten* ©eine Sieber er* 
fd)einen läufig al$ felbfifidnbige ^nfkumentaljWcfe, bie 
oft faum be£ ©efangeä ju bebfirfen (feinen, um eine 
t)oUfWnbtge SBirfung ju machen; fte ftnb oft nur tx>ic 
Ueberfefcungen ber ©ebid)te für ba$ ßlattter, getoiffet* 
mafen Sieber otjne Sorte / aber burdj SQBorte angeregt; 
ber ©efang in tynen erf^eint bafyer oft nrie ein Iriftf 
«ftiulityeln ber 38orte, unb ber $auptaudbrucf Hegt 
meijien* in ber Begleitung* Daß e$ beut 6onq>oniften 
an melobffdjer Äraft fetyle, toirb 9?iemanb fagen I6n> 
nen, aber fte ffttyt fid) nodj ju fe$r auf bie Harmonie/ 
unb bie gü$rung ber Stimme trägt einen noefy ju fetr 
inftrumentaten Gtyarafter* 3Bo aber überall fo fciel 2* 
lent, wirfiid) poetifcfye Anlage tycr&orblicft, ba tft nify 
ju ffird)ten, baß ber ßompomfl ftetjen bleibe» <Scfyou ii 
ben erftat SSerfudjen SaleutooUer töft ftcfy eine ge»if< 
95ilbung6fÄtytgfeit erlernten, bie aud) einen ftdrletct 
2)ru<f ber äritif nid)t fd)eut / unb biefe gdl^igf eit , wk 
bie 9ef$eiben$eit ein 3etdjen matten Talente* , fd^itf 
au$ unferm 2iebercom^oniften inne ju ttotynen, bie et 
ftd) benn immer erhalten möge- 

Der »or$errfd)enbe ©frarafter ber Sieber xfk be 
be* ©^armerif^en, ©einfältigen, bie 3Ba$l bfl 



219 



®ebid)te, (»on £eine, <£♦ 33e<f , 3. SRofen) eine bem 
entfyrectyenbe» 2)a$ fü#e 8Bül)len in grü!)ltng$gebanfen, 
bad fetynenbe ©efüfyl be$ 3ßeiterfd)WeifenwoHen$ über 
33erg unb $l)al, wie e$ unfre 5)id)ter fo oft, fo fdjön 
ausgeflogen, — barin ergebt jtd) audj ber junge 3Ru* 
ftfer am liebften; foldje ©ebicfyte gelingen ifym am bejtem 
3um Vortrag ber Siebet gehören geübte $änbe unb 
Stimmen, namentlich erfiere, eben »eil ber ^auptauS* 
brucf meifi in ber Segleitung liegt, unb audj bie gertig« 
feit wirb'* nidjft allein ausmachen, fonbern bie 3«t* 
tyeit, ber 6d>melj ber <&ü)atttn unb 8id)ter* pr bie be* 
beutenbfien Stüde galten wir bie £eine'fd)en; fte ffaib 
»orjugäweife fd)Wärmertfd> unb mit Siebe componirt, 
namentlich We beiben ftritylingSlieber ^ u 4 mi g( n 
3n anberen, wie in !Rr* 9 fioren einige etwa* weit tyx* 
geholte SÄobulationen, wo e$ bem Somponiften »iel* 
leidet gerabe redjt fiberfdjwänglid) ju 9Rutf>e war, aber 
jum ©d)aben ber fiebern fronen gorm, bie er nid)t 
meljr iu beljerrfdjen wufte* 9Rod)te benn bie 3*fa*f* 
ben wofylwoHenben ©tnn biefer Utilm betätigen, bie 
Staerfennung wirb nid>t ausbleiben, unb man fdjreibe 
jid) f$on jefrt ben tarnen biefe* talentooDen SRufiferS 
ju benen, bie einen guten Älang in ber golge ju befom« 
men fcerfyetf em 



ConccrtouoerfureiL 



Jtoliu* Stent , getftüdje «Duuertur*. 

ffierf 9. $«tttur. 

5>a* SitetMatt befaßt, baf ber Sontyonift für biefe 
Dutoeriure »on ber Slfabemie ber Äünjie in Setlitt bie 
gtofe SontyofitionSmebaiffe erhalten fyat* ÜÄan barf 
mithin ettoa* erwarten* 916er e$ fc^etnt, bie muftfaliffy 
©ection jener Kfabemte ljat fein ®lücf mit ttjren 
greifen; e$ {inb fogar ©djnifce* in ber Dwerture 
fielen geblieben, — fD ©. 7, $act 6 bie Dcta&en 
}ttif$en ber lfien Statine unb Saf , ebenba £aet 12 
in benfelben Stimmen — , auf bie bie $rufenben bodj 
tt>entyfien$ »or bem Drude aufmerffam machen muften, 
t>om Oeifie ber (Srfmbung gar uicfjt ju reben* 2)emt xoo 
foUte biefer aud) fyerfommen bei einem Steina, tt>ie 
bem, ba* bem ©ontyonfflen aufgegeben würbe» (Segen 
ben festeren fyaben wir ntd)t$ ; er fyat fein Talent in 
mancher anmutigen ©efangSeoutyofition febon be* 
tätigt; aber gegen bie äfabemie, bie ein folcfye* Steina 



ttl 

aufgab nub einet folgen in jebem göffe mit Untnft ge* 
matten Bearbeitung eine öffentliche Stmerfetinung er« 
tyeilte* SBie gefagt, bte Duaerture ifk ni$t* al* eine 
ganj med)amfd) gemalte Variation eine* abgebrofcfyenen 
gugentfyema'S, wie fie jeber Ijalbweg ^orgerüctte Spület 
in jeber ©iunbe fd^reiben muf?* 3m Heinsen Siebe be* 
£errn ©tern fiedt mefyr ©runb ju einer SKebaille, als 
in biefer ganjen Dufcerture* — 



p. Cm&patntner, kriegerifdje atobelouuerture* 

©et! 109. Partitur. 

2Ba$ man »on i^r ju erwarten $at, frridjt ber Sütel 
au«. (£* ift ein @elegenl>eit$jiüd jur 25jd$rigen »egie* 
rungSfeiet be« Ääntgä »on Sßürtemberg contyottirt nnb 
tritt mit allem möglid^en Sßomp auf, wie er bei folefcer 
©elegeutyeit an Ort unb ©teile ifh SBeber gab für biefe 
Oattung ben $on an; feine 3>ubelouberiure ift nod> 
nidjt fibettroffen worben* 3)a$ God save the king be* 
tutftte, wie fdjon SBeber, bann 2Jiarfd)ner, gribrod 
u. fo auc^ giubpaintner* S>a$tt>ifd)en bringt er aber 
ÄriegSgetümmel unb ©tege$marfd)dfyulid>e$ an, wo* 
fcurdj fid) biefe fiwerture toxi fifynttdjen unterfd&eibet* 
2Äan fann glauben, baf ein fo gewanbter 3njfrumen* 
tator, aW weiter Sinbpaintner befannt ffl, ju folgern 
SMlb bie regten garben ju nehmen öerftenbem (Sin 
großer Sffect fann ni$t ausbleiben* SCuf bem (Slabiet 



nimmt ßd) ba* Stud gar uM)t au6, e* ift ate wenn 
man itad) einer großartigen militairifc^en 9tet>tte fldj 
eine ®d>a<htel ©olbaten aufteilen sollte. — 



Julius tiu$, ©utjcrture ju ^era unH feantoet für 
Has ptanafortc ju 4 4)iintoen. 

©etf 11. 

@in fööne* bebeutenbe* SBerf ♦ 2)ie neue 3rftfdjrift, 
f<hetnt und, h Ä * ein Unrecht gegen biefen würbigen 
Äünjiler gut ju machen : nur finben ndmlid) bic frühere 
Duttetture beffelbcn in einem früheren 3afyrgange in 
unerfdjityfenber unb ju toentg anerfenuenber Steife 
beforodjen, too&on bie ©djulb aßerbing* fein mag, baf 
bem bamaltgen Referenten nur ber ®lat>ierau6jug t>or* 
lag, unb baf er fte noch nicht t»om JDrchefier aufführen 
gehört I>atte. SBir muffen bie* aber f)ier anfuhren, n>eit 
und jene erfte £)u»erture bie glücfliche SBorgÄngeriu ber 
2ten fcheint, »eil, to>a$ bort fruchtbarer Äeim, fich 
^ier ju reiferer Entfaltung bereit* enttticfelt ^t, »eil, 
wenn fdjon bort ein f>6c^fi bebeutenbe* Streben, t>on 
einem nicht minber bebeutenben Talente getragen, ßd> 
gelteub machte, bie* t>on ber fp&teren tubern JDu&etture 
in noch gtoperem 8Äajj c )u fagen iß» 3n ber ühat, eine 
3*it, bie folche 933erfc hervorbringt, folche tüchtige 
diente auföttttetfcn hat, wie »liefe u» brauet t>or 
einer entfchtounbenen großen *ßertobe nicht ju fe$r pt 



m 

endtyett, wie einige 3ururfgcbti<bene im* fo gern ein* 
rcbcn motten, unb barf au$ mit 3tt>ttft$t auf eine 
nodj ergiebigere 3ufunft tyoffen* £alent unb Aenntnif 
reiben fidj tn biefanSQBetfe bie^anb gum frönen »unbe ; 
e* ifi faum ein unfünfilerifdjfer Xact in ityui/ wenn «Dir 
einige (eife StnHdnge an befannte SBerfe au*ne$mem 
£4tte ber ßomponifi biefe leiteten ju tilgen gefügt, 
ttir würben tym bie Dwerture, wie fte jebcnfaU* ba* 
S3eftc tfi, wa* er bt* jefct gegeben, auefy al* fein gan) 
unb gar i^ttt jugetyörige* ©gentium anrennen» 9tament« 
lid> bie ©teile ju (gnbe ber lOten unb Ilten Seite ftörte 
un«, al* ju SJlenbeWfotyn'ifdj ; t>iel weniger einige 
anbere, bie an ©teilen ber Soriolanouberture nnb ber 
9ten ©tynq>$onic &on SJcetfyo&en erinnern/ aber ute$r 
im fcerwanbten (Sfyarafter, al* n>ie bort in ber melobi* 
fd)engü$rung* 2)iefe einjelnen £acte abgeregnet, fyaben 
mir alten Steuert üor berSontyojition* 2>ie93efyerrfd)ung 
ber ^orm/ bie er &orjug*wetfc breit anlegt/ bie (Srfinbung, 
Sebeutfamfett unb ©cfyönfyeit ber einzelnen 3Sotbe, 
bie auf erfi ebte Gattung be* ©anjen, ba* alle* tfi gern 
nnb freubig anjuerfennen* Unb baß wir bie <§auptfad)e 
nidjt aergeffen, bie 3nffeumentation, bie un* bis auf 
einzelne etwa* totste, »ielleity nod) ju lid)tenbc ©tel* 
len, gan) meifter^aft unb im ©njelnen ganj originell 
bfinft 8Bir $aben bie Du&erture jweimal fyter in Sei))« 
tfg ge^rt ; fte $at betbemal biefen frönen (Sinbrucf auf un* 
gemadjt, unb wir jweifeln ntd)t, baf jidj biefer, je metyr 
ba* ßrcfyejier fie fennen lernt/ nod) Reigern wirb/ wie 



bie* bei ber lflen Difeertere *on Ätefc föon ber galt 
Kar* Denn f^feer ifi fte, fefyt ferner, in bcn einzelnen 
3nfteumenten, feie im Snfemble aller* Sorgfältig ein« 
flubirt, mit Siebe imb 93erfi4nbtrif au^efö^rt, wirb 
unb mufi fte aber au$ einen lofjnenben (Srfolg bringen. 

SBtr ^aben nod} nidjtä über ba$ ©ujet gefagt ; aber 
feer fenni jene rfityrenbe ©age nicfyt, bie un$ fdjon ber 
alte SRufäo* in fo anmutiger SBeife erjäljlte? 3m 
Uebrigen gefielen feir, in Verlegenheit jn fein, feemt 
feir bem ©dtfuf eine Sfoälegung geben foUtem 3fi e* 
bie lefcte 9?afy ber Siebenben, bie ber Sonbidjter fd)it 
bern feoHie, ober fd)feebte il)m nur ba$glü<fli($e2iebe$* 
paar t>or? SBir feijfen'3 nid)t: aber eine fo froibige 
@r$abenl)eit erflingt aus bem ©djluf , baf feir feeiter 
nic^t nachgrübeln unb bem Äunftter nur nofy bie 93er« 
jtdjerung uuferer «£>od)adjtung auö(prect)en wollen, unb 
im ©peciellen unfern 2)anf für ben reijettbenglJtettlaii* 
fer, für ben rü^renben ©efang ber Klarinette gleich im 
Anfange, ffir bie branfenben SiotonceHa in ber (Sinlei? 
tuttg, für bie Srontyefen am ©djluffe, feo e$ 3)bnr 
feirb, unb für fo triele*, fea$ tym im Snnern lebenbig 
erflungen, auctyin&Hen, bie i^m na^jufü^len *>erfk$en, 
lebenbig feiebererttingen mujjL — 



Spmpflorueen für flrcfjeftcr. 



2>er lefrte Seridjt ber 3eitfc^rift über neu erfd>ienettt 
<S$nH>$<mteen reidjt biet jum 3anuar 1841. Den »eni* 
$en, bie feitbem gebrutft werben/ ift ber heutige gewib* 
met; tyre (Somponißen finb: 9t« ©djumann, 9* 
SRüller (in Stubolfiabt), SB* «ttern, <&pof)t, 
3Renbel$fotyn* 

95on ber ©tyntyfyonic be$ Srffcren emäfynen »ir nur 
tyiftorifdj, baf fie in £)rd)efhrjiimnten unb Dterfydnbigem 
(SlattterauSjug erfd)ienen ifl unb in 23 bin: fief)t 33 on 
ber be$ 3 u flW?ftfl etlatw * cn tonnen wir, ba und feine 
Partitur im StogenbHd vorliegt, nur au* ber (grinner* 
ung anfuhren, baf fie ba« SBerf eine« praftifdj routi* 
nirten SDtujtfer*, Har unb fleißig gearbeitet ifl unb 
tnandje SlnHänge an bie Slrt unb Seife Älterer SWeifier, 
xoof)i aud) an ©pofyr gu ©efyör bringt 3ft biefem ©inne 
würbe fie fdjon früher nadj iljrer erfien Slufffi^rung in 
Setyjifl beftrocfyen* 

S8on ber ©^m^onie &on SB* Gittern (3Berf 16.) 
liegt un*/ auf er ben bei SRontyour in Sonn geftodje* 
nen (Stimmen, aud) bie getriebene Partitur fcor* 6$ 
iv. 15 



226 



tß bie jweiie be6 (Somponißen; ein Urteil übe4beffen 
lße ßej)t 9b. XIII. 9h. 45., ba* wir beinah wortfty 
aud) für bie 2te abtreiben motten, ©ie ^at, wenn 
Wir nid)t bie SSerbinbung ber Einleitung, bie au* £mott 
gel)t, mit bem BUegrofafre, ber tote bie anbern #a#pu 
ftye in 2)bur componirt iß, ausnehmen, faß gar nid)t* 
8foffaDenbe$ an ßdj, fo wenig wie ettt)a ein 33a<f>, ber 
burd) fülle äßiefen fyinßteft; wir ergoßen un$, fo lange 
wir ü)n fctyen; mit anbern tieferen ©nbrütfen tterfdjwim 
bet natürli^ ber lei^tere. $Xti Sb^Bif^e, Sefd^Anfte 
nnb ©cnüglidje be$ SBerfe* liegt im JBorigen genugfam 
angebeutet. 3u (oben hätten wir nnr nod) ben Shtfifer, 
ber fein SRaterial ftug fcerwenbet unb jierltd) nnb rein* 
lid) ju inßrumentiren fcerßefyt 2)ie mitwirfenbett brei 
$ßofaunen (feinen un$, bem gangen (S^arafter ber 
©tympljonie nad), allein fiberßufßg; wo glöten ttnb 
#oboen au6reid)en einen ©ebanfen au$jufi>red)en, ba 
fönnen jene 3nßrumenie fogar wrberbem Seftyeibetten 
«nforudjen, wie man fte etwa in Heineren ©tabten $at, 
wie fte Heinere £>rd)eßer jn erfüllen vermögen, genügt 
benn biefe freunblidje ©w^onie fcoUfommem 3Bo$C 
bem, ber feine Äräfte Jennt; er wirft im engen Äreife 
baffelbe, wa$ ber £<tyerbegabte in weiten. 5)er(5om* 
Vonifi iß in bem gaUe; bleibe er audj nid>t fielen unb 
bilbe ftd) in ßeter ^rogreffton weiter; bie £d>tung ber 
SBelt wirb ifym nid>t entgegen. 

SSon Qpofjx liegen un* jwei neue ©wintern 
»or, bie in bem 3*tewme *>on faum brd Sohren er* 



an 

föienem 2>fe erfie (t>on ben jieben, bie er gefd^tieben 
bie fed#e,) würbe fdjon nad> if>rer erfien »uptyrung 
in Seidig in tiefen »tattern jiemlid) au6fft$rlid) be* 
[proben; e* ifi feine ^iftorifty (SSerf 116). ffitr wüfc 
ten bem früher ©efagten faum etwa* jujufefrem (S* tyie# 
bort u* »♦ : „(Sine merfwfirbige (Srfdjeinung bleibt e* 
gewif , bap in nnferer 3*Ü fä** me$re SJerfudje ge* 
mad)t würben, un* bie alte Dorjufütyren k. SRan tarnt 
nid)t* bagegen fyaben; bie SSerfudje mögen al* Stubien 
gelten/ wie Ja bie ©egenwart neuerbing* ein SBotyl* 
gefallen am 9tofofo*@efdjnia(f jeigt* #ber baf gerabe 
©pol)r auf bie 3bee f&Ht, ©pol)r, ber fertige, abge* 
fd)loffene Reiftet, er, ber nie etwa* über bie Sippen 
gebraut, wa* ni^t feinem eigenen #erjen entfprun* 
gen, ber immer beim erften Jone ju erfennen — bie* 
ntufj wotyl Stilen intereffant erfd)etnen* ©o tyai er benn 
aud)bie Aufgabe gelöfi, wie wir beinahe erwarteten; 
er f>at jidj in ba* Steufere, bie gorm aerfdjicbener ©tyle 
ju fügen gefd)t<ft; im Uebrigen bleibt er ber Weißer, 
wie wir tf)n lange fennen unb lieben; ja e* fyebt gerabe 
bie ungewohnte gönn feine ©gentfyfimlidjfeft nocfy 
föreienber tyenwr, wie benn etwa ein irgenb »on ber 
»atur 9fa6gejeid)neter ftdj nirgenW letzter aerrätfy, als 
wenn er ftd) maäfirt. ©o ging Kapoleon einfhnal* auf 
einen 9Wa6fenbaU, unb war faum einige Slugenblide 
ba, al* er fd)on — bie Sirme ineinanber fd>lug* SBie 
ein Lauffeuer ging e* burdj ben Saal: »ber Äaifer!« 
8e$nlW) fonnte man bei ber ©tymptyonfe in jebem SBin* 

15* 



918 



leibe* ©aale* ben 9u*ruf »®^t««nbwiebet »@|tt$t« 
$6rem" — Üttefen Starten, bie unmittelbar na$ be» 
juerfl empfangenen Qinbrnde niebetgeförieben würben, 
lüften mir, wie gefagt, au$ Jefrt, wo mir ba* SBccf 
in ber gebrutften 9fn*gabc lernten gelernt, nur wenig 
fyinjujufugem Steine feine fd)öne 3*8* entberfen fty 
natürlich in iebem Söetfe ©j>o$r**, ie metyr man mit 
i$u tiertraut wirb/ nnb fo mödjten wir a«d> anbm 
früher an*gef}>red)enen Urteile über ben legten ©afr 
ber ©tyntyfyonie einiget milbern, bem wir bamal* eine 
tronifct)e Sbftyt unterlegten, wfityrenb wit jefrt bie* 
©piegelbiib ber Oegenwart weniger grell ftnbem £at 
ftd) übrigen« ni$t fdjon in ben legten btei 3a$ret 
manche* gednbert? SBtörbe ©potyr jefct nt<t)t mandp* 
anber* fdjreiben? 3a, wir fyoffen'*, ben ithmdabtsb 
be* wirbigen SReifier* werben nod) bie etflen ©trafen 
einer belferen 3*it umleudjten, al* er fie inbem ©$(nf* 
fafre feiner ©tympljonie djaralteriftrte* 8lm befien aber 
wiberlegte fidj ©potyr felbfi burefy feine neneftc ©9m* 
Päonie, ber wir nod) einige SBotte ju wibmen t^abei, 
wenige, — benn wer Wnnte nod) etwa« ju feinem 8obe 
fagen, ba* nMjt fdjon gefagt worben! 2)a* SBerf ijt 
aber in vieler Sejiefyung tnerftoürbig nnb l&ft fidj in 
ber (Sigentyfimlidjfett feiner ©ntfiefyung, ftorm nnb 3fa* 
bru<f*weife nur mit ber früheren ©po^r'*, ber ^SBBe^e 
ber SJne" dergleichen» SBte bort, wählte er ftd) and} 
tyier ein 3$ema, ba* er mit ber etwa« allgemein ge* 
fagten £au}>tfiberförift „3rbiföe* nnb ®*tttid>e* im 



829 

SÄetfcfäenleben" bejddjnete unb in btei 6&feen autau 
bettete, oon benen j<ber toieber dn befonbere* SRotto 
f>at. STOit anbern SBorten, ber Ijie ©afr föilbert bie 
Äinbettoelt, ber 2te bie (gefahren be$ 3itoglfag$s tt>ol>l 
audj be$ geben« be$ SWanneS, ber 3te enblid) ben ©ieg 
be* ©uten Aber bad ©öfe* 8öir gefielen, ein aSotur* 
tfyeil gegen biefe $trt be$ ©djafen« ju l)aben unb teilen 
Med oielleicfyt mit ljunbert gelehrten Äöpfen, bie freiließ 
oft fonberbare SSorfiellungen oom ßontyoniren tyaben 
unb jtd) immer auf ÜRojart berufen, ber jidj nicfyt* bei 
feiner 3Äujtf gebaut fyaben foU* SBie gefagt inbef, ba« 
SBorurt^eil fyaben tootyl mandje, audj 9Wdjt*@clefyrte, 
unb Ijili und batyer ein (Somponifi t>or feiner SRupf ein 
Programm entgegen, fo fag' id): „oor allem laf mid) 
l^ren, baf bu fd)öne SDtufif gemadjt, fyinterljer foß mir 
aud) bein Programm angenehm fein/ (§:$ ift eben ein 
Unterfdjieb, ob ein ©oettje naefy aufgegebenen (Snbreimen 
einmal bietet, ober ein anberer* 2)rum toirb aud) Sie* 
manb ber ©pofyr'fdjen ©tywpljjonie if>re ©^on^dten 
ttegpfyUofo^iren förnien, eben todl e$ ettoa« anbetet 
tfi, voenn er fec^ auSnafynuoeife eine Stufgabe fte&t, ober 
ein Änfdnger berÄunji* Ueber all' biefe« iß fdjon bei ber 
„SBdfye ber Säue* fyin unb tyer gerebet worben unb ber 
Äantyf fingt fdjon toieber an aufjulobera über ba* 
(Sttoa^^fld)* nid) t=benfen Rollen beim ßom^oniren unb 
ba* ®egent$eiL 2)ie $ßljilofo$en beulen ftd) bie ©a<$e 
a*d) »o|l fd)li«nner ald fte ifi; geftiß fte irren, toenn 
fie glauben, ein (Somponiji, ber nad) einer 3bee arbeite, 



fcfce fid) tytn toie ein ^rebiger am ®ortnabenb^a<^mit= 
lag unb fdjemattffre fein Steina nad) ben gewöhnlichen 
brei Reiten, unb arbeite e* überhaupt gehörig and; 
gettif fie inen. 2)a* ©Raffen be* SRufifer* ifl ein ganj 
anbete* , unb fc^webt il)m ein ©ilb, eine3bee^or, fo 
wirb er ß$ bod) nur erfl bann glütflid) in feiner Slrbeii 
fügten, wenn fie ifym in fronen Welobieen entgegen 
fommt, t>on benfelben unfidjtbaren #&nben getragen, 
toie bie „golbenen ©mer/ t>on benen ©oetfye irgenbroo 
fprfctyt* 2)rum, behaltet euer aSorurttyetl, )ugleid} aber 
*rüft unb laßt bie $fuf$ereien be* ©dfüler* nid)t ben 
SWefflec entgelten. 

Sagen wir'* benn furj, e* liegt über biefer neueren 
Sfyntyhonfe ©po^r'* ein3auber au*gegoffen, n>ie famn 
äber einer anberen. 2Bir tonnten nid>t fagen, bafj und 
befpnber* große, neue ©ebanfen an* i^r entgegenflin* 
gen/ anbete, al* votr fdjon von Spofyr gebort; aber 
biefe Steinzeit unb SerH&rt^eit be* «lange* ftnbet ums 
md)t leicht n>o anber** 2)en 3auber be* ßolotit* $t 
er^en, fam bem (Somponifien freiließ ju ©tatten, baß 
er ftd) gn>ei £>rd>efier ju feiner Verfügung fteüte , unb 
ba* ift aud) eine von ben 3been, auf bie nid>t 3eber 
f&at, ober fällt er barauf, fte fahren töft au* ©rünben. 
Denn gefyirt fdjon jur ©cljerrfdjung eine* Dtdjefter* 
in ber ^ßartttnr ein SReifier, ein »ie&iel größerer, wem 
er mit jweten gu tyun $at Siel SJadjatymung toirb beim 
ba* Unternehmen fd>tt>erlidj fhtben, unb fte ift in anbc* 
rem Sinne au$ ni^t einmal au ttritafd^en. 3ntereffont 



SSI 

19 Are e* fyier, bie gragc ju beantworten/ wa* woljl 
Seetfyo&en and einer folgen 3bee gemalt fabelt würbe* 
<5ottte man nidjt ba$ ttngetyeuerfie t>on itym erwarten? 
— Sir glauben/ er f)ätte fie ntdjt einmal benutz unb 
fie liegt Dielme^r im Straftet be* ü»et#erd im 3arten 
unb feinen/ wieSpotyr, atafnbembe* gewaltigen Seet« 
tyot>en* Spotyr war e$ wofyl audj, ber ba$ erfie Doppel* 
quartett fdjrieb, wie f<fyon in biefen Sl&ttern au$ge* 
(proben würbe» 

3wei Drdjejier finb benn in ber ©tymptyonie fyätig/ 
tton benen ba* eine einen metyr obligaten Gtyarafter tyat, 
ttnb (ofyne bie fiarfen SDtefling* unb Sdjtaginfirumente) 
nur einfad) befe^t werben fott, ba$ anbete aber, bi* etwa 
auf bie £oboen unb gagoiten, bie immer einfiimmig 
fpielen, bie gewöhnliche .fiarfe ©efefrung verlangt 2>af 
biefe ungewöhnliche 9(rt ber 3njhumentation ber Stuf« 
führung an mannen Drten ^inberlic^ fein wirb/ iß 
natürlich; im Uebrigen galten wir bie Symphonie 
für nicht fo fchwierig, wie j. »♦ bie ,38etye ber 
Sine/ 

3S8eicht benn bie Symphonie in SJielem *>om #er* 
fommltc^en ab/ fo auch in ber $orm, in ber golge ber 
(SÄfre; ber erjle, ein ©emilbe feiigen Ainberteben*/ ift 
nach einer langfamen Einleitung ein 8ffegretto; wir 
motten ihm ben $rd* geben; grüne SRatien breiten 
fW) t>or und au$, unb unter einem wolfentofen $immet 
fpielen bie Äinber ju ©paaren; bajwifchen fiehtman 
wof)l audj ba« wehmütig (d^etnbe Stuge be« Weifier* 



232 



felbfi, unb »te er fW) gern feinet eigenen Ätnberjeit 
erinnern mag. 

2)en ßtyarafter be« jweiten ©afceS fyaben tDtr fdjon 
oben na$ bem Snbalte be$ üRotto'S bejetdjnet @r 
fcfyilbert gut, toaÄertoitl; bem buntyfen, gtteifetnben 
Anfange folgt ein leibenfcfyafilidjeS SlHegro ; au$ Ijier 
fietyt fiberall bet eble 9»eifler felbfi burcfy, ber bie 
Serirrungen feine* 8iebling3 (einen gelben ber 
@t)mpl)onte angenommen) gleidjfam felbfi mit ju befla* 
gen fd)rint. 

3n biefem ©afce ift mir eine einjige Stelle aufge* 
fallen/ tton ber mir fd)eint, baf fte fcielleidjt nictyt ganj 
bte Sßirfung mad)t, bie fid) ber (Sontyomft ba&on »er* 
fcrodjen; e* ifl bie« ba* <Solo ber Sioline be$ lfien 
ßnfyeßetf, bie gegen bie Staffen be6 anbeut nid)t auf* 
fommen fann unb §u bfinn Hingt. dine 9ier£Ärfung 
Wäre nattirlic^ fefyr leidet ju erregen getoefen; aber e$ 
fäeittt ber (Somponift lege ®ewid)t barauf, baj? ein 
einiger fle fitfele, unb wir glauben feine 3bee }U fcer* 
ßefyem ©o wäre benn t>on einfhtbireuben ^Dirigenten 
barauf ju fe^en, baß ba* 2te JDrdjefter mit feinet ©tdrfc 
mJgltö)fi an ficty tyalte* 

3m britten ©a$e fefjen wir ben Dieter nun gan$ 
auf [einem gelbe; ber 86fe entfliegt unb bie Äraft be* 
®uten flegt 3n ber (Stjhtbnng ber $fyema'$ erinnert 
tiefet an Sfabere« *on ©potyr, namentli^ aud) an ben 
legten ©a$ be* ungefaßt in glei^er 3eit getriebenen 
£tio'* in emoD, unb au$ bet ©d>litf erinnert an ben 



S83 



bet JIBeifye bet $due/ o$ne beityalb einen frönen et* 
tyebenben ©nbturf ju fcetfefylen. 

6p fäjttefri bet Sletfkt* «oft un* tym folgen, in 
bet Äunfi, im geben, in feinem gönjen ©tteben* 2)et 
fcfeif , ber au* jebet 3*ife bet Partitur fyettwtge^t, ifl 
t&aljtfyaft titytenb* @t fei und mit unfern größten 
$>eutfd)en ein leudjtenbe« ©otbilb ! — 

Sfaf bie neue ©tympfyonie &ong*9Jtenbel$fotytt* 
83 a 1 1 f) o Ibty 1 toaun mf)t alle, bie bie gtönjenbe Safyn 
biefe* feltenen ®efütn* ttyeilneljmenb bisset verfolgt, 
auf bad f)ö(f)(le gekannt. 9»an fafy if)t wie glefdjfAm 
feiner etften Seiftang auf bem fomp^onifüföen ©ebiete 
entgegen; benn feine wirf (tri) etjieStyntyljonie in ßmotl 
fftflt beinahe in bie frfl^efic 3ugenbjeit be* «JhlnfWet*, 
feine aweite, bie et für bie p$ityarmonif<t)e ©efeUftfyaft 
in Bonbon fd)rieb, ifl bur$ ben 3)rurf nidjt befannt 
werben; bfeStymptjfoniecantaie enbltdj, bet „gobgefang/ 
fann nfd)t a(6 eine rein inftrumentale Arbeit betrautet 
»erben* So fehlte im teilen Ätanje feinet ©djtyfun* 
gen, bie£tyet aufgenommen, nur nod) bie©tytn^onie: 
in aDen anbetn Gattungen tyatte et fhfy ftyon frud^bar 

©twiffen'« butd> btiite#*nb, baf bie «nfÄnge ber 
neuen ©tym^onie jw*r aud) in eine frühere 3ett, in 
bie bon aKenbet*^'* Stufentyali in 8tom fMfen; bie 
tigwitfi^e SBoDenbung gef$a$ <rt*t trfi in ffiugfkt* 



1) fierf H. 



234 

3ur ©eurtyeilung i^tc6 ganj befonbern Gtyarafter* tfi 
bie* gewif intereffant }tt erfahren. SSSie wenn wir au* 
einem alten verlegten ®u<fye plölflä} ein vergilbte* Statt 
fyerau* jietyen, ba* un* an eine entfd)Wunbene 3dt erbt* 
nett/ nnb biefe nun in ganjer^elle wiebet auftauet, baf 
wir bie ®egenwart fcergeffen, fo mögen wotyl au$ bie 
Sßtyantafie be* SRetfler*, a(* et jene alten im frönen 
Stalten gefangenen SMobieen lieber in feinen papieren 
fanb, fyolbe Erinnerungen umfpielt tyaben, fo baf, 
bewußt ober unbewuf t, enbltd) biefe* jarte Songemätbe 
enifianb, ba* ©nen wofyl, wie etwa bie italWnifäcSÄei* 
febefdpeibung in 3ean *ßauF* £itan, bie Stauer, jene* 
gefegnete 2anb nidjt gefetyen ju Ijaben, auf eine SBeile 
»ergeben machen fönnte. 3)enn baf burd) bie gange 
©^mp^onie ein eigentümlicher SJolWton we$t, ifi f<$on 
metyrfad} au*geft>rod)en warben, — ein ganj ptyantafte* 
lofer9Renfd> nur wirb bie* nidjt merfem 2)a* befoitbere 
reijenbe Kolorit ifi e* benn and), wa*, wie ber Statt} 
©d>uberffd)en ©tympljonte, fo ber aJtenbetefofctt'fityett 
eine befonbere ©teile in ber Sfyntyfyonielitieratur ftdjert 
2>a* tyerfömmlid>e 3nfirumentatyatfyo*, bie gewohnte 
maffenfyafte ©reite trifft man in if)t nid)t, nidjt* wo* 
etwa wie ein Ueberbieten Seetyotoen'* au*ftye, fte 
nähert fty atelmetyr, unb fyauptfdcpd) im Sljarafter, 
jener <Sdjubert'fd>cu, mit bem Untertriebe, baf, wty* 
renb uu* bie ledere e$er ein wilbe*, jigeunerifd^e* 
äJoltttreiben a$nen töf t, un* bie 9Renbei*fo$n'* unter 
Üaliänfföen #immel »erfefct Darin liegt juglei<$ au*« 



S35 



geforodjen, baß ber längeren ein anmutig gefttteterer 
Styarafter innewohnt unb baf er und weniger fremb* 
artig anfpri$t, inbef* wir freiließ ber @d)ubert'fd>en 
* wieber anbere SJorjüge, namenttid) ben reiferer (Srfin» 
bungäfraft jufi>red>en muffen« 

3n ber ©runblage geietynet fid) bie Styntytyonie 
StenbelSfotyn'* nod) burdj ben innigen 3ufammentyang 
aOer vier <54fce au*; fetbji bie mclobifdje gü^rung ber 
«£aupttfyema'$ in ben vier verriebenen ifi eine t>er» 
wanbte; man wirb bie* auf eine erjie flüchtige 93er« 
glcidjung tyerau*ftnben* ©o bilbet ftc benn metyr atö 
irgenb eine anbere ©tynq>l)onie aud) ein engverfd)lunge* 
ne* ©anje; Sfyarafter, Tonart, Styrum* weisen in 
ben verriebenen ©äfcen nur wenig von einanber ab. 
2>er ßompontfi wünfd)t aud) felbfi, wie er in einer SSor* 
bemerfung fagt, baf man bie vier ©äfce ofjne lange 
Unterbredjung tyintereinanber fpicle, 

ffiaaba* »ein *aJhifttalif#e ber (Sontyofiiion an; 
langt, fo ifi wotyl über bereit Sleifierlidjfeit 9tiemanb in 
3weifel- 9fo Sdj6n$ett unb 3art$ett be« »aue* im 
©anjen unb ber ©inbegliebcr im ©njelnen fieUt fie fid> 
neben feine Ouvertüren; an reijenben 3nfirumentaleffec* 
ten iß fie ni$t minber reirf). SBie fein 9R* einen alteren 
©ebanfen wieberjubringen, wie er einen flturfgang ju 
fd)mü<fen verfielt, baf un* ba* grünere tvie in neuer 
93eleud)tung entgegentritt, wie retd) unb intereffant ba6 
Detail of)ite lieber labung unb pljttifiertyafte ®ele$rtttyue* 
rei, bavvn gibt jebe Seite ber Partitur neue öeweife* 



m 

3Mc fBirfung ber Styntyfyonie auf ba$ publicum 
wirb jum Sfyeil mit *on bet größeren ober minbern 
»irtuofttat be* Drdjefkr« abfangen; bie* ifk fretlid) 
immer fo, tyier aber, wo weniger bie Äraft ber Staffen, 
al$ bie auägebilbete 3«tt^eit ber einzelnen 3nffrumente 
in Slnftmid) genommen wirb, bowel* ber gatL 93or 
aDem verlangt fic jarte ©Idfer* 9fm unwiberffetyltdffkn 
Wirft ba$<5d)erjo; e$ ifi in neuerer 3*** fo« 01 emgetfc 
reid)ere$ gefdpieben worben; bie Snfirumeitfe fotedjen 
barin wie 3Wenfd)e*u 

Der 6tat>terau0jug ifi Dom Somponiften felbfl, nnb 
mittun gewiß ba$ treueüe 9tbbitb, ba6 ftd) gebaut wer* 
ben famu Srofcbem Uft er oft nur bie $&lfte ber 9toje 
ber Drtfyeftertotrfungen afynem 

S)er @d)luß ber ganjen @^m^onie wirb wiber* 
ffrritenbeTOetnungenljemrrufett, e$ werben tyn man$e 
im ©fjarafter be$ legten ©afre* erwarten, wft$rento er, 
ba« ©anje gletdjfam ftetöförmig afcrunbenb, an ben 
»nfang be$ ersten erinnert. SBir fonnen ifyn nur poctif^ 
flnben, er ifi wie ber einem fronen SRorgen entfprefyiibe 
«benb* — 



Antonio Sa^inL 



2)a* publicum fängt feit Äurjem an, einigen Ueber* 
batji an 83irtuofen merfen ju laffen, unb (wie fte e* föon 
öftet* gejfcnbnt $at) biefe 3eitf^rtft and), Dap bie* 
bte SBirtuofen felbfl füllen, fc^eint tyre ueuerbing* eut* 
ftanbme 3hi$wanberungSlufi nacfy Stmerifa ju bereifen, 
unb e* gibt, manche tyrer geinbe, bie babei ben füllen 
$Bunf$ fyegen, fte motten in ®otte$ -Warnen gan} 
briiben bleiben; benn, Sittel in 2lUem erwogen, jum 
33efien bet üunfi tyat bie neuere SStrtuofttät nur wenig 
beigetragen. 3Bo fte uns aber in fo reijenber ©eftatt 
entgegentritt/ wie bei bem obengenannten jungen 3ta* 
liäner, ba lauften wir gern noefy fhmbenlang, — in 
Äurjem fei e$ gefagt, eS tyat mir feit 3atyren fein 93ir* 
tuo* fo innige greube gemalt, mid) fo wopg unb 
gtütfttd) gefttmmt, a(3 $1. Sajjini* ßr fdjeint mir bei 
weitem ju wenig anerfannt, au$ Ijier ni$t in bem 
©rabe gewfirbigt worben ju fein, als er e$ fcerbient 
2)ie norb*beutf$en " Sßublicum'S entf^liefen fid) nun 



238 



einmal fcfywer, einem A&itßfer einen Kamen ju mad}en; 
lovmt er etwa att* fyadA, fcieüeidjt aud) mit einem 
Drben, fo tyilft tfjncn ba« fdjon e^cr übet bie 3tt>eifel 
tjinmeg. Sajjtoi tarn faß of)ite allen Kamen tjter^er, 
trat anforud)«lo« auf; im ®erdufö bet SReffe ifT* 
olptebk« fernerer fid) befannt ju madjen ; man erwartete 
benn einen ©alonfoieler, wie man fte fd)on ju Stiften« 
ben tyter gehört. (Sr ifl gewiß bei »eitern meljr, unb 
ndtyme man ttym feine ttnfe #anb (jum ftnfaffen bet 
SSioIine), er würbe mit ber anbern nod) fdjreiben fönnen 
unb fid) unter ben bekannten itali5nifrf)en (Sompoftttonft* 
celebritdten nod) gang gut ausnehmen; mit anbem 
Sorten, er tyat aud) ofenbar probucttoe« $a(ent, unb 
bei einiger erlangter S^eaterfenntniß gewiß eben fo *>tel 
JRedjt, wie #err SDonijetti k*, Ctyern ju fdjreiben» 
©ein „(Soncert* bewies e* am beutlid)ften ; ber natfir* 
lfd)e @uß be« ©anjen, bie meifi biäcrete 3nffrumett* 
tirung, ber wirflidj be$aubernbe ©djmelj unb äBoljlHang 
in einjelnen Stetten, — t>on alle biefem $aben ja bie 
meinen Sirtupfen faum eine Stynung* 3talidner iß er 
burd) unb burd), aber im beffen ©inne; ald Urne er 
au« bem 8anbe be« ©efange«, nidjt einem 2anbe, ba* 
ba ober bort liegt, au« jenem unbefannten ewig Reitern, 
fo war mir'* man^mal bei feiner 3Bfujif< 

Kl« ©vieler nun in« befonbere rangirt er gewiß jn 
ben größten ber ©egenwott; an eminenter gertigfett, 
an Sfamutty unb gülle be£ $one«, unb tot allem an 
Steinzeit unb «ttSbauejr wüßt' i<ty Jteinen, bem er e* 



2» 



nity gleid) t^Ate; an eigentfyfimlictyer griffe, 3ugenb* 
UdjUit unb ®efunb$eit be« Vortrag« 4&nagt er mty 
bie fflteiflen, unb aergegemoMge id) mit mannet, 
namentlich belgiftf)er ätotuofen Ijerj* unb feetenlofe« 
Mafftte« SBefett, fo fommt et mit wie ein 3üngling 
unter (Steifen t>ot, bem, ttofc baß et fcfyon auf folget 
glAnjenben #ötye, eine nodj glänjenbete ßufunft be* 

t>0tfal)t 

Die« Utttyeil ju untetfdjreiben, fyätte tdj nut ba« 
®$eqo übet 2$ema'< au« bet Äuffotbetung jum $anj 
ttonSBebet, unb fein ßoncett ju tyoten gekauft unb 
getofinfdjt 8to ben beiben folgenben ©tütfen faty idj 
nut ungern, baß et audj bem publicum ju fdjmeidjeln 
nid)t »etfdjmätyt; fyiet n>at toenfget 9Rufif, abet eine 
Stotyäufung oon SSiolinfünfien, in benen e« nun einmal 
Sßaganini -Jtiemanb nad)tl)un toitb* 3n biefet SBeife 
»olle et leiteten unb jtdj felbft nid)t überbieten ; fle 
fd)eint mit fogat außet feinet Statut ju liegen, bie gu 
gefallen unb gu bezaubern nut if>re einfachen Steige ju 
entfalten brauet; ju Äunfigtiffen bet Äofette feine 
3uj!ud)t ju nehmen, f)at et nidjt ndt^ig. 

SRöge benn bie SBelt bem jungen lieben&oütbfgen 
gtoßen Äunfilet bie ^eilna^me jutoenbeu, mit bet (ie 
gegen weniger SBürbige oft »etfdjtoenbetifdj genug toat* 
<S« jei^net ityn aud) nodj eine ©genfcfyaft au«/ bie bet 
33efd)etbcnt|eü; ba ift nidjt«, toa« un« fpannen unb 
un« in SSerwunberung fefcen totfl* SBeltmüber, blaffer 
SBirtuofengeßalten fyaben n>it nun fdjon genug gehabt; 



MO 

erfreut eud) nun audj einmal an einem triftigen 3ung* 
Ungtgefity, Um £eiterfeit unb 8efren*fo£ auä ben 
Sugen Mitft, n>ie fte nur ein in flct> wa^r^afk glutffidp* 



Stuben für öas pianoforte. 



€1). fcallweUer, 

S Eladeg melodiques. Oe. 4. 

4). tlaimut, 

25 Etüde« ctracteristiques. Livr. 1 et t, 

Cf). IKager, 

3 grandes Etudes. Oe. 61. 

(Stoben erfdjetnen in neuerer 3*it bei weitem weniger, 
als nod) Bor einigen 3atyreiu SBir begrüben fcad al* 
ein flutet 3*1$**/ baf ftd) ber ©inn ber Äfinfiler vom 
SÄedjanifctyen weg wieber bem 9Relobifd)en juwenbet, 
wie bie* and) ganj naiurlid) gefommen , ba eine ©iei* 
gerung ber (Stube nad) bent, wa£ 6^o^in unb St> barfit 
gefeißet, nid)i wotyl mogtidj war. 93telteid)t burdj 
SJienbeWfotyn'S unübertreffliche Sieber ofyne SBorte an* 
geregt/ brache #enfelt juerfi wieber mefobifd)e$ ©erneut 
in bie (Stube. £Ba* nadj tym erfreuen, bewegt fW) in 
iiemttd) gleicher Stiftung. SBa^r^ 93ebeutenbe$ fyat 
bie ©aitung in neuerer 3ett itidjt gebraut ; bie beben* 
iv. 16 



242 



tenberen Sompontflcn, fte als abgefdjlojfen betrad)tenb, 
aenbeten ft<f) anbeten jn* 

Sfod) n>a* un* l)eute jur 8eurtl)ei(ung vorliegt, n>iH 
fid) im ©anjen nid)t übet ben ©rab einer Ijübfdjen 
6a(onmanier ergeben» ©puren tieferer Sfalage jeigen 
fid> l)ier nnb ba nur in ben Stuben fean & SBottoeiler ; 
ber Somponifl fdjeint nodj jung/ »ielleictyt ba<* er jene 
l)eranbilbet nnb mit ber 3ett S^arafter nnb geßigfett 
be$ ©tyW erlangt. 8Ba$ er in ben Stuben gegeben, 
flnbet man gröf tenttyette in früheren beffer nnb meifier? 
tyafter* 3)od) bnrfen nur and) bem jungen unentottfelten 
Aünßler jld) anSjufprecfcn nid)t t>etti>ei)ren, n>enn er 
ni$t gerabe ©djnled&afte* tbet Sperrte* bringt* 2)a* 
(entere finbet auf bie fcorfiegenben (Stuben feine Kutten* 
bung nnb fdjeint namentftd) bie britte gelungener* 3)aj* 
in allen breien ber ©$(uj? (ba* Ifte £l)ema in Dcta&en) 
in gtcätyer Weife triebet «ifWtt, tenlet auf feine groß e 
t^ttamgegrtr ; ftettW) ift ba* *tee ©equemft^fett ber 
Wankt , bie urir ««$ bd ieferen «oaipoirifrn wtä>tr< 
ftabcw, n>ie f. ». in alle* ^enf«t^en «tüten ber 
Stftdgang in *er Witte tuf bkfefte «Seife bu*$ etne 
Sfetyie wttfnbater ®e*t*men*sotbe g«f$ie$t* 

3>ie jujttftt gen«nnten1|liiben geahmten toabtmfra« 
'ätActtfct b«f fie, wte tffe gJmrten, eiwm StatKAiter 
}mn «ttjfcfi* N™- 4fM)tett *>te telfyrtb titten mit* 
bvren 9Ü#tb «uftgfci, ft bAtffc **fe ^ndj trifft %ie 
WMpffttt *gfi|*ttg*tt, b*£ fbr wtot steigen Mtigen 



243 



un* faum ber 93eröffentlid)ung totxti) fd)eint JDfe 
frifdjefien ftnb 9?r* 8 unb 9?r. 10; ba$ anbere möd)ten 
Wir jum größten Steile ungebnuft wiffeit* Slm befHmm* 
teflen n>&re berSomponiji al* ein©d)üler unbUiadjafymer 
Sertinf* ju bejeidjnen, mit bem er namentlich eine ge* 
»fffe ffiflidje ©d^aatyeit, otyne bejfen öfter* wtrflid) 
grajiöfen $lu*bru<f ju teuften, gemein l>at* ©nen fertigen 
6la*)ierfi>ieter i*rratfy«n übrigen« We ©toben in jebem 
Stfid, at* ber er ftd) aud) in *ßari* Sluf erworben. 5)ie 
3nfunft muß lehren, ob wir un6 in unferm UrttyeU 
über fein SompofttionStalent geirrt, ba* un* jur 3eit 
<rf6 ein untergeorbnete* erfdjemt* 

3n ben Salon ftnb gleldjfalW bie Stuben »on 
6» SWatyer ju »erwetfen* 3)en SSorjug größter Steuer* 
m*ßigfeit feilen fte mit anbern fi&wierwerfcn bleiben 
ßorn^niflen, wie £e benn uatädldj aud) uttgenb* bie 
gcwattbte fufjete ©dpeibweife verleugnen Wunen, We 
ftete Ueiüttg unb reiferea Atter überall atft brinsm. 

lange* &ben, eine nad^asWgere Sitfuttg bftrfen 
Wir freilid} ben Stuben nUfyt »erWrgein; baju jfjutb rfie 
ttiet tu fefyr im ginge %<fya\fy< *W « u o^r^td^tüt) in 
Srfbibuttg unb ßatyfbtbnng» «er 06er «1 ftyffytiget 
$wufee fein Sergmtgen $at unb 6^tBeHÄ0«f unb 
8ad) <fktb aud) ni^t .atte £ag* $u genießen unb gu «er« 
freien — , >er greift wofyl au$ einmal $0 lauter 
Stttftf , eine @tunbe fpnjutAnbeln , unb bona in mm fo 
gri$ertm Stoße flc^ *n ber Ärnft W$ af)tm Statte* «n 
erlaben» — , 

16* 



Xfir&ere Städte für pianoforte. 



A. Äubtuftein, „Ätürfne/ Ctuit frk *a* pianofovtt. 
SBetf l. 

5)ie erfie Sfabett be* talenboüen Änabeu, ber ftd> 
aW ©^lelcr einen fdjon grofen Stuf gemalt. £>b er 
aud) bebeutenbe* i>robuctive$ $alent$abe, Mft fid) nad) 
biefer vorltegenben erßen 8ei jhmg weber behaupten, no& 
veraeinen. 5>aji in dem fleinen Stüde ba$ SRetobtfdp 
vorwiegt, ofyne gerate eine fdföne neue SRelobie ju bte* 
ten, ldj?t Reffen, baj* er ba* watyre SBefeu bet 2Ruftf jb 
begreifen angefangen unb fid) in biefem ©inne immer 
glüdlid|er entwideln werbe. Der Sitel ber (Stube fbtbet 
feinen ©runb jumeifi in ber wellenförmigen tfct ber 
93egleiiung«flgur ; etwas Originellere*, burdj unb burd} 
@ebutgene* fomtteit wir von fo jungen 3a^ren nidjt 
erwarten. 3n feinem galle burften aber unreine £ar* 
•monieen flehen bleiben, wie 



245 



jeber irgenb teiblid) gewonbte 9Ruftfet l)dtte il)m bie 
©teile berbeffern fönnen* — 



2ül\üz tyopft, 4 jwttftimmije Jfojen* 

fflerl 29. 

derartige SSerfudje junger Somponifien fmb &u fei* 
ten, aW baß wir nidjt mitbefonberemSBergnügenbarauf 
tyinwiefen, unb nennt jte 95eet^ot>en im Sdjaffenfyow 
audj einmal zweibeinige ©felette* n. bgt v fo finb pe 
unänodj immer tyunbertmat lieber, als bie 33rat>aben 
junger SJirtuofen, auS benen was redjteS nie wirb» 3)af 
bie „©Mette" natürlid) feinen ungefyeuerlidjen ©nbrud 
tyerfcorjubringen vermögen, ober fonft eine Ste&olutton 
in ber 3Ruftf , glaubt wotyl jeber »ornfyereim Ueberau 
aber muffen wir baS Talent unb ben gleiß beSSJerfajferS 
anerfennen, ber mit fo wenigem in einer ber unbanfbar* 
fien ©eftarten fo SobenSwertfyeS ju erreichen wußte» 
(Steige aHjugewötynlidje ©equenjen ausgenommen, be* 
tyagen uns bie gugen in ityrer Älarl)eit unb Stegelrtdj* 
tigfeit gan$ gut, am befien bie lefcte, bie uns in Steina 
itnb StuSfüfyrung bie lebenbigfie fd)eint* 9?od) eines 



£46 

eine ftuge wirft t>iet frdftlger nacfy einem $r&(ubittm, 
unb Sacfy fyatte gewiff feine guten Orunbe, taf er bie 
meinen feiner ftugen mit Sorfpielen einleitete* SBir 
ttänföen, bajj jidj ber Som^omfl bei fp&terett d^nlt^en 
Arbeiten feiefett SBinf nicbt entgegen laffe* — 



Carl Öaf}, *9tt Zvaum Her AriegerbrauV 3m- 
pramtu für Jrte linke <Janb allein. 

SB«* 3». 

3rren wir ntd)t, fo erißirt ein 93ilb eine* neuem 
franjäftftynfiJtorerS unter gleichem JiteL Siedetet tyat 
e* bereutet frei bet #aub gehabt (bie rechte bot iJjm 
baju »cm fettjt) unb in Nörten nadjjufaeten t>erf«d)t, 
loa* ftetttdj in ber SStaleref fc^on föwer au«§nbtü<fw 
!t>at. «efie fU| nadj ben Älefoern auf ben 2»e*fd>eu, 
tta$ Sitein <raf ben 3nljatt fließen, fo bftrfte ber »e* 
faffer auf ein 8*b tfen un* lange warten* 3n bet 
SRufit gibt e$ nun einmal feine ^ÄtiegerbrÄute/ fonbetn 
nut6eyti*ten*unb anbereStccorfee, unb bie MnUQanV 
allein tyat fdjon #oty, biefe )u beroJHtigen, gef^weigi 
benn au$ ttod^ an bie Traume ber erfieren ju toeitftiu 
toir gefyät über ben gef^marflofen 5£ttel ^fnweg, 
tym ff in weitetet Oettrtctyt betlegenb, )ur eigentlttyn 
Wittel, bie ebenfo gut eine (Stube für bte Utile $aitb 
tft, mt riete tyre* ©letzen. Sin (Sonart für jmei 
#tobe galten wir fm((^ f>öf)er, unb bte 3ettfarift $at 



M3 



föttt ifkr «uegefpwrfpn, baß mit folgen m«$«nifä>ft 
itunftläde» »iemaiibem n»b bet Jtunft nity genüfct 
tttirb. Dir SKtye, bie bet Spielet a»fftie*et, iffc entfefe* 
fty, unb »Mi« bei (Sinbtud? faum ein anbetet als bet 
«i*e# $*lpetig ttnb fiofpetfg hielten ©t**e* für )»ei 
<$4nbe» ®eftyi<Hid>fcit unb einigt Satot **gen mit 
*em SJetfaffet «tdjt abfptedjen, et ttrt&enbe fte aber 
<wf Ätätbigete* uttb $el*$nenbetef « — 



ftuiwlpl) ttKUmer*, 

.„€e$nfii$i am Stent." 9Ru|tfaftf6ef ton^emifb«. SSM 8. 
$9<mtafU üfcet ein $$ema »on $r. $mm*. ©et! 9. 
Öoncertbariationen übet ein Steina t?on fBeflini. ©er! 10. 
turne, ffierf 12. 

8nf et tiefen (Sompofitiwten liegen un* t>on bemfef* 
freu Serfaffet einige Uebetttagungen twn liebem t>ou 
Sieidpttbt unb Gimmel t>ot, bie übetaB ben getieften 
brillanten (Stat>ierfpieler ^ erraten, als bet et ji$ bei 
feinet füngflen 8tott>efenJ)eit in $ari* auf ba$ e$te* 
4oUße betätigte. 2Bit fennen tf)n aW Spielet unb 
ßompoßtionftalen* fAon feit frityet, unb bie 3«tfö# 
$at f(^on öfter i$t Snteteffe an feinen Stiftungen auftge* 
(proben. SSBit bebauern fo boppett, tyn jefct auf einem 
Don und an unjAPgen Stetten ate gän^lic% »erottflid} 
bejeidpieteu SBege fcotffyeiten tu fetyen, auf bem er 
unmöglich bem @(^icffale entgegen fann, bem alle* 



— GM* 

— (Btofe 

— 9toc- 



«Ute, »obefWjttge, Sirtuoftf^e mit fccr3nt unterliegt 
®erabe *on iljm, Vereine fhenge @$ule bur$gemad}t, 
wnbem wtrwtffen, bajj er gar wotyl Seet^osetr *um 
©ettini ju uttterfdjeiben weif, entarteten wir etwa* 
ganj anbere*, 3a, e$ tritt im* in biefen ©adjen ba* 
tnobcrne 8Sirtuofent$um md)t einmal in feinen gMnjett* 
t>en Seiten entgegen, wie fte burdj ?ijjt unb 33jattetg 
»ertreten »erben, t>on benen benr erfieren 9iiemanb ©c 
nialitdt in Kombination med)anifd>er ©djwtcrigfeiten, 
(Srfinbung Wirfltd) neuer Snftrumentateffecte ic. abfyre- 
djen fann, eben fo wenig wie bem anbern eine ©alon* 
grajie, eine Serecfynung unb Äenntniß be$ Effectes k*, 
bafl er überall einnehmen unbtnttyujtaSmiren muf ♦ 3)en 
(Sompoßtionen beS £rn. 2BiHmer$ Hebt eine ganj eigne 
Jlrotfen^eitunb^^ilifier^aftigfeit an, al$ traue er feinen 
feinen SJianteren felber nocfy nicfyt, als Ijöre er in ber 
gerne ba$ Donnewort feines alten SDejfauer 8Jteifier$, 
bem, tote und, foldje Sefirebungen unmoglid) erfreulich 
frfn fonnen* 3)iefer Srotfentyeit falber, bie ftdj nun eben 
in Sijte Sfyal&erg'fdjer Spanier bewegt, btefetben ©djwie* 
rigfeiten o!)ne beren 9teije bringt, glauben wir fogar, 
baß feinen *ßrobucten nid)t einmal in ben Äreifen, für 
bie fie beregnet finb, jene Styeitnafyme folgen wirb, bie 
jene gefunben unb bie wir un$tfom&irtuoftfd)en©tanb* 
puncte aud genommen gar wotyl crftdren fönnem <g$ 
gibt unfrer SÄeinung nad) nur jwei 9tu*{Iüd)te für £nu 
SBiUmerS, entweber ganj umjufetyren t>on ber feilten 
©a$n, bie er betreten, ober bem ©d}led)ten gätt)li$ 



24t 



in bie Ärme jn werfen« 3m Ickern gaöe muf er'* nodjf 
Diel t&Her mad)en, aW e$ «nbere t>or il>m gemalt; 
er muf 20fHmmige «ccorbe fyinfd)reiben fönnen, Düte* 
ten unb Dctaben mfiffen tyn nicfyt gentren, et muf eine 
%mx bringen, gegen bie ba* 3ttrffWfe giflt'* unfdjul* 
bige* Äinbergefalle ift; er muf mit einem SBorte gang 
nnb gar »ergeffen, baf e$ eineSBirbe, baß t9 etwa* 
©djöne* nnb ©»ige« in ber Äunfi gibt. Sin Lorbeeren 
nnb Verlegern tt>irb e* ifym nidjt fehlen; nur ba$ ©ne 
furzten wir, — e$ wirb nid)t lange bauern; bie 
Jtränje, bie ba$ publicum fltdjt, jerrupft e« felber wie* 
ber, fu in anbetet SBeife einem Anbeten barjubringen, 
ber fid) auf beffere$8fmüfement mfttty. 33ebenfe er bie* 
nnb ergreife nodj frfil) genug Staffelten jur Umfef)t- 
SRan fann fid) aud) bie Ounfl ber Äunfiler fcerfdjerjen 
nnb bann will'* bereite Slnfhengung, ftdj in bie 
ju raffen, fid) wieber in 9tefoect ju t>erfefcen* 95ebenfe 
er bie*. 93on fduuntlid)en Sompofttionen, bie wir oben 
nannten, fmben wir nur im Sfcotturno eine eblere $aU 
tung, einen Stafteg &on wirflid) etnpfunbener SJiufif, 
aflenfall* aud) in ber „Sefynfudjt am SOleere/ obwohl 
in beiben nod) ?lffectirte* nnb ©etd)te$ genug; t>oll= 
fomtnen »erwerftidj aber ftnb bie anbern Sachen unb 
nid)i* al* ein (Songlometat nidjt einmal intereffanter 
unb gefd)ma<ft>otfer $af[agen, eineSlrt berSompofitton, 
von ber man fid) nur unwillig abwenben fann. 2)er 
(Somponifl ifi nod) iung, wir wiffen bie*; wir wiffen 
aud), e* wirb nod) ©d)led)tere$ unb t>on£alentlof Verenge* 



SM 

traft» «kr elm ttrir rtytett nld)t aficf * n«t> tat tü* 
fhftgttt, fottVm a*$ midj bett ©abctt, bie 3fttn«tö 
wA ifi im* ttt tot Uebttimguttg, b«£ ttrit e* 
mk ehmn jungett Saktttt jtt t$tm }aftnt, beffra uitge* 
ttitynltye Segahtitg wir burd^u* juflefceit, )oty*ft 
fttteigBti gttgrfk^tt, tafr ttfe $ier ft wettfg ffiirMft* 
unb Ungemeines 901t ü)m jh (triften griffet tyabt«* — 



Coitcerte unft Conccrt/ffidc ffir yüroöforte mit 



fcriunanfc Aufferatt), Capriccio für *a* {Kanofartt 
mit ficgleitung Ire« ©rdjcßers. 

©et! 1. 

Die 3eitfd>tif* fai fd>on niedre «rbdtnt biefe* 
talcntociten jungen (Sontyonifcn befrtodjen, bet einig« 
3eit in uttfetet Wdfte lebte unb, wenn aud) nidjt Seiler 
SRenbettfotyn'*, »on iljm 9tati) unb Seletytung erhielt 
2>iefer (Sinfluß Anfett jtdj audj in bet sotliegenben 
(Sompofttion unttertyolen, unb ffötfet jwat al£ in anbe* 
ten foäteten, bie un$ mit feinem -Kamen ju Oeficfyt ge* 
fommen* ©ne neue Seite bet Äunft geigt un$ fomit 
ba$ ßapticcio nidjt, immerhin aber ein adjtungSwetttyeä 
©treten, iofpeü bicö in unferet 3*Ü/ wo bie meifien 
(Slattfetcomponifien au$ Unfenntniß be$ Dtd)ejletfa$e$ 
etwa* äf>nlid)e$ faum $ett>otjubtingen ttetmögem Sit 
erinnern un$, ba* Sapriccto $ier mit Segleitung be$ 
DtffyefietS gehört unb an bet finnigen Mieteten 3nfhu* 
mentitung un$ bamaf* erfreut ju fyaben* 3fl, wie wir 



252 



hoffen, ber ßoutyonifi feitbem nidjt fielen geblieben, fo 
bfirfen wir immer ©ebtegenereS in biefer ©athrng t>on 
tl)m erwarten, unb aud) auf Änerfennung barf er red>* 
nen ; benn ba$ ©erlangen nad) berartigen (Sompofttfo* 
nen wirb, tt>ie gefagt, immer bringenber* 2Ba$ bem 
ßaprtccio im ©Seriellen fel)lt, ift ein anmutiger meto* 
bifdjer ßljarafter, jener 3<wber be$ 2Bol)lflaitge$, wie 
er und aud) aus bem (£mfte beS SReißerä entgegen* 
fhömt SSielletdjt trägt jum ©ebrfidten, 2)unq>fen ber 
SBirfung audj bie Sonart, 2)e$bur «nb (SiSmoll bei; 
ba$ Drdjejler arbeitet nun einmal in biefen unb atyn* 
ltdjen fdjwer wnb ungern, 3ean *ßaul tt)firbe fagen, wie 
in 93led$anbfd)ul)en* 9Wag bteS ein SBinf für ben fint* 
gen Sonfefcer fein, fpäter letztere ju w&$len, wenn er 
wteber in SBerbinbung mit JDrd^efier fdjretbt liefern 
eigenjinnigen Ungeheuer muffen ftd) nun einmal in ge* 
wijfen ©ejie^ungen Sitte bequemen* 2Wit ben beften 
Hoffnungen für bie Sutuuft be$ ÄfinfHer* feigen wir 
feinen fiteren 8eifhmgen entgegen* 



tt). Sterniralc Uewtett, Capriccia für ia* pianofarte 
mit ©rieflet. 

2Berf 22. 

2>ie$ (Sapricrio tl)eilt alle 93or$üge, bie wir fd><m 
fo oft an ben (SompofWonen biefeS bebeutenbfien aDer 
lebenben englifäen ßomfcontffen ju loben (Ratten* SM 



m 

ISitte fragen toix ju färbten an, S3ennett fdjeint fty 
immer fcfier in eine SWaniet rinjufoinnen, and ber et 
julefct ni$t metyt Ijetaudfommen wirb. @r fagt feit 
Jhsrjem immer baffelbe, nur in »erfaberter gorm; je 
»oOfommener et bie ledere ju bcfyerrfdjen gelernt tyat, k 
met^r fd>eint bie eigentliche (Srfinbungdfrafi in itym abju* 
nehmen» (Sr müpte, feinen Ätäften einen neuen Sfyottt 
ju geben, ftd) auf grope Arbeiten werfen, auf bie ©9m* 
Päonie, bie Dpa jc*, mfifte fic^ &om »ieblicfyen, ©#e* 
letiftyen abtoenben, ber Ätaft, ber Seibenfc^aft eine 
©ptacfye finben. 93ielleic^t , bajj Med fcfyon oljne unfet 
3utf|un gefcfyetyen» SQBir wollend Reffen, in jebem goüe 
banfbat gegen ein Talent, bad ju ben edjteßen bet @e* 
gettwatt gebort. 



Mo%* Sdjmitt, 6rillante* ttontreau für fca* fHano- 
forte mit «Drd^eßer. 

fflerflOl. 

Der Som^onift ift befannt genug in feinet ©eiten* * 
»ert»anbtfd)afi jur #ummePfd)en ©d)ule, bie au$ bied 
9tonbeau auf bad beutlfdjfie t>ettätlj. SSBad wir in ben 
meijien 8eifhmgen jenet finben, (Sottectyeit, Älattyett 
unb gluf bed ©afced, finben wir aud) tyiet, unb ben 
gielb'fcfyen Seigefcfymacf, ben bad Sionbeau auferbem 
tyat, etflätt ber Stüter felbfi butd) ben XiUl Souvenir 
ä John Field , " ben et feinem SBetfe gegeben* (Sind iß 
und aud i^tit wiebet rec^t Hat gewotben: tt>ieftdj3*tt 



SN 



mft üttfrru^e in ben kfcten 10— tß 3«$o* aerdikett 
fjaben* £a* Kwtbo, früher getenuft, würbe ftdjt ©in* 
gaitg tKtf^afft $aben; jefct, wir füllen, gelingt ei 

nidjt 4GBir futb *ganj mib gar öfter jeie 4paU>£«l* 
tung Mn SKuftf lj>inau*, wo*er 6*myimiß ben 8Hr* 
impfen, uib biefer jäten {jl&np* laffen tt>#tttr» Sbeth 
fytrttu, ber arme befrottette öeedjown, ja ber ijF* freu 
Udj, t>er }« furzen *>ar f ber Ijat im* fead) anha SB*« 
griffe um S»*#f teigebradjt «ba cm<t) &*t Aiiger* 
fidp $rofa fei iim*rmrf)ri, metin jte turntet ©irotftt* 

ntd)t etw« ber $*efte jeiue« llnjfcxblidKn, ttrie ©od* 
f>M*n, gteid>gefe# wirb* (& gef$iel)t «u$ f^ott f*e* 
ner , bie Jtfyfe jinb geller gemorben. 

SBir fommen jefct ju ben eigentlichen GUmcetfen, 4fea 
auc^ (Soncertino'S, bie neuerbing* erfcfyienen, unb mid>* 
ten mit einem tiefen (geufeer anfanget* über bie Unfntdjt* 
barfett, bie fid) auf biefem ©ebitfe ber dtaDieratujtt 
jeigt, über bie wenige IBebeuienbtyett be$ wenigen 6r* 
fcfyienenen ; quantitativ wie qualitativ fiefyt e* n>irfli<b 
' frawig umtie ©ttteng» ®n€oncerttaom3u 3tefen * 
tja l n bejWWt 41«* in bem Qtobatyc, tm wir fc^on £it 
efotfger Seit p fäjtyfen anfingen/ b*f biefer nUfyt wie« 
gabte ffamfovtfi immer metyr nadjfaffe 4m €> toben Mb 
bem 4twettbat*n*>o$ eine* »autinfcitt'mtt ben 3a(pcB 
an^eim fallen *«tbe. flßk wiffen **$l 7 g*k «er* 
^fttttriffe, w# fty b« Ä4«ftta «u fcfaan &vlt^en öer* 
geffw, w» er Reiben ntuf für Skrkger nnb fyubüam. 
«to mit bie bcöngenbfte ftotywenbigfeit^Mr $iereuw» 



tu 

•tffprndj auf 9ta$fUf)t ber £ri«f ; in jebetn anbern gaüe 
mite 6d)ommg ah unrechter 6tel e* ffiir Ijaben benn 
Met ba6 €one*rttno nki)tf gn fogen, als t* ifl eine 
<B*earfntfon*arbett, in jenen bf ittonkn Rittet *ei#eÄt, 
wfe er SBhfnng madjt etwa <m ©ebnrtetagen gerietet 
«Äter talentfofer Söttet; von SRufif ifi ba lebte 9t Ae. 
ttAer ein Goncetttno t>on <L (SjerMj (®erf «50.) 
wiffen wir gleidtfalW nid)t« jn fagem töet fo färdbt, 
bet fam freiHd) W* SBerf 1000 bringen. <£* ge^irt 
afcer Diel — $alettf baju* 95on einem (Soncerte »ott 
•Utt 3» atf er #Betf 70*) erwarteten wir gteidtfaH* 
«et)t. Sa en^Alt foft nur^affage; friedest baj? fW> in 
ber DttyftcxpattitUT , bie un6 nl*t jn $Anben gefom* 
tuen, mandjeS lobenswertere finbet, — bie <£(a*ier* 
fHntme fyat «nS, wie gefagt, wenig fwube gemalt» 
@*fy*n am ntttßfafiföen ^(tnmel tyter wnte ba fteunMid>e 
Beiden auf / We eine fernere 3**«*ft ber Anitft *er* 
fye*£en, je serfHnraten SBetfe, wie bit* kontert , wo 
oÄe* wfcber auf ÜJtedjanif tmb f}ingerbr<wo«r fyin<w$* 
ftofft, nm ba« boft>eite. 9t<m fpridjtfotfft *on 8er* 
bereit be* publicum«; wer fyat e* benn aerborben? 
3$r, bie <Somi>ontjien*a$irtuofen. 3<f) wü#e lein »ei«: 
ftW, bafi *ln publicum bei einem Seet^wetfföen 
«tfnwrt ie eingeftyafm wäre. $err <S* Sfctyer ge$*rt 
S« ben »efferen ber galanten 6d)tile, wir fyoben man« 
(^em feiner Heineren €(at)(<tfHi«e, anmutigen 9Hma* 
turgebilben, oft aufrichtige* 8ob fpenben muffen, mit 
feinem (Soncerte f)at er aber feinen $ortf$ritt gejeigt. 



2M 

(St bleibt noch ein (Eoncert )u befpredjen übrig von 
3acque« Schmitt (Serf 300,), ba*, in (Srftnbttng 
Weber neu, noch bebeutenb, boch überall ben grünb* 
liehen SRann von $a<h unb Xateni verr&th/ namentlich 
eine würbige $orm, bie grofiebreiffifcige, auffieOt, wie 
wir'* beim bebauern würben, wenn tiefe testete gani 
au* ber Soncertmuftf verfchtvänbe, we$h*lb jeboch irgenb 
genialen Steuerungen nicht* weniger aW ber SBeg ver* 
treten fein foll* Der Gomponifi ifi, wie fein »ruber 
StlotyS, von bem wir oben [prägen, befannt genug; fie 
haben manche* geinein unb ftnb wohl auch in siemlich 
gleicher Schnle exogen. «uf er Älarljeit unb gluf be* 
Safce* {eignet bie ©ompofition von 3acque* Sd}. noch 
ein befonberer SBohlflang, unb vor benen be* anberes 
mehr @rfmbung*fraft ber SRelobie au«. SebenfaO* ijl 
e* erfreulich, einen verfallen (geglaubten wieber mit 
einer größeren ©ompojition hervortreten ju fehen, unb 
^ebt fie bie @attung auch nicht auf eine höhere Stufe, 
fo vermehrt fie fie auch nicht unnütz im ©egentheil 
man wirb ba* (Soncert, etwa al* SSorfhibie ju $um* 
meffchen, jängern Spielern mit Stuften in bie $<mfe 
geben fönnetu 

Dieöijibennbie 9lu*beute, bie wir auf biefem ©ebiete 
beräJluftf machten, ba* wichtigße, waö in einem deitraumr 
von Aber brei 3afyren herau*gefommem 2>af e* um bie 
©attung traurig flehe/ fagten wir oben ju vidi 



Cieber unb ßefänge. 



Carl ftoflmalg, 

6 ©efange für eine ©ingjHmme mit Begleitung bei «Piftnoforte (3tel $eft). 

Carl 4|tljte*, 

6 ©efange für eine SingfHmnu mit Begleitung bei $ian9fttte, SBerf 1. 

Robert S ranj, 

12 @efange für Sopran ober Senor mit ^ianoforte. ffierf 1. 2 4>eftc. 

2)er 9iame be* guerfl ©enannten ifl tt)of)I ben meifien 
anferer 8efer fein frember metyr. SBie fict> in feinen 
Äunfianjicfyten, t>on benen biefe ßdtfäüft feit ityrer 
(Satzung öfters mitteilte, ein fietS auf ba6 ttfirbigfle 
3iet ber Äunji gerichteter ©inn autfpxati), fo toar Med 
aud) &on tf)m al* $cafttfer ju erwarten, 3^8** ft$ 
bort überall beuttid), bajj fjtnter bem Äritifer ein guter 
3JJufifer ftd) verbarg , fo gilt »on ben Siebern baffelbe 
umgefefyrt, unb toie wir tym gern in bie oft feltfam »er* 
fd)lungenen ©finge feiner ©ebanfemoelt folgten, fo 
#em unb al$ SWufifer nod) lieber in bie feiner Jon* 
iv. 17 



258 



ftfyöpfungem 2)ie Sieber finb ntd)t alle gleid) unb fdjei* 
nen auf jwet aerfcfyiebene Sebenfyerioben be* Giovxpt* 
nifien tymjubeutem 3n eine frühere fefc' W) 9tr* 1 
,$rityling$glaube,« 9ir- 3 „(Srfier SJerluji" unb 9?r. 6 
„2)ie 91% be* ©eliefoen/ in eine foätere, neuere bie 
anberen. 2)er Unterfcfyieb bfefer jwei #filften tfi auf* 
fallenb* #at fid) ber (Somponift in ben fpäteren offenbar 
ju größerer Älarf)eit burcfygerungen, ju einer letzteren, 
freieren ©efyanblung *>on SBort unb $on, fo mochte id> 
bafur ntd)t bie Alteren Eingeben, wie oft fie und aud) ein 
tterbüfierteä ©emütfy fefyen laffem #at er in ben erfteren 
vielleicht leidster gefunben, fo in ben anberen tiefer je* 
fud)t; bie festeren, jene in Älterer &it gefdjrtebenen, 
finb mir bie lieberen ♦ 

6$ ifi eine fd)6ne 3*Ü, wo ber junge Äünftler, 
unbefummert um Seit unb 9luf)m, allein feinem 3beal 
nachlebt, ben f)öd)fien gleiß aud) auf baS Äleinfie Der* 
wenbet, fetner Äunfl aKe$ fyinjuopfern bereit ifi. 3n 
eine fold)e f feinen mir jene erfigenannten brei 2ieber 
p fallen; e$ finb weldje unter vier Singen ju fingen, 
nufyt ofyne SRutyen, aber mit Siebe gepflegt unb »oHenbet; 
t>or einem publicum würben fie erfiarren , unfcerftaitben 
wie ein tiefer äRenffy im ©efeßfdjaftsfale vorübergehen, 
tl)re oft grüblerifdjen ©injeln^eiten fogar 3Äif besagen 
erweefen. Slnber* bie brei anbem Sieber : fie finb weit 
abfidjtlidjer, mefyr auf bieaugenblitfli^eSSßitfungbere^* 
net, unb gewiß, baß fie ftd) fdjneller SeifaD erringen; 
<*ber jene Snnigfeit unb ttrfprfinglicfyfeit ge^t i^nem 



259 



bofßr ab, man merft itynen fogar eine Hinneigung in 
feie SBeifen Slnberer, namentlkl) $r* ©<fyubert'$ unb 
2Rarfdjner'$, an, toÄf>renb jene alteren, nur leife ntand)* 
mal an ©}>o$r erinnernb, fonji beut eigenen ©eraüt^ 
be$ Somponifien entfprungen fcfyeinen. 938a« bie Sieber 
«Äofmafy'S im ©anjen auäjeicfynet, ift bie Slbftc^t ber 
tfeffien@rfaffung be$ @ebid)te$ unb ber auf bie 33eglei* 
tuug getoenbete forgfame gleiß* SBon 6eiten be$ ©ingen* 
ben n>ie be$ ©pielenben gehört ju it)tem Vortrag ein 
genaue* SSerftänbnif* , bajj biefer mit feinem oft frier* 
fümmigen ©efpinnft nicfyt »erbeeft, toÄfyrenb jener ben 
golbenen gaben ber ÜJtelobie unbefümmert fortjufufyren 
»erfie^ett muß* Oft möd)te man über ein ,3wiel" in 
ber Segleitung Hagen; bei genauerer ©etradjtung er* 
fcfyeint fie aber ber (Srftnbung beS ©anjen fo t>ertt>ad)fen, 
bajj ftd) faum ettoaä toegnefymen Idft 2Röd)te benn ber 
ßompomfi jenen Zon wieberfmben, ben er früher ange* 
fHmmt; er tt>ar fein eigner unb fann iljm nid)t verloren 
fein ; tt)ir fyaben nod) mandje eble 93lütfye feinet Talent* 
t>on tfym ju erwarten» — 

3)er jweitgenannte Somponiji ift ein junger 2)äne, 
unb wie un$ 2)änetnar! in neuefter &\t wand) bead)* 
ten6tt>ertfye$ Talent geliefert, ttrie «£>artmann, ©abe, 
£ornemann, Sowenffiolb u* 81., fo freut e$ uns, 
biefen in ber 3^itf(^rift fdjon öfter* ernannten Tanten 
ben be$ $m. $clfteb fnnjujufügen, ber ficl> mit feineit 
Gebern auf ba$ efyrenboüjie in 3>eutfd)lanb einfuhrt, 
©o mag im 9lu$lanbe nod) manche* $a(ent verborgen 

17* 



260 



leben , ba* fe$nfüd)tig na$ JDeutfdjlanb, nod> immer 
bem guten ffiaterlanbe wahret 9Jhifif r tyerfiberblitft, unb 
et gibt freiließ nur wenige funßftnnige gärßen, bit 
tynenbieSDtittel, SMlbung unb Stuf ju gewinnen, fo 
oft unb gern gewähren, wie ber t>on 3)&nemarf , *oä 
welkem au$ ber ttom^onifi }u einem mehrjährigen 
Aufenthalt im »uSlanbe Unterftöfcung erlieft. Sir 
fähren bie* an, weit fid> fo manche* an ben Biebern 
leichter erflären Uft: bie beutfdjenSerte, bie fafl immer 
gute2)ecIamation, bie ganjeSlrt berSRujif, bie, nur 
manchmal notbifdjer anflingenb, fonfl ed)t beutfd} \vl 
nennen* SBon ttielen unferer Sieberconq>ontften fonnen 
wir bie* (eiber nid)t rühmen; wir ^aben wotyl %am* 
burger, SBiener u* 8L, ed)tbeutfdje^ nur wenige; ber 
junge Däne tonnte mausern jum SWufter bienen. 3)amit 
fei inbej} feineflweg* gefagt, e* wären bie Sieber burd>* 
tt)eg metfiertyaft, aber ein feuriger 3üng*t im ©Uten 
ftef)t immer tyfjtx, als ein SWeifler im SJWttelmÄf igen, 
unb jenes Spit^eton bürfen wir unferem im beften Sinne 
be$ äBorte* geben» 93telleidjt finb bie Sieber, wie ein 
£tyu* 1, fo bie erften überhaupt, bie ber Gomponifl 
getrieben ; bie SWelobte erfd)etnt hier unb ba nod) etwa* 
unfertig, bie $orm n>ill fid) noch nicht überall gleich 
fd)ön gepalten» SQBie ber Duell, eJ)eer$um reiben breiten 
©trome wirb, in unruhiger #afi, jefct SBafferfÄOe btfc 
benb, ober gel* unb 6tein uberfpringenb, »orwärtf 
treibt, fo mancher jiunge ÄunfHer, unb oft bieten gerabe 
jene Anfänge einen reijenberen malerif^en Unblicf, att 



ta* bequeme 8ett, in beut fi$ öftere t>ie SReifierföaft 
au$ruf)t 2)ie$ 95ilb auf bic Sieber angewanbt, fo haben 
#e etwa* anjieljenb wilbe* unb jene erjle Stifte, ber 
toir gern bie Keinen SBtfingel nactyfehen, tt)ie fit ftd) im 
©efolge jeber erfien ajerfuetye finben. ©o wüßten wir 
j. 9. an manchem Siebe be* #rn. liefen formell ni$t6 
auäjufefcen; aber bie ganje 9lid)tung biefed unb anberer 
©ompontjiett feine* (£Ij>arafter* ifi eine vulgare, \x>&\)< 
renb wir an ben Seifhmgen Anberer formell vitMfy }U 
tabeln finben, ber $Punct aber, »on bem fie ausgeben, 
ein ungleich ^ö^erer ifi* 2)af bie Sieber, *>on benen tt)ir 
fr rechen, burcfyauS einer ebleren Stiftung angehören, 
bemerfen wir mit ftreuben; fie ftnb mehr afe blofje 
Slccorbbegleitung ju einer fangbaren SMobie, fie gehen 
in 9 * Seben be$ ©ebicfyteS ein, unb bie tneifi glü<flid)e 
Sfaffaffung fc^lteft au$ bie funfilidjere Stabführung 
nid)t aus* 60 entbeden wir oft Heine Äacfyatymungen, 
hinter benen bie SRetobie nur um fo fdjtauer hinburd)* 
fiefy, feine 3«ge, bie baS Df)t beb SDtuftferS t>errathen, 
ber neben ber #aitytmelobie glei^jeitfg jwefte unb brüte 
Heinere erfmbet* 3n biefer ICtt fd)einen mir ba$ *£lofier* 
frMem'unb^nber^embe" bie gelungenen ; nament* 
lieh muß ba$ lefcte, etwa* langfam genommen, *>on 
bur<hau$ trefflicher SBirfung fein; e$ iji mein Stebltng 
geworben* 3Ba$ bie Sieber, gegen einanber *>erglid)en, 
nofy intereffant macht, ifi ihre ^arafterifiif^e 33er« 
fdjiebenheit. 2Bäf)renb anbre ©ompontfien 3af)relang 
nicht üon SMler*, 2Biegen* u. a* Siebern (äffen fönnen, 



jeigt tya jebe*, mt freiließ ttemünftigemeifc fäjum 
burd) bie $Baf)I ber »ergebenen ©ebtd)*e bebingl 
»urbe, eine anbete mnftfalifdje gärbung. Der utmge 
„ftritylingSglanbe/ ber wilbe„irre ©pietetann" (&d)ens 
botff$, £eine'6 foottiftye* „3m £irn' foult mir ein 
SRityrdjen fein/ bie beiben „altbeutföen" Sieber , nnb 
ba$ lefcte melandjetiföe ,3n ber grembe," fic fdjlageit 
alle einen unter ftd) t>erfd)iebenen, in ber 4?<utytfa$e 
immer ben redeten Jon an, wa$ für bie gatyigfeit bed 
(Sompomjiett, bie er mit ber 3eit ber Oper juwenben 
möge, ba$ gnnfiigfie 3* u fl n $ ablegt» Jabel gegen (Sin- 
jelne$ — wo wäre ber nid)t ttoraubringen ! ©o fdjeiat 
mir ba$ erfie 8ieb trofc feiner Snnigfeit bod) etwa* 
ftywerfdlltg, ba$ altbeutfdje eine« gnten $taffe$ ju ent* 
beeren, ber ©djluf be$ „Älofterfräulein" unbefyaglid) 
n. bgl* 86er, wie gefagt, bie ^anptfadje ifi ba : ZaUrü, 
ernfieS Streben, fdjon weit gebtefyene SMIbimg; bie 
©enien, bie ifym bieS tterliefyen, werben and) ferner ifcte 
freunblid)e £ülfe nicöt fcerfagen«. — 

Ueber bie lieber t>on %x anj liefe ftd) Jriel fagen; 
fie flnb feine fcereinjelte (Srföeitumg wnb fielen im innigen 
3ufammenfyange ber ganjen (Sntwicfehmg unferer «Rnnft 
in ben legten jeljn Sauren. 9Ran weif, bajj in ben 
3afjren 1830—34 ftd) eine Äeaction gegen ben berr* 
fd)enben ©efdjmad erfyob* Der Stampf war im ©runbe 
nidjt fdjwer; er war einer gegen ba$ gfoäfelwefen, ba$ 
fiefy, 9fu$na§men wie SBeber, Söwe u. angegeben, 
fäf* in allen ©attnngen, am meifien in ber (Sta&iermuff 



389 



geigte. S?on ber (Staviermufif ging au<t) bet etjfc Angriff 
au$; a» bic ©teÄe ber SßaffagenjWufe traten gebanfen* 
bollere ©ebilbe , unb namcntltd) jweier SDteiftet (Sinflu^ 
machte fid) in ifynen bemerflid), ber Seetftoven'fl unb 
93ad)'$. 2>ie 3^1 t>er 3imger wud# ; baä neue Seben 
brang aud) in anbete $äd)er. gür ba$ Sieb fyatte fd)on 
grana @d)nbert vorgearbeitet/ aber mefyt in ©eetfyoven'* 
fdjer SBetfe, bagegen in ben Seijhmgen ber SRotbbeut* 
fcfyen bie SBirfung 93ad)'fd)ett ©eifte* ftd) funb gab* 
Die ©ntwicWung ju befd)leunigen, entfaltete ftd) aud) 
eine neue beutle 2)id)terfd)ufe : Otüdert unb ©djen» 
borff, obwohl fcfyon früher blüfyenb, würben ben 
SJlufifern vertrauter, am meiften Urlaub unb #eine com* 
ponirt. ©o entfianb jene funfivollere unb tieffinnigere 
&rt be$ Siebet, von ber naturlid) bie grüneren nid)t$ 
wiffen fonnten, benn e$ war nur ber neue 2)id}tergeijt, 
ber ftd) in ber 9»uftf wieberfyiegelte. 2)ie Sieber von 
91. granj gehören burd)au$ biefer eblen neuen ©attung 
an. 3)a$ in ©aufd) unb Sogen fabricirenbe Sieber* 
mad)en, ba$ ein 6tümi>ergebtd)t mit bemfelben Sefyagen 
reeitirt, wie etwa ein SRüdert'fdjeS, fdngt an in feinem 
SBertfye gewürbigt }u werben , unb wenn ba£ gemeine 
publicum ben gortfdjritt nicfyt gewahrt, ben öefferen 
tfl er l&ngfi f(ar geworben. Unb in 2BirfIid)feit iji viel* 
Itfdjt ba$ Sieb bie einjige ©attung, in ber feit-SBeetyo* 
ven ein wirflid) bebeutenber gortfdpitt gefcfyetyen. 93er* 
gleicht man j. 93. an ben vorliegenben Siebern ben gleif 
ber Sluffaffung, ber ben ©ebanfen be$ @ebid)te* bi* 



m 

auf ba* SBort wiebergeben möchte, mit bet »a<$Wfgg* 
feit bet Älteren ©efyanblung, wo ba* @ebid)t nur eben 
fo nebenher lief, ben ganjen tyarmonifdjen ffa*bau 
bort mit ben fd)lotternben 35egleitung*formeln, wie fte 
bie frühere 3eit nid)t lo*werben fonnte, fo fann nur 
Sornirtyeit ba* ©egenttyeil fetyen. 3»it bem SJorigett i£ 
fdjon ba* (SfyarafterifHfcfye ber Siebet »on 91. gronj an«* 
gefprodjen; er tt>ill mefyr al* wofyl* ober übelflingenbe 
SWufif, er wiH un* ba* ©ebidjt in feiner leibhaftigen 
Siefe wtebergeben* 2)a* ©titt*tr5umetifd)e gelingt i$m 
am beften; bocfy ftnben nur aud) SReijenbnatoe*, fo 
gleidj ba* ljie Sieb, bann ba* „$anjlieb im SJJai,* unb 
mutigere Aufwallungen wie in einigen SJurn*'fdjen 
Settern ©ne 9tetye ber t>erfd)iebenjlen Silber unb ®e* 
fityfe werft ba* SieberboWelfyeft ; etwa* Schwermütige* 
möchte jtd) überall mit einfielen. 3um Vortrag ber 
Sieber gehören Sänger, 2)id)ter, fWenfctyen; allem 
laffen jie fidj> am bejien fingen, unb bann etwa jur 
Abenbfhmbe. ©njelne* beleibigt mein Dljr, fo bie 
Anfänge be* 7ten unb 12ten Siebe*, ba* öfter* wteber* 
fommenbe e im legten; eine*, ba* 7te, wünftyte 
td) ganj an* ber Sammlung entfernt, e* fdjemt 
mir in SWetobie unb Harmonie ju gefugt. 3Ba* 
aujjerbem übrig bleibt, ift intereffant, bebeutenb, 
oft borjöglidj fäfau JDem $ie(ffd)en Schimmer* 
liebe wünfdjt' id> einen mufftalifcfcreidjeren ©d>fajj; 
bo<$ bleibt e* aud> o^nebie* eine* ber glü<Hid#em 
SBotlte man einjelne feine 3üge anführen, man würbe 



865 

nid>t fertig; innige SRufifmenfd)en »erben fie fdjon 
$erau$fmben. 

3)ie JJfeber unterfctyeiben jtd) benn fyinreidjenb t>on 
anberen. 933er aber fo begonnen/ barf ftdj> nicfyt nwnbern, 
wenn bie ßuhinft nod) l)il)ere SJnforberungen an tl)n 
fieHh Erfolge in fleinen ©enre'e führen oft w ®n* 
fettigfeit, tut Lanier, Sd)i$e fid) ber junge Jtünftler 
bagegen burd} Ergreifen neuer Äunjifonnett, »erfudje 
er fein reid)e* 3nnere aud) anber* aufljufpredjen al* 
burd) bie Stimme* Unfere 3^eilnal)me folgt iljm gewif 
überall* 



tffetnere Compofitümen fto Ißianafwtt. 



£ ranj protze, 6 Öariatianeu über ein ©rtgütaltijcma 
ftcgifd)cn 3nJ)alte. 

©er! 27. 

Sern Styema fyat ber Somponift nicfyt su t>iel gefagt, 
tt>enn er e$ nennt, wie er eS genannt, e$ berührt und 
auf eine ganj eigne me(and)oltfd)e äBeife, tt>ie bie lefrte 
Älage eine* Ungtütfltdjen; wir würben e* gerabeju treff* 
lid) nennen muffen, wenn un$ nid)t einige gefdjmatflofe 
SBenbungen barin wieber ftorten. Unb fo »erhält e$ fidf 
mit beut ganjen GtyffoS; e$ ifi ein fonberbare* ©etmfd) 
t»on s ^ßI>tliftröfität unb Talent, t>on @efd)ma<Hofigfeit unb 
(guipfmbungSfiille* Daß iebe ber Variationen au* einem 
anbern Jone geljt als baö Steina, würben wir an ftd} 
e$er ai* etwa* 93efonbere$, t>om ©cfylenbrian ?lbwei* 
cfcenbe* bejeidjnen, at$ tabelnSwertlj ftnben. SBie e$ 
aber fyier gefd}tel)t, in ber SBeife, bafi bie t>erfd>iebenra 
Variationen einen fcom elegifdjen $on be$ 3$etna'6 fid> 
gÄnglid) entfernenben Gtyarafter annehmen, bie in (Sbur 
fogar in einen gran$oi* ^finten'fdjen Vra&ourton&erfÄllt, 



2§7 

Witt un$ jene (Sonberbarfeit eben nur at$ eine fotefye, 
feine burdj eine innere 9lotl)wenbigfeit begründete gorm 
erfdjemen. Wm ba$ Sfyenia, n>ie gefagt, unb bann 
aud) ber ©d)lußfa$, ber wieber ben Gtyarafter be$ $fye* 
raa'd aufnimmt/ fiimmen und jur $l)eünal)me für ben 
(SonUHmljien, ber, wenn er feinen ®efd)mad an wahren 
3Ru#ern reinigen wollte, t>ielleid)t mit ber 3*i* wafyr* 
fyaft Sd)öne$ ju Sage förbern würbe* 93or Slllem müßte 
er bann t>om fßaffagenfram laffen, bem Urforunglidjen 
feiner ®ebanfen bie red)te gaffung )u geben, überhaupt 
SBieled lernen, wa* jtd) aud feinen 33üd)ern, fonbern 
nur im fieten SJerfefyr mit 9Jieifiern unb SDteijierwerfett 
unb burd) 93ergletd)ung jwifd>en biefen unb ben eigenen 
Seifhingen lernen läßt* 3Äöd)te i!)m bie erjiere 93ergün* 
fttgung ju Sfyeil werben unb er jum anbern Äraft unb 
93efd)eibenfyeit genug mitbringen* 



Stephan geller, Jtyantafte (ffierf 31*) unfc fialero* 
(3B* 32*) über Steina** au« fcer 3itotn u. fjaleflg. 

3)te$ ifi auefy ©alonmufif ; aber wie jiefyt l)ier über* 
all ber feine SRufifer heraus, wie ^ifant unb eigentfyüm* 
ltd) alle* ! Oft fcfyon fyaben wir unfer Sebauern auSge* 
fywdjeU/ wenn wir wirflid) fcfyopferifdje Talente in 
feconbairen (Sompofirtonäweifen jid) ergeben fafyen; an« 
bemtfyeilä fann e$ aber aud) 9tu|>en bringen, wenn geiffc* 
reiche ÄunjHer, wie St* geller, manchmal ben Salon 



US 

bebenfen, tvcfyn fonft fein Strahl guter 9tttftf fo leidet 
bringen tträrbe. <S* tfi, al* ob ft<$ ^alet^* SRuftf in 
£cfler'* £anb Gerebelte; er befifct eine anferoAentttdje 
©ettHmbtljjeit, frembed SRittelmÄjHged fo ju$urid)ten, 
bajj e* ftd) ttie eine gute DrtgtnalcompoftHon anhört» 
Sir ttiffen faum einen anbern (Somponiflen, ber e* tym 
barin gleidj tfyfite, ber fid) in einer ©attung, bie immer 
einen ffinjHerifcfyen £Berbad)t erregt/ fo wenig bon feiner 
SBfirbe jn hergeben n>fi$ te* SBenbe er a(fo immerhin bon 
feinem 3tetd)tfyum and) bem Dilettanten ju; er fötögt 
itym bamit bie 33rücfe §um Sierjtönbnif tieferer Aunjh 
©efaljr für feine eigene bejfere ÄfinjHerfctyaft fdjeint ba* 
mit nid)t fcorfyanben ju fein. 



Ö. t^albetrg, brillante toaljer. 

SBerf 47. 

Sie n>&ren ju recenftren, ofyne fte gefefyen ju fyabem 
2Ba* fönnte man fyier erhalten, ald bad Siebte, eine 
flimmernbe flunfernbe (£lat>ier*3:anjimijif, bie nidft* 
ttiB als ba$* Sfad) 6f)opm nnb 8i£t $aben für ben 
Sanjfalon geförieben ; n>ie Balberg fid) im ©rofen 
bon tiefen unterf (Reibet, uotrb man tyier wieber tat Jtlei« 
nen gettatyr; ben f<fytt>irmerifd}en, immer ettoa* mafu* 
renartigen Gtyarafter ber GfyopWftyn 2Bal$ermnflf, ben 
fttrmifdjen be* Ungarn 8i#t in elegant ^»ienerif^er 
Bereinigung nneberaufinben, greife man mtr nad> ben 



i 



M0 

S^afberg'föen Saljern. eine @nq>fe$fattg ber Ärittf 
ift unnötig, wo au$ ein Slbratyen ntd)t* fruchten 
würbe» 



0. friefcburg, Caprice. 

3>ie (SompofHion tyat feine SBerfja^l, iji »om (Som* 
poniftat „feinem SSater* angeeignet — wir fyaben olfo 
vnf)l ein (grfUtngtyrobuct t>or un«, nnb »war ein t>iel* 
&erfpred)enbe$* SEBie fetten wirb un$ bie greube, bte$ 
fagen in fonnen, nnb wie gern mieten wir'* öfter! 
SJor allem jeigt fid) in ber (Saprice/ fo furj fie tft, eine 
Hare ffinfilerlftye gorm; fie bringt nidjt* fopfto* 3u* 
fammengewfirfelted, man jiefyt überalt bie orbnenbe 
4?anb, bie aud) ffinfiltdjere gormentterfölingungen ju 
befyerrftyen trautet, bie *>or ben ©djwiertgfeiten ber 
Entwirrung nUtyt jurücffdjretfk SQ8o wir bie* an ber 
3ugenb wafyrnefymen, bürfen wir immer Hoffnungen 
für bie 3ufunft fyegen; bie Sefyerrföung ber gorm füfyrt 
baö Talent gu immer größerer greif) ett, bie @efd)i(fyte 
aöer Äunfie nnb Äfinfiler tyat ba$ bewtefen* 3war, wir 
ftnben and) in ber (Saprice jugenbUd^e 8lu$wüd}fe ; aber 
bad ©nte fft bei weitem überwiegenb nnb bur(fy nnb 
burd) 9KetfterIi(^eö gelingt \a aud) beut Alteren Äünjller 
nid)t ju feberStunbe* ©o bewitlf ommnen wir benn ben 
{ebenfalls nod) inngen Üöiann unb feinen erßen ©pröf * 
fing mit ben erfreulichen Erwartungen ffit ba$ Später* 



870 



3ur größeren SBBirfung be$ Stüde« fyStten wir if)m nur 
einen feurigeren Sd)fafj , einen 6<fyfaj* im gorte ge* 
ttmnfd)t; im leben$frifd)en 61)arafter ber (Sahire lag 
aud> fein®runb $u bem (eifen <5nbe, Slber auf nid)t$ $at 
ber (Somponiji in feiner jftmft mefyr ju ad)ten, alö auf 
bie red)te Äraft b«$ @$(uffe$; nur fte gibt bie Sota!* 
wirfung. 



f. Ctyapm, ftarantelle. 

©er! 43. 

(Sin Stüd in (Sfyopin^ toDßer SRamer ; man fie^t 
ben wirbelnben/ t>om SBaljnfmn befeffenen Sänjersor 
ftd), e$ wirb einem felbft wirblid) babei ju 2Äud)e, Sdjone 
ffliuflf barf baö freiließ S?iemanb nennen, aber bemSRei* 
jier üerjei^en wir wofyl aud) einmal feine wilben 3fyan* 
tafieen, er barf aud) einmal bie Sladjtfeiten feine« 3iraern 
fefjen laffen. gür Stecenfenten t>om regten (Sdjrot unb 
Äorn Ijat Gfyopin ofynebieS nid)t gefdjriebem — 2>a$ 
erfie 9Serftönbni£ be3 <Stfide$ wirb leiber burd} bie 
Drudfe^Ier, *on benen e$ wafyrljaft wimmelt, fefyr er* 
fdjwert. 



271 



tih Stcrnbale 6emtett, Konto. 

ffitrf 25. 

9iad) ber fcorfyergefyenben (SompofUion wirft btc 
Sennett'fdje wie ber £anj einer ©rajie nad) einem 
£erenreigen* Sennett fyat fdjon fciel Sfe^ntic^ed gefd)rie* 
ben unb einen gortfdjritt lä£t aud) biefe Sirbett wmif* 
fen, bie anbrerfeit* wieber alle bie meijierlid)en 93orjüge 
beftfct, bie wir fd)on fo oft an biefem Gomponiften l^er* 
»ortyobem Da* ©anje gibt fid) anfprud)lo$ unb ifi 
offenbar ju einer ©tubie für Spieler mittlerer gertigfeit 
befKmmt, wie e* aud) ber fyter nnb ba angegebene $in* 
gerfafc anbeutet, 6$ fefylt an gehaltvollen ©tüden biefer 
2lrt, weshalb wir e$ angelegentlid) empfehlen. 



pretssonaten. 



0togd 2)uo fut ^tanoforte unb Sfottne. ©er! 3. 

Conto ^etfd), 

fltofje* 5Duo für «Piaitoforte unb ötefine. Set! 13. 

<$* ftnb biefe beiben (Sompofttionen t>ou bem notb* 
beutfetyen 9Kufth>ereine in Hamburg mit bent greife, 
nnb jwat bie etfigenannte mit bem erffen, bie jweite 
mit bem jweiten gehint Horben. (Sine »ergleictyenbe 
Ätitif fc^eint alfo f)tet mef)r a(6 in jebem anbern goDe 
jiattljaft Snteteffant mußte fdjon 3ebem ttornfjerein bie 
Stnjeige (ein, baf ein Dilettant ben *ßrei£ übet bie 
Äünjilet bafcongetraflem 9?a$ genauerer (Smfic^t in bie 
(Sompofttionen befennen wir tnbeß, baß bie Sachen 
feineflweg* fo fctylimm fielen, baß bie (&f)tt ber SRuftfet 
nod) fetne$weg$ alö verloren ju erachten. 9Rtt SBergnä* 
gen gefielen wir, butd) bie etfigefronte ßompofttion mit 
einem Dilettanten befannt geworben gu fein, wie e* 
beten, wa* Steinzeit be* ©afre$, ©eföidlidjfeit bet 



• 



Steorbnuug unb Änderung im Sinne guter -Stufte 
anlangt / nid)t »feie geben mag. 3Jon einer Sßreidcom* 
pofttton erlangen wir tnbeß metyr, alö baß fie blod gut 
ift, baf fie und feinen ätolaf ju $ab*l gibt: wirtter« 
langen ein erftnbungdreidjed, lebendfrifcfyed 2Berf, ein 
SBerf , bad und neu« Seiten ber Äunß enthüllt ober, 
im milbeßen Sinne &om 9iid)ter beurteilt, auf eine 
fruchtbare 3ufanft bed ©djtyferd ^offen läßt Sollen 
Slnfprüdjen gegenüber fann ftc^ aber bie erfigenannte 
(SonqjojUtön ni^t Raiten; wir ttermtffen überall Dri* 
ginalität unb -Jieutyeit, fte ergebt fic^ faum über ätyn* 
Hcfye Sirbetten »on Slnbread Homberg, mit anbern 
SBorten, fie fommt circa 30 3afyre ju fpdt* 2Bir muffen 
bied, fo gut ed 33ud)jiaben vermögen, genauer nad)* 
weifen. 

3)er erfle ©afr — 8lmoll — beginnt mit einem ein* 
fad)en Sfyema, bad aber fdjon *>om 5ten Sacte an matt 
wirb unb aud) fpäter, wo bie ättoline in einem finn>eln 
ßontrajmnct bajutritt, fein wärmered 3ntereffe ju er; 
weifen »ermag, 3)te Stelle bis )um (Srfdjetnen b$d 
fDur^ema'd bewegt fid) lebhafter fort; bad lefttere 
felbft aber (in (Sbur) fdjeint und fef)r gewöfynlidj, 
butd) gar nid)td audgejetd)net ©djlufj bed lften Ztyeilö 
in ßbur unb etwad bilettanten^after Stütfgang na$ 
31 m oll, um in ben Anfang ju fommen* 3m üRitteltfyeil 
biefed ©afced wirb nun ber lfie Zact bed 2fofangd'!El>e* 
ma'd audfä^rlic^er befyanbelt, bo$ nad) 33efd)affenbeit 
biefed lederen wenig iittetefiant 3)ad 2)ur^ema et« 
iv. 18 



874 

föeint j^t in (giS) SRoll; hierauf aiemli* fönette 
Stobutatfon nad) 9moQ unb bem Anfange guriuf, »o* 
rauf nad) gewöhnlichem £erfommen bad grünere no<& 
einmal folgt unb balb ber ©d)lu$ mit bem lpen Styema 
lieber. 

6$ folgt ein Sdjerjo, bad wir artig unb wo^lge* 
tungen nennen muffen; aud) bad$rio fagt und febr ju; 
nur erwarte man eben nicfytd Originellere*. 

3>ie Stelle bed «bagio'd vertreten Variationen über 
ein tyfibfd) gefungened Styema. Von ben erfteren gefällt 
und bie 3te ald d)araftert>oll empfunben ; bie jweite tjt 
faum eine Variation, fonbern bad Styema felbfi nur mit 
einem einfädln (Stauieraccompagnement sermetyrt. 

Den Variationen fdjliejft ftd) ofyne 5ßaufe gleid) ber 
lefcte ©afc, ein Allegro agitato, an. 3n ber gorm etwad 
unftar fdjeint erundbmnod)berlebenbigfleunbfd)Wung* 
ttofljie ber ganjen ©onate, unb tyrntertäft fo eine bem 
SBerfe günftige Stimmung. 

gaffen wir unfer Urtfyeif in Äurjem jufammen, fo 
mfijfen wir bem Verfaffer, wie gefagt, Sefltyigung unb 
Silbung sugeftetyen, feinem Streben/ burd) (Smfodftett 
ju wtrfen, alle ®ered)tigfeit wiberfatyren laffeu, tyra 
©lü<f wunfdjen ju feiner Äunfl, bie itym t>ielleid)t einen 
trotfnen bürgerlichen SSeruf t>etf<^dnen tyilft. SSBAre fei* 
ner (Sompofttion ber Sßreid allein juerfanut Horben, 
wir Knuten nictyid bagegen haben, ba und ber SBerty 
ber anberen eingetieften Arbeiten nid)t befannt fein 
lamu «foberd gehaltet fty aber bie ©ad>e, wo wir, 



S7S 

wie #er, eine jwette (Sompofttion jum SJergfeid) t>or 
»n6 fyaben, unb fo flehen wir, ba$ $rei$gerfd)t nid)t 
gu begreifen, ba* bie bei weitem bebeutenbere, überall 
9*n einem reiben Talente jeugenbe Sonate t>on Souid 
#etfdj Jiener nadjfefcen fonnte* 

2)a$SBerf leibet, im ©egenfafce ju bem be$ «$nu 
Ärug, an einer gewiffen Unrufye unb UeberfftBe ; aber 
wie »iel SSorjüge f)at e$ auferbem t>or Jenem ! ©n le* 
benflfrifdje* £erj fdjtägt und au* if)m entgegen, ber 
(Sontyonijl gibt fid) fcoll unb otyne 9tö(fyalt, e* friegelt 
fid) ein ÜWoment ber ©egenwart in feinem SBerfe, ntd)t 
ber fdjledjten, frerberbten, fonbernifyrer würbigeren 93er* 
treter* Unb fefyen wir ben Äünjiter nod) nid)t auf ber 
Ǥ6fye feine* Talente* , fiegt er nidjt gentuSgteid), fo fft 
e£ aud) gewtj* nod) ntd)t ju @nbe mit feiner Äraft unb 
wir bfirfen auf immer meifierfyaftere Setfhmgen &on ifym 
mit 6id)erfyeit ausfegen. UeberaH fyntyatfytftren wir 
nid)t; mandje* fc^eint und gefugt, nid)t naturlid) 
genug gefungen, ber ßomponiji gehört ju b?n originell 
leren Naturen, bie immer mefyr i u * Sntwitfelung 
brausen, al$ bie alltäglichen* 8ld)tung müffen wir aber 
immerhin bem fd)on (Streikten jollen, feinem bebeuten* 
ben ljarmonifd)en SSM jfen, feinem fräftigen ©tyl, feinem 
©treben im ©anjen wie im®njelnen bebeutenb ju fein* 
3)en SSorjug t>or allen Säften geben wir bem erfien; 
erinnert er aud) in feinem $auptt\)ema etwa* an ba$ 
be$ 93eettyot>en'fd)en groflen @«bur*6oncertt, fo fyat 
ba$ bod) ber überall $eworbred>enben SBärme ber 

18* 



176 



Sktyonbümg feinen (Sütttag getrau. Siefen Slafbng 
auagenommen begegnen wir fonßim®a$e tautet (5t gern 
tyümlicfyem, oft, namentlich in bet Harmonie, 3nkrcf< 
farctem unb Stenern; au$ an fünftlidjen (Kombinationen 
in ber tyematifdjen Arbeit ift ba$ ©türf teid). 95or 
allem aber fagt un$ eben fein trfbenf$aftlid>er ftoljet 
Straftet/ bei, and) wo et jtd) zuweilen ju milbeten, 
f^5rmetif^eren@efü^tenumftimmen mochte, nirgend 
gn voeibif^et ©ßntimentalitöt tyerabffotft 

fflit muffen leibet befennen, baf bie übrigen ©4fre, 
einet nad) bem anbetn, an 3nteteffe *>etlieten. 3« 
£bagio tiefen toit jwar noefy auf bebeutenbe Sd)ön* 
Reiten; bie breite Anlage jiefyt ganj im SBet^dltniffe p 
bem elften ©afce unb erinnert an bie 8lbagiott>eife in 
ben gtäfeten 33eettyot>en'fd)en Sonaten. 3m 6d)etjo 
txetmiffen toit aber einen eigentlich anjtefyenben ©eban* 
fen; fdjito ifi jebod) ber Uebetgang in'$ Srio, unb ba$ 
leitete felbfh 9lm toenigflen gefällt un$ ber lefcte ©afr; 
fd)on ba* petita bünft und nidjt mufifaltfdj genug; 
man fefye felbjh 



m 



2Bir hofften wntgjien$ auf eine canontfetye fyumo* 
rijiifdje Verarbeitung , }u ber ba* S^ema auf be» 
erftett Stnblicf auffotbett 6« fommt aber nid)tt ber- 
gleiten. 2)a$ jweite Styema: 



277 

ift tt>o moglid) nod) weniger bebeutenb* $rofcbem fitfyrt 
ber (Sontyonifi ben ©afc nidjt mit Unehren burd) unb ed 
fefylt il)m nid)t an einselnen geiffteid)en SEBenbungem 

gaffen ttrit unfetttrtyeU über bcibe SQSerf c nod) einmal 
jufammen, fo nnebetljoten ttrit: in jebetngatte übe wiegt 
bie jtioeite ©onate bie erfie an Ätaft, (Srfinfomg unb 
Originalität; in feinem möchten ttrir aberbemad)tung$* 
werten iDttettanten be$l)afi> feine greube ttetfümmenn 
Sfacfy jum ©tüd gehört latent, unb 3eber finbet am 
(Snbe in ber eignen S5ruji feinen unpartl)eiifd)ften 
9ttd)tet- — 



9teue, füf)ne SMobieen muff} bu erftnben. 



,<S$ f)at gefallen" ober: *e* tyat nidjt gefallen* fagett 
bie 8eute* $11$ ob e$ ntd)to £öl)ere$ gäbe, al* ben 2eu* 
ten ju gefallen! 



8id)t fenben in bie SHefe be* menfdjtidjen^erjend— 
be* ÄünfHer* »eruf ! 

9Hemanb fann metyr, al* er weiß* 9tiemanb toeif 
tnefyr, aW er fann* 



2Ber in ber 8iteratur nify ba* S3ebeutenbfie ber 
neuen (&fd)einungen fennt, gilt für ungebilbet 3n bet 
9)hiftf foDten wir aud) fo weit fein* — 



SBorfiber bie Äünjiler Sage*, SRonaie*, 3atyrelanfl 
nadjgebad)t l)aben, ba$ motten bie Dilettanten im $ufd} 
tt>egl)aben? — 



Der SommernacOtstraunt 



— Der juerfi etwa* über ben ©ommernactyWtraum 
t>on mit erfährt, biji natürlich bu, geliebter greunb, 
2Bir fafyen üm enblidj geflern (nad) beinahe 300 Sauren 
jum erftenmaie), unb bap ber Styeaterbfrectot gerabe 
einen SBinterabenb mit if)m auöfdjmfitfte, jeugt tum 
richtigem ©inne> benn im wirflicfyen Sommer verlangte 
man efyer nad) bem „SBiniermäfyrcfyen — " au$ befannten 
©runbem SSiete, ba$ fann id) bir aerftdjern, fatyenwotyl 
nur ©fyafefyeare, um SJlenbetefofyn ju työren; mir ging 
e* umgefetyrt 3dj weiß tedjt wotyl, baf STOenbetefotyn 

ntd)t mad)t wie fd)iedjte ©djaufoteter, bie ftd) im 
zufälligen 3ufammenfpiel mit gtof en red)t breit machen 
wollen; feine läRujtf (bie Ouvertüre aufgenommen) Witt 
nur eine Segleitung fein, eineSJermittelung, eineSrutfe 
gletdjfam jwifcfyen 3ä>M unb Dberon, ofyne bie ein 
£inüberfommen in ba$ 9teid) ber geerei fafl unmJglid}, 
wie fie gewif au$ ju ©fyafetyeare'S Otiten fd>on eine 
SRolle gefpielt. SSBer metyr fcon berüRuftf erwartete, wirb 



280 



fid) getdufd)t gefunben fyaben; fte tritt fogarnod) befrei* 
bener jurütf, als in ber „Stntigone/ wofceilid) biedere 
ben 9Jiuftfer jn reiferer StuSjiattung jwangen. 3n ben 
©an 9 ber eigentlichen ^anblung, inba$Siebe$t>erfyfiltnifj 
ber üfer jungen 8eute greift bie SWufif fonfi nid)t ein; 
nur einmal fcfyifyert fic in fpredjenbeu Slffecten ba$ @u* 
d)enber£ermia nad) ü)rem ©eliebten; bie* ifi eine »or* 
treff(id)e Stummer* 3m Uebrigen begleitet fte nur bie 
geenpartfyieen be$ ©tü<fe$* Unb l)ier tt>ar 9Jienbel$fol)n 
an feinem fßlafc nnb Sliemanb fo ttrie er, ba$ tt>eif fi bu* 
Weber bie Dwerture ifi bie SBelt töngfi einig; Strand-- 
ferfrte 3ebbel$* gibt e* freiließ überall. Die »lüfye ber 
3ugenb liegt über ffe auSgegoffe«, wie fauut über ein 
anbere* 2Berf be* domponijien, ber fertige beißet tfyat 
i* glfaflidjfier 3»inute feinen erßen IjSdtfien gtag. 
3*üt)tcnb xoat mir'ö, ftie in ben fräter entfianbenen 
Stummem oft 93rud$fi<fe and ber Dufcetture jutn Sor* 
f^tin fotntnen, unb mir in ben @$luf beä ©anjen, 
ber bett ©djlujj ber Du&erture fafi »örtlid) bringt, 
fKmme {$ m*t ein. Die 2lfcft<t)t be* (Somponifiett na$ 
tfbrunbung be$ ©anjen ifi Har; fle fdjrint mir aber ju 
»e*ftanb*$mÄj5ig Ijeworge&radjt; gerabe biefe ©cene 
1)Am er mit feinen frif^eßen $6nen anhatten foBen, 
gerabe $er, wo bie SRuflf jur grölen SBirfung getan» 
gen fonnte, $atte id> etwas Originales, 9teugef$atfrae* 
emattet 2)enfe bir felbfi bie ©cene, wo Me &ftn ju 
«Ben fttgeit unb ©palten be£ ^aufeS ^ereinfletternb 
f$ttn »ingelrei^n taujeit, JBroH t>oran „bie glur ju fe* 



281 



gen blanf unb weif* unb Dberon feinen Segen erifjei* 
lenb: triebe fei in biefem ©d)fof" u. f* — uid>» 
fd)önere$ für 3Bujtf fann gebaut »erben* ßontyonirte 
SR* bodj an biefer ©teile no<$ etn>ad 9?eue$ ! — ©o 
fdjien mir beim, blieb audj bie l)öd)fie SBirfung be$ 
Stüde* am ©d)lujfe and; man erinnerte fid) tt>oi)l ber 
liefen reijenben SWuftfnummern im SJorljergegangenen, 
ber (SfelSfopf 3*bbel$ mag nod) fyeute mannen belufH* 
gen, ber 3auber ber grünen SBatbnacfyt nnb bie 93ertt>ir* 
nmg barin SBielen urt&ergefltd) bleiben; ba$ ©anje 
matye bod> aber me^r ben dtnbrutf einer Storitdt* 3m 
ttebrigen, glaube mir, iji bie 9Wufif fein nnb geifhrefd} 
genug, gleid) &om erflen Auftreten DrolW nnb ber 
@ffe an ; ba$ ifi ein Herfen nnb @d)erjen in ben 3nffru* 
menten, «16 hielten jie bie Slfen felbft; ganj neueSöne 
ftort man ba* Slenf erfi Heblid) ifi and) ba* balb baranf 
f*lgenbe@lfenlieb mitbenSdjluflworien „nun gute 9tad)t 
mit @tya SPopetf unbfofllle*, tt>o biegen mit im Stiele 
flnb. Sind) einen SWarfdj fannji bn l)ören (ben erflen, 
glaub' id), benSWenbel$fol)ttgefd)rkben) &orbem©d)tup 
be$ legten $l)ell$, er erinnert in etwa* an ben SBiarfdj 
in ©poljr'd „äBetye ber Söne" nnb ^dtte origineller fein 
f önnen ; bo$ enthält er ein !)8d)fi reijenbe* Xxio. 3)ad 
Or^efler hielte imter 9K* 2). Sad)'* Leitung »ortreff* 
Hdj, aud) bie ©c&aufyiefer gaben ftd) alle 2Rül)e, böge« 
gen bie 9u6fiattung faft drmlid) ju nennen war* ^ente 
foW ba$ ©tfitf wieberfyolt werben* 



Klefs W. gäbe. 



3n einem ftanjoftf^en Statte xoax fror Äurjem gu 
(efen: ,@to junger b&nif^et <Soml>onifl mad)t jefrtut 
2)eutfd)ianb $faffe$en, ec $eift Oabe, wanbert, feine 
SMoline auf bem Staufen, öftere $on Gegenfragen nad> 
Setyjig unb juriuf , unb jtetyt bafcei au* tote bei letb^af* 
tige SWojart* 2>er erjie unb lefrte 6afc finb t>oBfommen 
richtig; nur in ben 9»itteifafr $at jty etroa* Stomantü 
eingefallen* 2)er junge 2>äne laut toirflid) t>or einigen 
SKonaten in Jktyjig an (obwohl er ti>ie feine SSioIine 
fa^renb) unb fein Sföojartfopf mit bem fiarfen wie in 
Stein gehauenen £auptl)aar pafU gut $u ben ©tyntiHi* 
tl)ieen, bie feine Dwerture ju Dfftan unb feine lfre 
©9uq>$onie unter ben tytejtgen SRuftfern fd)on t>or$er 
erregt Ratten» 

9lu$ feinem fiuf eren 2e&en iji nur wenig ju frerid)* 
tem 3« ßopenfyagen im 3* 1817 geboren, ©o$n eine« 
bortigenänfhumentenmacfyer*/ mag er feine erßen3a$re 
metyr unter 3njirumenten, aW unter ÜRenfdjen $üige* 
trfiumt tya&en* ©einen erfien Unterricht in ber Stojtf 



388 

txfytlt er t>on einem jener gettitynltdjen Sekret, bie 
überaß nur auf ben med)tmif$en gtelf, nid)t auf ba$ 
Talent fetyen, unb e$ foH ber SRentor mit ben gfortfdpit* 
ten feinet 3ÖQHng^ nld)t fonberlid) jufrieben gewefen 
fein» ©nitone, ffiioline unb 6lat>ier lernte er t>on jebem 
efa>a6, of)ne fid> auf$erorbentli<§ fyer&orjuttyum (Srfi 
fpfiter befam er grünblid)ere Sefyrer in ffierfcfyall unb 
95erggreen, tote if)n au$ ber treffliche SBetyfe manchmal 
beriet^ (Sompojtttonen&erfd^tebenerSlrt entjianben, *>on 
benen inbef ber Somponip jefct nid)t t>iel galten voiü, 
ed ttflren jum2$ell2lu$brud)e einer fürc^terlt^en ^ßf)an* 
tafte gettefem Spater fam er in bie foniglidje Capelle 
ju (Sopenfyagen al$ SJioIinift, unb tyier tyatte er @ele* 
genfyett, ben 3nfhumenten alle bie ©etyeimnijfe abjufou* 
fd>en, &on benen er fie un$ manchmal in feinen 3nftot* 
mentalfiüden ersten töft 2>iefe practifd)e ©djule, 
mandjem wrfagt, mieten unfcerjianbenbenufct, erjog 
ityn tooty fyauptffidjltd) $u jener SDJeifierfc^aft in ber 
3nftrumentation, bie it)m unbejfcitten jugefianben wer- 
ben muß* Ütorcty feine Duwture „9tad)flfinge au* 
Dffian/ bie auf ba$ Urteil ©jx^r'* unb %x. ©c^nel* 
ber'3 mit bem t>on bem (Sopentyagener 9Rufih>ereine 
au$gefd)rtebenen greife gefrint ttmrbe, mag er too^l 
bie Sufinerffamfeit feine* regierenben funfitiebenben 
Äönig* auf jtd) gejogen tyaben; fo erhielt er. bcnn, tt>te 
t)iele anbere Satente unter feinen 8anb$Ieuten, ein wafyr* 
Ijaft Wnigttcfye* ©ttyenbium ju einer Steife in'* »u$* 
lanb, unb er madjte fid) für 1 * erfle nad> Seidig auf, 



m 

ba$ tf)tt guetft in ba$ grdfere muftWif^e publicum ein- 
geführt fyatte* 9toc^ ift er l)ier, Wirt) fid) aber Wtutea 
Äurjem nad) $Pari$ itnb fcon ba naefy 3talien begeben. 
60 benufcen »ir benn ben Shtgenblitf , »o fein 8ifi> 
nod) frifd) &or un6 jiefyt, einige 3*8« ffafHerif^m 
£fgentl)*mtid)feit be$ trefflichen ÜRamteS gu geben, 
»fe un$ unter ben 3üngern feit lange feiner *>otge* 
fommen* 

SBer *on feiner 9fe$nlid)feit mit SWojart, bie wirf* 
lid) eht>a6 UeberrafdjenbeS bat, inbef aud> auf eine 
muftfalif(f)e 8eljnlid)feit Seiber ^tiefen »oBte, »4rbe 
fe^r irren* SBir l)aben einen ganj neuen £OnfHer* 
Gtyarafter &or un$* 3n ber $l)at fdjetnt e$, al$ 06 bie 
5>eutfd)tanb angränjenben Stationen fid) t>on ber «g>m* 
fd>aft beutfdjer SKuftf emoneiptren »olltcn; einen 
3)eutfd)tl)fimter Wnnte ba$ &ielteic$t grämen, bem tiefer 
Mitfenben S)enfer unb «Renner ber 9Kenfd)l)eit »irb e* 
nur natürlid) unb erfreulidj »orfotnmenu ©0 vertritt 
6f)o^in fein Skterlanb, 93ennett (Snglanb, in £ottanb 
gibt % ÜBerfyulfi Hoffnungen, feinem SBaterlanbe ein 
»urbiger JReprdfentant ju »erben, in Ungarn madjen 
jid) gleichfalls nationeHe Bestrebungen geltend Unb 
tote ftc and) ade bie beutfd)e Nation at$ ityre erfie unb 
gelfe&tefie &l)rerin in ber 3Ru#f betrauten, fo foB jty 
Stiemanb *>er»unbern, wenn fte aud) für tyre Station 
ii)re eigene Sprache ber 9Rujtf ju fyredjcn »erfu^en 
»ollen, oljne bef fjalb im 8e$ren tyrer Sfceifterin untren 
8u »erben* 2>enn nod) ^at fein 8anb ber SBSett SRriffer, 



m 

bie mit unfern gtofen dergleichen Knuten, unb 9tie* 
manb $at bieä nodj leugnen trollen. 

8fud) im Horben (gutopa'S faf)en wit fd)on nationelle 
Senbenjen jid) Auf em. önbblab in ©todtyolm uberfefrte 
utt* feine alten SJolWlieber, aitrt) Die 93ull, obtt>of)l 
fein ptobucttoeS Talent erfter ©rofc, fcerfudjte Älfinge 
ait£ feinet «£eimatfy bei un6 einzubürgern- duften ja 
bie neu auftaucfyenben bebeutenben !Didjter ©canbma* 
fcienä feinen mujttolif^en Talenten eine mfidjtige Slnre- 
gung geben, trenn fte anber* nid)t t>on felbft *>on ityren 
SBergen unb Seen, ifyren 9tunen unb 9forbfd)einli$tern 
baran erinnert würben, bafi ber -Korben gar wotyl eine 
eigene ©pradje mitreben bfirfe* 

9lud) unfern jungen Sonfünftler erjogen bie Dieter 
feinet 9Saterlanbe6 ; et fennt unb liebt fie alle; bie alten 
5Raf)rd)en unb Sagen begleiteten tyn auf feinen Knaben* 
wanberungen, unb oon (SnglanbS Äüfie ragte Dfftan'S 
Sfciefenfyarfe herüber* ©0 jeigt fid) in feiner SRuftf, unb 
guetfi eben in jenet Dfftan3*Dut>ettute, jum erjienmal 
ein entfdjieben ausgeprägter norbifdjer ßfyarafter; aber 
gewif wirb ®abe felbji am wenigen oetläugnen, wie 
iriel er beutfdjen SWeijiern ?u t>erbanlen fyat 3)en gtäfc 
ten %ki$, ben er ityren SQSetfen wibmete (et lennt fo 
jiemlidj Mt# »on Mm), belohnten fte i^m mit bem 
@efd)enf , ba$ fie allen fyintetlaffen, bie fidj i^nen tteu 
zeigen, mit bet SBetye ber SÄeijietfcfyaft 

93on neuern Sompcnifien iß namentlid) ein (Stnflup 
2Wenbel$fofyn , $ in gewijfen Snfitumentalcombinationen 



S8C 

ftfybar, namentHdj in ben „Natingen au$ Offian;* 
in ber ©ipntyfyonie erinnert man^eä an granj ©Hubert; 
bagegen ftd) überall eine gan) originelle SRelobieeitwdfe 
geltenb madjt, wie fte btefyer in ben tydfytxtn ©attangen 
ber 3nfhumentalmuftf in fo *olf$tl)üinßd)er Srt uod) 
nid)t bagewefem Uebcrtyaupt ragt aber bte ©tympfyonie 
in jebem Sejug über bie Ouvertüre, in Naturfr&fiigfeit 
tt)ie in 3Jtetfier$aftigfeit £e$nifd)en- 

Dabei ift nur eine* )u wünfd)en : baß ber JtünfUer 
in feiner Nationalität nid)t etn>a untergehe, ba$ feine 
,norbfdjein*gebäfyrenbe* $Ptyantafie, wie fte 3emanb be* 
{eignete/ ftd) reid) unb »ielgeftaltig jeige, baf er and) 
in anbere ©paaren ber Natur unb be$ Sebent feinen 
SMitf werfen möge. @o m6d}te man allen ÄünfHern jh* 
rufen , erft Originalität $u gewinnen unb bann fte wie* 
ber abzuwerfen; fct)langengletc^ f)dute er ftd), wenn ba* 
alte Äletb ju verfd)rumpfen anfängt. 

»ber bie ßufunft ifi bunfel; e* gefd)ietyt ba* Weifle 
anberä als wir backten; nur unfere Hoffnungen bürfen 
wir au$fored)en, baf wir ba$ ©ebiegenfte, <5d)6nfk 
von biefem au$gejeid)neten Talente erwarten. Unb att 
tyätte tyn, wie 93ad), fd)on ber 3ufaU be$ Namen* auf 
bie SNuftf tyingewfefen, fo bilben fonberbarer SBeife bie 
»ier Sud)fiaben feine* Namen* bie vier offenen Sioltn« 
faiten* ©treibe mir Niemanb bie* Keine 3eid)ai fyoty* 
rer ©unji weg, wie ba* anbere, bafj ftd> fein Name 
(burd) vier ®d>lfiffel) mit einer N*te fdpeiben Wjft, We 
$erau*auftnben (Sabbattfien ein Seilte* fein Wirb. 



287 

3?odj in Mefem Statute erttartotflfctt eine gtoette 
©^ntytyenie ©abe'$; fie tt>eid)t »on ber erfien ab, ifl 
tpei^er unb (eifer; man benft babei an bie ttcMi^en 
ftadjenttälbet SWnematfc* 



£$eateröücOfem (1847—50). 



Joljann von JJam tum BoitVöxcu. 
(2)en 4ten2Wai 1847 in $te*ben.) 

(Sine SWeifieroper* 3»ei Sfcte, jwei SDecorartonen, 
jwci ©tunben 3eiilfinge — alleö trefflid) geraden. 
3ean be $ßari$, gigaro, unb SSarbier, bic erjien fomi* 
fd)en Opern ber SEBelt unb nur bie Kationen ber 6om* 
ponifien jurüdfriegefab ! 

3nfirumentation (auf bie jefct mein #au}>taugenmerf 
getyt) überall meifterlid) — bie 33la$infhumente, namettt* 
lid) Klarinetten unb Börner, mit93orliebe befyanbelt, ben 
©efang nirgenbä bedenb, — bie SBioloncetlo'a tyier unb 
ba fcfcon als felbßftänbige ©timme mit (Sffect betyanbelt 

Börner Hingen in fyofyer Sage, wenn bie ©ingfHrame 
nod) fyöfyer liegt, fefyr gut, tterfd)meljen fldj mit ityr* 

lempler nn& 3übux von Ätarfdjner. 

(IDett 8ten SRat 1847.) 

SDWt grojj em Oenufj gebort» 2)te (SomDofitum Ijicr 
unb ba unruhig, ni$t ganj Mar infhumenttrt, neben 
einer gfiUe geifiretd^et SMobieen* SSebeutenbe* braraa* 
tiföe* Talent, einzelne Stnfldnge an ffleber. 



(Sin (SbelfUitt/ ber fid) ni$t gan* »Ott feiner ro^en 
^fiOe befreien fönnem — 

35et)anblung ber©ingfKmmen jumSljeU nid)t banf* 
tar unb bom Orcfyejier erbrädt 3** *M ^ßofaunen. 

2>ie(5t)öre gingen fpottfd)led>t, fte müßten tfyeilwetfe 
größere SBirfung magern 

3n ©umma, nad) ben 2Beber'fd)eu bie bebeutenbfle 
t>eutfd)e Oper ber neuem ^tiU 

3p\)%itnia in 2luÜ6 tum tfclutk. 
• (£)en 15ten SWai 18470 

©d)röber*f$ebrient, Ätytämneffra; SBagner, 3pfyt* 
$enia; SJtttterwurjer, Slgamemnon; $td)atfd)ef, 9M)itL 

9lid)arb SBagner fyat bie Oper in ©cene gefefct; 
(SoftömirottgunbDecorationenfefyr angemeffen* Sfadj an 
ber SJhiftf tyat er fyinaugetfyan; id> glaubt' e$ fyieunb 
ba ju fyoren. Sludj ben ©cfyluf „nad) Sroja" tylnjuge* 
mad)t 2>ieö iß eigentlich unerlaubt, @lu<f wftrbe an 
9t* SBagner'S Oper trielleidjt ben umgefetyrten $ßroccfj 
twrnetymen — wegnehmen, fyerauäfdjnetben* 

2Ba$ foll td> über bie Oper fagen! Sie lange bie 
SBelt ftetyt, fohfye Sföuftf wirb immer wieber einmal junt 
33orfcfyein fommen, wirb nie alt, 

«in großer origineOerÄunfiler* SRojart fle^t auf fei* 
nett@d)ultern flc^tbar ; ©ponttni copirt il)n oftwörtHd), 

3)er ©d)luf ber Oper wieber bon fy$d>fier SBirfung, 
wie in &rmlba* — — 
iv. 19 



SM 



CovnJ) tafer vn «idjor* teagmet. 

CDot 7ten «iigttft 1847«) 

«itu £>per, über We ft$ nidji fo in Äurje frrefyn 
lAf t. ©etüif , bo£ fte einen genialen 8fofirf($ lj>ak ffiir' 
et ein fo mefobiifer SWuftfer, nrfe er ein geifiretyer, er 
wäre ber SJtann ber 3*iU 

Siel ließe fty Aber bie Dper fagen, unb fte serbiente 
e$, ld) {?ebe e$ mir auf f^dter auf. 

Ca iavotiU t»on ©oimetti. 
($>« 30f at tfagtift 1847.) 

9?ur jnoei 3(cte $6rte idj. $Puwentyeatermuftf ! — 
Cnrgantlje van C. Üt. o. fcDeber. 

<$«n 23fleti 6n>tbc* 1847.) 

©ef(^tt>drmt ^abenwir, wie lange ni$t. 2)te5D?ufif 
ifi nod) fciel ju wenig erfannt unb anerfannt« @6 ifl 
£erjb(ut, fein ebe(fte£ tt>a$ er tyatte; ein Stätf geben 
$at itym bie Dpa gef oftet — gewof ji ♦ 96er auefy unflerb« 
lid> ifi er bnr$ fte. 

Sine Äette glänjenber 3un>elen t>om Anfang bi* 
junt ©d)luj5. 8ße$ getjfreid) unb tneijierfyafk 3>ie 
(l^araftertfHf berStnjefaen, nament(id)<Sg(anttnen* trab 
(Sufyantyena, wie t>errttc^ — unb wie Hingen bie 3n* 
ftatmente! au* ber inneren liefe frredjen fte ju un*. 

Sßir waren gatt) boH ba*on, fpra^en nod) lange 
barfiber. 2>a$ geniale Stötf ber Oper fdjeiut mir ba* 
Duett jwif^en fyftart unb (Sglantine im 2ten «ct. ÜXt 



»1 



3Rarfd> im 3ten «fct gu <S$te» her ndmttfyn ifT* au$, 
aber nic^t ©njelnem, beut ®anjen gebührt bie Ärone* 



fiarbier von Senilla van fiafftii. 

(3nt Stowmfcet 1847.) 

SJtit ber 5Biarbot*®arria ate Stofine* 3mmer er!)et* 
ternbe geifhetd)e 9Kuftf, bie bejie, bie Sioffmt je gemalt» 
3)ie 93tarbot madjt au$ berDper eine grofe Variation ; 
faiim eine SRelobie ttft fte ungefährem SBeM)* falfd)e 
Unfi^t t>on Sirtuofenfretyeit! Uebrigen* il)re bejie 
9toHe* — 

Stumme von flartta t»on anbet. 
(Den 22fen Bebt. 1848.) 

3>ie Dper eine* mujffalifd)en ©lücKfinbe*, 2>er 
©toff&atfle erhalten* 3)ie3Rn(if gar ju roty, gemüfyfo*, 
babei abfd)euii$ fefirumentirt« #ier unb ba Junten 
t>on ®eifh 

©beton von toeber. 
(5>enl8t«iSR&rj 18480 

®ar ju fyrtfd)er Stoff* 8tud) bie SRuftf anbern 
SBeber'fd^enCtyera angriffe nadjflefyenb* ©ne fdjluuq)* 
rige $tafffil)rung* 

ietbinanb Corte; von Öpontini. 

(JDeit 27flen 3uli 18480 

SJiit @ntjfi(fen jum ljienmal gehört. — 



19 



m 

(Den Ute« «ugnftO 

©<§tetye 2faffüfynmg unb unbegreifliche $em)>o* 
nafjme *on 91* SBagnet* 



jjetmlidjc €\)t von Cimarofa. 

(Den 19ten 3um 1849») 

3m Sedjnifdjen (<5afr tmb 3nftnimetttation) buxty 
auämeifietlid), fonft jiemltd) inteteffeloS, julej>ttt>atytl)aft 
langttoetKg unb aller ©cbanfen lebig* 



tttafferträger tiatt Cherubim. 

(2>en8ien3ttK-) 

9Wtt großer greube an ber geifttetdjen meifterlidjen 
£tyet feit fielen 3afyten triebet &um lftaunal getyJtt 
©n fcorttefflifyr SBaffetttäger in $>a\T Sljie* 

Jtopljet tian ©iac. Ätegcrbccr. 
(5>ett 2im gebt. 1850.) 



+ 



3irufifiafifdje $aus-- unb Ceöensregefa, 



5)ie ©Übung be* ©el)ör$ iji ba$ SBidjtigfie. 33e* 
uritfye bid) frityjeftig, Zonaxt unb $on )u erfennem 
2)ie ©loife, bie genfterfdjeibe, ber Äutfuf — forfdje 
nad), tt>eldje Zone fte angeben* — 



3)u folljt Saniertem unb anbete gtngerfibungen 
fleißig fpielem @$ gibt aber »tele ?eute, bie meinen, 
bamit Stile* ju erretten , bie bis in tyr f>ol)e$ Sllter 
täglid) t>tele ©tunben mit mecfyanifdjem Ueben l)inbrin* 
gen* 2)a$ ifi ungefähr ebenfo, als bemühe man jid) 
töglid) ba$ 8193© möglidjji fdjnetl unb immer fdjneller 
auäjuforedjen. SQBenbe bie 3eit beffer an* — 

9Äan l)at fogenannte „fhnnme Sla&laturen" erfunben ; 
t>erfud>e fte eine 2Bei(e lang, um ju fel)en / baf fte )u 
nt#t$ taugen. 93on Stummen fann man ni$t fyred)eu 
lernen* — 



294 



Spiele im Safte ! Da* (Spiel mannet SBirtuofen 
ifl tt>ie ber ®ang eine« SJetrunfenen* Solty nimm Mt 
nidjt jum SRufler, — 



&rne frityjeitig bie ©runbgefefce ber Harmonie* — 

%&td)U bid) nidjt *>or ben SEBorten: Sljeorie, 
©eneraltajj, Sontrapunet je*; fie fommen bir 
freunblid) entgegen, wenn b« baffelbe tfyufh — 

St limpere nie! Spiele immer frifd) ju, unb nie 
ein ©tücf f)(db. — 



®$Upptn unb eilen finb gleid) große geiler. — 

33emül)e bid), leiste Stüde gut unb fd)ön ju fyielen; 
e$ ifl beffer , al$ fd)tt)ere mtttelmdjHg fcorjutragen* — 

2)u f)afi immer auf ein rein gefHmmte* 3nffrument 
ju Rattern — 

9?id)t allein mit ben Singern mujj t bu beine ©tu* 
d)en fönnen, bu mujjtfie bir aud) otyne ©lavier bor* 
trillern Wunen* ©djärfe beine ßtnbilbungSfraft fe, baf 
bu triebt allein bie SRelobie einer Sompofttion, fonbern 
au$ bie ba}u gehörige Harmonie im ®ebäd)tni# feföu* 
Ratten t>ermagfL — 



m 

SJcmfitye bid>, unb wenn bu aud) nur wenig Stimme 
fyafi, o$ne #filft be$ 3nffarnmettted t>om Statt ju fingen; 
bie Schärfe beine* ®et)Jr* wirb baburd) immer ju«e$* 
ntem #afi bu aber eine flangwlle Stimme, fo fdume 
leinen Slugenblitf fte auäjubilben, betraute fte al* ba$ 
fi^onfle @efd)enf, ba$ bir ber £immel t>erliel)en! — 



Du mußt e$ fo weit bringen/ bajj bu eineSWuftf 
auf bem Rapier t>erftetyft* — 



SBennbu finelft, fummere bid> nidjt barum, wer 
bir jutyört. — 



Spiele immer, al* ^örte bir ein Sföeifter ju* — 

8egt bir 3emanb eine (Sompofttton §um erftenmal 
t>or, bajj bu fte frielen foUft, fo Überlied fie erft — 



#aft bu bein muftfalifd)e$ Sagewerf getyan unb 
ffifylfl bi<§ ermubet, fo ftrenge bid) nid)t ju weiterer 
Arbeit an* SSeffer raften, al$ ofyne 8uft unb griffe 
arbeiten* — 



Spiele, wenn bu älter wirft, nicfyiS 9Jiobifd)e$* 
Die 3eit if* f oftbar* 9»an müfte l)unbert 2Jtenfd)enleben 
Ijaben, wenn man nur alle* ®ute, wa* ba ift, fennen 
lernen wollte* — 



SM 

3Rtt ©üfttflfeitett, 95o& unb 3udertt>erf jie^t man 
feine Äinber ju gefunden äRenfdjen* 2Bie bie leibliche, 
fo muf bie geifHge Äofi einfad) unb fräftig fein. 3)fe 
3Reijier tyabeu ^itttattgti^ für bie leitete gefotgt; galtet 
eud) an biefe* — - 

Silier ^ßaffagenfram finbert ftdj mit ber 3«t; nur, 
m bieftertigfeit böberen3we(fenbient, fyat fteSßertf)* — 



©d)led)te Sompofitionen muf t bu ntcfyt verbreiten, 
im ©egentfyeil jte mit aller $raft unterbrucfen Reifen* — 



Du follfi fd)led)te Sompojitionen Weber finelen, nod), 
wenn bn nidjt baju gejwungen biji, fte anhören* — 



Sud)' e$ nie in ber gertigfeit, ber fogenannten 
SSraboun ©ucfye mit einer (Sompofttion ben (Sinbrud 
fyerborjubrtngen, ben ber (Somponijt im ©inne tyatte; 
mefyr foll man nid)t; n>a$ barüber ifi, ifi 3*rcMft>* — 



93etrad)te e$ als etwas SlbfcfyeulicfyeS, in ©tflden 
guter Sonfefcer etwas ju änbern, wegjulaffen, ober gar 
neumobtfcfye Sktjterungen anzubringen* 2)ieS ifi bie 
größte ©djmad), bie bu ber Äunjt antfyujt — 



SEBegen ber Sßaljl im ©tubtum beiner ©tutfe befrage 
keltere; bu erfparft bir baburcfy *nel 3*ik — 



2>n mußt nad) nnb naä) all* bebentenberen SBerfe 
aller bebeutenber SWeifler fennen lernen* — 



Saßbid) bnrd) ben Seifall, ben fogenannte große 
SHrtoofen oft erringen, nid)t irre machen* 2)et Setfall 
ber Äfinfiler fei bir meljr mxtf), al$ ber be$ großen 
#anfen$* — 



?llle6 SWobif^e toirb lieber nnmobifc^, unb treffefk 
bu'$ bi$ in ba$ ?ltter, fo toirji bu ein @e<f, ben 9iie* 
manb ad)tet — 

Siel (Spielen in @efellfd)aften bringt meljr Stäben, 
at$ 9tufcen* ©telj bir bie ßeute an; aber finete nie 
eta>a$, beffeit bn bid) in beinern 3nnern jn fd)4men 
tyätteft — 



93erfänme aber feine ©elegenljett, wo bn mit 3ln* 
beren jufammen mnftciren fannft, in 3)uo'$, £rto'$ k. 
2)ie$ mad)t betn Spiet ftießenb, fdjwungwff. $lud) 
©fingern accompagmre oft* — 

Senn Sitte erfieSSioline ftnelen wollten, würben wir 
fein Drdjefter jnfammen befommen* ?ld)te ba^er jeben 
SWnfifer an feiner ©teile* — 

Siebe bein 3nflmtnent, ^atte e$ aber ntd)t in (Sttel* 
feit für ba$ l)öd)jle nnb einjige* Sebenfe, baß e$ nod) 



m 

anbete unb ebenfo f^one gibt» Setxnfe an$, ba# e$ 
Sänget gibt, baß im <S$or unb Dtdjejie? ba$ <&o$fte 
bet SWujtf jut $to$fi>tacfye fommt. — 

SBenn bu gtöfetttritß, t»erfc^re mefyt mit Partituren, 
ate mit äJittuofem — 



Spiele fleißig gugen gutet SWeifiet, &ot Sitten i>on 
@eb* 93ad)* 2)a$ „ttofyltempetttte ßla&iet* fei 
bein täglid) Stob* Dann witfi bu gewtfj ein tud)ttger 
3»uftfet. — 



©udje untet beinett Jtametaben bie auf, bie tneijt 
aW bu tt>ijfen. — 



93on beinen mujifalifdjen ©tobten erhole bid) fleif ig 
butd) 2>td)tetlectute* (Stgefye bidj oft im gteien ! — 



93on ©ängetn unb ©ängetmnen läßt ftd) SJiandjeS 
lernen, bod) glaube ifynen aud) nid)t Sltled» — 



«£>intet ben Setgen wohnen aud) Seute* Sei be* 
Reiben! 2)u tyaji nod) nid)W etfunben unb gebaut, 
tt>a3 nid)t Anbete i>ot bit fd)on gebaut unb etfunben* 
Unb fyättejlbu'S, fo betraute e$ als ein Oefdjenf &on 
JDben, n>a$ bu mit anbeten ju feilen fyafi. — 



£a* ©tubium ber ©tfötyte ber Tin fit, unterfiü&t 
aom lebendigen #$ren ber SReifierwerfe ber fcerftbiebe* 
nen (Sporen, wirb btd) am fdjneUßen t>on ßigenbunfel 
unb (Sitclfeit curiten- — 



©n fäöne* Sud) über 3Wuftf ift ba$ „Ueber 9tem* 
fyett ber Sonfunfi" fcon 3; fyi baut. Sied e$ oft, wenn 
bu älter wirft — 



Oeljft bu an einer Ätrd)e vorbei unb Ijorji Orgel 
barin fielen, fo gefye hinein unb työre ju* 2Btrb e$ bit 
gar fo wofyl, bid) felbfi auf bie Orgelbanf fefcen ju 
bürfen, fo fcerfudje beine Keinen Singer unb fiaune *or 
biefer Stilgewalt ber SKuftf. — 



SSerfäume feine ©elegenfyeit, bid> auf ber Orget ju 
üben; e$ gibt fein 3nflrument, ba$ am Unreinen unb 
Unfauberen im Sonfafc wie im Spiel alfogleid) 9tad)e 
ndfyme, als bie Orgel* — 

Singe fletfng im dfyor mit, namentlich SRitteljiim* 
mem 5)ie$ mad)t bid) muftfalifcfy. — 

3Ba6 Ijeiftbenn aber mufifalif^ fein? 2>u bift 
e$ nid)t, wenn bu, bie Sugen ängftltd) auf bie -Koten 
gerietet, bein @tüd müfjfam ju (Snbe fptelfi; bu bifl 
e$ ntdjt, wenn bu (e$ Wenbet bir 3emanb etwa jwei 



©eiten auf einmal um) fieden bleibfi unb nic$t fort^ 
fatmfi, 2)u bift e$ aber, wenn bu bei einem neuen 
©tädbad, »a$ fommt, ofyngefätyr afyneji, bei einem 
bir befannten au$tt>enbfg weift, — mit einem SBorte, 
tt>enn bu SKujtf ntd)t allein in ben Zingent, fonbern 
aud) im Äopf unb «&erjen Ijafi. — 



Sßiennrb man aber muftfaltfd)? Siebe« Jtmb, 
bie ^auptfadje, ein fd)arfe$ Dtyr, fdjnelle $luffaffung$* 
fraft, fommt, tt>te in alten fingen, »on Dben* aber 
*$ lÄßt ftd> bie Slnlage bilben unb erlern 2)u wirft 
e$, md)t baburd), baß bu bid) einjteblerifd) Sage lang 
abfyerrjl unb medwntfdje ©tubien treibft, fonbern ba* 
burd), baß bu bid} in lebenbigem, &ielfeitig*muftfalifd)em 
SJerfetyr erfydltfi, namentlich baburd}, baß bu Biel mit 
©>or unb Dtd)ejier Derfetyrjt — 



SDlacbe btd) über ben Umfang ber menfd)lid)en 
Stimme in iljren ttier #auptarten fru^eitig flar; be* 
laufte fte namentlid) im (S^or, forfdje nad), in welken 
3ntert>afifen ifyre fyödjjie Äraft liegt, in welken anbern 
fte fid) jum 2Beid)en unb ßaxUn üerwenben laffen. — 

£öre fleißig auf alle 93olf$lieber ; fte finb eine 
gunbgrube ber fd)önfien STOelobieen unb öffnen bir ben 
33ltd in ben ßfyarafter ber fcerfdjiebenen Stationen» — 



80t 



Hebe bi$ frülföeitig im Sefen ber alten ©d)lüffel, 
SSiele @d)Äfce ber a3ergongenl}ett bleiben bir fonfi Der* 



8W)te fdjon fruljaeittg auf $on unb Styarafter ber 
ttetfcfyiebenen 3njirumente; fudje il)re eigentümliche 
Klangfarbe beinern £)l)r etnjuprÄgen* — 



Oute Dpern ju l)oren, fcerfäume nie* 

(Styre ba$ Sitte tyodj, bringe aber audj bem Steuen 
ein toarmeä £erj entgegen* ©egen bir nnbefannte 
tarnen l)ege fein SJorurttyeil* — 



Urteile ntd)t nad) bem (§rftenmall)ören über eine 
ßompojition; w>a$ birimerften $lugenblitf gefällt, iji 
nicfyt immer ba$ 33efte. SJieifier wollen ftubirt fein* 
33iele$ »irb bir erji im l)öd)jien ?llter flar »erben* — 



Sei 33enrtl)eiluttg fcon (Sompojitionen unterfdjeibe, 
ob fte bem Jhmftfad) angehören, ober nur btlettantifdje 
Unterhaltung bewerfen* gür bie ber etjien 8lrt jiel)e ein ; 
tt>egen ber anberen erjürne bid) ni<^t ! — 

gelobte" iji ba$ gelbgef^rei ber Dilettanten, unb 
getotj* , eine SDluftf ol)ne SWelobie iji gar feine* ffierfielje 
abertootyl, toa^jlene barunter meinen; eine leictytfaj?* 



SM 

1%, rfyrtmtifcHtfäeige 8«* ihnen aBein bafftt. & 
gibt aber «u<h anbete anberen Schlage*, unb wo bu 
8a<h, 3Kojart, »eet^otten auffc^Iägfi, bilden fte bid) 
in taufenb berfd)tebenen SBetfen an: be$ bürfrigen 
©netleT* namentlich neuerer italiinifd)er £)pemme(o* 
bleen rofrfl bti hoffentlich balb übetbrujHg. — 



©uchfi bu bir am Sla&ier Heine SWelobteen jufam* 
men, fo ifi ba$ wohl hübfd); fommen fte bir aber ein* 
mal *>on felbfi, ni^t am (Slaoter, bann freue btd) nod) 
mehr, bann regt ftd) in bir ber innere Sonftmu — 3)ie 
ginger muffen machen, wa$ ber Äopf will, nid)t umge* 
fe^rt. — 



gängfi bu an ju componiren, fo mache 9llle$ im 
Äopf. (Srjl wenn bu ein <5tutf ganj fertig probtre 
e$ am Snftrumente. J?am bir beine STOufif au$ bem 
3nnern, entyfanbefi bu fte, fo wirb fte aud) fo auf 
Anbete wirfen* — 



SBerlieh bir ber #tmmet eine rege 5tyantafte, fo 
wirft bu in einfamen ©tunben woljl oft wie feflgebannt 
am glugel ftfcen, in £atmonieen bein 3nnere$ au$* 
fpred)en wollen, unb um fo geheimnisvoller wirft bu 
btd) wie in magifche Greife gejogen fühlen, je unflarer 
bir btellei<ht ba$ £annonieenrei<h nod) ifi* 2)et3ugenb 
glädlichfic ©tunben ftnb biefe* £üte bid» inbeffen, Weh 
gu oft einem Talente htajugeben, ba* Äraft unb 3dt 



803 

gleicfcfam an ®($attenbilber ju &erfd)tt>enben bidj »er* 
leitet 2)ie SSeljerrfdjung ber gönn, bie Äraft ffarer 
Oefialtung gewinn^ bu nur burd) ba$ fefle 3*id)en ber 
©djrift. ©treibe alfo mefyr, al* bu p&antaftrfl. — 



93erfd>affe bir friüjjeitig Äenntmfji *>om £>irigiren, 
fiel) bir gute Dirigenten oft an; felbfl im Stillen mit ju 
Mrigiren, fei bir un&erweljrt. Die* bringt Jtlarfyett 
in bid)- — 



Sief) btd) tüchtig im Seben um/ tote aud} in anbeten 
«finden unb Sßiffenföaftem — 



Die Oefefce ber STOoral jtnb audj bie ber Äunß. — 



Durd) ftletf unb $lu$bauer toirfi bu e$ immer fyöfyer 
bringen» — 



9lu$ einem 5ßfunb @ifen, ba$ wenig @rofd)en foflet, 
laffen jid) Diele taufenb Ufjrfebern mad)en, beren SEBertl} 
in bie £unberttaufenb gefyt* Da* Sßfunb, ba$ bu twn 
©Ott erhalten, nfifce e$ ireultd). — 

Dfyne <$ntljufta$mu$ wirb nid)t$ JRec^tc^ in ber 
Äunfi ju SBege gebraut. — 



2)ie äujtß ifi nidjt ba, um fReifyfyfimer §u ertoer* 
bcn, jBetbe nur cm immer größerer Äfinjiler; aUeS 
8fa*ere fABt biraon felbjl am — 

*• . -Rur erfi, wenn bir bic gorm ganj Mar ifi, wirb Mr 
berXSetji flar werben* — 



83ielleid)t fcerffeljt nur ber @emu$ ben ©eniu$ ganj,, — 

@$ meinte 3emanb, ein »ollfommener SWufifer muffe 
im ©tanbe fein, ein jum erfienmal gefyörteä, audj com* 
pltcirtere* Drdjefierwerf wie in leibhaftiger Partitur 
i>or jtd) ju fefyen. 3>a$ ifi ba* £öd)fie, tt>a$ gebaut 
werben famu — 

@$ ifi be* Sernend fein (Snbe- — 



$tu<f bon 9rtitfopf unfc gartet in Seidig.